. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. August 2007, 15:04 Uhr

Sarkozys schäbiger Sieg

Bei seinem jüngsten Coup - dem Tausch der in Libyen zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern gegen Panzerabwehrwaffen - ist Nicholas Sarkozys wohl zu weit gegangen. Selbst seine eigene Partei rümpft die Nase über das schäbige Geschäft. Von Astrid Mayer

Staatsempfang in der Wüste: "Tauschgeschäft mit einem Gaunerstaat"© Sabri Elmhedwi/DPA

Dass die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern in Libyen nicht so ganz auf Sarkozys Mist gewachsen ist, hatte sich schnell herumgesprochen. Aber dass sie schlichtweg teuer erkauft war, erschüttert die französische Öffentlichkeit nun doch. Links spricht man von "Tauschgeschäften mit einem Gaunerstaat" und sogar aus Sarkozys eigener, rechter, Partei kommt verhaltene, aber klare Kritik.

"Bei der Manipulation der öffentlichen Meinung ertappt"

Sogar die sonst überaus staatstragende Tageszeitung "Le Monde" fand deutliche Worte, als der Luftfahrkonzern EADS schließlich die Gerüchte bestätigte, die Gaddafis Sohn Saif in die Welt gesetzt hatte: Dass nämlich Waffenlieferungen die Gegenleistung für die Befreiung der Krankenschwestern seien. Der Staatspräsident, befand die Abendzeitung, sei "auf frischer Tat bei der Manipulation der öffentlichen Meinung ertappt worden".

In der Tat wirkt Sarkozys These, der Charme seiner Gattin habe Gaddafi und die ganze verfahrene Situation aus der Sackgasse gelockt, ziemlich armselig angesichts eines Vertrags, der laut EADS nur noch auf die Unterschrift der libyschen Regierung wartet: Panzerabwehrraketen im Wert von 168 Millionen Euro und ein Kommunikationssystem im Wert von 128 Millionen Euro. Und das Ganze am Außenminister Bernard Kouchner vorbei. Der Sozialist musste kleinlaut einräumen, es habe wohl "eine Art Handelsabkommen" gegeben - mehr wusste er nicht.

"Es ist inakzeptabel, dass man es von den Libyern erfahren muss"

Nun fordert der Sozialisten-Führer Francois Hollande eine parlamentarische Enquete-Kommission. "Es ist inakzeptabel, dass man von den Libyern erfahren muss, was wirklich passiert ist", sagt er. In der Tat hatte Sarkozy das Abkommen zunächst geleugnet. Libyen und EADS haben sich zum Sachverhalt vor der französischen Regierung geäußert. Selbst Sarkozys Parteigenosse Claude Goasguen, der sich nach eigener Aussage "an das hält, was der Präsident sagt", wünscht nach Ende der großen Ferien eine Debatte und spricht von "Hyperpräsidentialisierung".

Freilich hatte eine Ministerkommission die anstehenden Waffengeschäfte mit Libyen schon im Februar dieses Jahres genehmigt. Aber es hat keinerlei öffentliche Debatte stattgefunden über die Frage, ob man einem Staat, der für mehrere Terror-Anschläge verantwortlich gemacht wird, Waffen liefern kann. Seit das Waffenembargo 2004 durch die EU aufgehoben wurde, gibt es einige Anwärter auf lukrative Geschäfte mit dem Land, das auch wichtige Erdölreserven hat.

Die Franzosen haben diesbezüglich schon lange keine Berührungsängste mehr. Sarkozys Kabinettschef (er war damals Innenminister) traf schon 2005 den berüchtigten Geheimdienstchef Moussa Koussa, der im Verdacht steht, mehrere Oppositionelle im Ausland ermorden haben zu lassen. Er wird auch mit dem Lockerbie-Attentat von 1988 in Verbindung gebracht. Als er sich mit Sarkozys Mann traf, lag gegen Koussa ein internationaler Haftbefehl vor, ausgestellt von einem französischen Untersuchungsrichter.

Ein Glück für Sarkozy, dass ihm vom Ausland her keiner in den Rücken fällt (außer Gaddafis Sohn, der das Geheimnis in einem Interview mit "Le Monde" ausplauderte, weil er sich gerne in den Vordergrund stellt). Bulgarien hat Libyen nun Schulden in Höhe von 40 Millionen Euro erlassen. Außenminister Steinmeier hat sich auch eher besänftigend geäußert, obwohl Deutschland als Teilhaber an EADS zum Thema nicht vorab befragt wurde.

Von Astrid Mayer
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
tagora-sagittara (03.08.2007, 18:35 Uhr)
Ihr wurdet alle gewarnt,...
diesen Typ zu wählen.... sagt jetzt bitte nicht es würde euch leid tun...ES WIRD EUCH NOCH LEID TUN,...das ist sicher!!
panzertom (03.08.2007, 18:21 Uhr)
Reicht für eine Panzerarmee
Was hat Gadhafi um Himmels willen mit Panzerabwehr-Raketen für 168 Millionen Euro vor? Dafür kriegt er grob gerechnet etwa 17 000 Raketen vom Typ Milan. Das reicht, um eine ganze Panzer-Armee zu killen. Bloss welche?
Panzertom
Betonpaul (03.08.2007, 16:57 Uhr)
Fettnäpfchen zu mir!!!!
Es scheint eine Eigenart französischer Präsidenten zu sein, bei Dienstantritt zuallererst einmal in alle verfügbaren Fettnäpfchen zu springen.
Chirac mußte seine Bedeutung durch Atomtests dokumentieren, der neue verscherbelt Atomkraftwerke an den größten Ganoven Nordafrikas.
Nebenbei läßt er noch die Befreiung der bekannten Krankenschwestern auf sein Konto schreiben und hat natürlich auch den G8-Gipfel gerettet, als er Bush drohte, abzureisen, wenn dieser nicht in der CO2-Frage Bewegung zeige.
Was dabei heraus gekommen ist, wissen wir ja. Nix. CO2 ist bis 2050 vertagt.
Und dann war da noch sein Auftritt auf dem EU-Gipfel, als er den polnischen depperten Zwillingen angeblich heinleuchtete. Was dabei herauskam? Nun---Polen will alles mal wieder nachverhandeln.
Merkel hat bei dieser Sache allerdings auch keine gute Figur gemacht----hat sie sowieso noch nie.
Sarko ist ein Showman. Von der billigsten Sorte. Den kann man vielleicht in Spielfilmen zusammen mit Belmondo vermarkten, als Präsident und damit Repräsentanten des ZWEITgrößten EU-Landes aber nicht.
MEHR ZUM ARTIKEL
Libyen-Besuch Sarkozys Atom-Deal sorgt für Zündstoff

Der Atom-Deal des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy mit Libyens Staatschef Gadaffi hat in Deutschland viel Kritik hervorgerufen. Die SPD würde dem Wüstenstaat lieber beim Einsatz erneuerbarer Energie helfen. mehr...

Bulgarische Krankenschwester "Ich muss wieder lernen zu leben"

Nassja Nenova, 41, ist die jüngste der bulgarischen Krankenschwestern, die in Libyen zum Tode verurteilt und dann begnadigt wurden. Sieben Stunden lang berichtete sie stern.de von den Jahren in Haft, der Folter und ihrem neuen Leben. mehr...

Cécilia Sarkozy Sarkozys Stärke - und Schwäche

Sie ist Frankreichs Première Dame, doch bloße Repräsentation ist nicht ihr Ding. Eben erst präsentierte sich Cécilia Sarkozy ganz staatsmännisch als lächelnde Retterin der zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern - eine Aktion, die ihr nicht nur das Lob des französischen Volkes bescherte. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe