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1. Mai 2009, 15:59 Uhr

Merkels Problem mit der amerikanischen Schande

Das Foltergefängnis Guantanamo wird aufgelöst, für die Gefangenen muss nun eine neue Heimat gefunden werden. US-Jusitzminister Eric Holder wirbt in Berlin um Deutschlands Hilfe. Doch Angela Merkel ziert sich - und stößt damit US-Präsident Barack Obama vor den Kopf. Von Katja Gloger

 
Barack Obama, Steinmeier Folter, Guantanao, Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll US-Präsident Barack Obama helfen, Guantanamo aufzulösen© Torsten Silz/DDP

Er kommt wie eine Kopie seines Chefs daher: locker, lässig, schlank, groß gewachsen, muntere Augen. Er hält am Mittwoch ein Pressegespräch im feinen Berliner Hotel Adlon, mit Blick aufs Brandenburger Tor, und er sagt, wie froh er ist, dass er bislang kein "definitives Nein" gehört hat. Er sagt nicht, von wem er wenigstens kein Nein gehört hat. Aber jeder weiß: Er meint auch die Deutschen.

US-Justizminister Eric Holder III ist auf seiner ersten Europa-Reise, er ist höchstpersönlich nach London, Prag, Berlin, gekommen, denn er hat ein paar schwere Themen zu verkaufen. Dabei geht es um Foltermethoden der CIA und wer sie genehmigt hat, aber vor allem um Guantanamo, ein juristisches Problem der Sonderklasse - und ein moralisches dazu.

Eric Holder hat nicht viel Zeit: Bis zum 22. Januar 2010 soll das Symbol amerikanischer Schande geschlossen werden. Dann ist Barack Obama ein Jahr im Amt. Bis dahin, so hatte er es versprochen, ist Guantanamo abzuwickeln. Was aber tun mit den zurzeit noch 241 Insassen? Was tun mit Überzeugungstätern wie dem 9/11-Planer Khalid Scheich Mohammed? Was tun mit Geständnissen, die unter der Folter des "Waterboarding" erpresst wurden? Was tun mit denen, die wohl gefährlich sind, aber mangels Beweisen nicht angeklagt werden können? Und vor allem: Wohin mit denen, die seit Jahren vollkommen rechtlos gefangen gehalten werden, ohne Anklage? Unschuldige, die in die grausamen Mühlen von Bushs Krieg gegen den Terror gerieten.

Tragische Schicksale im Gepäck

Es sind im Moment 30 Menschen, eine erste Liste der Freiheit, nach Auffassung der US-Behörden könnten sie entlassen werden. Doch viele von ihnen können nicht in ihre Heimatländer zurück, weil ihnen dort Verfolgung, vielleicht Folter drohen. Uiguren aus dem Westen Chinas etwa, der unruhigen Unruheprovinz mit einer militanten Unabhängigkeitsbewegung. Fünf von ihnen wurden schon vor einigen Jahren frei gelassen. Albanien erklärte sich bereit, die Männer aufzunehmen. 30 Namen, eine erste Liste. Vielleicht ist auch Mohammed al Gharani darunter, ein junger Mann aus dem Tschad, der nach Guanatanamo geriet, als er 15 Jahre alt war, in Wahrheit noch ein Kind.

Eric Holder hat also tragische Schicksale in seinem Polit-Gepäck, und natürlich fühlt sich der Karriere-Jurist nicht wohl, weil er ja irgendwie Menschen abwickeln, gar verkaufen muss. Redlich müht er sich um eine überzeugende Begründung dafür, dass die rasche Schließung Guantanamos irgendwie auch ein Problem der Europäer ist. Schließlich sei Guantanamo ein Symbol, mit dem man Terroristen rekrutieren könne, so die etwas bemühte Argumentation der USA - und wenn dieses Symbol nicht mehr existiere, dann erhöhe dies auch die Sicherheit europäischer Länder.

Gespaltene Bundesregierung

In Wahrheit drängt die Zeit. Und Präsident Obama will beweisen, dass sich die Alliierten um eine gemeinsame Lösung eines Problems bemühen, das auch ein moralisches ist. Deutschland, so die höflich formulierte Botschaft, soll Guantanamo-Gefangene aufnehmen. Wenigstens einige. Wenigstens einen.

Doch das hört man in Berlin gar nicht gern. Denn hier sind unschuldig einsitzende Gefangene, die nach eingehender Prüfung und Überzeugung der US-Behörden keine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen, in die Gefechte eines Wahlkampfes geraten. SPD-Außenminister Steinmeier will Gefangene aufnehmen und sich als bester Freund Obamas präsentieren, CDU-Innenminister Schäuble ist immer noch strikt dagegen, die zuständigen Kollegen der Bundesländer streiten sich über angebliche Sicherheitsrisiken und mögliche Quoten.

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

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KOMMENTARE (10 von 32)
 
gmathol (04.05.2009, 02:37 Uhr)
@christi24
In der Tat macht die unsaegliche Komplizenschaft des Berliner Regimes mit der US Junta auch uns wieder mitschuldig, da wir uns nicht erheben und diese Lumpen davon jagen.
Das wirklich Schlimme ist nun das der US Faschismus seine Opfer zu Terroristen erklaeren kann und dies nicht einmal beweisen muss, auch hier haben alle internationale Gremien klaeglich versagt. Die UN ist zu einer Muppetshow verkommen und der Sicherheitsrat zu einer Mafia-Veranstaltung.
Wird interessant werden!
kb26919 (03.05.2009, 23:17 Uhr)
Keine Gitmo Insassen nach Europa
denn die sind ein US Problem.Wenn sie aber wirklich unschuldig sind dann sollte es fuer die USA kein Problem sein sie dort aufzunehmen.Allerdings sind die US Bewohner vehement dagegen und so sucht Obama Laender in die diese Leute zum Nulltarig entsorgen kann.
Denn in den USA wuerden sofort Prozesse auf Schadenersatz und aehnliches laufen sobald auch nur der Erste dort den Fuss auf den Boden setzt.
blackvalvet (03.05.2009, 20:08 Uhr)
total verblödet
Ich hoffe das war ein Witz,wir sollen Guantanamo Häftlinge (Terroristen,Schläfer,Zellen und Selbstmorddeppen)bei uns aufnehmen weil ihr verschissenes Land sie nicht mehr will ^^^Hahaha gut gelacht wo kommen wir denn hin,als sagen wir mal Laie in dieser Sache fällt sogar mir auf das da was ganz gehörig stinkt.Glaube wir haben in der BRD genug genug vermeindliche Glaubenskrieger aus anderen Kulturen die sich schon jetzt nen Ast darauf freuen wenn ihre Kollegen wirklich zu uns kommen .
Brauchen wir das ? Sind wir ne Müllhalde für ausgesonderte Nachwuchs-terroristen auf Steuerkosten.Sperrt sie in ein Loch und werft den Schlüssel weg,wenn man schon nichts Härteres darf ;-).Glaube die sitzen nicht gerade wegeb Betrugs da ein.
mitlaeufer1it (03.05.2009, 16:03 Uhr)
EUCHELEI
AMERICA verwaltet die ungeheuer im Guantanamo weil die Eu EUCHELER nicht der mut haben
christi24 (03.05.2009, 10:57 Uhr)
Ich muss mich schon sehr wundern ...
über manche Artikel und auch über manche Statements hinsichtlich der USA.
Was genau hat denn eine Merkel letztlich aufzuweisen, dass sie überhaupt ihre Stimme in Richtung Obama erheben kann? Was genau hat denn überhaupt eine deutsche Regierung der letzten Jahrzehnte im Hinblick auf einen Obama aufzuweisen, außerhalb der Strukturzerstörung im eigenen Land und dessen Totalausverkauf? NICHTS!!!Haben nicht Leute wie Steinmeier z.B. im Irak kräftig geholfen, Leute nach Guatanamo zu verbringen? Auch erinnere ich an Kurnaz!!!
100 Tage Regentschaft eines Obama sind nicht viel und schon gar nicht dahingehend, wenn es acht Jahre andauerte mit u. a. auch deutscher Hilfe bzw. Dummheit, das Land in den Dreck zu fahren, wie Bush es gemacht hat.
Die Frage sollte doch wohl weitaus mehr lauten, was haben deutsche Regierungen in Folge im Zeitraum von 20 Jahren überhaupt für Deutschland gebracht gemessen daran, was ein Obama in 100 Tagen für die USA auf die Beine gestellt hat. Außerhalb egomaner Laberei und Politmauschelei kann ich in D absolut nichts feststellen oder wieso hat sich an der Zusammensetzung der ARs und Vorstände der Krisenbanken in D bis dato nichts geändert?. Zu viele Politiker in den Vorständen und ARs? Wer besetzt denn diese Jobs z. B. auch in den nationalen Pleitbanken wie den LBs, so dass diese zwar hin und wieder aufgrund ihrer Verluste und Geldbedürfnisse in die Schlagzeilen geraten, nie aber dahingehend, dass wegen Misswirtschaft Vorstände zum Abschuss freigegeben werden? Siehe auch der Dauerlutscher HRE. Bitte, welche Personalie hat sich hier auf höchster Ebene geändert um überhaupt über Erhalt zu reden?
Angel_of_Mercy (02.05.2009, 21:10 Uhr)
Allianz mit den USA
Unsere Regierungen, sowohl unter Merkel als auch Schröder haben sich zur bedingungslosen Solidarität mit den USA bekannt und das Änschie ging noch eine Schritt weiter und Deutschland an der Seite von Bush in einen Krieg geführt.
Nun kommen unangenehme Konsequenzen auf uns zu und schwups ist die Solidarität wieder weg? Tja, das geht so aber nicht. Deutschland muss für seine Sünden Veranteortung übernehmen. Unsere Regierung und Geheimdienste haben nicht nur von Guantanamo und anderen solchen Gefängnissen gewusst, sie haben sie stillschweigend toleriert und manche sogar geäußert, die durch CIA Folter erlangten Aussagen zu verwenden.
Ja. Deutschland ist schuldig. Rot-Grün und Schwarz-Rot wurden mehrheitlich gewählt.
Es geht außerdem um die Aufnahme von Unschuldigen, aber die mehrheitlichen Kommentare hier zeigen, wir haben nichts aus unserer dunklen Vergangenheit gelernt und stigmatisieren Menschen, nur weil sie in Guantanamo gefangen waren.
Amerika soll sie also aufnehmen?
Ich bin mir sicher, alle die ach so cleveren Kommentatoren hier würden mit Freude in den USA leben wollen, nachdem sie von US Amerikaneren jahrelang gefoltert wurden. Und in den USA wirkt das Stigma Guantanamo noch erheblich schlimmer als hier.
Ansonsten verweise ich gerne auch auf meinen Kommentar von Seite 2.
"Lernen ohne zu denken ist eitel, aber denken ohne zu lernen ist gefährlich."
KHDecker (02.05.2009, 15:04 Uhr)
@sternobyl
Sie haben vollkommen recht: rumtrampeln nicht, jedoch reicht es nach meiner Ansicht nicht, das Obama sagt "das tut uns aber leid". Es müssen auch Zeichen gesetzt werden. Wenn Obama schon nicht in der Lage ist, die im Rahmen der sogenannten "Terrorismusbekämpfung" von US-Amerikanern begangenen Gräueltaten juristisch aufarbeiten zu lassen, dann sollte er zumindest dafür Sorge tragen, dass die USA ohne wenn und aber die westlichen Ideale anerkannt werden.
Sternobyl (02.05.2009, 12:33 Uhr)
@KHDecker
Ich denke, viele Amerikaner haben begriffen, dass die Bush-Regierung mehr in den Sand gesetzt hat, als sie aufgebaut hat. Die Amerikaner haben sich die letzten Jahre allerdings so tief in die Sche;ße gewühlt, dass es schwer für sie ist, da alleine wieder rauszukommen.
 
Natürlich gibt's auch viele Amerikaner die nie zugeben werden, dass ihr Beinhartkurs nichts fruchtet und dass sie Amerika nur noch mehr beschaden.
 
Aber, hey, die Amerikaner haben ihr beste Zeit hinter sich, sollen wir auf den Verlierern rumtrampeln?
KHDecker (02.05.2009, 12:18 Uhr)
Übernehmen ja, aber mit Bedingungen
Deutschland und auch andere Länder sollten den USA helfen, diese Schande des Westens zu beseitigen, aber mit Bedingungen: Die USA sollten sich endlich der Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshof in Den Haag unterwerfen. Noch ist es nämlich so, dass US Soldaten in der ganzen Welt morden und schänden dürfen, und sie werden dabei von den USA gedeckt. Manchmal kommt es zwar zu Anklagen in den USA, aber diese enden häufig mit Freisprüchen, trotz erwiesener Schuld, oder mit läppischen Urteilen.
Die USA sollten allmählich begreifen, dass sie inzwischen zu einer Belastung für die westlichen Wertevorstellungen geworden sind!
Sternobyl (02.05.2009, 11:38 Uhr)
Wir sollten es wie vor 2001 machen
So lange sich die Leute nichts zu schulden kommen lassen, dürfen sie bei uns auch leben.
 
Wo kommen wir da hin, wenn nur einer beschuldigt werden muss, und ab dann ist er eine unerwünschte Person? Ein Alptraum schäubleesker Dimension.
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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