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4. November 2008, 15:05 Uhr
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Amerikas Schicksalswahl

Mit dieser Wahl endet die finstere Ära des dunklen Fürsten George W. Bush. Mehr noch. Die US-Bürger haben die Chance, mit Barack Obama den Gegenentwurf zu Bush ins Weiße Haus zu befördern. Obama verspricht die Rückkehr des guten Amerikas - zu Hause und in der Welt. Eine Entscheidung für ihn könnte Generationen prägen. Ein Kommentar von Florian Güßgen

USA, Wahl, Barack Obama, John McCain

McCain oder Obama, wer wird der nächste Präsident der USA?© AFP/Charles Dharapak

Präsidentschaftswahlen in den USA sind für jeden Politik-Junkie immer etwas Besonderes. Großes Kino: ein Duell, Mann gegen Mann, ausgetragen auf der ganz großen Bühne, über Monate hinweg, mit Kitsch, Konfrontation und einem grandiosen Finale. Die Bedeutung des Dramas ist ohnehin für jeden augenfällig. Denn hier wird der mächtigste Mann der Welt gewählt, der Führer der freien Welt, wie es früher hieß, einer, der die Stimmung weit über Amerika hinaus prägen kann. Es geht also immer um viel, wenn die Bürger der USA das Weiße Haus neu besetzen. An diesem 4. November 2008 geht es um besonders viel. Dieses Datum markiert schon deshalb einen Einschnitt, weil eine finstere Ära zu Ende geht. Wie tief dieser Einschnitt jedoch sein wird, hängt davon ab, ob sich die Wähler für den Demokraten und vermeintlichen Heilsbringer Barack Obama entscheiden oder für dessen republikanischen Konkurrenten John McCain.

Bush zeigte eine Fratze Amerikas

Aber zunächst zum Zeitalter George W. Bushs, des dunklen Fürsten. Dessen zerstörerisches Wirken war fundamental, ging an die Substanz. Bush griff den Gründungsmythos Amerikas im Kern an, den Glauben an die Freiheit. In normalen Zeiten wären seine brandgefährliche Abkehr vom Rationalismus, sein missionarischer Eifer, seine kruden Vorstellungen von Gut und Böse vielleicht nicht ins Gewicht gefallen. Aber Bush regierte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht in normalen Zeiten. Er regierte in einer Notstandsphase, einer Phase, die er als Endzeitkampf biblischen Ausmaßes begriff, der die Anwendung aller Mittel erlaubte, ja, sie sogar zwingend notwendig machte. Die historischen Umstände veredelten die schlechten Eigenschaften George W. Bushs zu Grundlagen amerikanischer Politik. Der unsinnige Krieg im Irak steht für diese Politik, die Misshandlung von Häftlingen im Gefängnis Abu Ghraib, das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba, die Kontrollexzesse der neu geschaffenen Heimatschutzbehörde, rechtswidrige Abhörpraktiken in den USA.

Ende einer düstren Ära

Die Regierung Bush verwandelte Amerika, in vielerlei Hinsicht das Vorbild einer offenen Gesellschaft, in eine Gesellschaft der Angst, des Misstrauens, der Aggression. Er schuf ein Klima, wie es seit den dunklen Jahren der Kommunistenhatz Joseph McCarthys in den 50ern nicht mehr geherrscht hatte. George W. Bush zeigte seinen Bürgern und der Welt eine Fratze Amerikas - und verprellte sie so beide. Zuerst die Welt, dann seine Bürger.

Nun ist die düstere Ära vorbei. Sie geht gleichsam natürlich nach acht Jahren zu Ende, an diesem Tag mit der Wahl eines Nachfolgers, am 20. Januar 2009 mit dessen Vereidigung. Fest steht dabei schon jetzt: Einerlei, ob John McCain oder Barack Obama dann ins Weiße Haus einziehen wird. Jeder der beiden wird Amerika aufatmen lassen. McCain mag sich im Wahlkampf manch populistische Volte erlaubt haben. Aber eine bloße Fortsetzung der Bush-Jahre würde seine Präsidentschaft nicht mit sich bringen. Im Kern ist McCain viel weiter in der Mitte angesiedelt, als Bush es je war.

Obama verkörpert den Aufbruch

Gleichwohl, Objektivität wäre geheuchelt, bietet der Demokrat Obama den Amerikanern die größere, die größtmögliche Chance, sich von der Ära der Finsternis loszusagen. Mehr noch. Obama verkörpert die Hoffnung auf einen Stimmungswandel, auf einen Aufbruch, wie ihn zuletzt nur John F. Kennedy hatte erzeugen können. Kennedy war der erste Katholik im Weißen Haus, mit seiner Wahl rissen die Bürger eine gesellschaftliche Hürde ein, brachen ein vormaliges Tabu - und wagten etwas Neues.

Mit Obama wäre es ähnlich. Er wäre der erste Schwarze im Weißen Haus. Rasse, würde das signalisieren, darf nun endgültig kein Hindernis mehr sein für Erfolg in diesem Land. Aber es ist nicht nur das Mal eines vormaligen gesellschaftlichen Stigmas, das bei Obama an Kennedy erinnert. Sein Auftreten, sein Charisma, seine Eleganz, seine geschliffene Rhetorik, das alles gepaart mit einer Botschaft der Hoffnung, der Offenheit und des Dialogs, verspricht ebenfalls eine Politik, die angstfrei ist, und vor allem: nachvollziehbar, ein Stück berechenbar. Die amerikanische Gesellschaft, tief verunsichert, tief gespalten, lechzt nach so einer mutigen, verbindenden, leicht daherkommenden Politik. Sie hat endgültig genug von dem schweren Muff der Bush-Jahre. Aus genau diesem Grund feiert die Jugend, feiern Kinder, Schüler, Studenten Obama, den 47-Jährigen, wie einen Popstar. McCain, der Krieger, wird so eine Stimmung nie erzeugen können.

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KOMMENTARE (10 von 22)
 
S.H. (04.11.2008, 22:45 Uhr)
P.S.:
und dann wird McCain 2 Monate nach der Wahl einem Hirnschlag erlegen und Palin wird Präsidentin.
S.H. (04.11.2008, 22:43 Uhr)
Ich rechne ja fast damit, daß
viele Amis, die in den Umfragen für Obama waren, in der Wahlkabine, wenn sie alleine sind, denken "ach was, den Nigger wähle ich doch nicht!". Und die Amis werden ihre Chance vertun.
shine (04.11.2008, 18:12 Uhr)
@Johann58
>>und bei einem Wahlsieg von McCain ist nicht davon auszugehen,
>>dass die demokratische Mehrheit im Senat Geld fuer
>>ein weiteres Abenteuer genehmigen wird.
Naja, wenn die "unwilligen" Demokraten von den Republikaner wieder als "unpatriotisch" beschimpft werden und wieder Lügen über angeblich schon existierende WMD verbreitet werden, würden wohl doch viele aus Angst als unpatriotisch zu gelten und damit das "Land verraten" zu haben, doch für einen Angriffplan stimmen... Schon mal passiert vor nicht allzulanger Zeit...
Johann58 (04.11.2008, 17:31 Uhr)
@tricky_dude
Es gibt genuegend Amerikaner, die nach wie vor behaupten, dass Sadam Hussein hinter den Anschlaegen vom 9. September steckte. Ausserdem erschreckt mich jedesmal der Hinweis: man muss doch etwas tun wenn man angegriffen wird. Fox News und andere vergleichbare Sender tun ein uebriges dazu, dass der Durchschnittsamerikaner schoen dumm gehalten wird. Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass die USA die finanzielle Potenz haben einen weiteren Krieg zu finanzieren. Es ist davon auszugehen, dass erstmalig nach den massiven Protesten gegen den Vietnam Krieg die Amerikaner sich wieder gegen einen weiteren Krieg wenden werden. Der Iran ist keine wirkliche Bedrohung fuer die USA und bei einem Wahlsieg von McCain ist nicht davon auszugehen, dass die demokratische Mehrheit im Senat Geld fuer ein weiteres Abenteuer genehmigen wird.
tricky_dude (04.11.2008, 17:02 Uhr)
@Johann58
Ich glaube jeder Mensch weiß das der Irak mit den Anschlägen vom 11. September nichts zu tun hatte.
Der eigentliche Skandal ist auch das Bin Laden durch einen eklatanten Fehler der Amerikaner aus Tora Bora entkommen konnte. Er ist aus dem Abschnitt entkommen, in dem die Afghanischen Milizen alleine die Kommandogewalt hatten. Übrigens war bei dem Angriff auf Tora Bora auch unsere KSK im Einsatz, also die USA im Stich gelassen haben wir ganz sicher nicht.
Aber das sind alles alte Geschichten. Ich mach mir Sorgen ob McCain den Iran tatsächlich wegen der Atomanlagen angreifen läßt. Wir sind näher am Iran, als Ihr da in den Staaten.
Johann58 (04.11.2008, 16:47 Uhr)
@tricky_dude
Entscheidend war, dass er es abgelehnt hat und damit verhindert hat dass Deutschland in einen weiteren Konflikt verwickelt wird. McCain wird im Irak bleiben und die Zahlen werden nicht besser: seit Beginn des Irak Kriegs 4.190 tote US Soldaten offiziell 30.000 Verletzte, inoffiziell mehr als 100.000. In den Angriffen vom 11. September starben ca. 2.800 Menschen. Gibt das nicht zu denken? Die toten Iraker sind nicht gezaehlt und das ist ein Vielfaches der toten US Soldaten. Sollte Obama Praesident werden, kann man nur hoffen, dass er diesen unseligen Krieg beendet und nicht noch einen beginnt, wobei ich da durchaus meine Zweifel habe. Lediglich wenn BinLaden schnell gefunden wird, kann eine Ausweitung des Kriegs in Afghanistan auf Pakistan wirklich verhindert werden.
tricky_dude (04.11.2008, 16:35 Uhr)
berechtigte Ablehnung
die "berechtigte Ablehnung" hab ich gemeint, sorry!!
tricky_dude (04.11.2008, 16:33 Uhr)
@Johann58
Mir geht es um die Art und Weise wie Schröder damals die (berechtigte) Beteiligung am Irak-Einsatz abgelehnt hat. Das war ein Griff ins Klo. Ein Hinweis auf unsere Begrenzte Truppenstärke und die bereits laufenden Einsätze am Balkan und in Afghanistan wären diplomatischer gewesen.
Bushs Ausage war allerdings der Hammer schlechthin. Und unsere Bundesangie kriecht ihm auch noch in den Hintern.
Johann58 (04.11.2008, 16:27 Uhr)
@tricky_dude
Da liegt genau der Unterschied zwischen denen die Denken und denen die blind hinter Bush hergerannt sind. Die Welt stand hinter Amerika nach den Angriffen vom 11. September aber die, welche mitgedacht haben sind nicht blind gegen ein Land in den Krieg gezogen, welches mit den Angriffen nichts zu tun hatte. Und der ach so sinnvolle Spruch, wer nicht mit uns ist ist gegen uns von Bush hat gezeigt wes Geistes Kind er ist. Dann mit einem Berg von Luegen und gefaelschten Dokumenten Colin Powell zu den Vereinten Nationen zu schicken um einen ungerechtfertigten Krieg zu rechtfertigen grenzt schon an etwas Unbeschreibliches. Die Geschichtsbuecher werden George W. Bush als einen der schlechtesten Praesidenten der USA beschreiben, als einen der das Land in einem katastrophalen Zustand hinterlassen hat, der das Land wirtschaftlich ruiniert hat und in Zeiten der Globalisierung isoliert hat statt es in die Gemeinschaft der Welt zu integrieren.
SethusCalvisius (04.11.2008, 16:27 Uhr)
@tricky_dude
Hätte Schröder denn damals wegen der zugesagten Solidarität die Beteiligung am Irak-Krieg zusagen sollen? "Herumgestänkert" hat er meines Wissens auch nicht.
Im übrigen geht es mir auch gar nicht um diesen Punkt, sondern darum, dass jetzt am Ende der Bush-Aera plötzlich alle auf ihm herumhacken, die vorher immer auf seiner Seite standen und den Kritikern "Antiamerikanismus" vorgeworfen haben. Nachher ist man immer klüger, aber man sollte dann auch zugeben, dass man dazugelernt hat.
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