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18. Oktober 2007, 06:30 Uhr

Die Bush-Ladys brechen aus

Die US-First Lady Laura Bush galt bislang als Musterbeispiel für eine präsidiale Langeweiler-Gattin. Blass, brav, steif. Doch nun dies: Ungewohnt laut fordert sie scharfe Sanktionen gegen Burmas Militärjunta. Und auch Tochter Jenna bricht aus ihrer Image-Festung aus. Von Katja Gloger, Washington

Präsidententochter Jenna Bush bei der Vorstellung ihres Buches im Unicef-Haus in New York© Bryan Bedder/Getty Images

Sie passte so wunderbar in die Kiste der Klischees. Jahrelang galt Jenna Bush, 25, Tochter des mittlerweile wohl unbeliebtesten Präsidenten der USA, als rabaukiges "party-girl" aus Texas, das Reportern vorzugsweise die Zunge rausstreckte. "The blond one", lästerte man über sie. Wie ihre Zwillingsschwester Barbara schien auch Jenna stets ein bisschen zu sehr auf Krawall gebürstet, hatte Schlagzeilen vor allem mit studentischen Alkohol-Eskapaden gemacht. Die hatten bei ihr zu zweimaliger Verhaftung sowie kurzfristigem Führerschein-Entzug und richterlich angeordneter kommunaler Sühnearbeit geführt.

So sind sie halt, dachte man sich, die Bushs aus Texas. Nicht ganz so extravagant vielleicht wie Alice Roosevelt, Tochter des 32. Präsidenten der USA, die vorzugsweise rauchend auf dem Dach des Weißen Hauses saß und ansonsten Besucher mit einer um ihren Hals gelegten giftgrünen Boa Konstriktor in Panik versetzte. Aber die Bush-girls waren eben auch nicht so brav wie Amy Carter oder gar die engelsgelockt- perfekte Chelsea Clinton.

Laura Bush wird politisch

First Lady Laura Bush hingegen galt bislang eher als Musterbeispiel für eine präsidiale Langeweiler-Gattin. Blass, brav, steif. Kein Glamour wie einst bei Jackie Bouvier-Kennedy, sondern breitester Texas-Akzent. Und in die Politik ihres Mannes wolle sie sich nicht einmischen, betonte sie stets - ganz anders als einst Hillary. Die Clinton.

Doch in diesen Wochen scheint auf einmal alles ganz anders. Da brechen Mutter und Tochter doch glatt aus der Festung aus, die "Weißes Haus" heißt. Während George W. öffentlich über die Gefahr eines Dritten Weltkrieges spekuliert, nutzen sie den Namen Bush weltweit für - kaum zu glauben - noble Anliegen. Und das ist mehr als die verzweifelte Marketing-Maßnahme für einen isolierten Präsidenten. Es ist wie eine kleine Befreiung.

Schon seit längerer Zeit engagiert sich die Bibliothekarin Laura Bush für die Demokratiebewegung in Burma. Vor fünf Jahren wurde sie von einer Verwandten auf das Schicksal der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aufmerksam gemacht. Seitdem fordert Laura Bush die Aufhebung ihres Hausarrestes und scharfe Sanktionen gegen das Militärregime. In diesem Frühjahr nahm sie an einer Burma-Konferenz der von ihrem Mann so verachteten Vereinten Nationen teil, zeigte BBC-Dokumentarfilme im Kino des Weißen Hauses, lud Dissidenten in den East Wing ein, den Wohntrakt der Präsidentenfamilie. Sie tritt im US-Kongress auf, schreibt Leitartikel, fordert die Militärjunta t ebenso laut wie hartnäckig auf, demokratische Reformen zu beginnen. "Oder verschwindet endlich!" "Je länger ich im Weißen Haus lebe", sagte Laura Bush vergangene Woche der Washington Post, "desto klarer wird mir, dass ich mich zu all den Dingen äußern kann, die mir wichtig sind. Und das gedenke ich, auch weiterhin zu tun." Zwar ist jede Äußerung mit ihrem Mann oder US-Außenministerium abgesprochen. Doch selbst Kritiker würdigen ihr Engagement: "Ich bin ein großer Kritiker ihres Mannes", meint Tom Malinowski von der US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, " doch was Burma betrifft, so glaube ich, dass sie das Richtige tut."

Jenna Bush wird literarisch

Vor allem aber macht "party-girl" Jenna Bush von sich reden. Sie gibt ihr Debüt als Erwachsene. Da kam zunächst ihre Verlobung mit Henry Hager, 29, einem rotwangigen erzkonservativen jungen Mann aus erzrepublikanischer Familie im erzkonservativen Virginia , der einst bei Karl Rove arbeitete und seinen zukünftigen Schwiegerpapa brav um Jennas Hand bat. Da war sein ultraromantischer Antrag bei Sonnenaufgang auf einem symbolbesetzten Berggipfel im Bundesstaat Maine - dort, wo jeden Morgen die ersten Sonnenstrahlen die USA erreichen sollen. Und seitdem spekuliert man natürlich heftig über eine rauschende Hochzeitsparty im Weißen Haus - ein Fest, das Papa George W. den ansonsten sehr tristen Abgang in die Geschichte wenigstens noch ein bisschen verschönern könnte.

Mehr noch: die junge Grundschullehrerin hat ein Buch geschrieben, "Anas Geschichte", heißt es. Ein Jugendbuch, das gleich mehrere brisante Themen behandelt: Armut, sexuellen Missbrauch, frühe Schwangerschaft und HIV/AIDS. "Anas Geschichte" erzählt die wahre Geschichte eines heute 17jährigen Mädchens aus Mittelamerika. Der Name "Ana" ist ein Pseudonym - denn Ana ist HIV-infiziert.

Jenna Bush hatte an einer Schule in Washington unterrichtet, bevor sie im vergangenen Jahr für die UN-Kinderhilfsorganisation Unicef nach Mittelamerika ging. Dort traf sie Ana. Ana kam HIV-positiv zur Welt, ihre Eltern starben an AIDS, als sie noch ein Kleinkind war. Sie wuchs bei ihrer Großmutter auf, bis heute darf niemand erfahren, dass sie HIV-infiziert ist. So wie bis heute auch niemand erfahren darf, dass sie von einem Mitglied der Familie sexuell missbraucht wurde. Ana bekam ein Kind, als sie selbst noch ein Kind war. Doch Ana war bereit, der jungen blonden Frau aus Amerika ihre Geschichte zu erzählen. Und Jenna Bush setzte sich in den Kopf, ein Buch über Anas Leben zu schreiben. Eigenhändig, alleine, ohne Ghostwriter.

"Ich möchte nur eine faire Chance"

Der Rest folgte dem klassischen Muster des Washingtoner Polit-Marketing. Mama Laura vermittelte Robert Barnett, DEN Rechtsanwalt der Stadt, der auch Kunden wie Alan Greenspan und Lynne Cheney bei ihren Millionen-Buchverträgen vertritt. Laura Bush las Korrektur, die Startauflage beträgt 500.000 Exemplare, und ihre erste Lesereise führt die Jung-Autorin durch 25 Städte in den USA. Das Buch zählt geschlagene 102 Kapitel, einige nur wenige Zeilen lang, und den Lektoren sind dabei wohl Sätze entgangen wie etwa: " Er hatte wilde Augen, wie die eines Pumas" oder: "Sie wurde in eine Decke gewickelt, wie ein Burrito." Es ist kein literarisches Meisterwerk, aber es erzählt eine wahre, eine wichtige Geschichte. Zum Entsetzen jedes echten Konservativen fordert es Jugendliche sogar zum Gebrauch von Kondomen auf. Und das, obwohl Papa Bush gerne Abstinenz bis zur Ehe propagiert.

Alle Erlöse - auch die einigen Hunderttausend Dollar Honorar für Jenna Bush - gehen in einen Unicef-Fonds, aus dem unter anderem Anas Ausbildung gezahlt werden soll. "Jenna Bush ist eine Sprecherin für globale Chancengleichheit" jubelt das Nachrichtenmagazin Newsweek.

Und Jenna tat, was alle Autoren tun, die ein Buch zu vermarkten haben: sie ging auf Werbetour. Saß brav in nahezu allen Talkshows aller großen US-Fernsehsender, beantwortete lebhaft alle Fragen. Es waren viele Fragen, auch nach Aids und Armut, vor allem aber nach ihrem Vater und seinem Krieg. Immer wieder auch die Frage, die Schauspieler Matt Damon einst öffentlich gestellt hatte: Warum sie und ihre Zwillingsschwester nicht im Irak dienen, da doch der Krieg angeblich so eine noble Sache sei? "Ich glaube, meine Kenntnisse besser bei Unicef nutzen zu können", sagt sie dann mit ihrer tiefen Stimme und weiß, eigentlich reicht diese Antwort nicht. Sie muss sich auch fragen lassen, warum sie ihren Vater nicht für dessen Irak-Politik kritisiert. "Es ist schwer, zuzusehen, wenn mein Vater kritisiert wird", sagt sie dann, ganz Tochter. "Niemand will Krieg. Auch er nicht. Er ist mein Vater, der beste auf der Welt. Er kam zu meinem Fußballtraining, er feuerte mich an und er jubelte mir selbst dann noch zu, wenn ich ein Eigentor schoss."

Ihr Vater, sagte sie, habe sie gewarnt. Mit diesem Namen sei sie ein leichtes Ziel für Bush-Gegner. "Ein Sündenbock." Dieses Risiko nimmt sie in Kauf. "Ich möchte nur eine faire Chance", sagt sie.

Noch bis zum profitablen Weihnachtsgeschäft wird Jenna Bush für Ana und ihre Geschichte werben. Dann wird Amerikas First Daughter das Projekt Hochzeit in Angriff nehmen.

Katja Gloger

Katja Gloger Die US-Hauptstadt ist ein politisches Haifischbecken, in dem getuschelt, geschmiedet, verschworen und gestürzt wird. Mittdendrin: Katja Gloger. Die stern-Korrespondentin beobachtet in ihrer Kolumne "Washington Memo" den Präsidenten und beschreibt die, die es werden wollen. Dazu der neueste Klatsch aus dem Weißen Haus und von den Fluren des Kongresses.

Von Katja Gloger, Washington
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Oetker333 (19.10.2007, 15:42 Uhr)
Korrektur
Sorry ich meine natürlich die USA, GB und Russland haben Hitler besiegt nicht andersrum.
Oetker333 (19.10.2007, 10:46 Uhr)
@mramorak
Vielleicht brauchst du ja mal Nachhilfeunterricht in Geschichte. Hitler hat nicht nur die USA besiegt, sondern auch GB und vorallem Russland (die haben mehr dazu beigetragen als die USA). Den Kommunismus hat Gorbatschow selber vernichtet. Außerdem unterstützt die USA selber Terrorakte (Chile,Nicaragua,Kuba,Venezuela,Kolumbien und so weiter)
Raknarak (18.10.2007, 15:54 Uhr)
@mramorak
ganz schlechte geschichtskentnisse kann ich nur sagen.
weder stalin, hitler noch der kommunismus wurden von der usa geschlagen/besiegt.
sie sollten ihren patriotistischen mist mal in geschichtsbüchern nachschlagen, dann können sie sich vielleicht selbst noch vor einem hirnschaden retten.
die wirtschaftsmacht, nun da kommt erstmal europa indien und china.....dann kommt die usa!
spätere generationen werden einen schwarzen präsidenten in den usa haben. und dann, werden leute wie sie nur noch weinen!
mramorak (18.10.2007, 14:07 Uhr)
Bush-Kritiker haben schweren Hirnschaden
Nicht der Herr Bush hat einen Hirnschaden, es sind seine blinden Hasser, die einen schweren Schaden davongetragen haben - durch ihren Dauerhass. Dauerhass zerstört die Nerven.
Den jetzigen Präsidenten der wirtschaftlich und militärisch stätksten Macht zu beurteilen, können nur Leute tun, die kein großes Begriffsvermögen haben. Und spätere Generationen werden ihr eigenes Urteil über die USA, die Macht, die Hitler und Stalin bezwungen hat abgeben. Die Amerikaner haben sich gegen den Natzionalsozialismus sowie gegen den Kommunismus mit ERFOLG gestellt. Die haben sich jetzt auch gegen den Terrorismus gestellt. Die Menschen in der Welt, die überhaupt mal was von den 68ern gehört hatten, werden die schon lange vergessen haben aber an Amerika werden die Menschen, die von ihren Gewaltherrschern befreit wurden, dann an Amerika denken und danken auch unser Land wird dann aufwachen. Und wird auch die 68er vergessen haben. Sowie die Schröderzeit. Sogar die Grass-Bücher werden verstaubt irgend wo in einer Museumsecke stecken
zman_miami (18.10.2007, 11:41 Uhr)
Begriffsstutzige Laura
Ein wenig begriffsstutzig ist Laura Bush aber wohl doch, denn erstens ist sie mit dem nicht ganz so hellen George verheiratet, und zweitens hat es über 6 Jahre gedauert, bis sie merkte, sie könne sich auch mal engagieren und was sagen. Hört sich schon so an, als wolle man George aus dem Sumpfloch der Geschichte herauszerren. Es wird jedoch nichts nützen...
waelder (18.10.2007, 11:26 Uhr)
Die Damen mit dem Namen Bush
An die Stern-Redaktion: Klopfen Sie mal Ihren Artikel auf alles ab, was nach "Sippenhaft" riecht. Da engagieren sich Menschen für gute Sachen und werden daran gemessen, was der Mann in der Familie im Auftrage des Big-Business der USA im Irak anrichten läßt. Erkennen Sie schlicht an, dass jeder Mensch das Recht auf eine eigene Persönlichkeit hat und an seinen eigenen Werken und Taten gemessen werden sollte. Dass Herr Bush jr. leicht beschränkt ist, muss nicht automatisch auch für die Frauen in der Familie gelten, wie man an ihrem Engagement erkennen kann.
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