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19. Juni 2009, 16:20 Uhr

Obama, der Unerbittliche

Im Iran wird der demokratische Protest Hunderttausender unterdrückt, doch der US-Präsident schweigt. Warum? Barack Obama will um jeden Preis die iranische Atombombe verhindern. Menschenrechte passen gerade nicht in seine Strategie. Die Welt erlebt jetzt den Machtpolitiker Obama, einen eiskalten Realo. Von Katja Gloger

 
Iran, USA, US-Regierung, Barack Obama, Atombombe

Im Konflikt um die iranische Atombombe zeigt sich US-Präsident Obama auch von seiner harten Seite© Haraz N. Ghanbari/AP

Kaum jemand nutzt die Macht der Worte so wie er, Barack Obama. "Words matter", pflegt er zu sagen. Worte sind etwas wert. Mit der Kraft seiner Worte gewann er einen der härtesten Wahlkämpfe aller Zeiten. Die werbende Macht seiner Worte ließ er die Welt zuletzt in Kairo spüren, als unter der hohen Kuppel der altehrwürdigen Universität die Botschaft eines neuen Miteinanders mit der islamischen Welt verkündete. Und das wichtigste, das größte seiner Worte war stets: Hoffnung. Die Hoffnung auf selbstbestimmte Veränderung.

Eine Hoffnung, die gerade Hunderttausende junger Iraner auf die Strasse treibt. Eigentlich müssten die Demonstranten, müsste die Welt jetzt ein paar wichtige Worte von Barack Obama hören, dem Führer der freien Welt.

Schweigen im Weißen Haus

Doch es herrscht merkwürdige Stille. Da dringen Töne eines Jazz-Workshops für Jugendliche aus dem Weißen Haus, aber keine klare Stellungnahme zum vermuteten Wahlbetrug im Iran. Bestenfalls ringt sich Obama zu ein paar Allgemeinplätzen durch: "Ich bin sehr beunruhigt." Oder: "Es gibt Menschen im Iran, die mehr Demokratie sehen wollen. Wie sich dies in den kommenden Wochen entwickelt, kann nicht vom amerikanischen Volk entschieden werden." Von Wahlfälschung, Betrug, den mindestens acht Toten, den Dutzenden Verletzten - bislang kein Wort.

Da ist er gerade mal ein paar Monate im Amt, und schon scheint er bereit, seine Ideale auf dem Altar der Realpolitik zu opfern? So sehen es zumindest die ewigen Rechthaber, und der Kommentator des stramm konservative "Wall Street Journal" gehört stets gerne dazu: "Der Mann, der, sagt, dass Worte wirklich etwas wert sind, weigert sich, ein Wort der Unterstützung an das iranische Volk zu richten. Nach diesem Maßstab hätten die USA ja niemals sowjetische Dissidenten unterstützen dürfen, denn das hätte ja vielleicht die Abrüstungsverhandlungen gestört." Und - fast noch schlimmer für einen überzeugten amerikanischen Patrioten rechter Gesinnung - da sei der französische Präsident mit Kritik am Wahlbetrug voranmarschiert. Ausgerechnet ein Franzose, Lieblingsfeind seit dem Unabhängigkeitskrieg - und der ist schon über 200 Jahre her! Und der republikanische Senator John McCain konnte mal wieder so richtig ausholen: "Der Präsident sollte klar und deutlich sagen, dass dies eine korrupte Wahlfarce ist", tönte er.

Der eiskalte Machtpolitiker

Ist Barack Obama also doch ein Machtpolitiker, einer von denen da oben? Interessengetrieben, pragmatisch, eiskalt? Ja. Ist er. Obama weiß, was er will. Er ist geduldig, er ist freundlich, er ist vorsichtig, auch kooperativ. Und vor allem ist er knallhart.

Denn in der Iran-Frage steht zuviel auf dem Spiel, viel zuviel. Vielleicht sogar ein Krieg. Es scheint paradox: die demokratisch gesinnten Demonstranten in den Straßen der iranischen Städte durchkreuzen da gerade Obamas Iran-Zeitplan.

Hinter den Kulissen versuchen sich die beiden Länder seit Monaten in einer von tiefem Misstrauen geprägten Annäherung. Obama hat eine Offensive des guten Willens ausgerufen. Seit 30 Jahren, seit dem Geiseldrama in der US-Botschaft in Teheran, befinden sich die USA in einer Art unerklärtem Kriegszustand mit dem Iran. Für den Iran gilt dies seit 58 Jahren: damals putschte sich der Schah mit Hilfe der CIA auf den Pfauenthron.

Strategie der Annäherung

Jetzt aber scheint es, als ob die beiden Länder langsam aus ihrer Erstarrung erwachten. Und dabei übertreffen sie sich in hintergründiger Symbolik. Im März eröffnete Obama den Reigen mit seiner Neujahrsansprache an das iranische Volk - eine Aufforderung zum Dialog. Seine wahre Botschaft an die iranische Führung aber lautete: Absage an die Bush-Ideologie des "regime change". Bereitschaft zu Verhandlungen mit der islamischen Führung. Und so klingt Obama auch in diesen Tagen: Er achte die Souveränität des Iran, sagt er.

Eine Woche später nur, Ende März, so weiß das Nachrichtenmagazin "Time" zu berichten, sprach ein amerikanischer Diplomat auf neutralem Moskauer Boden mit einem iranischen Kollegen über ökonomische Fragen. Kurz darauf soll der Sondergesandte Richard Holbrooke die Hand eines stellvertretenden iranischen Außenministers geschüttelt haben. Als ob dies schon zuviel der Annäherung sei, musste der Iraner dementieren, dass es zu einem handshake kam. Aber dann ließ Teheran die amerikanische Journalistin Roxana Saberi frei, die man wegen angeblicher Spionage zu acht Jahren Gefängnis verurteilt hatte. Ein Test, hieß es in Teheran. Zuletzt, so berichtet "Time", soll Teheran auch grünes Licht für die Reise eines US-Diplomaten in den Iran gegeben haben. Die soll - bislang - im Sommer stattfinden.

Vor allem aber erklärte sich die Obama-Regierung vor zwei Monaten bereit, ohne weitere Vorbedingungen mit dem Iran über das Nuklearprogramm zu verhandeln. Das schien bislang so gut wie unmöglich: Die Aufhebung der Urananreicherung galt als Grundvoraussetzung.

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

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KOMMENTARE (10 von 24)
 
Carolarco (20.06.2009, 15:16 Uhr)
Gloger-Artikel...duemmlich.
Ob USA sich nun einmischt oder nicht.. In den Augen einiger professioneller USA-Hasser sind beide Optionen verwerflich.
Ach, wenn Dummheit weh taete ...
dieterschultz (20.06.2009, 12:23 Uhr)
Frau Gloger - Peinlich !!!
Hat man beim STERN erkannt wie dumm der Artikel ist und ihn deshalb so schnell nach " hinten " versetzt???
Watschdog39 (19.06.2009, 19:36 Uhr)
Komisch, wie da Frau Glogger
von einem Präsidenten verlangt, er solle auf Vorwürfe eines Wahlverlierers hin und daraus resultierenden inneren Unruhen in einem souveränen Staat in irgendeiner Weise Stellung nehmen. Der Mann schaltet erst mal sein Gehirn ein, Frau Glogger, nicht wie sie und ihre Kollegen, die sie Vermutungen als feststehende Tatsachenbehauptung verbreiten. Auch wenn man es 1000 mal behauptet, so wird aus einer Lüge keine Wahrheit. Es gibt ja Gottseidank noch die Möglichkeit auch andere Informationsquellen zu benutzen; wenn unsere Regierung die Zensur durchführt, die sie als "Kampf gegen die Kinderpornografie" getarnt hat, werden wir wohl glauben müssen was und diese Schreiberlinge vorsetzen.
Erst wenn im Iran die Vorwürfe überprüft wurden und dann ein Offizielles Ergebnis vorliegt, kann man von Wahlbetrug oder nicht reden. Jetzt ist alles nur heiße Luft.
Frank_aus_Genf (19.06.2009, 19:09 Uhr)
@ floyd77
hallo Floyd!
Schön mal wieder Reaktionen von "alten Bekannten" zu lesen... ;-)
Wieder einmal sehe ich das genauso und Deine Reaktion ist nicht im mindestens eine Korrektur meiner Ansicht!
Da aber von keinem Menschen auf dieser Welt zu erwarten ist, dass er jahrzehnte alte, vielleicht sogar jahrhunderte alte politische Strukturen auf ein Mal in die Hand nimmt und ändert, denke ich, dass seine bisheriges Verhalten gegenüber der islamischen Welt (jetzt auch sein Schweigen in sachen Proteste im Iran) sehr wohl ein erster Schritt in der Demontage des Feindbildes ist. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dies auch zahlreichen direkt Betroffenen so empfunden wird!
"Step by step" mein lieber Kommentarkollege und noch ein schönes Wochenende!
grafbyte (19.06.2009, 18:55 Uhr)
weniger ist mehr..
ja die füsse stillhalten.. sont wird der hass auf die usa abgewelzt und umgeleitet. eigentlich könnte nicht besseres passieren um den iran etwas ins wankeln zu brigen. wie das endet ist bestimmt nicht schön.. aber die opfer werden leiden und das soll nicht die usa sein.
DooDoo (19.06.2009, 18:33 Uhr)
Erst denken, dann schreiben ...
Was würde passieren, wenn Obama jetzt, wie von Frau Gloger vermisst, lautstark den Weltpolizisten geben würde? Die Hardliner bekämen jede Menge Wasser auf die Mühlen und könnten in Zukunft jede Demo erst recht als von den USA initiiert verunglimpfen. Die Oppositionsbewegung würde sich zersplittern oder gleich aufhören zu existieren, weil sie sich des Verdachts der Solidarität mit den USA aussetzen würde. Dass Obama schweigt ist also goldrichtig.Das kann sich eigentlich jeder ausrechnen, es sei denn er schreibt für stern.de
Bunsenbrenner (19.06.2009, 18:21 Uhr)
Er macht es wirklich richtig!
neben Israel ist die USA nunmal der Hauptfeind der Erzkonservativen im Iran. Sie wuerden einen naiven Kommentar von Obama fuer ihre Propaganda nutzen. Das koennte im schlimmsten Fall sogar ein Blutbad dort ausloesen. Er macht also das einzig richtige - eben ein "Realo" und kein Spinner, der alles richtig machen will und die Situation damit noch mehr in die Sch... reitet.
ganzbaf (19.06.2009, 18:20 Uhr)
@student, screne...

Sehe ich auch so.
H.P. (19.06.2009, 18:09 Uhr)
gerade der Westen ist größte Feind der Natur
Da wir selbst dabei sind die Welt zu zerstören, sollten wir erst einmal bei uns selbst anfangen. Erst wenn wir ein Interesse daran zeigen uns zu verändern werden wir glaubwürdiger im Nahen Osten.
Obama sollte sich politisch nicht einmischen. Wir das Volk sollten solidarisch mit dem iranischen Volk auf die Straßen gehen und uns für eine bessere Demokratie Welt einsetzen, denn gerade der Westen ist größte Feind der Natur, der die Welt in den Abgrund stürzt, nicht der Iran mit seiner Bombe.
http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
Doshi (19.06.2009, 18:04 Uhr)
STERN weiss alles - nämlich NICHTS
Wie irre und dumm ist der Artikel und ist die Überschrift! Na klar, der amerikanische Präsident wird alles in der Öffentlichkeit bzw. der BILD und dem STERN sagen, was hinter den Kulissen passiert...
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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