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20. Januar 2012, 12:35 Uhr

Sarkozy stoppt Frankreichs Einsatz am Hindukusch

Wieder sterben ausländische Soldaten durch Schüsse eines afghanischen Verbündeten. Diesmal hat es vier Franzosen getroffen. Präsident Nicolas Sarkozy reagiert sofort und stoppt alle Einsätze am Hindukusch. Angriffe verbündeter Soldaten auf die Isaf nehmen offenbar zu.

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Vermeintliche Verbündete: Immer häufiger greifen afghanische Soldaten ihre ausländischen Kameraden der Isaf-Schutztruppe an© Joel Saget/AFP

Bei einem erneuten Angriff eines afghanischen Soldaten auf ausländische Kameraden sind am Freitag in der ostafghanischen Provinz Kapisa vier Franzosen getötet worden. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy reagierte empört. "Die französische Armee ist nicht in Afghanistan, um sich von afghanischen Soldaten beschießen zu lassen", sagte er. Der Präsident stoppte bis auf weiteres alle französischen Militäreinsätze am Hindukusch. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, der mutmaßliche Todesschütze sei festgenommen worden. Er hatte zudem 17 Personen verletzt. Erst Ende vergangenen Monats hatte ein afghanischer Soldat zwei französische Kameraden erschossen.

Ein hochrangiger afghanischer Polizist, der anonym bleiben wollte, sagte am Freitag, der afghanische Soldat habe das Feuer auf eine Gruppe Franzosen eröffnet. Dabei seien vier Soldaten getötet und 16 verletzt worden. Zu dem Vorfall sei es auf einer gemeinsamen Basis afghanischer und ausländischer Truppen im Distrikt Tagab gekommen. Der Einsatz in Afghanistan hat bislang mehr als 80 französische Soldaten das Leben gekostet. Frankreich hat bereits mit dem Abzug begonnen und noch rund 3600 Soldaten am Hindukusch stationiert.

Tief sitzende Feindesligkeiten

Die "New York Times" zitierte am Freitag aus einem geheimen US-Militärbericht, wonach die Zahl tödlicher Angriffe einheimischer Soldaten auf ausländische Kameraden dramatisch zugenommen habe. Zwischen Mai 2007 und dem Ende des Berichtszeitraums vier Jahre später seien mindestens 58 westliche Soldaten bei 26 solcher Vorfälle getötet worden. Das seien sechs Prozent aller Soldaten, die in dieser Zeit in Afghanistan bei feindlichen Angriffe gestorben seien.

In dem Bericht heißt es nach Angaben der Zeitung weiter, solche Angriffe seien keine Einzelfälle. Anderslautende offizielle Darstellungen durch die Nato erschienen "unredlich". Die "New York Times" machte "tief sitzende Feindseligkeiten zwischen den angeblich verbündeten Kräften" als Motivation für die Übergriffe aus. Auch die Bundeswehr war davon bereits betroffen: Vor elf Monaten hatte ein afghanischer Soldat auf einem Außenposten in der nordafghanischen Provinz Baghlan drei deutsche Soldaten erschossen.

Isaf-Soldaten sterben bei Hubschrauberabsturz

Beim Absturz eines Hubschraubers in Südafghanistan wurden unterdessen sechs Isaf-Soldaten getötet. Die Schutztruppe teilte am Freitag mit, die Ursache des Absturzes am Vortag werde untersucht. Nach ersten Erkenntnissen habe es in der Gegend keine "feindlichen Aktivitäten" gegeben. Zur Nationalität der Toten machte die Isaf wie üblich keine Angaben.

dho/DPA/Reuters
 
 
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