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3. Dezember 2007, 09:42 Uhr

Chávez gratuliert seinen Gegnern

Der erfolgsverwöhnte Volkstribun beugt sich dem Willen seines Volkes, der nicht seiner ist: Nach Jahren hat Venezuelas Staatschef Hugo Chávez wieder eine Niederlage einstecken müssen, eine Verfassungsänderung wurde abgelehnt. Nun feiert die Opposition. Von unserem Korrespondenten in Caracas

Chavéz rief nach der Niederlage seine Anhänger auf, nicht "traurig zu sein"© Francesco Spotorno/Reuters

Fast scheint es, als hätte für die Bewohner von Caracas schon heute Neujahr begonnen. Am Himmel explodieren Feuerwerke. In den Vierteln der Mittel- und Oberschicht, in Las Mercedes und Altamira, strömen die Menschen mitten in der Nacht auf die Straße. Sie feiern einen Sieg, den sie erhofft, viele von ihnen wohl aber nicht erwartet hatten. Wenige Minuten zuvor hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine Niederlage bei einem Verfassungsreferendum eingestanden, mit dem er seine Machtposition ausbauen wollte.

Nur mit hauchdünnem Abstand musste sich der polarisierende Staatschef bei der Volksabstimmung geschlagen geben. Nach Angaben der Wahlkommission stimmten 50,70 Prozent der Wähler gegen die auf dem Wahlzettel als Block A zusammengefassten wichtigsten Neuregelungen der Verfassungsreform. 49,29 Prozent votierten dafür. Beim zweiten Block mit den weniger wichtigen Verfassungsartikeln fiel der Vorsprung für die Opposition etwas deutlicher aus.

In einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz akzeptierte Präsident Chávez anschließend seine Niederlage, obwohl die Stimmen der Auslands-Venezolaner noch fehlten. Das von der Wahlkommission veröffentlichte Resultat weise eine unverrückbare "Tendenz zu Gunsten des Nein" gegen die Reform auf, gestand er ein. Chávez gratulierte seinen Gegnern zu ihrem Erfolg. Seine Anhänger rief er auf, nicht "traurig zu sein": Sein Reformvorschlag bleibe "lebendig, er ist nicht tot."

Vertreter der Opposition riefen das gespaltene venezolanische Volk zur Versöhnung auf. Die Demokratie habe gegen einen "autoritären Sozialismus" gesiegt, "viele haben gesagt, dass wir es nicht schaffen können, wir hatten Vertrauen in die Venezolaner und es hat geklappt", sagte ein führender Vertreter der Oppositionspartei "Un Nuevo Tiempo", Leopoldo López. "Das Volk hat seine einzige Waffe eingesetzt, die es hat, nämlich seine Stimme", kommentierte Ex-Verteidigungsminister Raul Baduel, mittlerweile ein politischer Gegner von Chávez.

Wahl verlief ruhig

Die Wahl selbst verlief weitgehend ruhig. Etliche der über 11.000 Wahlzentren blieben wegen langer Schlangen mehrere Stunden länger als geplant geöffnet. 44,11 Prozent der mehr als 16 Millionen Wahlberechtigten waren nach Angaben der Wahlkommission allerdings gleich zu Hause geblieben.

Für den venezolanischen Präsidenten ist es die erste Wahlniederlage seit neun Jahren. Mit der neuen Verfassung wollte Chávez den Umbau des südamerikanischen Landes hin zu einem Sozialismus bolivarischer Prägung beschleunigen. Bei einem Erfolg des Referendums hätte er in Zukunft beliebig oft wieder für das Präsidentschaftsamt antreten können.

Von unserem Korrespondenten in Caracas
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Schwarzenegger (03.12.2007, 12:43 Uhr)
Der Stern versteckt die News
Hätte Chavez gewonnen, der Stern hätte diesen "undemokratischen Totalitarismus" auf Seite 1 begeifert. Nun da Chavez offenbar doch ein Demokrat ist, ist die Hetze nicht mehr ganz so einfach, nicht wahr?
Pamela_1971 (03.12.2007, 12:32 Uhr)
So what?
Also, was soll denn das ganze Theater? In Deutschland z.B. gab es noch nie eine Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. In Deutschland gibt es überhaupt keine Volksabstimmungen über Gesetzesänderungen! Die werden einfach von den Herrschenden beschlossen, und nicht (wie in Venezuela) erst mal das Volk dazu befragt. Und ein/e deutsche/r RegierungschefIn kann, wenn es ihr/ihm gefällt, sich bis zu seinem Lebensende immer wieder wählen lassen. Siehe Kohl ....... der wäre heute noch Kanzler, wenn er nicht irgendwann mal abgewählt worden wäre.
flashback02 (03.12.2007, 12:16 Uhr)
Demokratie vs. Demokratie
Wie Demokratie ausgelegt wird, ist bekanntlich rund um den Globus sehr vielfältig.
Was in Venezuela abgelehnt wurde, ist in Deutschland gültiges Recht, hier darf nämlich eine Person so oft Bundeskanzler werden, wie er/sie vom Volk gewählt wird (siehe H.Kohl).
Warum also die Aufregung? "Viel Lärm um nichts" würde ich mal sagen...
Oluja (03.12.2007, 12:02 Uhr)
Mal sehen ob jetz
die Spreingermedien u.v.a weiter so hetzen gegen Chavez den angeblichen totalitären Diktator, der im Gegensatz zu vielen anderen, wirklich freie und demokratische Wahlen zulässt, selbst wie geschehen, auf die Gefahr hin selbst zu verlieren.
oscarherz (03.12.2007, 11:54 Uhr)
wahre Demokratie
Nun können alle Heulsusen sich zurückziehen. Es gibt sie noch die demokratische Wahl. Nicht in Rußland oder den USA, nicht in Deutschland oder der Türkei und nicht in den arabischen Ländern oder Israel, nein in Venezuela, wo ein von den scheinbaren Demokraten beschimpfter Präsident auch eine hauchdünne Niederlage akzeptiert. Ohne Wenn und Aber.
ganzbaf (03.12.2007, 11:43 Uhr)
Die dämliche Wiederwahlklausel hätte er weglassen sollen...
Wahlmöglicheit ab 16 Jahre, 6 Stunden Arbeitstag, mehr direkte Mitbestimmung für die Bürger waren eine sehr gute Sache!
Erklaerbaer (03.12.2007, 11:30 Uhr)
Wolf im Schafspelz
Genau, der tut nur so demokratisch. So wie Putin ein Demokrat ist und nur den Autokraten mimt.
Chavez dagegen hat der armen, ungebildeten Bevölkerungs-Schicht nur zur Tarnung die Verfassung in die Hände gedrückt und ihnen ihre Rechte nahegelegt.
Aber wie scully schon sagt: Irgendwann wird er irgendwo irgendwie irgendwas ganz Böses machen. Also passt bloss auf!
scully78 (03.12.2007, 11:20 Uhr)
zwei Seiten
hat jeder Mensch.Schauen wir nach Pakistan, da hat man Herrn M. auch anders eingestuft als er wirklich ist. und Zitat:sein Eingeständnis einer Niederlage offenbart jedoch Einsichtsvermögen.
So diktatorisch ist der Mann wohl nicht, wie von gewissen gegnerischen Kreisen dargestellt. sagt noch garnichts
man kann sich auch blenden lassen.Jetzt tut er so als Demokrat und es wird aber nicht lange dauern , dann versucht er es mit anderen fiesen Tricks.
Und bevor jetzt wieder ein Aufschrei kommt:Ich lasse mich bestimmt nicht von der USA in Meinung beeinflussen.Ganz im Gegenteil.
NeuerMensch (03.12.2007, 10:50 Uhr)
Demokratie
Mit der Möglichkeit eines solchen Referendums und anderer Voksabstimmungen ist Venezuela wohl ungleich demokratischer als Deutschland. Mal davon abgesehen, daß es in Deutschland keine Begrenzung der Amtszeit eines Kanzlers gibt.
Daisan (03.12.2007, 10:40 Uhr)
Man kann ja zu Chavez stehen wie man will
sein Eingeständnis einer Niederlage offenbart jedoch Einsichtsvermögen.
So diktatorisch ist der Mann wohl nicht, wie von gewissen gegnerischen Kreisen dargestellt.
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