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Queen, übernehmen Sie!

Das ehemalige Finanzwunderland Großbritannien wurde von der Krise schwer getroffen. Die letzte Hoffnung kommt aus dem Buckingham Palace: Queen Elizabeth soll die Wirtschaft krisensicher machen.

Von Cornelia Fuchs, London

Königin Elisabeth II leidet mit ihrem Volk. Ausladende Feiern im Buckingham Palace sind schon lange abgesagt, Ihre Majestät nimmt den Regionalzug, um die hohen Ausgaben für die königliche Bahn zu vermeiden, die eigens auf die Schienen gesetzt werden müsste. Die Königin will zeigen, dass auch sie weiß, was eine Rezession bedeutet. Und so sahen Passagiere in den vergangenen Wochen die königliche Dame mit schwarzer Handtasche und schwarzen Handschuhen den Bahnsteig im nordwestlich gelegenen King's Lynn entlang stapfen, ihren blumig betuchten Kopf gegen den Schneesturm gestemmt. Sie war auf der Rückfahrt von Schloss Sandringham nach Buckingham Palace.

Es war auch Königin Elizabeth, die im vergangenen Jahr diese eine Frage stellte, die wohl ganz England beantwortet wissen wollte: Warum hatte keiner die ganze Misere vorausgesehen? Die Queen fragte dies ausgerechnet während eines Besuches der London School of Economics, dem Tempel britischer Wirtschaftswissenschaften. Kenner sagen, es sei typisch für die oft recht unbedarft wirkende Elizabeth, ihrem Gegenüber mit unschuldig wirkenden Fragen die Sprache zu verschlagen.

Erst gerade enthüllte die Frau des Labour-Urgesteins John Prescott, wie die Queen den Anti-Monarchisten hinters Licht führte: Nachdem er vor einem Besuch der Königin den Journalisten großspurig verkündet hatte, dass er sich nicht verbeugen werde, wisperte Elizabeth Prescott beim Händeschütteln eine Frage zu. Prescott musste sich nach vorne beugen, um sie zu verstehen, die Kameras klickten und überall sah es aus, als habe die Ehrfurcht den damaligen stellvertretenden Premierminister übermannt.

Gewiefte Blaublüterin

Angesichts der Wirtschaftskrise scheint sich die Königin vorgenommen zu haben, diesmal die Wirtschaftsexperten vorzuführen. Die mussten ihr auch prompt eine Antwort schuldig bleiben, so schnell wusste ihr niemand zu erklären, was da schief gegangen war. Das wollten die Herren natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schickten innerhalb von wenigen Tagen einen dreiseitigen Brief an den Buckingham Palast. Darin hieß es, "ein Versagen der kollektiven Vorstellung vieler, sehr schlauer Menschen" hätte zu der Krise geführt.

Die Queen antwortete auf ihre Art: Was tun diese schlauen Menschen nun, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern? Die Experten reagierten wieder prompt und beriefen eine Konferenz mit 22 der bekanntesten britischen Wirtschaftswissenschaftler zusammen, darunter so eminente Gestalten wie Sir John Gieve, der bis zum Februar vergangenen Jahres bei der Bank of England für finanzielle Stabilität zuständig war.

Die Experten kamen überein, dass eine Art Tsunami-Alarm-Anlage installiert werden müsse. Und ausgerechnet die Queen soll die Alarm-Anlage am Laufen halten: Die Königin solle in ihrer Funktion als Oberhaupt des Staates von der Regierung jeden Monat einen Bericht über die Situation der Wirtschaft und der Finanzen verlangen. Und zwar mit allen positiven aber vor allem auch negativen Szenarien, die nur irgend möglich scheinen.

Königin in die Pflicht genommen

Schon jetzt muss jeder Premierminister jeden Monat seine Aufwartung bei der Queen machen und ihr in möglichst verständlichen Worten darlegen, was er getan hat und was er noch zu tun gedenkt mit dem Rest seiner Regierungszeit. Auf diese Weise hat Elizabeth II. die stolze Sammlung von elf Premiers kennen gelernt. Besonders mit Winston Churchill, ihrem ersten Premier, habe sie sich prima verstanden, heißt es. Mit Margaret Thatcher sollen die Gespräche eher eisig gewesen sein.

Nun schrieben die Wirtschaftsexperten, es gebe keine wirkliche Kultur der bohrenden Fragen in den Ministerien. "Doch wenn die Königin nach einer umfassenden Zukunftsprognose fragt, dann bekommt sie diese", sagt Tim Hesley, Professor an der London School of Economics. "Und weil diese Papiere für die Königin bestimmt sind, wird jeder sein Bestes geben."

Wenn sie den Empfehlungen der Experten folgt, wird die Queen sich bald jeden Monat Vorträge über das Auf und Ab auf dem Finanzmarkt und die makro-ökonomischen Besonderheiten der weltweiten Geldströme anhören. Ein bisschen wirkt diese Idee wie die Rache von Wissenschaftlern, die sich von der kleinen Dame mit der Handtasche gehörig haben vorführen lassen.

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