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13. Juni 2009, 12:28 Uhr

Mussawi spricht von Wahlbetrug

Der iranische Präsidentschaftskandidat Mir-Hussein Mussawi will das Wahlergebnis nicht anerkennen und spricht von Wahlbetrug. Auch westliche Beobachter zweifeln am Erdrutschsieg von Mahmud Ahmadinedschad. Israel forderte die internationale Gemeinschaft auf, den "iranischen Terror" zu stoppen.

Iran, Mahmud Ahmadinedschad, Mir-Hussein Mussawi, Israel

Will die Niederlage nicht hinnehmen: Mir-Hussein Mussawi© dpa - Bildfunk

Der iranische Präsidentschaftskandidat Mir-Hussein Mussawi hat die offiziell verkündete Wiederwahl von Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad angezweifelt. Er werde diese "Manipulationen" nicht hinnehmen, erklärte Mir-Hussein Mussawi am Samstag auf seiner Webseite und warnte vor einer Tyrannei. Das Verhalten einiger Beamter während und nach der Abstimmung "erschüttere die Stützpfeiler" des politischen Systems im Iran.

Mussawi rief die Behörden dazu auf, die "Gesetzesübertretungen" umgehend einzustellen. Das Volks werde niemanden respektieren, der mit Betrug an die Macht gekommen sei. Der konservative Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad hat nach Angaben der Regierung die Wahl mit 62,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Auf Mussawi entfielen demnach nur 33,75 Prozent.

Die Lage in Teheran war gespannt: Bereitschaftspolizei marschierte vor den wichtigsten Regierungsgebäuden auf, Kundgebungen und politische Versammlungen waren zuvor bereits verboten worden. Die Informationsfreiheit schien stark beschnitten: Einige Websites von Mussawi waren kaum zu erreichen, das staatliche Fernsehen berichtete nur von Ahmadinedschads Wahlsieg, nicht von Mussawis Vorwurf des Wahlbetrugs.

Israel sorgt sich

Mussawi waren vor dem Urnengang am Freitag gute Chancen im Rennen gegen den Hardliner Ahmadinedschad eingeräumt worden. Neben Mussawi zweifelten auch viele westlichen Beobachter die Zahlen an. Einige sprachen offen von Betrug.

Israel rief die Welt dazu auf, den Iran unbedingt davon abzuhalten, an Atomwaffen zu gelangen. "Wenn es ein Fünkchen Hoffnung für Wandel im Iran gab, so bringt jetzt die erneute Wahl Ahmadinedschads mehr als alles andere die wachsende iranische Bedrohung zum Ausdruck", erklärte der stellvertretende Außenminister Danny Ajalon. Die internationale Gemeinschaft müsse "den iranischen Terror sofort stoppen". Ahmadinedschad hat in der Vergangenheit Israels Existenzrecht in Frage gestellt.

Warten auf den Wandel

Nach Ansicht des SPD-Iran-Experten Rolf Mützenich steht das Land trotz der Wiederwahl Ahmadinedschads vor erheblichen Veränderungen. "Man muss jetzt abwarten, was in den kommenden Tagen und Stunden im Iran passiert", sagte der Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe im Bundestag am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Wahlkampf scheine vor allem viele junge Iraner motiviert zu haben. Ahmadinedschad und seine Unterstützer hätten seit Monaten alles daran gesetzt, die Voraussetzungen für die Wiederwahl zu schaffen. "Die Einflüsse in den Medien, die Verteilung von Wohltaten und das Schüren nationaler und religiöser Motive waren offensichtlich."

Der SPD-Außenpolitiker verwies darauf, dass der Einfluss des Präsidenten im iranischen Machtgefüge ohnehin nur begrenzt sei. Insbesondere der religiöse Führer, Ajatollah Ali Chamenei, aber auch das Parlament würden weiter den Ton mit angeben. Die Führung in Teheran wisse zudem, dass das Land ohne Kooperation mit dem Ausland seine wirtschaftlichen und sozialen Probleme nicht lösen könne.

dpa/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
det_lef (14.06.2009, 01:34 Uhr)
Das Volk ist die Landbevölkerung
und diese ist nun mal konservativ.Da können die hedonistischen Städter noch so sehr auf die Barrikaden gehen.Der Vorsprung ist zu gewaltig, als dass nur Wahlmanipulation Ahmedinedschad den Sieg gebracht hätte.
Zwickau (13.06.2009, 16:53 Uhr)
Wer ist Mussawi?
Ahmadinedschad kennen die Armen. Wie bei jeder Wahl glaubt die Intelligenz das Volk ohne innere Bindung mit eingekauft zu haben. Bei Merkel und Westerwelle ist es möglich. Die H4 Besitzer und darunter sind noch schweigend und gehen nicht zur Wahl. Schade
chelestex (13.06.2009, 15:29 Uhr)
@Pamela_1971
Das habe ich mit meinem zweiten Kommentar hier bereits erkärt.
Derlei Passagen in der Bibel werden heute in ihrem historischen Kontext gesehn und nicht mehr ernst genommen (vielleicht noch von diversen Sekten). Im Islam gibt es so etwas nicht, der Koran gilt als das Wort Gottes, von Mohammed verfasst und für alle Zeit unveränderlich, man kann nichts intepretieren oder sich die Passagen rausnehmen, die einem gefallen. Daher gilt er heute wie zur Zeit Mohammeds, mit all seinen grausamen und verachtenswerten Inhalten. Das ist nicht meine Meinung oder irgendeine Verschwörungstheorie, dies gilt gläubigen Muslimen als unzuhinterfragende Wahrheit.
Im Gegensatz dazu halten sich friedfertige Moslems eben nicht an den Koran.
Dies ist nunmal eine der großen Unterschiede zwischen der Religion des Christentums und der Religionsideologie des Islam.
Pamela_1971 (13.06.2009, 15:19 Uhr)
@ chelestex
"Das Christentum war am blutigsten und grausamsten wenn sich jene, die sich in ihren Taten auf Gott beriefen, am weitesten von der Bibel entfernten. Genau andersherum verhällt es sich mit dem Islam: er ist am gewalttätigsten, wenn sich seine Gläubigen ziemlich genau an den Koran halten."
.
=> Das ist ja mal ein recht peinlicher Versuch, hier vermeintlich "gute" und "schlechte" Religionen gegeneinander auszuspielen. Als gäbe es nennenswerte Unterschiede zwischen Bibel und Koran hinsichtlich des menschenverachtenden Gehalts. Lesen sie mal die Bibel - und zwar die GANZE Bibel, und nicht nur die Bergpredigt, und noch ein paar andere ausgewählte Textfragmente, die die Amtskirchen uns gerne als "die" Bibel verkaufen. Dann wissen Sie, dass diese Aussage nicht haltbar ist. Die Bibel ist randvoll mit Hass, Volksverhetzung und blutrünstigen Gewaltaufrufen, und das beste: die allermeisten Befehle zu Mord, Totschlag und Vernichtung ganzer Völkerstämme kommen laut Bibel von Gott persönlich. -- Was das betrifft, nehmen sich Islam und Christen-/Judentum nicht viel.
chelestex (13.06.2009, 15:16 Uhr)
@Pamela_1971
Sie haben absolut Recht und bringen die Diskussion wieder an ihren Anfang; (dennoch wird ihr Kommentar nicht bei allen "ankommen").
@SirExekutive: "Goi" hatte die Bedeutung, welche sie meinen, in biblischen Zeiten gehabt. Heute kann der Terminus für Nichtisraeliten, oder für Nation/Volk verwendet werden.
delsa (13.06.2009, 15:13 Uhr)
SPD-Iran-Experte
der möchtegern Iran-Experte von der
SPD kann kein Experte sein, wenn er
abwarten will, was nun geschehen mag,
nach der Wahl ! Denn die Antwort lautet : absolut nichts ! Nun werden
aber ein Hatz auf die Oppositionelle
eingeleitet, die gewagt haben den
Führen und die Funktionäre herauszufordern ! Wie so oft gehabt !
Pamela_1971 (13.06.2009, 15:07 Uhr)
Was soll denn das hier...?
Israel hat ALLES RECHT DER WELT, sich in dieser Frage zu Wort zu melden - immerhin wird Israel (und damit die dort lebenden jüdischen, christlichen UND moslemischen Menschen) ja vom Iran und seinem nunmehr wiedergewählten Präsidenten mit Vernichtung bedroht. Dass die israelische Regierung in anderem Kontext selbst Unrecht begeht, steht auf einem anderen Blatt, hat damit aber nichts zu tun. -- Im übrigen ist es widerlich, hier einen ganzen Haufen antisemitischer Kommentare lesen zu müssen. Wer "die Juden" im 21. Jahrhundert noch immer als "Christusmörder" beschimpft, und noch nicht mal kapiert, dass eben dieser Jesus Christus selbst Jude war - hat mal überhaupt gar nichts kapiert, und sollte besser schweigen. => Si tacuisses...
leboz (13.06.2009, 14:57 Uhr)
Die friedlichsten Religionen
sind der Hinduismus und die aus ihm hervorgegangene andere Religionen, z.B. der Buddhismus. Da hilft alle Beschwörung der 3 sogenannten "monotheistischen" Religionen nichts. Auch der Hinduismus ist für gebildete Hindus monotheistisch, je nach persönlicher Auslegung.
Clamaria (13.06.2009, 13:52 Uhr)
Israel hin oder her,
was die sagen, interessiert nur am Rande. Am enttäuschendsten ist der Wahlausgang doch sicher für das iranische Volk, das sich sicherlich mehr Freiheit und Demokratie wünscht!!
HombreUno (13.06.2009, 13:40 Uhr)
@logon (13.6.2009, 13:07 Uhr)
JA !
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