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13. Juni 2007, 21:05 Uhr

War der Präsident beschwipst?

War Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident, selbst ernannter Vorkämpfer gegen einen allgemeinen Sittenverfall und strikter Anti-Alkoholiker, auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm beschwipst? In Frankreich wird die Frage derzeit heftig diskutiert, wenn auch hinter vorgehaltener Hand.

Viel Gemunkel um Nicolas Sarkozys Auftritt auf dem G-8-Gipfel© Jacques Brinon/AP

Anlass ist ein Video von einer Pressekonferenz, die Sarkozy in Heiligendamm nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin gab. Außer Atem, mit Schluckauf und einer ans Bizarre grenzenden Mimik trat Sarkozy eine halbe Stunde später als angekündigt vor die Kameras. "Ich bitte Sie um Verzeihung für die Verspätung, sie ist dem langen Gespräch mit Herrn Putin geschuldet", sagte er. Dann wechselt sein Gesichtsausdruck mehrfach zwischen breitem Grinsen und angestrengter Konzentration, als habe er Schwierigkeiten, die Fragen zu verstehen. "Sein Zustand war ganz offensichtlich nicht normal, aber er trinkt doch nie", sagt einer seiner ständigen Medienbegleiter am Mittwoch erstaunt. Zahlreiche Fernsehsender übertrugen die Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag live. Auch wenn mehrere Journalisten den Auftritt merkwürdig fanden, wurde er erst über Umwege zum Thema.

Der belgische Sender RTBF strahlte den Beginn der Konferenz am Freitag mit dem einleitenden Kommentar aus, Sarkozy und Putin hätten "offenkundig nicht nur Wasser getrunken". Videos der Sendung tauchten dann bei YouTube und anderen Internet-Plattformen auf. In wenigen Tagen wurden sie von mehr als eine Million Mal angeklickt. Die Titel der Kurzfilme: "Sarkozy betrunken bei G-8" oder "Vodka Sarkoff". Die französische Presse scheut davor zurück, in die Gerüchte über den womöglich angeheiterten Zustand ihres mächtigen Staatsoberhauptes einzustimmen - aus vorauseilendem Gehorsam?

"Wir sind in Frankreich", lautet der vielsagende Kommentar eines hiesigen Kollegen. Als Innenminister ging Sarkozy nach Aussage von betroffenen Redakteuren mehrfach gegen unliebsame Berichterstattung vor. So soll er hinter dem Rausschmiss eines Chefredakteurs des Magazins "Paris Match" stehen, das über eine Affäre seiner Frau Cécilia berichtet hatte. Der Élysée-Palast lehnt eine Stellungnahme zu dem Video kategorisch ab. "Wir äußern uns aus Gewohnheit nicht zu schlechten Scherzen", sagte Sarkozy-Sprecher David Martinon der AP. Der belgische TV-Moderator Eric Boever sah sich zu einer Entschuldigung genötigt, die er der französischen Botschaft in Brüssel übermittelte.

"Frankreich hat endlich seinen Jelzin"

Einige Zeitungen in Paris haben sich inzwischen getraut, Links zu dem Video in ihren Onlineausgaben zu veröffentlichen; mit äußerst umständlichen Rechtfertigungen. Zunächst habe man von einer Erwähnung des Videos abgesehen, "das nach Ansicht des belgischen Fernsehens einen betrunkenen Sarkozy zeigt", heißt es bei "Liberation.fr". Nach aufmerksamer Analyse könne man sagen, dass Sarkozy "sich nicht wohlfühlte, aber nicht offensichtlich betrunken war". Die Onlineausgabe des Magazins "Nouvel Observateur" nimmt am Mittwoch die Entschuldigung des belgischen Moderators als Vorwand, auf das Video hinzuweisen.

Über die Frage, ob sich Saubermann Sarkozy im Dienste der Völkerverständigung tatsächlich mit Putin einen Vodka genehmigte, geraten sich Internet-Blogger heftig in die Haare. "Frankreich hat endlich auch seinen Jelzin" schreibt ein Online-Kommentator. "Er hätte in dem Zustand nie vor die Kameras treten dürfen." Ein anderer wirft den französischen Medien Selbstzensur vor. Wäre Ähnliches Sarkozys sozialistischer Kontrahentin Ségolène Royal passiert, "dann wäre sie demoliert worden".

Ein dritter beklagt eine hinterhältige Verunglimpfung Sarkozys, der nur an Magenproblemen gelitten habe und wegen seiner Migräne niemals einen Tropfen Alkohol anrühre. Ein Glas hätte vermutlich ausgereicht, so ist man sich unter Sarkozy-Kennern sicher, um den Asketen ein wenig zum Schwanken zu bringen. Verdächtige Bilder gibt es aber nicht. Und die Erschöpfung nach dem Gipfelmarathon kann ebenso gut für die fahrigen Gesten, die hängenden Schultern, das unangebracht wirkende Lächeln verantwortlich sein. Zumal sich Sarkozy im Laufe der Pressekonferenz fing und konzentriert alle Fragen beantwortete.

Von Tobias Schmidt/AP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Oetker333 (16.06.2007, 11:18 Uhr)
Aufregung angesagt
Ein Franzose trinkt halb gerne Alkohol. Das ist nichts schlimmes. Aber wenn er es leugnet, dann ist er ein Lügner. Es ist wirklich schlimm wie der Presse in Frankreich ein Maulkorb angelegt wird. Sarkozy könnte man mit Stoiber vergleichen!
FlyingDutchman (14.06.2007, 08:48 Uhr)
Ja, ja, nix mit Freiheit, ...
... die französische Medienselbstzensur ist begründet auf eine übergrossen Machtfülle des Präsidenten und auf einer von Eliteuniversitäten geprägten Kumpanei.
Glaubt jemand ernsthaft das in Frankreich die Medien den Präsidenten blossstellen oder sogar angreifen würden?
Uneheliche Kinder? Kommt nicht in die Presse!
Eine Geliebte eines Präsidenten? Wird totgeschwiegen!
Ehefrauen hoher Politiker die sich anderweitig umsehen? Wer wird denn darüber berichten!
hellfiresm (14.06.2007, 08:45 Uhr)
Hmmm
Ich möchte mal gerne wissen woher Sie ihre Informationen haben. Eigentlich ist Sarkozy im Land als Anti-Alkoholiker bekannt welcher strikt nichts trinkt.
Meine Güte, nur davon abzuleiten das er nichts kann bzw. ein Trottel ist, obwohl es für den Alkoholgenuss keinerlei Beweise gibt, ist doch ein wenig engstirnig.
Selbst wenn er ein Glas getrunken hat wäre es normal das er leicht angeschwipst ist, wenn er nie was trinkt.
Man weiß nichts über die Hintergründe, aber nein er wird gleich in eine Schublade gesteckt und fertig?!?
Naja mir kam er durch die Aktion, was auch immer passier ist, deutlich Menschlicher vor. Vom dem könnten sich unsere Politiker mal ne Scheibe abschneiden :)
WernerMeyer (14.06.2007, 04:44 Uhr)
Wissen doch alle!
Es ist schon lange in Frankreich bekannt,dass der neue Präsident
Alkoholiker ist.
Wahrscheinlich wird er wie sein
Alki Bruder Jelzin genauso sein
Land an die Hochfinanz verscherbeln.
Da kann man nur sagen Sante e Vive
la France
muhtesem1 (13.06.2007, 23:36 Uhr)
Ein Trottel eben!
Von solchen werden auch noch Länder regiert.Solche Trottel entscheiden auch noch über andere Länder.Wenn Fußballer solche Fehler machen würden,würde mann sie in der öffentlichkeit sehr verurteilen.
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