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2. April 2009, 10:40 Uhr

Obama allein unter Freunden

US-Präsident Barack Obama hat sich mit seiner Forderung nach mehr Geld für nationale Konjunkturprogramme wohl nicht durchsetzen können. In ihrer neuen Kolumne "Was die Welt bewegt" schreibt stern-Autorin Katja Gloger über Obamas kühlen Empfang in Europa und die Folgen für die Weltwirtschaft.

 
G20, G-20, Katja Gloger, Barack Obama

Die Kühle und der Superstar: Merkel und Obama beim G20-Gipfel in London© Christopher Furlong/Reuters

Er soll eigentlich ständig schlecht gelaunt sein, heißt es. Er selbst nennt sich einen "geborenen Pessimisten". Jedenfalls war der Mann ein leidenschaftlicher Kritiker der Bush-Regierung: Jahrelang zog er gegen den Irak-Krieg, gegen die unfähige Regierung zu Felde, zweimal in der Woche mit seinem Kommentar in der "New York Times".

Im vergangenen Oktober, die Weltwirtschaft war gerade im freien Fall, bekam er den lang ersehnten Nobelpreis für Ökonomie. Dann gewann Barack Obama die Präsidentschaftswahlen. Doch das besserte Paul Krugmans Laune keineswegs.

Im Gegenteil. Denn jetzt blickt Professor Krugman jeden Tag in den Abgrund. Immer noch muss er die Mächtigen ermahnen. Als ich vor einigen Wochen mit ihm sprach, erlebte ich einen überaus höflichen, aber beinahe verzweifelten Mann. Als ob er bereits sehe, was sich Andere nicht einmal vorstellen können. Die Welt müsse doch viel mehr tun, um diese Krise zu bekämpfen, sagte er im Interview, fast flehentlich. Viele, viele Milliarden Dollar und Euro, mehr für mehr globale Konjunkturprogramme - und zwar rasch. Vor allem aber müsse gemeinsam handeln - und zwar rasch. Nur dann gäbe es noch eine Chance, eine lange Weltenkrise abzuwenden.

Die Welt trotzt der Vernunft

Doch es scheint, als habe sich die Welt entschlossen, seiner Vernunft erst einmal zu trotzen. Und allen voran - so sieht es zumindest der Nobelpreisträger - die Deutschen, die Kanzlerin und ihr Finanzminister. Ihnen bescheinigt Krugman, zu patzen, den Ernst der Lage schlicht nicht zu überblicken.

Typisch amerikanisch? Mal wieder Prügel für Europa, um von eigenen Fehlern, der Gier in der Wall Street, der wahren Verantwortung für die Krise abzulenken? Schön, wenn es so einfach wäre. Ist es aber nicht.

Denn gerade einmal acht Wochen nach Obamas Amtsantritt erweist sich dieser Paul Krugman auch als hartnäckiger Kritiker seines eigenen Präsidenten. Obamas Konjunkturpaket? Auch das zu klein, seziert er gnadenlos. Obamas Bankenrettungsplan? "Cash for trash" fürchtet er - jede Menge Steuergelder für faktisch wertlose Bankpapiere. Und Obamas Finanzminister Tim Geithner, wegen der vielen noch unbesetzten Stellen im Finanzministerium auch "Tim, allein zu Haus" genannt? Ein Mann der Wall Street, eine Fortsetzung der Politik unter Bush, meint er.

Krugman ist nicht allein mit seiner Kritik. Sein Kollege Joseph Stieglitz, auch er Nobelpreisträger, teilt seine Meinung. Der konservative Ökonom sieht Anzeichen von "Inkompetenz", und selbst die liberale New York Times vergleicht Teile von Obamas Rechtspolitik mit - ausgerechnet - George W. Bush.

Nach acht Wochen im Zeitbeschleuniger White House ist Obama auf den Boden der Realitäten geplumpst. Der Messias ist eben auch nur ein Mensch. Er macht Fehler. Er taktiert politisch. International kriegt er gerade die Quittung für die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Alle sind sauer auf Amerika - doch zugleich wartet die Welt darauf, dass der Präsident sie aus dieser Krise führt. Denn wer, wenn nicht Amerikas Konsument, soll letztlich die Weltkonjunktur ankurbeln? Und was liefern ihm die Europäer, allen voran Merkel und Sarkozy? Eine Sonder-Pressekonferenz zum Auftakt des Londoner Gipfels, eine Kampfansage, ein Schmierentheater.

Ein Gipfel jagt den nächsten

Da hastet Obama nun eine Woche in Europa von Gipfel zu Gipfel, stets cool, die schöne Gattin Michelle im Schlepptau. Erst die G20 in London, dann die Nato in Strassburg, anschließend der Europa-Gipfel in Prag, dann noch zwei Tage in der Türkei mit einer Grundsatzrede an die moslemische Welt. So sitzt Mr. President jetzt in London und bittet um global koordinierte Konjunkturprogramme. Nix da, bescheiden ihm Merkel und Sarkozy kühl, die Rettung der Welt muss eben warten. Die Europäer wollen - und bekommen - eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte. Sie fordern Kontrolle über Hedgefonds, das Aus von Steueroasen. Doch Konjunktur-Milliarden? Sollen im Abschlussdokument am besten erst gar nicht erwähnt werden. Man komme sich vor wie bei einem Großbrand, unken entsetzte Beobachter. Da brenne das Gebäude lichterloh, doch die Feuerwehr versuche erst einmal, neue Rauchmelder anzubringen. Paul Krugman sagt es knackiger: "Wir sind dem Untergang geweiht".

Schon vor Beginn der G20 Konferenz - immerhin soll sie den Grundstein für eine neue Weltfinanzordnung legen - hieß es, sei London nur eine Zwischenstation. Sprich: Niemand solle sich große Hoffnungen auf einen echten Durchbruch machen.

Dazu eine Bundeskanzlerin, Europas Nummer Eins, die sich diesen Obama tunlichst auf Distanz hält. Die offenbar glaubt, dass dieser Obama lieber weniger Pressekonferenzen abhalten, ein bisschen weniger First-Family-Show und mehr Substanz liefern sollte. Dabei hatte sie ("Angela mutlos") in dieser Krise eher gezögert, war den Ereignissen hinterhergelaufen. Sie möchte dies als Pragmatismus verstanden wissen und Vorsicht und ein bisschen auch als Widerstand gegen Amerikas überzogene Forderungen. Hatten nicht ihre Mannen dem Druck aus Washington tapfer widerstanden?

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
facilidad_de_ser (02.04.2009, 19:19 Uhr)
Sie fragen sich wofür...
...die 1000 Milliarden gut sein sollen?
Sagt Ihnen das Wort "Währungsreform" etwas?
Nagin (02.04.2009, 17:19 Uhr)
Eilmeldung der Spiegel
Frau Merkel hat den Lichtschalter gedrückt jetzt weren doch 1000Milliarden in das Bankensystem gedrückt und das ist auf jeden fall eine gute NachrichtBin deshalb aber kein ANGIE Fan.
Julian2225 (02.04.2009, 16:34 Uhr)
Man kann sich ueber Angie immer wieder aufregen...
...aber diesmal stimme ich ihr zu, auch wenn ich kein Fan von ihr bin. Was soll dass? Milliarden fuer was?
Wie der Artikel schon sagt, Obama ist auch nur ein Mensch und nicht der allwissende Messias fuer den ihn viele halten. Der kocht seine Suppe nach seinem Rezept, bloss das vorkosten ist nicht erwuenscht! You see, but you can't taste, you can touch, but you can't feel!
Er hat knapp 900Milliarden ausgegeben und das einzige was aufwaerts geht ist der Dow Index. Ist und war und soll das das Ziel sein? Einen Index hochzutreiben wo, wenn Entlassungen anstehen, Aktien Werte wie Raketen in die Hoehe schiessen?
Nee dann lieber mit der Merkel! Wenn sie jetzt noch Opel fuer deren jahrelanges Mismanagement abspeist gewinnt sie doch tatsaechlich einen Pluspunkt bei mir!
RealRock (02.04.2009, 16:33 Uhr)
Wem simst Merkel da?
"Hallo George, wie sehne ich mich nach den Sommertagen, als wir an der Ostsee Spanferkel gegrillt haben :-)"
http://www.focus.de/politik/ausland/merkel-bush_aid_138637.html
Nagin (02.04.2009, 15:51 Uhr)
OK , das wars
Frau Merkel hat wie sagt man:"der letzte macht das Licht aus" ausgeschaltet.
Staudenmaier007 (02.04.2009, 14:44 Uhr)
Verbündete oder Vasallen ?
Der schwarze Mesias kommt - na und ?
Allen Predigten zum Trotz konnte ich bisher
noch keine großen Veränderungen feststellen.
Was genau erwarten wir von Barack Obama ?
Wundertaten ?
Der Mann ist der Präsident der Vereinigten Staaten und wird auch weiterhin die Politik
seines Landes bzw. der dortigen Interessensgruppen fortsetzen.
Er pfeift ein anderes Liedchen zu dem alten Takt.
grafbyte (02.04.2009, 14:41 Uhr)
sind wir schon so korrupt?
da will der obama das was die welt sich wünscht und europa kocht ein ganz anderes süppchen 0o und was für einz?
und es wird weitergehen.. rauben, morden im namen der gesetzes. so wie vor einigen jahren >> http://kjno.net/erdoel-brot-und-korruption-doku-german-anschauen
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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