Startseite

Der steinige und lange Weg ins Weiße Haus

Für die Präsidentschaftskandidaten fängt die Arbeit nun erst richtig an, denn mit den Vorwahlen beginnt der Wahlkampf in den USA. Der stern erklärt das ungewöhnliche Wahlsystem mit Primarys und dem Caucus.

Wahlkampf Iowa

Reden, argumentieren, überzeugen: Am 1. Februar startet der US-Wahlkampf mit den Vorwahlen in Iowa

Am Anfang lachten sie über ihn, mittlerweile sorgt er für Verärgerung. Oder Angst. Oder Jubel - je nachdem, wen man fragt. In einem aber sind sich alle einig: An Donald Trump, dem milliardenschweren Egomanen aus der Abteilung Attacke, führt bei den US-Republikanern kein Weg mehr vorbei. In den Umfragen liegt der Immobilienhai seit langem und deutlich vor der Konkurrenz. Ab 1. Februar wird sich dann zeigen, was die Ergebnisse der Meinungsforscher Wert sind, denn dann beginnt der US-Präsidentenwahlkampf mit den Vorwahlen.

Der frühe Sieger kriegt die Aufmerksamkeit

Bei diesen Abstimmungen, die die Republikaner und Demokraten in allen 50 Bundesstaaten abhalten, wird der Kandidat bestimmt, der ab Sommer um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen wird. Vor allem die ersten drei, vier Wahlen sind eine sehr wichtige Rampe. Früher Erfolg bringt für die Kandidaten Geld, Unterstützung, Aufmerksamkeit und das "Momentum".


Der Republikaner, der drei der vier ersten Vorwahlen gewinnt, könnte im März schon am Ziel sein.


Bei den Demokraten ist die Auswahl an möglichen Kandidaten deutlich überschaubarer: Im Grunde kämpfen dort nur Hillary Clinton und der selbsternannte "demokratische Sozialist" Bernie Sanders um die Mehrheit. Aber auch sie müssen sich durch dem Vorwahl-Prozedere stellen und das zuletzt ins Hinterreffen geratene Clinton-Lager bereitet sich darauf vor, dass erst Mitte Mai eine Entscheidung fallen wird.

Vorwahlen: Iowa und New Hampshire starten

Traditionell eröffnet der Bundesstaat Iowa den Wahlreigen, kurz danach ist New Hampshire an der Reihe. Beide Staaten repräsentieren zwar nur einen kleinen Teil der amerikanischen Bevölkerung (weniger als ein Prozent) - wegen des frühen Termins geht von ihnen aber oft eine Signalwirkung aus – viele Amerikaner lieben den Siegertyp.

  • Der Caucus: Eine spezielle Eigenheit im US-Wahlsystem ist der sogenannte Caucus. Die Wähler versammeln sich, Demokraten und Republikaner getrennt voneinander, um in kleinen Gruppen mitunter per Handzeichen abzustimmen. Für den Iowa-Caucus etwa treffen sich die Wähler in Schulen, Kneipen und sogar in Privathäusern, um zuerst über die Kandidaten zu diskutieren und danach zu entscheiden.
  • Die Primary: In den meisten Bundesstaaten aber bestimmt eine Primary, eine klassische Vorwahl mit geheimer Stimmabgabe, den Wahlsieger. Um daran teilnehmen zu können, müssen sich die Wähler vorher als Demokraten oder Republikaner registrieren lassen. Einige Staaten, wie zum Beispiel New Hampshire, öffnen ihre Vorwahl aber auch für nichtregistrierte Wähler, die in den USA als Independents, Unabhängige, bezeichnet werden.


Der "Super Tuesday" (in diesem Jahr am 1. März, gewählt wird in 15 Bundesstaaten) ist einer der wichtigsten Tage im Vorwahlkampf. Rund ein Drittel aller Delegierten wird dann bestimmt, die Zahl der Bewerber bei den Republikanern wird sich danach stark reduzieren, womöglich sogar schon bis auf zwei.


  • The Winner takes it all: Viele Einwohner, viele Delegierte Die Kandidaten werden aber in allen Bundesstaaten nur indirekt gewählt: Denn eigentlich werden in den Vorwahlen nur Delegierte für den Nominierungsparteitag ermittelt. Der Sieger einer Vorwahl erhält die meisten Delegiertenstimmen, in manchen Bundesstaaten sogar alle. "The winner takes it all", nennen das die Wie viele Delegierte jeder Bundesstaat entsenden darf, hängt von dessen Einwohnerzahl ab. Die bevölkerungsarmen Iowa und New Hampshire schicken zusammen nur rund 80 der insgesamt 4200 Delegierten der Demokraten zum Parteitag, was zeigt, dass der Erfolg von Clinton in New Hampshire das Rennen noch nicht entschieden hat. Denn alleine Kalifornien entsendet bei den Demokraten 370 Delegierte.
  • Der Nominierungsparteitag: De Wahl ist indirekt. Bei der National Convention, dem Nominierungsparteitag im Sommer, küren die Delegierten dann offiziell ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl. Bei dieser Abstimmung sind die Delegierten an das Wahlergebnis in ihrem Bundesstaat gebunden.


Nach den Vorwahlen in Arizona und Utah am 22. März 22. März: Vorwahlen erhoffen sich die Republikaner eine Entscheidung zugunsten eines Kandidaten. Würde der Vorwahlkampf länger dauern, könnte das den Demokraten zugutekommen, so die Befürchtung der Konservativen.


Sind nach den National Conventions der demokratische und republikanische Kandidat bestimmt, geht die Präsidentenkür in die entscheidende letzte Runde: Alle vier Jahre, Anfang November, ist das ganze Land aufgerufen, das neue Staatsoberhaupt zu wählen. In diesem Jahr fällt der Wahltermin auf den 8. November.


Wähler wählen nur Wahlmänner

Auch hier ist die Wahl nur indirekt, denn rein formal entscheiden die US-Bürger nur über die Wahlmänner in ihrem Bundesstaat. Auch hier hängt die Zahl der Wahlmänner von der Einwohnerzahl der Bundesstaaten ab. Die Wahlmänner bestimmen schließlich, wer für die nächsten vier Jahre ins Weiße Haus einziehen wird.
Traditionell sind die Wahlmänner aber nicht frei in ihrer Entscheidung, sondern an das Ergebnis in ihrem Bundesstaat gebunden: Wer dort die meisten Stimmen bekommen hat, den vertreten sie. Der Zweitplatzierte und alle anderen gehen dagegen leer aus. Deshalb lässt sich bereits am Wahlabend sagen, wer der nächste Präsident sein wird.

Tobias Betz, Lisa Louis, Niels Kruse
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools