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Hat Donald Trump wirklich das mächtigste Atomwaffen-Arsenal aller Zeiten?

Donald Trump droht Nordkorea mit "Fire and Fury", sein Verteidigungsminister ergänzt lakonisch, Kim Jong Un werde jeden denkbaren Konflikt auf jeden Fall verlieren. Aber ist das nukleare Arsenal der USA wirklich "stärker und mächtiger als je zuvor"?

Eine Interkontinentalrakete vom Typ LGM-30G Minuteman III in ihrem Silo.

Eine Interkontinentalrakete vom Typ LGM-30G Minuteman III in ihrem Silo.

Gegenüber Nordkorea und seinen Anhängern tönte Trump, das nukleare Arsenal der USA sei "nun viel stärker und mächtiger als je zuvor". Den Grund dafür nannte der US-Präsident gleich mit, er selbst sei natürlich für die Kampfkraftsteigerung verantwortlich: "Meine erste Amtshandlung als Präsident war es, unser Nukleararsenal erneuern und modernisieren zu lassen".

Keine neuen Waffen

Beide Behauptungen sind zumindest mächtig übertrieben. Eine wirkliche Modernisierung des Atomwaffenarsenals hat Trump bislang weder angeordnet, geschweige denn durchgeführt. Zumindest wenn man sich darunter die Einführung neuer Hardware vorstellt. Entwicklung, Test und Einführung von Trägerraketen und Gefechtsköpfen dauern Jahre. Selbst wenn am ersten Amtstag ein entsprechendes Programm gestartet hätte – was er nicht getan hat – müsste er schon zwei Amtszeiten durchhalten, um der Truppe irgendeine neue Rakete übergeben zu können.

Laufendes Modernisierungsprogramm

Die Atomwaffen der USA sind immer noch eine furchterregende Bedrohung für jeden Gegner – aber zahlreiche Systeme sind in die Jahre gekommen. Bekannt ist die Absurdität, dass Computer der strategischen Atomwaffen mittels Floppy-Disc gestartet werden. Aus diesem Grunde ordnete Trump-Vorgänger Obama 2010 ein umfassendes Erneuerungsprogramm an. Das läuft derzeit durch, wie geplant. Änderungen seit dem Amtsantritt Trumps gibt es nicht. "An unseren Gefechtsköpfen und Bomben hat sich nichts Umfassendes geändert, was sie mächtiger machen könnte", sagte Todd Harrison vom Center for Strategic and International Studies zu Bloomberg. "Es gibt auch keine Veränderungen im Budget, das läuft alles nur weiter – sie haben nichts gestoppt, nichts abgebremst und auch nichts beschleunigt." 

Richtig ist, dass Trump eine Woche nach Beginn seiner Präsidentschaft eine Art Zustandsbericht über das US--Arsenal anordnete. Das wäre der erste Schritt, um weitere Maßnahmen zu einer Modernisierung einzuleiten – nur konkrete Projekte sind bislang nicht begonnen worden.

Hardware ist nicht alles

Blickt man auf die militärische sind die Trump-Tweets die gewohnte Mischung von Bluff und Unwahrheiten. Dass Donald Trump aber mal wieder gelogen habe, wie manche Medien tönen, ist allerdings auch eine plumpe Vereinfachung. "Mächtig" muss nicht unbedingt neue Waffen bedeuten. Denkbar wäre auch, dass sich der Präsident auf Reaktionszeiten und Einsatzbereitschaft bezieht. Geheime Daten, die von außen kaum jemand bestätigen kann oder begründet in Frage stellen könnte. Der parteiübergreifend angesehene Verteidigungsminister James Mattis stützt Trumps Version. Er schrieb, der angehende Präsident "wurde im Dezember auf die wachsende Bedrohung hingewiesen. Nachdem er die Geschäfte übernommen hat, betrafen seine ersten Anordnungen an mich, die Einsatzbereitschaft unser Raketenabwehrkräfte und unsere nuklearen Streitkräfte."

Für Nordkorea ohne Bedeutung

In Bezug auf einen drohenden Konflikt mit sind etwaige Neuentwicklungen vollkommen belanglos. Neue Systeme und Gefechtsköpfe bringen nicht mehr Sprengkraft, sie werden entwickelt, um komplexe und gestaffelte Systeme zur Abwehr von Raketen zu durchbrechen. Sie dienen dazu, Einrichtungen wie den amerikanischen Raketenschutzschild wirkungslos zu machen. Umgekehrt müssten US-Raketen die bekannten russischen Abwehranlagen überwinden – zu denen seit kurzem auch noch die S-500 Triumfator-M gehört. Eine schwere Aufgabe für die amerikanischen Minuteman-III-Raketen, die vor 40 Jahren entwickelt wurden.

Anlass für das Modernisierungsprogramm Obamas und ein vermutlich noch folgendes umfassenderes Programm der Trump-Regierung sind Länder wie Russland und China mit ihren fieberhaften Entwicklungen in der Raketentechnik. Sie bereiten Washington Kopfzerbrechen. Schon im Jahr 2018 soll Moskau etwa die Interkontinentaltalrakte RS-28 Sarmat in Dienst stellen – sie bringt eine Nutzlast von zehn Tonnen in den Orbit. Vermutlich wird die RS-28 Sarmat weit weniger Sprengköpfe mit sich führen, als möglich wären, um so Raum für Systeme gegen Abwehrraketen zu schaffen. Denkbar ist sogar, dass die RS-28 Hyperschall-Gefechtsköpfe tragen können. Gegen derartige Bedrohungen richten sich die Modernisierungs-Maßnahmen der .

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Nordkorea hingegen verfügt über keine nennenswerten Abwehrsysteme – weder gegen US-Stealth-Jets, noch Cruise Missiles oder ballistische Raketen. Und diese Waffen hat Donald Trump durchaus in Stellung bringen lassen. Für einen Krieg mit Nordkorea ist das ein mächtiges Arsenal. Auch hier stützte der Ex-General "Mag Dog" Mattis die "fire and fury"-Aussage Trumps mit ruhigeren, in der Sache aber genauso deutlichen Worten. "Nordkorea sollte aufhören, Schritte zu planen, die zum Ende des Regimes und der Zerstörung des Volkes führen würden", warnte Mattis.  Das Regime von Kim Jong Un hätte nicht den Hauch einer Chance, der Macht der USA zu widerstehen. Jede denkbare Aktion des Regimes würde "von unseren Maßnahmen bei weitem übertroffen werden. Sie werden jeden Rüstungswettlauf und jeden Konflikt, den sie beginnen, verlieren."


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