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11. November 2009, 12:19 Uhr

Auf der Harley durch Soweto

Coole Harleys, mächtige Hummers, schicke BMWs. Im südafrikanischen Soweto protzen die neuen Reichen des Landes mit ihren Spielzeugen. Ihren Aufstieg hat diese Elite vor allem einem gigantischen Umverteilungsprogramm zu verdanken, das auch die Korruption blühen lässt. Von Marc Goergen, Johannesburg

 
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Afrika Tau und seine Harley: "Ich zeige gerne, was möglich ist"© Per-Anders Pettersson

Es ist noch nicht so lange her, er war im Juni 1976, als in Soweto die Barrikaden brannten. Die schwarze Jugend Südafrikas demonstrierte gegen die Schulpolitik des Regimes - nach dessen Willen sollte im Unterricht fortan Afrikaans dominieren, die Sprache der weißen, herrschenden Minderheit. Panzerwagen, Polizeitransporter und Wasserwerfer patrouillierten in den Straßen. Hunderte starben und Soweto, das South-West-Township bei Johannesburg, wurde plötzlich zu einem Begriff auf der politischen Landkarte.

Heute fahren wieder schwere Maschinen durch Soweto. Doch jetzt sitzen die Bewohner selbst hinterm Lenker. Und es sind auch keine Polizeipanzer - sondern Harley Davidsons.

Kaum eine Stadt Südafrikas hat sich seit Ende der Apartheid so gewandelt wie Soweto. Früher ein Elendsquartier von Hütten und Mietskasernen für Minenarbeiter, ist Soweto heute der Inbegriff des sozialen Wandels. Natürlich existieren sie immer noch, die Slums mit Hütten ohne Strom und Wasser. Doch daneben stehen jetzt eben auch Viertel mit schicken Reihenhäusern, Boutiquehotels und seit einigen Jahren gibt es eine Einkaufspassage mit viel Marmor und Sichtbeton: die Maponya-Mall, der Stolz Sowetos.

Jeden Samstag präsentieren die neureichen Einwohner Sowetos ihre Spielzeuge: An Autowaschstationen reihen sich Hummers, BMWs und Lamborghinis. Und auf den Straßen davor brettern schon schwere Harley Davidsons vorbei, wie die der "Sopranos", des ersten Harley-Davidson-Klubs Sowetos.

Afrika Tau ist der Präsident des Klubs und fährt das Modell "Sportster": viel Chrom - und viel Krach. Wenn er durch die Straßen röhrt, laufen manchmal Jungs neben ihm und feuern ihn an. "Ich hab kein Problem damit", sagt der 31-Jährige, "ich zeige gerne, was möglich ist."

Tau ist so etwas wie der Prototyp der neuen Elite Südafrikas, der so genannten "Black Diamonds". Er hat studiert, arbeitet jetzt als Manager bei einer internationalen Softwarefirma, und wenn er nicht gerade mit der "Sportster" über die Highways fährt, fliegt er zu Firmensitzungen in die USA. Tau verdankt Geld und Job seinem Können - aber auch dem wohl größten Besitzumverteilungsprogramm, das ein Staat in moderner Zeit in Angriff genommen hat: BEE.

Die drei Buchstaben stehen für "Black Economic Empowerment", was frei übersetzt so viel bedeutet wie "Stärkung der schwarzen Wirtschaftskraft". Konkret heißt das: Firmen müssen zu mindestens 25 Prozent in Händen von zuvor benachteiligten Gruppen sein und sollen ihre Einstellungspolitik danach ausrichten, auf jeder Ebene das gleiche Rassen-Verhältnis zu erzeugen wie in der Gesellschaft. In Südafrika sind ungefähr 80 Prozent schwarz, neun Prozent weiß, neun Prozent farbig und zwei Prozent indischer oder asiatischer Abstammung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das gut gemeinte Programm sorgt wöchentlich für einen neuen Skandal, und der Fehler liegt im System

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