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14. Juni 2009, 10:52 Uhr

Der Anschein von Demokratie

Der Wahlsieg von Amtsinhabers Mahmud Ahmadinedschad im Iran wird von Experten als gezielte Manipulation der herrschenden religiösen Klasse gewertet. Der Geistliche Führer Irans, Ajatollah Chamenei, sei offenbar zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, eine Niederlage seines Kandidaten in Kauf zu nehmen.

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Nach den Wahlsieg von Mahmud Ahmadinedschad kam es in Teheran zu heftigen Ausschreitungen© dpa - Bildfunk

Das Wahlergebnis im Iran ist ein doppelter Rückschlag: Für die Demokratie der nahöstlichen Regionalmacht und für das Verhältnis der Islamischen Republik zum Rest der Welt. Der Sieg des erzkonservativen Amtsinhabers Mahmud Ahmadinedschad wird von Experten als gezielte Manipulation der herrschenden religiösen Klasse gewertet. Zugleich macht es die Bestätigung des erklärten Feindes Israels der neuen US-Regierung unter Präsident Barack Obama schwer, mit ihrem Angebot eines neuen Dialogs Fortschritte im Atomkonflikt zu erreichen.

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand ein solches Ausmaß von Betrug erwartet hat", sagt Karim Sadjadpour von der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden in Washington. "Das war keine Wahl, sondern eine Auswahl. Nicht einmal autoritäre Regime wie Syrien oder Ägypten geben sich einen solchen Anschein von Demokratie." Im Rückblick wirke die gesamte Abstimmung wie eine einzige Show, fügte der Experte hinzu. Der Geistliche Führer Irans, Ajatollah Chamenei, sei offenbar zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, eine Niederlage seines Kandidaten in Kauf zu nehmen.

Zwei Drittel für Ahmadinedschad

Dem offiziellen Ergebnis zufolge hat der 52-jährige Präsident im ersten Wahlgang 63 Prozent der Stimmen erhalten. Das war fast das Doppelte seines schärfsten Rivalen, des gemäßigten Konservativen Mir-Hussein Mussawi. Beobachter waren davon ausgegangen, dass die Unterstützung junger Wähler und der städtischen Bevölkerung Mussawi zum Einzug in eine Stichwahl reicht. Ahmadinedschad stützt sich vor allem auf die Ärmeren und die ländliche Bevölkerung.

Auch Trita Parsi, Präsident des Nationalen Iranisch-Amerikanischen Rats in Washington, hält den überraschend großen Abstand zwischen den beiden Favoriten für unglaubwürdig. "Es ist schwierig, seinen Frieden damit zu machen, dass dies ohne jeden Betrug zustande gekommen sein soll", sagt er.

Nun werde es auch für Obama schwieriger, mit seiner Initiative eines Neubeginns voranzukommen, sagt Parsi. Ein Konflikt über den Wahlausgang werde nicht nur den Iran lähmen, sondern auch Ahmadinedschad schwächen. Damit verliere Obama aber wertvolle Zeit. Seinen Worten zufolge üben der US-Kongress, Israel und einige Golf-Staaten bereits großen Druck auf die Regierung aus, ihr Angebot zeitlich zu befristen. "Deren Geduld mit Obamas Strategie ist sehr begrenzt", betont Parsi.

Im Konflikt um das iranische Atomprogramm hat das Verhältnis zwischen dem Iran und den USA einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Regierung in Teheran steht im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten. Zudem hat der Holocaust-Leugner Ahmadinedschad wiederholt Israel gedroht.

Mit der Bestätigung des erzkonservativen Präsidenten haben sich nach Einschätzung von Mark Fitzpatrick vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London die Hardliner durchgesetzt. "Es sieht so aus, als ob sie alle Möglichkeiten ihrer Macht genutzt haben, um Ahmadinedschad im Amt zu halten", sagt er. "Zweifellos war ein zentraler Grund dafür die Sorge, die Kontrolle über das Land zu verlieren, wenn sich eine Politik wie die Bereitschaft zu einem Dialog mit den USA durchsetzt."

Alistair Lyon/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Administrator (15.06.2009, 11:34 Uhr)
Liebe User,
leider ist es offenbar nicht möglich, dass das Thema sachlich diskutiert wird, so dass wir uns entschlossen haben, die Kommentare zu diesem Thema nicht mehr anzubieten.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
ballflachhalter (15.06.2009, 07:44 Uhr)
Sinn von Leserkommentaren
Wenn ich mir die Leserkommentare zu diesem Artikel durchlese, dann bin ich doch immer wieder über die Heftigkeit vermeintlicher freier Meinungsäußerung verwundert. Die wird hier anscheinend mit Pseudo-Propaganda und Hetze gegen Andersdenkende welcher Richtung auch immer verwechselt. Leute, haltet eure Emotionen im Griff und bleibt objektiv!
gmathol (14.06.2009, 20:48 Uhr)
Warum wurde nicht ueber die US Wahlen berichtet...
...da wurden naemlich 2000/2004 Menschen von der Wahl durch windige Regelungen abgehalten oder einfach zusammengeschlagen.
Ja schaut euch mal die Berichte auf Youtube an, wo die US Polizei auf Menschen meistens Farbige einschlug.
Die faschistischen USA sind mit Sicherheit keine Demokratie. Nur Laender die ein permanentes Referendum gestatten wie z. B. Schweiz kann man als demokratisch bezeichnen.
Wir sehen ja zur Zeit was die "frei" gewaehlte Junta in Berlin anrichtet. Wie sagt man so schoen? "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".
Islam Diktatur oder Ami-Diktatur da sind die Unterschiede kaum noch zu erkennen.
Wer greift uebrigens Laender an und mordet die Zivilbevoelkerung um diese zu "befreien"? Iran? Iraq? Afghanistan?
Bunsenbrenner (14.06.2009, 16:52 Uhr)
leider ganz falsch lieber ron
Ich lebe nun seit ueber 2 Jahren mit einer Muslime aus dem Iran zusammen und kenne Dutzende von Iranern (die meisten davon sind ganz boese Moslems) und kein dekedanter Mensch aus dem Westen kann sich auch nur annaehernd vorstellen, wie sehr selbst die Immigranten unter dem Regime im Iran leiden. Aber wir kennen sowas ja auch nicht. Oder doch. War da nicht einmal eine DDR? Oder ein 3. Reich? Es ist schon erstaunlich und beschaemend, wie dumm manche Menschen sind und sich nicht mal davor scheuen, andere mit ihrer Meinung zu belaestigen.
dippegucker (14.06.2009, 14:58 Uhr)
Auch interessant...
...ist eine Meldung von Reuters, die besagt, daß laut einer aktuellen Umfrage, 80% der Israelis kein Problem mit einer iranischen Bombe haben, und sich auch nicht bedroht fühlen.
http://www.reuters.com/article/worldNews/idUSTRE55D0DR20090614
Ronn123 (14.06.2009, 14:48 Uhr)
Islam-Diktatur Iran
Im Grunde ist es völlig egal wie Wahlen im Iran ausgehen, weder President noch Parlament haben etwas zu sagen. Die Macht liegt beim obersten Geistlichen Führer und dem Wächterrat.
Was wäre passiert wenn der Herausforderer gewonnen hätte? vielleicht nur eine etwas abgemilderte Diktatur.
Weil bekanntlich mit Demokratie und Menschenrechten haben Muslime nichts im Sinn.
Gruss Ronn
Die_vierte_Gewalt (14.06.2009, 13:00 Uhr)
Auweia
@der_nette_nachbar:
Khomenei und Chamenei sind zwei Personen. Khomenei ist schon mausetot und teibt sein Unwesen im Paradies, wo er laufend die Jungfrauen anbaggert. Chamenei weilt noch unter den Lebenden und teibt sein Unwesen im bedauernswerten Iran.
sothebys (14.06.2009, 12:47 Uhr)
Als jemand der den Iran besucht hat..
kann ich nur sagen dass die Menschen und vorallem Frauen, sicher nicht zu den über 60% Wählern gehören. Der Iran hat eine Menge junge Menschen die sich am Lifestyle der westlichen Welt orientieren wollen und zusätzlich eine Generation die den westlichen Style vor den Ayatollahs gelebt haben. Der Iran ist auch keine zurückgebliebene ungebildete Gesellschaft die blind und blauäugig alles glaubt was die geistlichen Führer vorbeten. Ich finde es sehr schade dass der Anlauf einer Öffnung nicht geklappt hat. Aber gleichzeitig wünsche ich mir kein Chaos der die das Land, den Nahen Osten und die gesamte Welt durcheinander bringen würde. Dafür ist der Iran zu gross und nicht mit einer kleinen Teilrepublik zu vergleichen.
Ansonsten würde ich mir Zurückhaltung bei der be-und Verurteilung der Menschen dort wünschen. Die Risiken die einige auf sich nehmen trotz der besten Internetkontrolle und der Welt und den drakonischen Massnahmen doch für Demokratie und Menschen-(Frauen) rechte zu kämpfen.
Der-nette-Nachbar (14.06.2009, 12:44 Uhr)
Demokratie
Ich hör hier immer "Demokratie"..?!
Wo ist die denn?
Wo darf denn ein Iraner oder Deutscher mitbestimmen?
Nirgends.
Keinerlei direkte Möglichkeiten etwas zu wählen.
Wir dürfen nur ein Kreuzchen machen.
Und wählen damit immer jemanden der in vielen Punkten eben ganz andere Meinungen hat als wir selbst, aber das geringste Übel ist..
.
PS: Wieso schreibt eigentlich jeder die Namen anders? Früher hiess der mal Khomenei jetzt Chamenei .. soll Googlen erschwert werden oder was?
Künstliches Dummhalten der Bevölkerung?
Verwirrung?
hellwachabsolut (14.06.2009, 12:40 Uhr)
Nachdenken und dann den Mund aufmachen hilft manchmal.
Bei manchen Kommentaren hier bekommt man eher den eindruck, dass man dem Verfasser wahrscheinlich ins Gehirn geschißen hat. Ersteunlich wird dann, wenn der Verfasser sich auch mutig Hirnfreund nennt.
Herr Ahmadinedschad als wahre guter Wahlsieger zu bezeichnen und sich darüber freuen, dass ein Unmensch durch Wahlmanipulation und Gewalt seine macht versucht zu halten, finde ich zu tiefst zynisch.
Das iranische Volk hat ein Recht auf Freiheit und freie Geschtaltung bzw. Entfaltung seines Lebens und Herr Ahmadinedschad ist mit sicherheit nicht einer, der sich dafür qualifiziert.
Man kann dem iranischen Volk auf seinem Weg zur Demokratie viel Mut und Geduld wünschen.
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