. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
8. November 2007, 10:00 Uhr

Tarnadresse: "Postfach 1142"

Sie wissen, wie man mit Verbrechern umgehen muss: Im Zweiten Weltkrieg verhörten sie in einem geheimen Lager unweit Washingtons die Elite deutscher Kriegsgefangener. Nach 60 Jahren trafen sich die Verhörspezialisten erstmals wieder - ihr Treffen geriet zu einer Demonstration gegen George W. Bush. Von Katja Gloger, Washington

Der Ranger des National Park Service, Randon Bies, 28, der ehemalige Verhörexperten ausfindig machte. Hier mit Georg Frenkel, 87, einem der Veteranen© Katja Gloger

Er war jung, wie die meisten in seiner Einheit, gerade mal 21 Jahre alt. Auch Henry Kolm wollte die Deutschen besiegen - und vielleicht hätte er mehr als Andere Grund gehabt, nach Rache zu suchen. Henry Kolm kam aus Wien, er war erst seit wenigen Jahren in den USA. Die Nazis hatten seine Eltern enteignet, 1939 glückte ihm in letzter Minute die Flucht vor Hitlers Schergen. Doch viele seiner Angehörigen wurden im Holocaust ermordet. Dann wurde Kolm an die Front im Krieg gegen Deutschland abkommandiert - und er landete in einem Vorort von Washington. Er kam nach Fort Hunt. An einen Ort, von dem niemand etwas wissen sollte.

Das weitläufige Gelände einer ehemaligen Festung, idyllisch am Potomac-Fluss gelegen. "Offiziersschule" stand am schwer bewachten Eingang. "Postfach 1142, Alexandria, Virginia" lautete die offizielle Adresse. Elektrozäune, Baracken. Swimming Pool und Golfplatz für die Offiziere. Und regelmäßig fuhren Busse mit abgedunkelten Scheiben vor.

Unterirdische Informationssuche

"P.O. Box 1142" war eine Tarnadresse. Seit 1942 lief hier eine top-secret Operation des US-Militärgeheimdienstes MIS unter dem Kürzel "MIS-Y". Gerade mal 17 Kilometer südlich des Weißen Hauses verbarg sich in Fort Hunt ein Lager für deutsche Kriegsgefangene. Noch nicht einmal das Internationale Rote Kreuz wusste von seiner Existenz. Denn Fort Hunt war ein Lager für besondere Gefangene. Hier wurden von 1942 bis 1946 hochrangige Militärs und Wissenschaftler des Nazi-Regimes verhört. Man brauchte Informationen über den deutschen U-Boot-Krieg ebenso wie über das mysteriöse deutsche Raketen-Programm mit dem Kürzel "V". Man suchte Fakten über mögliche Atombombenpläne ebenso wie Standorte von Industrieanlagen für die geplanten Bombardierungen deutscher Städte. Nach Fort Hunt kamen Männer wie Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim, der 1943 in Afrika kapituliert hatte. Dutzende hochrangige Wissenschaftler wurden über Wochen in den unterirdischen Räumen von Fort Hunt verhört. Und Nazi-Spionagechef Reinhard Gehlen verbrachte gleich zehn Monate dort.

In Fort Hunt wurden die Männer verhört, die man in der Sprache der Bush-Regierung heute wohl als "high-value detainees" bezeichnen würde. Als Gefangene von ganz besonderem Wert. So wie die, die in den vergangenen Jahren in den geheimen Lagern der CIA verhört und - wie Viele vermuten - dabei auch gefoltert wurden.

Elitetruppe der "interrogators"

In Fort Hunt trafen die Kriegsgefangenen auf Männer wie Henry Kolm. Männer, die monatelang intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet worden waren. Die in der Regel perfekt Deutsch sprachen, viele von ihnen hatten studiert. Sie waren die "interrogators". Die Verhörexperten des US-Militärgeheimdienstes MIS; direkt dem Pentagon unterstellt. Eine Elitetruppe.

Die meisten schwiegen ihr Leben lang. Oft erfuhren noch nicht einmal ihre Ehefrauen von ihrem Einsatz für "Operation MIS-Y". So wurde Henry Kolm, heute 82, renommierter Professor an der MIT-Universität in Boston; sein Freund Arno Mayer, 81, lehrte Geschichte in Princeton. Der gebürtige Wiener Peter Weiss, 81, auch er konnte als Jugendlicher in letzter Minute vor den Nazis fliehen, wurde Rechtsanwalt.

"Ein Stück verborgene Geschichte lebendig machen"

Jahrzehntelang blieben die Akten der "Operation MIS-Y" gesperrt, die letzten wurden erst in den 90er Jahren freigegeben. Die Baracken von Fort Hunt wurden abgerissen, das Gelände der US-Nationalparkverwaltung unterstellt. Heute trifft man sich hier zum Picknick mit Blick auf den Potomac. Und auch die wenigen überlebenden Veteranen der Operation MIS-Y wären wohl längst vergessen, wenn sich nicht ein paar Mitarbeiter der Nationalpark-Verwaltung auf Spurensuche begeben hätten. Vor allem der junge Park-Ranger Brandon Bies, 28, wurde zum engagierten Hobby-Historiker: Er suchte nach Veteranen, stieß im US-Nationalarchiv auf Hunderte Kisten mit Dokumenten. "Wir wollen ein Stück verborgene Geschichte lebendig machen", sagt er.

Katja Gloger

Katja Gloger Die US-Hauptstadt ist ein politisches Haifischbecken, in dem getuschelt, geschmiedet, verschworen und gestürzt wird. Mittdendrin: Katja Gloger. Die stern-Korrespondentin beobachtet in ihrer Kolumne "Washington Memo" den Präsidenten und beschreibt die, die es werden wollen. Dazu der neueste Klatsch aus dem Weißen Haus und von den Fluren des Kongresses.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
chapultepec (08.11.2007, 18:57 Uhr)
Olson II
"...Dass es im Fall Olson etwas zu verbergen gibt, beweist ein Memorandum vom 11. Juli 1975, das im Buch abgebildet ist. Das Memo wurde für den Stabschef des Weißen Hauses erstellt und rät dringend dazu, durch eine offizielle Entschuldigung des Präsidenten einem Gerichtsverfahren oder einer öffentlichen Anhörung über den Fall Olson zuvorzukommen. Die CIA könnte sonst gezwungen sein, "streng klassifizierte Informationen der nationalen Sicherheit" preiszugeben, heißt es in dem Memo. Zehn Tage später empfing der Präsident die Familie Olson im Weißen Haus.
Adressat und Autor dieses Memos führen direkt in die Gegenwart. Es handelt sich um den heutigen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, damals Stabschef des Weißen Hauses, und den heutigen Vizepräsidenten Dick Cheney, damals Rumsfelds Stellvertreter. Als sich ein Jahr später die versprochene Entschädigung an die Familie hinauszögerte, schaltete sich eine weitere bekannte politische Figur ein: CIA-Direktor George Bush, der spätere Präsident und Vater des heutigen Amtsinhabers..."
http://www.wsws.org/de/2002/okt2002/olso-o31.shtml
http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Artischocke
chapultepec (08.11.2007, 18:22 Uhr)
Olson
richtig. Siehe
http://www.wdr.de/tv/dokumentation/artischocke.html
Johnson, Cheney und Rumsfeld zogen damals Familie Olson überm Tisch wenn ich es nicht falsch in Erinnerung habe.
S. auch:
http://www.democracynow.org/article.pl?sid=06/02/17/1522228
http://www.zweitausendeins.de/redaktionelles/?thema=200265#B1
hatschie (08.11.2007, 17:25 Uhr)
übrigens...
...besonders interessierte man sich seinerseits für die "forschungsergebnisse" aus den kzs. vor allem mind-control-techniken lagen ihnen sehr am herzen.
es wurden dann sogar in deutschland geheime verhörzentren eingerichtet. in denen wurden sowjetische gefangene/überläufer mit drogen vollgepumpt und "verhört".
operation artichoke war eine von viele cia-operationen diesbezüglich.
diese mind-control-praktiken setzten sich nahtlos fort bis heute.
Franzoesin (08.11.2007, 13:56 Uhr)
Kriegsverbrecher ?
Mrs. Gloger hätte mit der hassgeprägten Unsachlichkeit und Propaganda gut einen Posten beim Stürmer erhalten:Sie wissen, wie man mit VERBRECHERN umgehen muss : Im Zweiten Weltkrieg verhörten sie in einem geheimen Lager unweit Washingtons die Elite deutscher ( = alles Verbrecher da deutsch) Kriegsgefangener".
Interessant ist, dass die "Verhörspezialisten" ( das war die Gestapo auch )keine Schuld- Geständnisse der "Verbrecher" suchten sondern Geheimnisse deutscher ( etschuldigung - die der Verbrecher) überlegener Rüstung und Kriegsführung.
Dagegen verstieß die Inhaftierung von Kriegsgefangenen in geheimen Lagern
gegen die Genfer Konvention: " Noch nicht einmal das Internationale Rote Kreuz wusste von seiner Existenz" !! dazu von der Schreiberin keinerlei Kommentar.
Raknarak (08.11.2007, 13:06 Uhr)
@redaktion
schaut euch diesen satz mal an,
"Henry Kolm kam aus in Wien, erst war erst seit wenigen Jahren in den USA."
chapultepec (08.11.2007, 12:15 Uhr)
Paperclip
"... This was a big operation, involving many top Nazis. We managed to get Walter Rauff, the guy who created the gas chambers, off to Chile. Others went to fascist Spain.
General Reinhard Gehlen was the head of German military intelligence on the eastern front. That's where the real war crimes were. Now we're talking about Auschwitz and other death camps. Gehlen and his network of spies and terrorists were taken over quickly by American intelligence and returned to essentially the same roles.
If you look at the American army's counterinsurgency literature (a lot of which is now declassified), it begins with an analysis of the German experience in Europe, written with the cooperation of Nazi officers. Everything is described from the point of view of the Nazis -- which techniques for controlling resistance worked, which ones didn't. With barely a change, that was transmuted into American counterinsurgency literature. (This is discussed at some length by Michael McClintock in Instruments of Statecraft, a very good book that I've never seen reviewed.)..."
http://www.zmag.org/chomsky/sld/sld-3-01.html
http://www.statecraft.org/
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe