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12. Mai 2010, 15:08 Uhr

Cameron, der Spar-Premier

Nach fünf Tagen Machtkampf ist David Cameron als neuer britischer Premier Premier in die Downing Street 10 eingezogen. Die schwere Zeit hat für ihn damit gerade erst begonnen. Er wird an schmerzhaften, radikalen Sparmaßnahmen nicht vorbeikommen. Und auch ein neuer politischer Gegner läuft sich schon mal warm. Von Cornelia Fuchs, London

 
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Medial wirksamer Schulterschluss: Englands neuer Premier David Cameron und sein Koalitionspartner Nick Clegg vor der Downing Street 10© Facundo Arrizabalaga/EPA

Für einen kurzen Moment legte der neue britische Premier seiner Frau Samantha ganz zärtlich die Hand auf den vorgewölbten Bauch, und sein Gesicht löste sich etwas. Er mag in diesem Moment daran gedacht haben, dass sein viertes Kind tatsächlich hier aufwachsen wird, in den Räumen über der schwarz-glänzenden Tür in der Downing Street.

Es war ein kleines Zeichen der Freude von dem Mann, der jetzt die Geschicke der Briten lenken wird - und der verantwortlich sein wird für das Abtragen eines Schuldenbergs griechischer Ausmaße. Cameron muss über ein ganz besonderes Sendungsbewusstsein verfügen, dass er angesichts dieser Umstände trotzdem der neue Premier Großbritanniens werden möchte. Der Gouverneur der Bank of England sagte in einer düsteren Prognose zu den tiefen Einschnitten, die notwendig werden noch in diesem Jahr: "Wer immer dies verantworten muss, wird danach zehn Jahre unwählbar sein."

Die erste wahrhafte Koalition seit 70 Jahren

Doch David Cameron wird nicht allein verantwortlich sein wird für die Regierungspolitik der großen Einschnitte - vielleicht hat ihm auch das ein kleines Lächeln entlockt auf den Stufen der Downing Street. Im selben Boot sitzen die Liberaldemokraten unter dem jugendlichen Vorsitzenden und inzwischen Vize-Premier Nick Clegg. Es ist die erste wahrhafte Koalitions-Regierung in Großbritannien seit 70 Jahren.

Fast könnte man diese Konstellation un-britisch nennen, auf jeden Fall untypisch für ein Land, das eigentlich gewohnt ist, dass beim Regierungswechsel wie bei einem guten Fußballspiel der Sieger sofort feststeht und der Verlierer gefälligst das Feld zu räumen hat. Doch nun teilen sich zwei Gewinner das Siegertreppchen, und einige Kommentatoren glauben, dass es nicht lange dauern wird, bis das Geschubse um die bessere Position anfangen wird.

Jung, klug und erfolgreich

Dabei ist wahrscheinlicher, dass David Cameron sich mit seinem politischen Partner Nick Clegg besser versteht als mit einem nicht unwesentlichen Teil seiner eigenen Partei und Parlaments-Fraktion. Nick Clegg steht Cameron in vielen Punkten näher als die rechten Haudegen der konservativen Partei.

Wie Cameron ist Nick Clegg ein Senkrechtstarter der Partei, beide kommen aus privilegierten Familien, haben Internate besucht und die Elite-Universitäten Oxford und Cambridge. Beide wurden direkt nach ihrem Uni-Abschluss von Parteigrößen wie John Major oder dem Liberaldemokraten Paddy Ashdown als außergewöhnliche Talente entdeckt und gefördert. Keiner von beiden musste je ernsthaft befürchten, dass ihr Aufstieg in der Partei gefährdet sei.

Reformen bedeuten Feinde

Was die beiden Parteivorsitzenden vor allem eint, ist ihr gemeinsamer Reformwillen: Beide mussten ihren Leuten beibringen, dass eine Partei, die den Wahlerfolg will, sich auf die Mitte zubewegen muss. Cameron arbeitete mit Ausflügen in die Arktis und Fotos auf dem Fahrrad darum, seine Konservativen vom rechten Rand nach links zu drücken, Clegg dämmte linke Politikideen bei den Liberaldemokraten ein. In den wesentlichen Punkten, das zeigten die Koalitionsverhandlungen, sind die Parteien von Clegg und Cameron nicht mehr weit voneinenader entfernt.

Mit den Reformen haben sich beide jungen Vorsitzenden Feinde gemacht in den eigenen Parteien. Vor allem David Cameron wurde in den vergangenen Tagen von den Rechten aus den eigenen Reihen angefahren, er habe der Partei die eindeutige Mehrheit gekostet mit einem wasch-weichen Wahlkampf rund um mehr Eigenverantwortung und dem Versprechen, den Rotstift auf keinen Fall beim staatlichen Gesundheitsdienst anzusetzen, den mit Abstand größten staatlichen Arbeitgeber.

Fünf Jahre politische Männerfreundschaft

Sollte Cameron diese Rechten weiter Ärger bereiten, steht Nick Clegg mit seinen Parlamentariern bereit, um im Zweifel für Cameron und seine Politik-Ideen abzustimmen. Ihren guten Willen demonstrierten die beiden Männer heute das erste Mal auf der berühmten Schwelle der Downing Street, wo sie für die Kameras posierten und Hände schüttelten.

Als sie dann im Haus verschwanden, klopften sich Cameron und Clegg auffallend häufig in der typischen Art einer Männerfreundschaft auf Schultern und Oberarme. Fünf Jahre lang, so haben sie sich im Koalitionsvertrag versprochen, werden sie zusammenarbeiten bis zur nächsten Wahl.

Dann werden sie es möglicherweise mit David Miliband zu tun bekommen. Der bisherige britische Außenminister hat jedenfalls seine Kandidatur für den Vorsitz der Labour-Partei bekannt gegeben. Er wolle mit "großer Bescheidenheit" und "großer Leidenschaft" für die Werte antreten, die ihn vor 27 Jahren zu der traditionsreichen Labour-Partei gebracht hätten, erklärte der 44-Jährige in London.

Es wird abzuwarten sein, ob diese Partnerschaft solange überlebt.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Nursery (13.05.2010, 16:57 Uhr)
Gewinne abschöpfen
Würden die Beide als erstes die astronomischen Gewinne der City abschöpfen wäre England zu retten! Doch auch hier wird die Lobby für Zoff sorgen.
Lazarus09 (13.05.2010, 15:51 Uhr)
Gaehhhhn Langweilig .... immer das selbe Strickmuster
David Cameron macht nun in UK den " Schroeder " oder " Yes we can " Obama.
Der " Sparer" wir nun die bittere Pille die der Buerger von Brown nie genommen haette der besseren akzeptanz wegen applizieren.
Der Leidtragende bleibt der Arbeitende Mensch ... den am Ende vom Tag wird auch er von unten nach oben verteilen ..waehrend die kleinen bluten gibt es oben Steuergeschenke um das scheue Reh Kapitalanleger und Invester nicht zu erschrecken..... langweilig.
Das Schmarn laeuft weltweit nach dem selben Schema ab..noch nicht begriffen ?
jomimo (13.05.2010, 01:03 Uhr)
Ja, Onzapintada
Blair hat ein Stück Papier entworfen, welches Schöder toll fand und übernommen hat - das Resultat kennen wir.

Ich dachte , dass GB mit diesem Mist fertig sei und warum soll jetzt die neue konservative Regierung erst recht mit sozialen Einschnitten tätig werden ???
Bereiten sie sich vor auf die nächste Knebelung ihres Volkes, sind sie noch schlimmer als die Regierung in D ?
Oder soll die nächste Regierung in GB beenden, was der Vorgänger nicht vermochte aus Scham ?
Das scheint doch insgesamt ein riesengroßer Schmutz zu sein mit dem Segen Brüssels.
Bürger der Eu und vor allem der Eurozone: werdet wach und protestiert !!
Onzapintada (12.05.2010, 23:53 Uhr)
Tolle Ergaenzung: Englische Conservatives und Schwarz-Gelb
Die englischen Conservatives passen ganz wunderbar zum neoliberalen Schwarz-Gelb hier.

Jetzt also noch mehr desselben:
- noch mehr Bankenrettung
- noch mehr Recht auf Betrug fuer Bankster
- noch mehr Ressourcenkriege
- noch mehr Steuersenkung fuer Reiche
- noch mehr Lohnsenkung fuer Arbeiter
- weitere Abgabenerhoehungen fuer die Mittelschicht und Transferleistungen nach oben
- noch mehr Sparen bei Bildung
- weiterer Verfall der Infrastruktur
- noch weniger soziale Sicherheit
- Militaereinsatz im Innern wie in D bald auch in GB moeglich?

=> Vereint jetzt noch schneller abwaerts.

England und Deutschland passen jetzt nicht nur ideologisch gut zusammen. Die Schwarzen Finanzloecher Englands bieten den hiesigen Eliten die Moeglichkeit, im dortigen Casino die deutschen Ueberschuesse zu entsorgen, kurz und schmerzlos (Ist nicht originell, zugegeben, wird bereits praktiziert).

Noch ein neoliberaler Chaot, nach der Kanzlerette, an der Spitze eines grossen EU-Landes ist vielleicht zu viel für Europa.

Helmers (12.05.2010, 22:24 Uhr)
Bisher hat England nichts getan gegen die Spekulanten!
Ein uns allen bekannter Börsenmakler sagte: ?Wir leben in einer Schicksalsgemeinschaft in der EU mit dem Euro, wir müssen uns gegen die Spekulanten wehren!? Was macht Frau Bundeskanzlerin, Frau Merkel? Was hat bisher Frau Merkel getan, außer Milliardenpakte verteilt zur sog. Absicherung, sie hat keine Sicherheit begründet, das hat bisher jeder mitbekommen einschließlich ihrer CSU-Partner, sie hat nicht die Finanzhaie der Finanzmafia angegriffen, sie ist wie immer, nicht tätig gewartet und wartet noch, man muss diese Frau zum ?jagen? tragen und damit entstand ein wahnsinniger Schaden für die EU. Wenn sie morgen nichts tun Frau Merkel, dann sind einfach sie einfach weg, sie sind nur noch böse Geschichte, im Gegensatz ihres Ziehvaters Kohl, der sie aus der DDR- Geschichte geholt hat. Unsere westdeutschen Gemeinden sind inzwischen pleite. Warum brauchen wir über 600 Abgeordnete im Bundestag und so viele Länder mit Parlamenten, ein wahnsinnsposten? Ich habe sie aufgefordert Herrn Westerwelle und Frau Justizministerin zu den Verursachern der Krise USA u. England zu senden, nichts ist passiert! Die Finanzhaie haben noch mehr Blut geleckt.
jomimo (12.05.2010, 21:46 Uhr)
Interessant
der Beitrag von 21:33 ist da, so echauffiert man verärgerte Leser.
jomimo (12.05.2010, 21:45 Uhr)
@admins
mein Beitrag wurde angenommen und ist wieder fort.
Passte er Ihnen dann doch nicht ?
Glauben Sie, die Leute hier haben nichts anderes zu tun als sich einen Wolf zu schreiben, damit Ihr Praktikant es aus Langeweile wieder löscht ?
Machen Sie Ihre Kommentarfunktion doch einfach ganz zu, dann haben Sie mehr Büroboten ! Lächerlich.
jomimo (12.05.2010, 21:33 Uhr)
Kann mir mal jemand sachlich erlären ....
warum alle neuen Regierungen in EU - von bestehenden ganz zu schweigen - um " schmerzhafte, notwendige, radikale blablabla" Einschnitte und Maßnahmen nicht umhin können??
Diese Einschnitte beziehen sich ja hier wie dort nur auf den Normalbürger !

Nicht mehr zu glauben, dass es in der Europäischen Politik noch mit legalen, gesetzeskonformen Dingen zugeht !!!
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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