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9. November 2007, 10:00 Uhr

Texanisches Dinner auf einem Pulverfass

Wenn Präsident und Kanzlerin auf der Chapel Prairie Ranch im familiären Kreis dinieren, steht Explosives auf dem Programm: Der Konflikt mit dem Iran. In den USA dröhnen die Kriegstrommeln. Merkel muss dazu klar Position beziehen - ohne Bush zu verprellen. Der hat in Europa zudem einen neuen Freund gefunden. Von Katja Gloger, Crawford

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush: Merkel darf sich am Wochenende auf harmonische Stunden in Texas freuen© Boris Roessler/DPA

Manchmal, so scheint es, ist es ziemlich mühsam, auf dem Pfad der Diplomatie zu wandeln. Da läuft man und läuft, Kurven um Kurven, überwindet Hindernisse, weicht Steinschlag aus, und dann...gelangt man doch nur an den Rand eines Abgrundes.

So ähnlich muss es in den vergangenen Wochen auch Nick Burns ergangen sein. Der smarte Amerikaner ist Frontmann von Außenministerin Condoleezza Rice für die Iran-Frage. Er soll eine diplomatische Lösung der zurzeit gefährlichsten Krise herbeizaubern. Denn für den Versuch einer diplomatischen Lösung hatte seine Chefin immerhin das OK des Präsidenten bekommen. Und das vielleicht auch, weil sich George W. Bush vergangenen Dezember mit seinen Generälen zur Iran-Frage beraten hatte. Fragte sie damals in einem abhörsicheren Raum mit Namen "der Tank", ob eine Militäraktion gegen den Iran "erfolgreich" sein könne. Er bekam von den Militärs ein klares "No!" zu hören. Einstimmig. Und man kann davon ausgehen, dass auch Verteidigungsminister Robert Gates vor den Risiken eines Militärschlages warnt.

Eine Zeit der Diplomatie

Also rief George W. Bush die "Zeit der Diplomatie" aus. Geduldige Verhandlungen, Aushandeln von Kompromissen, Geben und Nehmen - das gehört ja nicht gerade zu seinen Stärken. Doch er stimmte dem Versuch zu, gemeinsam mit den Europäern und den Vereinten Nationen Teherans Atomprogramm zu stoppen. Man stimmte auch zu, als der UN-Sicherheitsrat ein paar Sanktionen beschloss. Auch wenn es eher 'Sanktiönchen' waren, die bislang kaum etwas bewirkten. Doch so, kalkulierte man im Weißen Haus, könne man wenigstens guten Willen zeigen.

Und als zusätzliche Maßnahme schickte man einen hochgewachsenen Mann mit fließenden Deutschkenntnissen durch die Welt, vorzugsweise nach Deutschland: Robert Kimmitt, den stellvertretenden Finanzminister. Er trommelt für einseitige Sanktionen und ein faktisches Handelsembargo, und mittlerweile "überzeugte" er schon einige deutsche Banken und Firmen, ihre Geschäfte mit dem Iran einzustellen.

Und stets lautete die Forderung der USA: Teheran soll sein Uran-Anreicherungsprogramm dauerhaft aufgeben. Dann könne man sich an den Verhandlungstisch setzen. Das aber gleicht dem Versuch, die Quadratur des Kreises zu vollbringen. Denn in Teheran denkt man gar nicht daran, die Urananreicherung zu stoppen. Und in Washington ist man entschlossen, mit dem "Bösen" nicht zu verhandeln.

Und so scheint es, als laufe die Zeit der Diplomatie ab. "Die Diplomatie ist nicht ausreichend" klagt Nick Burns. "Wir ziehen die Schrauben an", heißt es im Weißen Haus.

Jeder zweite Amerikaner befürwortet einen Militärschlag

Das Kriegsgetrommel aus Washington wird lauter. Werden sie sich am Ende doch noch durchsetzen, die neokonservativen Kampftruppen um Vizepräsident Richard Cheney, die den Iran als größte Bedrohung für den Weltrieden sehen? Die fest davon überzeugt sind, es gehöre zu ihren patriotischen Pflichten, den Iran zu stoppen, bevor er Atommacht wird? Die - wie etwa Cheneys enger Mitarbeiter David Wurmser - offen mit dem Szenario eine "zufälligen" Krieges spielen, mit der Eskalation eines Konfliktes etwa nach einem israelischen Luftangriff , der dem Präsidenten keine andere Wahl ließe und Friedenstäubchen Condi Rice ausbooten würde. Die öffentliche Meinung? Vor zwei Wochen veröffentlichte das Zogby-Institut eine Umfrage: demnach befürwortet jeder zweite Amerikaner einen Militärschlag, um zu verhindern, dass der Iran Atommacht wird. Und 53 Prozent der Amerikaner glauben, dass es vor den nächsten Präsidentschaftswahlen zu einem Militärschlag kommen wird.

Immer schärfer wird die Rhetorik. Nervös registriert man in Europa jede kleinste Veränderung in der Wortwahl. Da orakelt Präsident Bush über den "Dritten Weltkrieg". Da macht sein Vize Cheney glasklar: "Wir werden es nicht zulassen, dass der Iran eine Atomwaffe bekommt." Und droht mit "ernsten Konsequenzen."

Ein frühes Mittagessen und danach wieder nach Hause

Eine aber will unverdrossen weiter auf dem Pfad der Diplomatie wandeln, auch wenn er durch trockenes texanisches Unterholz führt. Angela Merkel wird an diesem Wochenende die Ehre zuteil, die Bushes zu Hause zu besuchen, auf der Ranch in Texas. Ein Kurzbesuch, kürzer geht es kaum: ein Abendessen am Freitag, eine Arbeitsitzung am Samstagmorgen, schon um 11.25 Uhr will man vor die winzige Presse-Delegation treten. Ein frühes Mittagessen und zack, wieder nach Hause. Lediglich Gatte Joachim Sauer und der eloquente Sicherheitsberater aus dem Kanzleramt Christoph Heusgen sind dabei. Präsident Bush hat neben Sicherheitsberater Hadley auch seine Außenministerin Rice dazu geladen, aber Condi gehört ja faktisch zur Familie. Vielleicht setzt sie mal wieder ans Klavier und spielt patriotische Lieder.

Ganz privat soll es zugehen, eben der Gegenbesuch nach dem netten Grillabend, den Bush einst in einem deutschen Ort namens Trinwillershagen verbracht hatte. "Wir machen, was sie will", sagt Bush. "Ich will ihr ein Stück Erde zeigen, das ich innig liebe." Allein die (deutsche) Kettensäge wird er dieses Mal wohl nicht auspacken, obwohl sich der Präsident sonst nur allzu gerne durch das Unterholz arbeitet.

Ein Besuch bei Freunden soll es sein - doch vielleicht wird er zu einer der wichtigsten Politreisen der Kanzlerin.

Von Merkel werden klare Worte erwartet

Denn irgendwie muss sie ihrem amerikanischen Freund klarmachen, dass die Deutschen gegen jede militärische Option im Iran sind. Zu Hause erwartet man von ihr ein glasklares "Nein" zu Militäraktionen. Erwartet eine Art Schröder-Bekenntnis, einen "Goslar-Moment" vielleicht gar. Und es sind nicht nur die Koalitionspartner in der SPD (Kurt Beck: "Es kann keine militärische Option gegenüber dem Iran geben") - auch in der CDU/CSU fordert man deutliche Worte: "Eine militärische Auseinandersetzung muss unter allen Umständen vermieden werden", mahnt etwa der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor Guttenberg, ein Freund Amerikas. " Das müssen wir den Amerikanern klar sagen." Angela Merkel weiß um die delikate Mission. Ihre Botschaft muss laut genug sein, um in Deutschland gehört zu werden und zugleich leise genug, um Bush nicht zu verprellen. Sie weiß auch, das Thema Iran wird in den USA mittlerweile ganz anders diskutiert als in Deutschland: "Die Stimmung in den USA hat sich sehr verschärft", sagt einer ihrer Berater.

Katja Gloger

Katja Gloger Die US-Hauptstadt ist ein politisches Haifischbecken, in dem getuschelt, geschmiedet, verschworen und gestürzt wird. Mittdendrin: Katja Gloger. Die stern-Korrespondentin beobachtet in ihrer Kolumne "Washington Memo" den Präsidenten und beschreibt die, die es werden wollen. Dazu der neueste Klatsch aus dem Weißen Haus und von den Fluren des Kongresses.

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Oluja (11.11.2007, 15:45 Uhr)
@LHStarAlliance die Zweite
leider nein, auch hier sind Sie wieder einer US-Zionistischen Propagandalüge aufgesessen, die Originalrede Achmadinedschads ist mehrfach im I-Net veröffentlicht und darin ist KEIN WORT darüber Israel oder die Juden zu vernichten oder auszulöschen, auch hier wieder das Phänomen, das eine Lüge so oft verbreitet und wiederholt wurde bis sie LEIDER sehr viele glauben bzw. für wahr halten.
.
Achmadinedschad sagte wort wörtlich: der ZIONISMUS und die ZIONISTISCHEN MAchthaber in Israel sollen gestürzt, vetrieben und der Zionismus vom Antlitz der Erde gefegt werden.
Eine Aussage die wohl 98% der Weltbevölkerung klar zustimmen würden, den nach dem Kommunismus und Faschismus sind der Zionismus und US-Imperialfaschismus die größten Verbrecherideologien und die größten Gefahren für den Weltfrieden.
LHStarAlliance (09.11.2007, 23:43 Uhr)
@Oluja
Ich stimme Ihnen zu !
Man muss auf jeden Fall sicher sein dass diese Waffen existieren .
Es würde mich nicht wundern wenn Bush und CO dies als Vorwand nutzen um an das Iranische Öl zu kommen .
Aber man muss bedenken was dieser Herr im Iran gesagt hat , der hat wortwörtlich behauptet Israel müsste ausgelöscht werden .
Die allerletzte Maßnahme sollte der gezielte Militärschlag sein , aber wie gesagt nur wenn man wie bei der Kubakrise so deutliche beweise hat .
Ich gehe aber davon aus dass dies alles Meinungsmache ist , von Cheney Bush und diesen Verbrechern hat die Welt genug !
Oluja (09.11.2007, 16:47 Uhr)
LHStarAlliance
beziehen Sie ihre "Informationen" auch nur von FOX, BILD, SPIEGEL u.ä.?, vieleicht auch vom ZDJ, AIPAC u.ä.?, klingt zumindest so.
1. Es gibt bis heute NICHT den GERINGSTEN Beweis für ein militärisches Atomprogramm im Iran und eine Lüge wird nicht wahr, auch wenn man sie gebetsmühlenartig wiederholt.
.
2. So so, ein atomar bewaffneter Iran ist also inakzeptabel und muss im notfall zerbombt werden incl. unzähligen zivilen Opfern?.
Warum aber greift man dann nicht zuerst das Apartheits- und Verbreherregime in Israel an, welches im Gegensatz zu Iran bereits seit JAHRZEHNTEN hunderte Atomwaffen und auch BC Waffen ILLEGAL besitzt und im GEGENSATZ zum Iran nicht mal im Traum daran denkt den Atomwaffenvertrag zu unterschreiben.
.
3. Auch faszinierend oder besser geagt zum heulen das es bis heute sehr viele "Menschen" gibt welche IMMER noch nicht begriffen haben das das angebliche militärische Atomprogramm eine ERNEUTE Lüge, wie bereits im Irak, und vorgeschobene "Rechtfertigung" ist um aus US-Zionistischer Sicht den letzten ernsthaften Gegner in der Golfregion auszuschalten, i Notfall sogar Nuklear, der Einsatz von Mininukes ist so gut wie sicher, da manche Anlagen im Iran konventionell nicht zerstörbar sind.
Franzoesin (09.11.2007, 16:22 Uhr)
Kein Vergleich zu Frankreich
"Angela Merkel weiß um die delikate Mission. Ihre Botschaft muss laut genug sein, um in Deutschland gehört zu werden und zugleich leise genug, um Bush nicht zu verprellen ? "
Klar - der Dackel kann nur Tritte von seinem Herrchen erwarten, wenn er zu laut bellt.
Das hätte es vor 100 Jahren nicht gegeben.
Oetker333 (09.11.2007, 15:31 Uhr)
@putinki
Die Medien in Deutschland wird wenn schon durch die USA zensiert. Ich wusst gar nicht das ein überkapitalistischer US-Volltrottel in unseren Reihen lebt.
LHStarAlliance (09.11.2007, 15:17 Uhr)
Krieg ?
Ein Atomarer Iran ist nicht zu akzeptieren !
Ich bin der Meinung dass man den Russen
in der Kosovo Frage entgegenkommen sollte und dafür den Iran zwingen mit dem Programm aufzuhören .
Wenn dies nicht klappen sollte ist ein Militärschlag unausweichlich .
Putinki (09.11.2007, 14:58 Uhr)
Texanisches Dinner
Eines ist wohl klar. Immer gibt es eine offizielle Version der "harten" Gespräche, die dann die Stern Experten gerade noch so als eine schwache Leistung Merkels genüßlich kommentieren können (natürlich nach Putins Zenzur). Dann gibt es auch eine inoffizielle Version, die dann mehr den Realitäten entspricht. Diese Version kann das rote Deutschland nicht ertragen und schon gar nicht die KGB Aufpasser im Stern.
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