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12. August 2008, 16:01 Uhr

Komasaufen auf Britisch

Die Briten sind für ihren maßlosen Alkoholkonsum bekannt - im Urlaub geht es besonders hoch her. Die Folge: Allein in Spanien wurden mehr als 2000 britische Urlauber verhaftet. Die Regierung in London erwägt drastische Maßnahmen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Von Cornelia Fuchs, London

Der Alkohol ist billig, die Sonne tut ihr übriges: Immer öfter betrinken sich Briten im Ausland ohne Rücksicht auf Verluste - sehr zum Unbehagen der Gastgeber© Charles Platiau/Reuters

Die zwei jungen Frauen hatten eine Wodka-Flasche in der Hand, viermal soviel Alkohol im Blut, wie fürs Autofahren erlaubt, und generell wohl ziemlich schlechte Laune, weil ihnen das Rauchen im Flugzeug verboten worden war.

Das wollten sie sich nicht gefallen lassen, riefen sie, und schimpften so laut und unflätig, dass sich eine Mutter beschwerte. Die bekam eine Ohrfeige, dann versuchte sich eine der beiden Betrunkenen eine Zigarette anzuzünden und die andere kämpfte sich zum Notausgang vor mit den Worten: "Ich brauche frische Luft." Da hatte der Kapitän des Fluges der Linie XL aus Griechenland nach Manchester schon die Notlandung in Frankfurt eingeleitet. Die Frauen wurden vom Kabinenpersonal auf den Boden gerangelt, gefesselt und von deutschen Polizisten abgeführt. Der Flug flog mit zwei Stunden Verspätung weiter, wie die Frauen nach Hause gekommen sind, nachdem sie aus dem Gewahrsam der deutschen Behörden entlassen wurden, ist nicht bekannt.

Öffentlicher Sex in einem muslimischen Land

In Dubai befindet sich seit Anfang Juni eine 36-jährige Frau in Haft, die nach einem achtstündigen Champagner-Brunch-Gelage beim Sex auf einem weißen Plastikstuhl am Strand erwischt worden war. Ein Polizist hatte Michelle Palmer und ihren Sex-Partner schon einmal darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit ihren öffentlichen gymnastischen Einlagen ein öffentliches Ärgernis darstelle und er sie festnehmen müsse, wenn sie damit nicht aufhöre. Frau Palmer hielt es, von Alkoholschwaden umnebelt, für besser, den Polizisten mit einem Schuh zu bewerfen und zu beschimpfen, als sich wieder anzuziehen.

Nun wartet sie in Haft auf einen Prozess, nicht nur, weil sie sich nackt beim Sex an einem Strand in einem muslimischen Land gezeigt hat, sondern auch, weil sie mit dem Mann, mit dem sie da intim wurde, nicht verheiratet war. Die Höchststrafe dafür beträgt sechs Jahre, wenn sie den britischen Touristen Vince Palmer, ihren Sexual-Partner, vorher heiratet, könnte sich die Strafe auf zwei Jahre reduzieren.

Immer wieder die Briten

Das Mitleid mit Frau Palmer hält sich in Großbritannien in sehr engen Grenzen, für die zwei Frauen aus dem Flugzeug wird auf Internetforen lebenslanges Flugverbot, ja, sogar der Einzug der Pässe gefordert. Die Briten schämen sich, zumindest ein bisschen, für das, was da ihre Mitbürer in der ganzen Welt tun - nämlich trinken.

2032 Briten wurden in Spanien in den Jahren 2006 und 2007 verhaftet, ein Anstieg von einem Drittel zu den Jahren davor. In Zypern, Griechenland und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Dubai sind es im Verhältnis zu den Touristen- und Auswandererzahlen mit 230 Verhaftungen sogar noch mehr. Nun sind dies nicht allein Zahlen von betrunkenen Übeltätern, sondern auch Verhaftungen zum Beispiel wegen Verkehrsdelikten oder fehlenden Ausweispapieren. Aber sogar das Außenministerium verkündet, dass viele Verhaftungen "von übermässigem Alkoholgenuss verursacht werden".

"Blow-Job-Happenings" am Strand

In Griechenland ist es in diesem Sommer so schlimm, dass der britische Botschafter Simon Gass auf die griechische Insel Zakynthos flog, um den schlechten Ruf seiner Landsleute begrenzen zu helfen. Zakynthos ist inzwischen so besorgt über die Trinkgelage der Briten, dass der Bürgermeister der Stadt Laganas eine Art Krisengipfel einberufen hat mit Polizei und dem britischen Botschaftspersonal.

Das Problem ist eine 300-Meter-lange Straße voller Freiluftbars. Hier trinken sich vor allem viele junge Briten jede Nacht ins Nirwana. Einwohner beklagen, dass junge Mädchen mitten auf der Straße ihre Unterhosen herunterlassen und in die Straße pinkeln, am Strand soll es regelmäßig Partys mit vielen nackten Jungs und Mädels geben, es gibt Berichte von "Blow-Job-Happenings", in denen Frauen oralen Sex im Wettbewerb miteinander anbieten.

Botschafter Simon Gass sagte der BBC, dass er die Schuld jedoch nicht allein bei den britischen Touristen suche: "Wenn sehr viele Bars in einem Ferienort sehr viel billigen Alkohol in sehr großen Mengen anbieten, dann sollte niemand überrascht sein, dass furchtbar viele Menschen sehr betrunken werden."

Letzter Ausweg Prohibition

Doch die Berichte aus den Urlaubsländern untermauern ein Problem, das auch in Großbritannien immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt: Vor allem junge Briten trinken äußerst exzessiv. So exzessiv, dass die Zahl der Notfall-Einsätze und die Zahl der Schlägereien in den Städten stetig wächst. Die Regierung diskutiert zurzeit, ob die Wiedereinführung einer rigiden Sperrstunde dem abhelfen könnte.

Doch dagegen protestieren die Kneipen, die das Problem vor allem in den Billig-Angeboten von Bier und Spirituosen der großen Supermarkt-Ketten sehen. Bisher hat weder eine große Gesundheits-Werbekampagne noch strengere Kontrollen bei der Abgabe von Alkohol an Minderjährigen das Problem des Komasaufens in den Griff bekommen. Erste Politiker fordern Verbote von Alkohol, nicht unähnlich der rigiden Rauchgesetze in England, Schottland und Irland. Das Ende der Urlaubszeit wird nicht nur den alkohol-gläubigen Touristen ein paar Kopfschmerzen bereiten.

Cornelia Fuchs

Cornelia Fuchs London ist der Nabel der Welt und Europa immer noch "der Kontinent". stern-Korrespondentin Cornelia Fuchs beschreibt in ihrer wöchentlichen stern.de-Kolumne das Leben zwischen Canary Wharf und Buckingham Palace, zwischen Downing Street und Notting Hill.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Benutzter_Name (15.08.2008, 15:01 Uhr)
Nur Vorurteile und Stereotypen
England hat sicher ein Problem mit Komasaufen und "anti-social behaviour" - lebe schließlich selber hier seit 4 Jahren und kenne das nur zu genüge von eigener Anschaung. Aber diese Kolumne ist wirklich überflüssig. Wenn man nur durch die deutsche Brille schaut und alle alten Stereotype bedient, anstatt sich auf das Gastland einzulassen, dann kann man es auch gleich sein lassen. Wenn es Frau Fuchs nicht in England gefällt, dann soll sie eben wieder nach Deutschland zurückkehren. Über die positiven, schönen, erfolgreichen Seiten dieses Landes lese ich jedenfalls nicht hier. Aber vielleicht ist das auch zu viel erwartet vom Stern?
faustjucken_de (14.08.2008, 13:47 Uhr)
es ist typisch britisch, in der Tat
Ich fahre seit ca. 20 Jahren nach Mallorca (nicht Malle) und habe dort als Kind mehrere Jahre gewohnt. Ich kenne also die schönen und auch die Schattenseiten der Insel.
Und schon seit Jahrzehnten weiß jeder auf der Insel, dass Briten nur zwei Sachen können, in Massen saufen und knallrote Sonnenbrände einkassieren.
Das wird dir jeder Hotelier, jeder Gastronom und jeder Einwohner auf der Insel sagen.
An die Säuferqualitäten der Briten reichen die Deutschen noch lange nicht ran - auch wenn sie kräftig aufholen wollen.
Ein Beispiel, in Magaluf, einer von Briten dominierten häßlichen Betonsiedlung am Meer gibt es einen Volksport der Briten: Besoffen vom Balkon stürzen, weil viele im Suff versuchen zum Nachbar rüberzuklettern.
Die Zeitungen der Insel machen sich jedes Jahr schon einen Spaß darauf, die "Absturzziffern" hämisch zu kommentieren. Und dabei handelt es sich ausnahmslos um Briten.
Also komme mir keiner mit dem Spruch, "die Deutschen seinen auch nicht besser". In diesem Falle schon.
Musste mal gesagt werden.
corneliafuchs (14.08.2008, 11:40 Uhr)
@Vincent_Vega
Sowohl Michelle Palmer als auch Vince Acors sind nach Meldungen in britischen Zeitungen am 25. Juli wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, Sex zwischen Unverheirateten und Alkoholkonsums angeklagt worden. Sie wurden bis zum nächsten Gerichtstermin im September gegen Kaution freigelassen, dürfen Dubai aber nicht verlassen.
Vincent_Vega (14.08.2008, 09:45 Uhr)
Wieso sitzt in Dubai nur die Frau aber nicht ihr Partner?
Oder war der Teil unvollständig? Wenn Frau Palmer schon eingebuchtet wird wegen GV ohne Trauschein mit dem Partner dann aber bitte schön auch der männliche Part.
@soises
bitte nicht mit dem Alten Testament kommen; an so einigen Stellen wird heimtückicher Mord und Genozid propagiert.
___________________
Zum Thema:
Junge Briten schlagen über die Stränge? Na, was wir früher (Azubis, Studis) etc.(in den 90ern) im holländischen CenterParc gemacht haben, war auch nicht von schlechten Eltern: saufen, kotzen, wieder weiter saufen, nackt durch den Park rennen, teilweise Lieder grölen, die hier strafrechtlich relvant wären...
Und heute sind alle gesittet, mit Familie und Eigenheim, fliehender Stirn... Da sind die alten Zeiten nur noch Gesprächsstoff wenn in geselliger Runde ein paar Bier genug sind.
Leseratte79 (14.08.2008, 09:24 Uhr)
Wohin
fahrt Ihr denn hier alle in den Urlaub??!! Orte wie Malle braucht man doch gar nicht anführen, da fährt doch niemand hin um Urlaub zumachen sondern um sich die Glocke vollzuhauen. Ich war auch schon einige Male im Ausland und kann nur bestätigen das sich die Engländer egal wo sie sind daneben benehmen. Zuletzt war ich in einem Hotel mit Deutschen, Russen, Polen, Engländern- Mit den Russen und Polen kam man wirklich super klar, da wurde höchstens mal laut gesungen oder Nachts ein verbotener Köpper in den Pool gemacht. Negativ aufgefallen sind die Engländer und das Hotel lag nicht auf einer "Partymeile".
ritchie (14.08.2008, 08:17 Uhr)
God knows....
why he put them on an Island!
etobicoke (14.08.2008, 07:34 Uhr)
Alle gleich...
Ich denke, daß es nicht unbedingt ein britisches Problem ist. Komasaufen ist auch hierzulande ein beliebter Volkssport, dazu muss man nicht in den Urlaub fliegen. Unterschied ist nur der, daß im Urlaub auf Malle die Unterschichten außer Rand und Band geraten, da man durch verbilligte Alkoholpreise, Happy Hours etc. mal so richtig die Sau rauslassen kann. Egal ob der arbeitslose Gelsenkirchener, der Fahrkartenkontrolleur aus Saarbrücken oder die Politesse aus Hamburg. Die Briten sind genauso, nur halt noch ein wenig krasser...
matze-in-london (14.08.2008, 02:32 Uhr)
tpisch british?
ich lebe seit mehr als 5 jahren in England und kann bestaetigen, dass Alkohol trinken zu einer art Volkssport mutiert ist.
Nur.... wer im Glashaus sitzt sollte nicht im hellen b***en.... eine Horde betrunkener Deutscher ist nicht minder asozial, Deutsche wie Englaender haben so viel gemeinsam wenn sie blau sind dass es keine Seite wahr haben moechte. Wir Deutschen sollten mal von unserem hohen Rosss herunterkommen und uns mal selbst beim Eimersaufen auf Malle betrachten, auch nicht viel besser..... zwischem dem 19 jaehrigen aus dortmund und dem 19 jaehrigen manchester gibt es keinen unterschied, wenn man mal die sprache aussen vorlaesst, hier kann nur derjenige verlieren, der auf grund des schlechteren gesundheitssytsems an den spaetfolgen fruehzeitig stirbt.
also immer schoen weiter saufen und dabei mit dem finger auf andere zeigen. die tatsache, dass "wir" besoffene deutsche sind, und uns genauso daneben benehmen ist unerheblich, weil die Bild uns ja immer erzaeht dass die tommies viiiieeeel schlimmer sind...... wer's glaubt ird seelig...
gute nacht
jockel_us (14.08.2008, 02:01 Uhr)
Alkoholiker-Reisen
Wer in der Glaskneipe sitzt, der werfe das erste Schwein...
So wie ich das sehe, haben GB und D dasselbe Grundproblem, das scheinen auch viele Eintraege hier zu bestaetigen: Alkoholismus wird immer noch nicht als Krankheit begriffen, sondern im im Alltag gelebt - und im Urlaub zelebriert.
Fiasc0 (14.08.2008, 01:33 Uhr)
seltsam
Ich dachte immer aus genau diesem Grund waeren die Engländer auf einer Insel?
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