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Denn sie wussten, was sie taten

Vor zehn Jahren begann der Völkermord in Ruanda. Roméo Dallaire wurde damals zum tragischen Helden. Als Kommandant der UN-Blauhelme flehte er vergebens um Hilfe, als 800 000 Menschen getötet wurden. Nur wenige konnte er retten.

Es ist dem General a. D. nicht anzusehen, wie krank ihn der Völkermord gemacht hat. Gerade hat er seine Morgendosis Tabletten geschluckt, eine Hand voll fast. Sehr aufrecht, fester Händedruck, blaue Augen, markanter Schnäuzer, so erscheint Roméo Dallaire im Salon des feinen Hôtel de l' Abbaye. Er sieht gut aus mit seinen 57 Jahren.

Kaum zu glauben, am Tag nach seinem 54. Geburtstag kauerte der Kanadier, Vater von drei Kindern, hilflos unter einer Parkbank in Ottawa - "in fötaler Position", wie der Notdienst notierte. Dallaire war vollgepumpt mit Tabletten. Neben ihm kullerte eine leere Flasche Scotch. Er hatte gesoffen, geheult und geschrien: "Tötet mich! Tötet mich endlich!" Es war nicht sein erster Selbstmordversuch.

Dallaire hat ein Buch geschrieben über Ruanda, "ein Schrei aus dem Herzen", sagt er. Es geht um seine Rolle als Kommandeur der Unamir-Friedensmission 1994, und wie sie zusammenhängt mit den zynischen Manövern internationaler Entscheidungsträger.

Es geht um den Massenmord an 800 000 Menschen, präzise geplant, ausgeführt binnen drei Monaten. Das Buch ist so etwas wie seine Katharsis.

Das Erlebte hat Roméo Dallaire krank gemacht

Das Erlebte hat Roméo Dallaire krank gemacht, nicht jedoch gebrochen. Seine Tablettenschachtel ist in Reichweite, wenn er auf Symposien in Genf oder London spricht. Neulich in Tansania lag sie neben seinem Buch und der Lesebrille im Zeugenstand des Kriegsverbrechertribunals, wo er gegen den Himmler dieses Völkermords aussagte, Oberst Théoneste Bagosora. Die orangefarbene Schachtel nimmt er mit auf die Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag des Genozids. Das wird seine erste Rückkehr in das Land, in dem so viele kleine Jungen Roméo heißen.

Posttraumatisches Stress-Syndrom - Roméo Dallaire erklärt das so: "Trotz Tabletten und Therapien passiert es noch manchmal, ganz plötzlich: Ich durchlebe die Traumata von 1994 wieder, hautnah, in Zeitlupe, mit digitaler Klarheit. Ich bin dann wieder in der Kampfzone. Ich rieche die Leichen. Ich höre die Schreie von Kindern. Sie werden ermordet, weil wir sie nicht retten. Augen starren mich an. Ich sehe nur noch schwarz und diese Augen. Müde, rot, traurig, panisch, unschuldig, Tausende irre Augenpaare. Was geschieht da mit uns? Warum lasst ihr uns allein?"

Das Hôtel de l' Abbaye befindet sich in St. Germain, "im Herzen von Paris, ausgerechnet", sagt er. Die Regierung im Elysée will Frankreichs Rolle bei dem abscheulichen Verbrechen "absolut nicht diskutieren". Und mit ihm schon gar nicht. "Ich tue, was ich kann, um den Genozid in Erinnerung zu erhalten. Die Ruander haben nicht das Geld und den Einfluss der jüdischen Gemeinschaft."

Durch ihn wurden zehntausende Leben gerettet

Roméo Dallaire war vor zehn Jahren wirklich überzeugt, an vorderster Front zu kämpfen für den Versuch der Vereinten Nationen, die Krise in Ruanda zu lösen. Durch ihn wurden Zehntausende Leben gerettet. Am Ende konnte er nur noch hilflos zusehen. "Er war der tragische Held", sagt die amerikanische Ruanda-Forscherin Alison Des Forges. Und als mit den Jahren Hintergründe bekannt wurden, erkannte er, dass "ich und meine UN-Soldaten nichts waren als Tarnung". Fassade für die Machenschaften von François Mitterrand und seiner Militärs, für die zynischen Manöver von Bill Clintons Diplomaten, für das doppelte Spiel der einstigen Kolonialmacht Belgien. Kaltgestellt durch den UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali und dessen Nachfolger, Kofi Annan.

Generalmajor Dallaire begriff den Posten, den die kanadische Armee ihm 1993 anbot, als Chance. Damals führte er eine Einheit bei Quebec, die Blauhelme nach Kambodscha und auf den Balkan schickte. Er sagte sofort zu - "Ruanda ist irgendwo in Afrika, oder?" Basiswissen las er sich bald an: kleines, überbevölkertes Land, ethnische Konflikte zwischen den 84 Prozent Hutu und den 15 Prozent Tutsi. Nach der Unabhängigkeit 1962 warfen Hutu die Tutsi brutal aus dem Land. Seit 20 Jahren regierte Generalmajor Habyarimana, Wahlergebnisse um die 99 Prozent. Die Regierung steckte in Friedensverhandlungen mit einer Rebellenbewegung, die mehrmals ins Land eingefallen war. Nahziel: gemischte Interimsregierung, UN-Soldaten sollten den Frieden überwachen, leicht bewaffnet, unparteiisch. Eine Blauhelm-Mission, wie sie im Buche steht.

Am Abend des 6. April 1994, gegen 20.20 Uhr, funkte einer von Dallaires Militärbeobachtern am Flughafen Kigali eine beunruhigende Nachricht ins Hauptquartier der UN-Truppen: "Explosion am Flughafen Kigali". Sofort riefen besorgte Politiker beim Stab von Generalmajor Dallaire an. Wenig später war klar: Im Garten des Präsidenten-Palasts lag das Wrack eines Flugzeugs, abgeschossen mit zwei Raketen. Der Präsident war tot. Alarmstufe rot. Das Land stand vor der Explosion.

Die Stadt war furchtbar leise und leer, als sich Dallaire zum Hauptquartier der ruandischen Armee fahren ließ. Im Kommandozentrum tagte ein Krisenkomitee mit den wichtigsten Hutu-Militärs der Regierung. Als der UN-Kommandeur den Saal betrat, saß Oberst Théoneste Bagosora in der Mitte des hufeisenförmigen Konferenztisches. Er hatte den Vorsitz an sich gerissen. Bagosora, ausgebildet an der "École de Guerre" in Paris, gehörte zum "Netzwerk Null", einem Geheimbund um den Clan der Präsidentengattin. Er plante das endgültige Auslöschen der Tutsi in Ruanda. Bagosora hieß Dallaire willkommen. Dallaire schlug vor, die Premierministerin zu kontaktieren, eine Tutsi. Sie war die legitime Nachfolgerin des toten Präsidenten. Bagosora stand auf, und sagte, die Hände auf den Tisch gestützt: "Die Premierministerin hat keine Autorität."

Im Quartier der Blauhelme flehten Anrufer um Schutz

In den frühen Morgenstunden des 7. April begann der Völkermord. Im Quartier der Blauhelme flehten Anrufer um Schutz. Flüsterten, schrien. "Es war surreal", sagt Dallaire, "mit Bekannten zu sprechen, ihre Bitte um Hilfe anzuhören, ihnen zu sagen, unsere Männer seien auf dem Weg - und dann diese Schreie und Schüsse, die Stille einer toten Telefonleitung. Du legst geschockt auf, und dann klingelt das Telefon erneut." Seine Patrouillen kamen nicht an den Straßensperren vorbei. Und schießen durften Blauhelme nur, wenn sie selbst unter Feuer gerieten.

Roméo Dallaire hatte zu diesem Zeitpunkt 2538 Soldaten in Ruanda, 5500 hatte er gewollt. Doch die Mitgliedsstaaten der UN hatten ihm nicht mehr bewilligt. Nur einer dieser Soldaten sprach Englisch als Muttersprache. Die anderen kamen aus Tunesien, dem Senegal, Uruguay, 800 aus Ghana, 1100 aus Bangladesh. Der Funkverkehr war chaotisch. Das beste Kontingent stellten die Belgier: 450 Fallschirmjäger, die zuvor in Somalia gewesen waren. Die Rabauken unter ihnen prahlten in Bars damit, sie hätten "über 200 Somalis gekillt" und wüssten, "wie man in Negerärsche tritt".

An diesem Morgen herrschte Chaos. Dallaires Hauptquartier wurde mit Granaten beschossen. Den Flughafen umzingelte die Präsidentengarde. "Kigali befindet sich im Kriegszustand", kabelte Dallaire seinen Vorgesetzten in New York.

Die Premierministerin wird von der Präsidentengarde ermordet

Zehn belgische Blauhelme waren als Schutztrupp zum Haus der Premierministerin befohlen worden. Um 8.49 Uhr meldete einer der Soldaten per Funk, sie befänden sich in einer "höchst angespannten Lage" mit der Präsidentengarde. Kurz darauf erschossen diese die Premierministerin. Dann entwaffneten sie die Belgier und brachten sie ins Camp Kigali. Bei der Ankunft wurden die Blauhelmsoldaten mit Eisenkolben geschlagen und mit Steinen beworfen. Dallaire redete mit Oberst Bagosora, um seine Männer zu retten. Doch der höhnte nur: "Wäre vielleicht am besten, wenn die Belgier rausgehen aus Ruanda."

Am Abend wurde Dallaire zum Krankenhaus neben dem Camp geführt. Seine Männer lagen vor der Leichenhalle, alle auf einem Stapel. Die Strategie der Völkermörder ging auf: Belgien beorderte sein Kontingent nach Hause. "Das war der Wendepunkt meiner Mission."

Auf die Tunesier und Ghanaer konnte er bauen; die Bangladeshi flüchteten, als die Killer vor den Häusern gemäßigter Politiker auftauchten, die zu schützen die Vereinten Nationen versprochen hatten. Im Hôtel Des Milles Collines suchten 400 Tutsi Schutz vor einer wütenden Meute, die von tunesischen Blauhelmen mutig in Schach gehalten wurde. Die Bangladeshi weigerten sich, zur Verstärkung auszurücken.

Ganze Familien wurden direkt zum Friedhof gekarrt und dort umgebracht

Das Morden ging weiter. Aus Gisenyi berichteten Dallaires Militärbeobachter von Festtagsstimmung, als organisierte Milizen Männer, Frauen, Kinder mit Macheten durch die Straßen jagten. Ganze Familien wurden direkt zum Friedhof gekarrt und dort umgebracht. In Kigali sah Kommandeur Dallaire neben einem Wagen des Roten Kreuzes drei Leichen, eine hatte keinen Kopf. Daneben saßen fünf Jugendliche mit blutroten Macheten und rauchten Zigaretten.

Abends telefonierte Dallaire mit Kofi Annan, seinem Chef. Er forderte dringend zwei Bataillone und logistische Unterstützung. Annan leitete die "Abteilung für Friedenserhaltende Operationen" im UN-Hauptquartier in New York. Vorrangiges Ziel sei die Evakuierung von Zivilpersonal, sagte er. Bald evakuierten amerikanische Soldaten Ausländer mit Autokonvois. Belgier, Italiener und Franzosen wurden ausgeflogen. Französische Soldaten holten ihre Landsleute aus der von Milizen belagerten Dom-Bosco-Schule. 2000 Ruander blieben verzweifelt zurück. Sie wurden ermordet.

"Der 12. April war der Tag, an dem die Welt die Ruander mit ihrem Schicksal allein ließ", sagt Roméo Dallaire. "Die Evakuierung war für die Völkermörder das Signal zur Apokalypse."

Dallaire war überzeugt, dass ein Einsatz all der Soldaten, die an der Evakuierung teilnahmen, den Genozid hätte stoppen können. Die Franzosen, Waffenlieferanten und Militärberater des Hutu-Regimes, hatten andere Pläne. Aus ihrer Botschaft fuhren sie die VIPs des Völkermords zum Flughafen. Die Witwe des einstiges Diktators, Agatha Kanziga, und mehrere ihrer Familienmitglieder saßen elegant gekleidet im ersten Evakuierungsflugzeug. In Paris erhielt sie auf Anordnung aus dem Elysée-Palast ein Appartement, 200 000 Franc und einen wunderschönen Blumenstrauß.

"Ich wollte schreien, kotzen, schlagen"

Währenddessen sah Roméo Dallaire in Kigali Häftlinge in lila Gefängnishemden beim Leicheneinsammeln. Sie warfen die verstümmelten Körper auf die Ladeflächen von Lkw. Aus Ambulanzen wurden Verwundete gezerrt und auf der Stelle ermordet. Jeder Raum, jeder Flur im King Faizal Hospital war mit verletzten, sterbenden Ruandern belegt. Im OP roch es nach Blut und nach Tod. "Ich wollte schreien, kotzen, schlagen, einfach nur raus aus meinem Körper", erinnert sich Dallaire. Er fühlte sich hilflos und frustriert "über meine Unfähigkeit, diesen Horror in die Köpfe meiner Chefs in New York zu bringen".

Meldungen aus Gisenyi erreichten ihn: 200 Kinder in einer Kirche ermordet, nach den Gebeten. Zehnjährige töteten andere Kinder. Mütter mit Babys auf dem Rücken töteten Mütter mit Babys auf dem Rücken. Sie warfen die Säuglinge in die Luft und ließen sie auf den Boden fallen. "Als ich das hörte, zuckte kein Muskel mehr, ich war schon nicht mehr schockiert", sagt Roméo Dallaire, "ich fiel in eine Art Trance."

Ab dem 24. April benutzte General Dallaire in seinen Berichten nach New York nicht mehr Begriffe wie "Massaker" oder "ethnische Massenmorde", sondern das Wort "Völkermord". Er hatte in Annans Büro angefragt, wann Mord zum Völkermord wird und damit versucht, die Weltgemeinschaft zum Handeln zu verpflichten. Vergebens.

Die Rebellenarmee marschiert auf Kigali zu

Ende April wurden 40000 Leichen aus dem Victoriasee gefischt, die meisten Tutsi. Hunderttausende Hutu flüchteten zur selben Zeit nach Tansania, weil eine Rebellenarmee, angeführt von Paul Kagame, den Marsch auf die Hauptstadt Kigali begonnen hatte, um der Hutu-Führung die Macht zu entreißen und das Morden zu beenden. Diese Flüchtlinge wurden in Camps untergebracht, organisiert nach Dorf, Kommune, Präfektur, mit denselben Führern, die sie in Ruanda zum Morden angetrieben hatten. Der Präfekt von Kibungo, Remy Gatete, drohte jeden zu töten, der mit Journalisten oder Menschenrechtlern redete.

Am 28. April traf Roméo Dallaire Oberst Bagosora in Kigali wieder. Prudence Bushnell, Afrika-Expertin im US-Außenministerium, hatte den Architekten des Völkermords aufgefordert, die Massaker zu stoppen. Der Oberst war empört, dass die Amerikaner es wagten sich einzumischen. "Die USA wussten also genau, was los war." Aber sie taten nichts.

Die kleinen Rettungsmissionen der Blauhelme gingen weiter. Eine Familie hier, drei Nonnen dort. Brent Beardsley, Dallaires Assistent, fischte jeden Morgen ein paar Zettel aus dem Stapel von Hilfsbitten aus Hauptstädten, Botschaften oder dem UN-Hauptsitz. Dallaire hasste es, wenn ihn sogar Staatschefs direkt anriefen und aufforderten, jemanden zu retten. "Warum sollte ein VIP wichtiger sein als ein anderer Mensch? Wir waren gezwungen zu entscheiden, wer weiterleben würde und wer sterben."

"Händeschütteln mit dem Teufel"

Anfang Mai begegnete der Kanadier drei Anführern der Killermilizen. Oberst Bagosora hatte das Treffen im Hôtel des Diplomates arrangiert. Auf dem Weg dahin passierte Dallaire Straßensperren mit Betrunkenen und Kindern. Bevor er Bagosora und die beiden anderen traf, entfernte er vorsichtshalber die Kugeln aus dem Magazin seiner Pistole.

Am Treffen nahm auch Robert Kajuga teil, der Präsident der Interahamwe-Milizen. Er trug ein weißes Hemd. Am Kragen sah Dallaire getrocknetes Blut. Kajuga sprach vom Respekt für die Soldaten der UN und bot "Begleiter" für sie an. Der dritte Mann sagte, sie hätten ihre Leute "sensibilisiert", die Massaker einzustellen. Er gab es also tatsächlich zu, dass sie Menschen zu Tausenden töteten! Dallaire dankte für die Kooperation. Dann gaben die Männer sich die Hand. Nach jener Szene hat Dallaire sein Buch benannt: "Händeschütteln mit dem Teufel".

Oberst Bagosora traf General Dallaire ein letztes Mal im Hôtel des Diplomates. Er kam aus seinem Büro die Treppe hinuntergestürmt, schrie und tobte. Dallaire habe Transporte von Kindern aus zwei Hotels verhindert! Der General hatte bei einer PR-Aktion Bagosoras nicht mitgespielt. Der lehnte sich nun über das Treppengeländer, zückte eine Pistole und sah Dallaire in die Augen: "Wenn ich Sie wiedersehe, werde ich Sie töten." Dann rannte er die Treppe hoch, lauthals fluchend.

Auch der General fuhr jetzt häufiger aus der Haut. Das Hauptquartier nahm ihm die Luft. Allein fuhr er los, ohne sich abzumelden, durch die leeren Dörfer. In jeder Kirche, Schule, auf jeder Straße lagen Leichen, Leichen, Leichen. "Ich hoffte, auf eine Mine zu fahren oder in einen Hinterhalt zu geraten, damit das alles ein Ende hatte. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, Ruanda lebend zu verlassen, nachdem so viele gestorben waren."

Seine Soldaten starrten ihn an

Zurück in Kigali, ließ der Kanadier eine Ziegenfamilie kaufen, "um Leben in meine Tage zu bringen". Er fütterte sie, sah ihnen zu. Als er hörte, dass Wildhunde seine Tiere bedrohten, griff er zur Pistole, rannte raus und feuerte das Magazin leer. Die Hunde entkamen. Als Roméo Dallaire in die Kaserne zurückkehrte, merkte er, dass ihn seine Soldaten anstarrten.

Am 20. August 1994, nach fast einem Jahr, verließ Dallaire Afrika. Hôtel de l' Abbaye, Paris, St. Germain. General a.D. Roméo Dallaire erzählt, wie es ist, einen Menschen wiederzutreffen, der einen Genozid organisiert hat. Er hat von dieser Begegnung zuvor geträumt, oft. "Ich träumte, ihn anzuspringen, zu verprügeln, zu erschießen."

Und dann sah er ihn vor ein paar Wochen im Gerichtssaal des UN-Gerichtshofs für Ruanda. Dallaire beendete nach sieben Tagen seine Zeugenaussage gegen den Angeklagten Théoneste Bagosora. Die Richter erhoben sich, die Anwälte plauschten, Dallaire drehte sich um. Bagosora saß zehn Meter entfernt und wartete, bis die Sicherheitsbeamten ihn abführten.

"Ich bin gegen die Todesstrafe"

"Und ich starrte ihn an. Er wich meinem Blick aus. Ich starrte ihn die ganze Zeit an. Ich fiel in eine Art Trance. Ich sah Leute, denen ich Soldaten zum Schutz schicken konnte. Leute, bei denen ich entscheiden musste, dies nicht zu tun. Er war so kalt. Ich bin gegen die Todesstrafe. Dieser Mensch soll lebenslänglich kriegen und im Gefängnishof begraben werden."

Uli Rauss/print

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