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9. April 2009, 13:10 Uhr

Obamas Saat am Bosporus

Bei seinem Besuch in der Türkei umwarb Barack Obama das Land, als ob er ein Verkäufer türkischen Honigs sei. Kein Wunder, denn Ankara ist ein Joker im geopolitischen Spiel der USA. Dabei geht es nicht nur darum, islamische Herzen zurückzugewinnen. Von Katja Gloger

 
Barack Obama, Obama, Türkei, Besuch, Gas

Sanfter Auftritt auf blauem Teppich: Barack Obama hat die Türkei im Sturm erobert© Jason Reed/Reuters

Okay, der Mann hatte zugehört, geduldig zugehört. Vielen zugehört. Er hatte Verantwortung für die Weltwirtschaftskrise auf seine schmalen Schultern geladen, dann ein paar Kompromisse unter zankenden Staatenlenkern vermittelt, und seine Frau Michelle hatte selbst die hartgesottene Queen verzückt. Barack Obama wollte Vertrauen schaffen, ein neues, vielleicht bescheideneres Amerika vorstellen - und um der lieben Einigkeit mit diesen merkwürdigen Europäern zuliebe hatte er auf Forderungen nach mehr Geld für die Konjunktur, nach mehr Soldaten für Afghanistan verzichtet. Und sorgte mit seiner ebenso schönen wie unrealistischen Vision von einer atomwaffenfreien Welt auch noch für die massengerecht verpackte Vision. Yes. We. Can.

Da schält sich so etwas wie eine Anti-Bush Doktrin heraus, pragmatisch, auf Gemeinsamkeiten abgestellt. Lieber Konsens als Krise, lieber Gruppenfoto als Gezanke. Obama erhielt wenig echte Unterstützung, aber er wurde wenigstens ordentlich zurückgeliebt von den Europäern, und selbst die sonst so ergebnisorientierten Amerikaner ("Und was springt für uns dabei heraus?") fühlten sich zum ersten Mal seit Jahren wieder von der Welt gemocht. Obama betreibe Diplomatie der kuscheligen Gruppenumarmung, heißt es in Washington.

Soweit das Augenfällige. Den wichtigsten Teil seiner Reise aber hatte sich Präsident Obama zum Schluss aufgespart: seinen Staatsbesuch in der Türkei - gleich zwei Tage lang. Er hatte diese letzte Station seiner ersten Auslandsreise erst angekündigt, als er wusste, dass er von den Europäern keine Zugeständnisse in Sachen Finanzen, in Sachen Afghanistan bekommen würde.

Und er umwarb das Land, als ob er selbst ein Verkäufer türkischen Honigs sei. Handelte mit Verve den Kompromiss aus, mit dem der Däne Rasmussen seinen Job als Nato-Generalsekretär erhielt: Als Preis bekommt das Nato-Mitglied Türkei einen Stellvertreter-Posten. Und vielleicht wird jetzt auch der kurdische TV-Sender Roj TV geschlossen, der von Dänemark aus sendet. Er vermied das "G-Wort", den Genozid, den Völkermord an den Armeniern 1915. Auch in den USA täte man sich schwer mit "unserem Erbe der Behandlung der eingeborenen Amerikaner", säuselte er verständnisvoll - und pries den Beginn einer neuen diplomatischen Ära zwischen Armenien und der Türkei.

Mehr noch: Deutlich, überdeutlich wiederholte Barack Obama die Forderung seines Vorgängers George W. Bush nach einer Aufnahme der Türkei in die EU. Der eigentliche Sieger der ersten Obama-Reise nach Europa heißt Türkei.

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

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KOMMENTARE (10 von 23)
 
muhtesem1 (10.04.2009, 10:30 Uhr)
@ganzbaf (10.4.2009, 8:40 Uhr) Eu und NATO sind im Grunde nicht viel besser....
war es denn nicht so geplant, dass man den warschauer pakt und die nato auflöst? den warschauer pakt gibt es nicht mehr. komisch nur, warum wir immernoch die nato brauchen, wo sie doch gegen den w.pakt entstand. aber in wort brechen und im vertragsbruch war uns ist die westlich christliche welt weltmeister und unschlagbar!!! dann gibt es menschen und politiker;-) die putin verurteilen, wenn der mal wahre und ernste worte spricht. dann wunder sich der westen, wenn iran moniert, oder ein anderer eine gegen den sinn eines westl.christl. staat etwas aussagt. pfui .....sag ich nur.
muhtesem1 (10.04.2009, 10:17 Uhr)
Nachbesserung zu muhtesem1 (10.4.2009, 0:11 Uhr)
---die türkei wurde 1923 gegründet. sie entstand aus ursprünglich mind. 23 anderen nationen. wenn man diesen einen genozid nur annähernd beweisen könnte, dann müsste man all diese nationen verurteilen. aber nicht allein die heutige türkei!----
-----------------------------
es waren keine 23 völker, sondern mind. 28
ganzbaf (10.04.2009, 08:40 Uhr)
Eu und NATO sind im Grunde nicht viel besser....

als der Warschauer Pakt.
Sie gehören aufgelöst.
Wir brauchen mehr freiwillige Kooperationen und eine starke UN.
muhtesem1 (10.04.2009, 00:13 Uhr)
onkel.erwin (9.4.2009, 15:56 Uhr) Eines habe ich in 20 Jahren Deutschland gelernt:
zitiere: Niemals die Wahrheit sagen. Es findet sich garantiert jemand, der übelnimmt.--
das kann hier jeder erkennen!!! du bist ein linker lügner.
muhtesem1 (10.04.2009, 00:11 Uhr)
onkel.erwin (9.4.2009, 15:38 Uhr) @ mrcan
@ onkel erwin, die mrcan hat sie wohl in die ecke getrieben was;-) sie kleiner scheisser, können nur noch mit dingen argumentieren, die hier in keinster weise her gehören?!!!! aber so kennen wir das von diesen dummen und ungebildeten, selbsernannten historikern...hahahaha.....dolle!!!
muhtesem1 (10.04.2009, 00:07 Uhr)
hasans (9.4.2009, 15:14 Uhr) Genozid?
die türkei wurde 1923 gegründet. sie entstand aus ursprünglich mind. 23 anderen nationen. wenn man diesen einen genozid nur annähernd beweisen könnte, dann müsste man all diese nationen verurteilen. aber nicht allein die heutige türkei!
muhtesem1 (10.04.2009, 00:04 Uhr)
onkel.erwin (9.4.2009, 15:11 Uhr) Völkermord bleibt Völkermord.
alle staaten die ohne eine gerichtsverhandlung einen anderen staat eines völkermordes beschuldigen sind bananenstaaten. sie glauben an demokratie, setzen es aber selbst nicht ein. es gibt nicht den geringsten beweis für einen völkermord. wenn es diesen geringsten beweis gäbe, dann hätte man die türkei schon längst verurteilt. was macht man stattdessen? mann wirft mit schmutz, denn mit schmutz zu werfen braucht es keinerlei beweise. wie dumm müssen diese menschen nur sein, die sich an sowas aufhängen??? ;-)
muhtesem1 (09.04.2009, 23:55 Uhr)
@onkel.erwin (9.4.2009, 14:18 Uhr)
morgenthau,lepsius & co sind lügner und schlimmere karl mays. also lügengeschichtenerzähler. nur reine propaganda erzählungen, die nicht die geringste bedeutugng vor einem ordentlichen gericht oder geschichtsbuch haben. sowas kann auch nur jemdan weitererzählen, der ungebildet und dumm ist!!! onkel erwin, du bist jemand der rein türkeifeindlich eingestellt ist und keineswegs an wahrheit interessiert!!!
onkel.erwin (09.04.2009, 16:53 Uhr)
dear guzziman,
leider kann ich Ihren Optimismus nicht teilen. Die Türkei wird ihren Verbleib in der NATO (und damit die Positionierung weiterer strategischer Mittelstrecken-Atomraketen gegen Rußland) sowie die Erlaubnis der Führung von Erdölpipelines quer durch das Land ganz sicher von einem EU-Beitritt abhängig machen. Und damit ist dieser so gut wie sicher. Der 51. Bundestaat (die BRD) wird sich dem dringenden Wunsch von BHO nicht versagen können. Haben Sie schon mal von der sog. Kanzlerakte gehört?
guzziman (09.04.2009, 16:10 Uhr)
Die Türkei
in die EU zu integrieren wird auf Jahre hinaus Fiktion bleiben. Ich hoffe, das Merkel hat Obama dies klargemacht.
Ansonsten bin ich mit der Politik Obamas 100% konform.
Alles andere wäre hirnrissig und dumm.
Den Weg den er geht ist der einzig richtige für die Welt und letztendlich auch Deutschland. Wem es bei den Russen besser gefällt der kann dieses Land gerne verlassen, den brauchen wir hier nicht.
Die Deutschen, die jetzt ihr Land verlassen, nur weil sie mit den Problemen nicht zurecht kommen brauchen wir auch nicht. Es sind elende Feiglinge die gerne im Ausland ihr Glück versuchen können. Aber kommt dann nicht zurück und verlangt Hilfe von usn. Feiglinge haben hier nichts zu erwarten.
Ausserdem müssen wir hier in Deutschland noch durch einige Probleme hindurch: Ausländerpolitik (diese muss verschärft werden, z.B. müssen Straftäter samt ihrer Familien ausgewiesen werden) sowie Verschärfung der Asylpolitik, Kampf gegen Rechte Verbrecher, kampf gegen unfähige Politiker sowie Bankster und korrupte Manager...
Es gibt viel zu tun. Stehn wir endlich auf und packen wir es an!
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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