21. Februar 2013, 08:58 Uhr

Mit Twitter und Facebook auf Stimmenfang bei der Jugend

Die Spitzenkandidaten im italienischen Wahlkampf sind über 60 und von den Problemen der Jugend weit entfernt. Mit Hilfe von Social Media soll das junge Volk erreicht werden. Beppe Grillo macht es vor.

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Bei den unter 30-Jährigen kommt er am besten an: Komiker Beppe Grillo©

Steuersenkungen, die Euro-Krise, Wirtschaftswachstum - das sind die Themen, mit denen Italiens Politiker im Wahlkampf zu punkten versuchen. Die hoffnungslose Situation der jungen Generation wird dagegen kaum angesprochen. Dennoch werben die Spitzenkandidaten über das Internet natürlich gerade um die Stimmen der Jungen. Viele jüngere Italiener bleiben aber enttäuscht von der Politik und wollen ihre Stimme bei der Wahl am Sonntag und Montag gar nicht abgeben.

"Das interessiert mich alles nicht. Die Politiker sind alle gleich", sagt die 18 Jahre alte Sara Grillo der Zeitung "La Stampa". 38 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben in einer Umfrage angegeben, nicht zur Wahl gehen zu wollen. Für ihre schlechten Zukunftschancen machen sie oft die Politik verantwortlich. 37 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos. Selbst ein Studium oder eine Ausbildung garantieren keinen Job. "Die Politiker stehen nicht auf der Seite der einfachen Leute", meint der 21-jährige arbeitslose Marco Valenti.

Alle vier Spitzenkandidaten - der scheidende Regierungschef Mario Monti, Pier Luigi Bersani, Silvio Berlusconi und Populist Beppe Grillo - sind schon jenseits der 60 und damit relativ weit weg von den Sorgen und Nöten der jungen Menschen. Dabei sind die jungen Wähler keine unbedeutende Gruppe. Rund vier Millionen Italiener sind zwischen 18 und 23 Jahre alt und wählen das erste Mal auf nationaler Ebene - immerhin fast acht Prozent aller Wahlberechtigten.

Fast jeder Dritte Jugendliche würde Grillo wählen

Die besten Karten bei den Jugendlichen hat noch der Komiker Beppe Grillo mit seiner Internetbewegung "5 Stelle" (Fünf Sterne). Von den unter 23-Jährigen will fast jeder Dritte ihn wählen. In der Gesamtbevölkerung kommt Grillo auf 18 Prozent. Er schimpft vor allem auf die etablierte Politik und das System und bekommt für seine Protesthaltung auch von den politikmüden Jugendlichen Zustimmung. "Grillo scheint mir näher an unseren Problemen zu sein", sagt die 20 Jahre alte Giuliana Occelli. Grillo bedient also genau die jungen Politikverdrossenen.

Eine wichtige Rolle im italienischen Wahlkampf spielt das Internet. In den sozialen Netzwerken, bei Twitter und Facebook kann vor allem Grillo punkten. Er hat auf Twitter fast 900 000 Follower, Monti nur rund 226 000, während Silvio Berlusconi gar nicht erst twittert. Dafür ist der umso aktiver auf Facebook, wo er um die 486 000 Gefällt-mir-Klicks hat. Grillo kommt auf über eine Million.

Twitter und Facebook als Wahlkampfmittel

Die Aktivitäten der Politiker im Internet finden in Italien viel Beachtung. Keiner der Spitzenkandidaten kann es sich leisten, darauf zu verzichten. Die Turiner Tageszeitung "La Stampa" begleitet den Wahlkampf in den sozialen Netzwerken und analysiert, wie sich die Politiker präsentieren. Fast jeder Politiker hat sich schon bei Google Hangouts, also Video-Fragestunden im Internet, den Fragen der Nutzer gestellt. Jede Sekunde werden auf Twitter und Facebook zwei Nachrichten abgesetzt, die mit einem der Spitzenkandidaten in Verbindung stehen, hat die Zeitung "La Repubblica" ermittelt.

Aber auch das hilft den Kandidaten kaum, die Jugendlichen zu erreichen. Viele fühlen sich trotz allem ignoriert und unverstanden. Vier Fünftel stören sich einer MTV-Umfrage zufolge an der Inkompetenz der Politiker, fast jeder Dritte an deren altmodischem Stil und über die Hälfte an unklaren Aussagen. Die 19 Jahre alte Fareal Aiad meint: "Die italienische Politik ist weit entfernt von den Jugendlichen, auch wegen der vielen internen Streitereien." Wählen gehen will die junge Frau aber trotzdem.

fle/DPA
 
 
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