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13. November 2009, 17:20 Uhr

Auf der Harley durch Soweto

Coole Harleys, mächtige Hummers, schicke BMWs. Im südafrikanischen Soweto protzen die neuen Reichen des Landes mit ihren Spielzeugen. Ihren Aufstieg hat diese Elite vor allem einem gigantischen Umverteilungsprogramm zu verdanken, das auch die Korruption blühen lässt. Von Marc Goergen, Johannesburg

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Afrika Tau und seine Harley: "Ich zeige gerne, was möglich ist"© Per-Anders Pettersson

Es ist noch nicht so lange her, er war im Juni 1976, als in Soweto die Barrikaden brannten. Die schwarze Jugend Südafrikas demonstrierte gegen die Schulpolitik des Regimes - nach dessen Willen sollte im Unterricht fortan Afrikaans dominieren, die Sprache der weißen, herrschenden Minderheit. Panzerwagen, Polizeitransporter und Wasserwerfer patrouillierten in den Straßen. Hunderte starben und Soweto, das South-West-Township bei Johannesburg, wurde plötzlich zu einem Begriff auf der politischen Landkarte.

Heute fahren wieder schwere Maschinen durch Soweto. Doch jetzt sitzen die Bewohner selbst hinterm Lenker. Und es sind auch keine Polizeipanzer - sondern Harley Davidsons.

Kaum eine Stadt Südafrikas hat sich seit Ende der Apartheid so gewandelt wie Soweto. Früher ein Elendsquartier von Hütten und Mietskasernen für Minenarbeiter, ist Soweto heute der Inbegriff des sozialen Wandels. Natürlich existieren sie immer noch, die Slums mit Hütten ohne Strom und Wasser. Doch daneben stehen jetzt eben auch Viertel mit schicken Reihenhäusern, Boutiquehotels und seit einigen Jahren gibt es eine Einkaufspassage mit viel Marmor und Sichtbeton: die Maponya-Mall, der Stolz Sowetos.

Jeden Samstag präsentieren die neureichen Einwohner Sowetos ihre Spielzeuge: An Autowaschstationen reihen sich Hummers, BMWs und Lamborghinis. Und auf den Straßen davor brettern schon schwere Harley Davidsons vorbei, wie die der "Sopranos", des ersten Harley-Davidson-Klubs Sowetos.

Afrika Tau ist der Präsident des Klubs und fährt das Modell "Sportster": viel Chrom - und viel Krach. Wenn er durch die Straßen röhrt, laufen manchmal Jungs neben ihm und feuern ihn an. "Ich hab kein Problem damit", sagt der 31-Jährige, "ich zeige gerne, was möglich ist."

Tau ist so etwas wie der Prototyp der neuen Elite Südafrikas, der so genannten "Black Diamonds". Er hat studiert, arbeitet jetzt als Manager bei einer internationalen Softwarefirma, und wenn er nicht gerade mit der "Sportster" über die Highways fährt, fliegt er zu Firmensitzungen in die USA. Tau verdankt Geld und Job seinem Können - aber auch dem wohl größten Besitzumverteilungsprogramm, das ein Staat in moderner Zeit in Angriff genommen hat: BEE.

Die drei Buchstaben stehen für "Black Economic Empowerment", was frei übersetzt so viel bedeutet wie "Stärkung der schwarzen Wirtschaftskraft". Konkret heißt das: Firmen müssen zu mindestens 25 Prozent in Händen von zuvor benachteiligten Gruppen sein und sollen ihre Einstellungspolitik danach ausrichten, auf jeder Ebene das gleiche Rassen-Verhältnis zu erzeugen wie in der Gesellschaft. In Südafrika sind ungefähr 80 Prozent schwarz, neun Prozent weiß, neun Prozent farbig und zwei Prozent indischer oder asiatischer Abstammung.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
SpringbokCT (12.11.2009, 14:02 Uhr)
@ArchEnemy
Natürlich behindert die Sprachenvielfalt die Bildung. Zum anderen hilft sie der Rainbow-Nation auch vielleicht mit den unteschiedlichen Identitäten umzugehen und den Rassismus auf ein "normales" Maß zu beschränken.

Rassismus - was für ein Wort. Wir heutige Deutsche machen es uns einfach und sprechen uns davon frei. Es waren ja die anderen, die Nazis, die im Rassismuswahn millionen Menschen umbrachten. Wie leicht ist es da über andere Nationen und Menschen zu urteilen.

Mit der Bildung verhält es sich ähnlich. Wenn ich mir z.B. in Kapstadt von einem Straßencafe Passante anschaue, die zum Teil auch aus den Townships kommen und keine Sozialleistungen erhalten, bin ich mir gar nicht so sicher ob das Bildungsniveau und das Potential dort so viel geringer ist als hier.

Das hohe Lob auf den Autor sprach ich übrigens aus bevor ich die beiden anderen Artikel las. Naja, nach der ganzen Negativberichterstattung der dt. Presse im Vorfeld der WM über Südafrika sind die drei Kolumnen auch zu loben.

Danke für Ihre Postings!
ArchEnemy (11.11.2009, 21:57 Uhr)
@SpringbokCT
Ihrem letzten Post kann ich nur zu 100% zustimmen. Sehe die Problematik genauso, wie Sie sie jetzt beschrieben haben.

Es ist ein Jammer, dass sich einige durch mitunter zweifelhafte Machenschaften stark bereichert haben. Schaue ich mir die Bildungsverhältnisse in den Townships an, sehe ich aber für die breite Bevölkerung der Schwarzen derzeit kaum Land in Sicht. Meiner Meinung ist aber auch ein großes Problem die offizielle Sprachenvielfalt. Leider können viele der schwarzen Kids nur ein gebrochenes Englisch und mit z.B. isiXhosa werden sie kaum Zugang zur höheren Bildung bekommen. Die Lage wird natürlich dramatisch verschärft, wenn weiße Akademiker keine Zukunft sehen und das Land verlassen. Wie ich es jetzt schon mehrfach mitbekommen habe...
SpringbokCT (11.11.2009, 20:21 Uhr)
@ArchEnemy
sicherlich ist es überspitzt und provokativ ausgedrückt.

Bisher ist es auch noch keiner schwarzen Regierung gelungen die Bildungsmöglichkeit der Schwarzen wesentlich zu erhöhen. Wenn dann trotzdem Fachkräfte wegen der falschen Hautfarbe rausgeschmissen werdem um die Quoten zu erfüllen, wird die ZA-Wirtschaft irgendwann ein Problem bekommen.

Die Frage wird nur sein wem die Verantwortung dann für die Misere zu gewiesen wird? So ganz unterscheidet sich das Problem ja auch nicht zu Deutschland. Obwohl hier nur weniger als ein Drittel zu der "benachteiligten Gruppe" zählen und gigantische 1,5 Bill. Euro an Unterstützung geflossen sind ist noch keine 100% ige Gleichheit erreicht. Täglich wird diskutiert ob das marktwirtschaftliche System der Leistungsgeber, oder das frühere sozial. System der Leistungsempfänger verantwortlich ist.

In dem heutigen ZA halte ich für entscheident, in wie weit die "Black Diamonds" bereit sind die Bildung ihrer Brüder zu fördern und mit dem modernen Rassismus umgehen.

ArchEnemy (11.11.2009, 17:05 Uhr)
@SpringbokCT
Stimmt der Artikel ist gut und beleuchtet die Problematik von BEE recht treffend.

Aber BEE ist keine umgekehrte Apartheid. Es gibt keine Passgesetze, keine Homelands für Weiße, keine Parkbänke nur für Schwarze, etc.
BEE benachteiligt sicherlich die weiße Bevölkerung in vielen Situationen, dennoch haben Weiße vorrangig Zugang zu den besseren Bildungseinrichtungen und sind immer noch in einer wesentlich besseren Situation als der durchschnittliche Schwarze in ZA. Also, nein, mit ihrem Kommentar sind sie übers Ziel hinausgeschossen...
SpringbokCT (11.11.2009, 16:07 Uhr)
BEE = Apartheid umgekehrt
Sehr guter Artikel, Herr Marc Goergen, vielen Dank!
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