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7. Mai 2007, 07:05 Uhr

Ein Konservativer an der Macht

Nicolas Sarkozy feiert den Sieg mit seinen Anhängern. Er wolle Präsident aller Franzosen sein, sagte der bekennende Konservative. Was das konkret fürs Land bedeutet, darauf ist er nicht eingegangen. Doch Frankreich wird wohl nach rechts rücken. Von Astrid Mayer

Seine Frau Cecilia gratuliert dem neuen französischen Präsidenten, der seinen Sieg ausgiebig feierte© Pascal Rossignol/Reuters

Sein Vorgänger Jacques Chirac verdankte seine Wahl vor fünf Jahren den Umständen - sein Gegner im zweiten Wahlgang war Jean-Marie Le Pen. Nicolas Sarkozy dagegen ist von den Franzosen mit der enormen Wahlbeteiligung von fast 84 Prozent und einer klaren Mehrheit von 53,06 Prozent gewählt worden: Er ist also der Präsident, den sich die Franzosen wünschen. Er hat zwar mehrmals betont, dass er der Präsident aller seiner Landsleute sein will, hat aber auch nicht hinter dem Berg gehalten damit, dass er auch sein Versprechen wahrmacht, einen Konservatismus ohne Hemmungen oder Komplexe vertreten zu wollen: Arbeit, Autorität, Leistung und Nation seien die Werte, die er vertrete, sagte er in seiner Rede am Wahlabend.

Was das konkret fürs Land bedeutet, hat er an diesem Abend nicht weiter erläutert, sondern sich in seiner Rede ganz auf die internationale Politik konzentriert - wonach er gemeinsam mit Mireille Matthieu und seinen Anhänger am Place de la Concorde die Marseillaise sang. Mit sicherem Instinkt für symbolische Machtdemonstrationen hatte sich der künftige Staatspräsident auf dem Weg zur Concorde die Tuileriengärten öffnen lassen, die hinter dem Louvre liegen - ehemals Wohnsitz der französischen Könige und Kaiser - und fuhr durch die Kastanienalleen, die sonst für jeden Autoverkehr und nachts überhaupt geschlossen sind.

Nicolas Sarkozy hat einen Aufbruch Frankreichs versprochen, er will durchgreifen in einem Land, in dem Reformen im Allgemeinen zu heftigen Demonstrationen und dem Aufgeben der Reformpläne führen. Er will Beamtenstellen abbauen, die Arbeitszeit verlängern, eine Kappungsgrenze für die Einkommenssteuer einführen (niemand soll mehr als 50 Prozent bezahlen) und aus Frankreich ein Musterland des Klimaschutzes machen - er hatte in der Fernsehdiskussion mit seiner Widersacherin Ségolène Royal die diesbezüglichen Vorteile der Atomenergie erläutert.

Mit seinen markigen, neokonservativ eingefärbten Formulierungen, hat Nicolas Sarkozy zwei Drittel von Le Pens Wählerschaft auf seine Seite gezogen - der Front National, großer Sieger der vorigen Präsidentschaftswahl, ist dadurch in dieser Wahl zu einer Randerscheinung geschrumpft. Und das, obwohl sich der Sohn ungarischer Einwanderer klar gegen jede Form von Rassismus stellt und den anti-europäischen Standpunkt des FN nicht teilt. Die europäische Union, so der künftige Präsident - er tritt sein Amt am 16. Mai um 12 Uhr an - sei eine seiner Prioritäten.

Man wird also am 20. und 21. Juni mit ihm rechnen müssen, wenn über den weiteren Fahrplan abgestimmt wird, der der EU nach dem Scheitern der Verfassung einen gesetzlichen Rahmen geben soll. Sarkozy wünscht eine Art Mini-Vertrag, also keine Verfassung, über die er die Franzosen wieder abstimmen lassen müsste. Entscheidungen sollen auch ohne Einstimmigkeit fallen können, 80 Prozent der Stimmen müssen dann reichen. Wie ernst es ihm ist mit seiner Idee, Importe aus Billiglohnländern zu besteuern, wird sich erst noch erweisen müssen. Europa ist in Frankreich willkommener Prügelknabe für alle möglichen Gesetze und Vorhaben, die man angeblich gerne anginge, aber wegen europäischer Vorgaben nicht möglich seien. So müssen bei Sarkozy auch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank und der starke Euro als Erklärung herhalten für die Schwäche der französischen Exporte.

Bundekanzlerin Angela Merkel war, mit George Bush, eine der ersten Regierungschefinnen, die den Wahlsieger anrief und gratulierte. Sie hat nun mit Nicolas Sarkozy den politischen Ziehsohn von Jacques Chirac als Gegenüber auf dem internationalen Parkett. Ob sie sich mit dem Sohn so gut verstehen wird wie mit dem spirituellen Vater, wird sich zeigen. Sarkozy teilt mit seinem Vorgänger nicht das dickköpfige Beharren auf französischen Besonderheiten, einer Art kulturellem und politischem Sonderweg, vor allem den USA gegenüber. Der neue Staatspräsident hat den USA, wo er seine neo-konservativen Vorbilder gefunden hat, klipp und klar seine Loyalität ausgesprochen.

Von Astrid Mayer
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
fanbarometer (08.05.2007, 07:15 Uhr)
MACHT was ihr wollt...
aber nach 40 Jahren auf den Bühnen dieser Welt, einer Titelseite im STERN und dem bekennenden MM-Fan Sick in Euren reihen müßte eigentlich bekannt sein, daß die französische Sängerin MIREILLE MATHIEU heißt!
montrealer (07.05.2007, 11:22 Uhr)
Rechtsruck
Ich sehe in dem Statement von tagora-sagittara nicht den Versuch demokratische Wahlen anzuzweifeln. Es ist im übrigen auch ein demokratisches Recht seine Meinung derart zu äußern - dass demokratische Entscheidungen auch zu Fehlern führen können, hat man im Deutschland der 30er Jahre gesehen und deswegen halte ich es für sehr angemessen auch gewählte Persönlichkeiten oder Parteien, egal ob links oder rechts kritisch zu beäugen. Was beunruhigend ist, ist die Tatsache, dass rechte Propaganda à la "Ausländer raus" offensichtlich in Europa wieder hoffähig wird. Der Spiegel titelt nicht umsonst "Frankreich rückt nach rechts"... Von Herrn Sarkozy stammen leider einige fremdenfeindliche Statements - auch gegenüber Deutschen - die sehr polemisch sind und stark auf Konfrontation statt auf Verständigung gehen. Das ist nur einer der vielen Gründe warum Mme Royal besser gewesen wäre für Frankreich, Europa und die Welt. Aber das ist Entscheidung der Franzosen... viel Glück mit dem neuen Präsidenten!
gudrun13 (07.05.2007, 10:12 Uhr)
@tagora-sagittara
Wo solls denn hingehen wenn ich mal
fragen darf? Frankreich hat demokratisch gewählt mit einer demokratischen Wahlentscheidung. Diese dann als Braun zu bezeichnen ist mir unverständlich. Aber vielleicht nehmen Sie sich ja ein Beispiel an Kuba oder Nordkorea - dort sind die Wahlentscheidungen vorhersehrbar. Immer. Und das unterscheidet wohl demokratische von undemokratischen Wahlen.
testsieger2006 (07.05.2007, 09:50 Uhr)
Tja...
... so geht ein Linker mit demokratischen Entscheidungen um.
Na dann: gute Reise! Und mögen Sie auf viele andere Ihres Schlages treffen, bei gleichem Lohn für alle und nix zu beißen.
tagora-sagittara (07.05.2007, 09:27 Uhr)
Wird Zeit,..
seine Koffer zu packen und Europa zu verlassen,...sonst erlebe ich noch eine braune Regierung bei uns!!
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