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8. Juli 2010, 13:45 Uhr

EU-Parlament billigt Swift-Abkommen

Im Februar war es noch abgelehnt worden: Nun hat das EU-Parlament dem umstrittenen Swift-Abkommen zugestimmt, das US-Geheimdiensten die Einsicht in Kontodaten von Millionen von EU-Bürgern erlaubt.

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EU-Parlamentarier stimmen dem Swift-Abkommen zu© Vincent Kessler/Reuters

Die USA bekommen wieder Zugriff auf die Bankdaten von Millionen von Bürgern und Unternehmen in der Europäischen Union. Trotz der Bedenken von Datenschützern machte das Europaparlament am Donnerstag erwartungsgemäß den Weg für das so genannte Swift-Abkommen zur Übermittlung von Bankkundendaten an Washington frei. Die Vereinbarung kann nun fristgerecht am 1. August in Kraft treten.

Für den Vertrag, der einen Beitrag zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus leisten soll, stimmten 484 Abgeordnete; 109 Parlamentarier, vor allem Grüne und Linke, lehnten die Übereinkunft ab, zwölf enthielten sich. Das nach dem Finanzdienstleister Swift mit Sitz in Belgien benannte Abkommen gilt zunächst für fünf Jahre. Bis dahin will die EU ein eigenes Kontrollsystem erarbeiten.

Daten werden bis zu fünf Jahre lang gespeichert

Betroffen sind Geldtransfers, die europäische Bürger und Unternehmen mit Drittstaaten außerhalb der EU tätigen. Wenn beispielsweise ein Bürger aus Stuttgart für eine Ferienwohnung Geld in die Schweiz überweist, kann er ins Visier der US-Terrorfahnder gelangen. Swift übermittelt dann aber nicht nur seine Angaben, einschließlich Kontonummer, Adresse und Personalausweis-Nummer, sondern ganze Datenpakete aus dem ganzen Großraum Stuttgart oder gar dem Südwesten Deutschlands, die ebenfalls Geldüberweisungen in die Schweiz betreffen. Die Daten können in den USA bis zu fünf Jahre lang gespeichert werden.

Auf Druck des Europaparlaments, das im Februar ein erstes Swift-Interimsabkommen wegen datenschutzrechtlicher Bedenken gekippt hatte, wurde die Kontrolle nun etwas verschärft. So soll die europäische Polizeibehörde Europol Anfragen aus den USA auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüfen. Außerdem sollen EU-Beamte in Washington über die Verwendung der Daten wachen.

Gegenüber dem ursprünglichen Text seien dies wesentliche Verbesserungen, betonte der Berichterstatter des Parlaments, Alexander Alvaro (FDP). Ausgeschlossen vom Datenaustausch sind innereuropäische Zahlungen mit dem internationalen Bic- und Iban-Bankcode.

Heftige Kritik von Grünen und Linken

Heftige Kritik an der Vereinbarung übten Grüne und Vertreter der Linken. Das Europaparlament habe eine seiner zentralen Forderungen aufgegeben, nämlich die Überprüfung der Datentransfers durch die Justiz, kritisierte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Stattdessen solle nun Europol die Anfragen aus den USA überprüfen. Europol sei aber keine juristische Einrichtung, sagte Gebhardt, die gegen den Trend ihrer Fraktion mit Nein stimmte. Unklar sei ferner, unter welchen Bedingungen die USA die Daten an Drittstaaten weitergeben können.

"Polizisten sollen nun Anfragen von Polizisten überprüfen - das kann nicht funktionieren", betonte der Co-Vorsitzende der Grünen, Daniel Cohn-Bendit. Scharfe Kritik an dem zwischen EU-Kommission und US-Regierung ausgehandelten Vertrag übte der europäische Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx. Das Abkommen greife in die Privatsphäre der Bürger ein und sei "alles andere als zufriedenstellend", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Die USA nutzten die europäischen Überweisungs-Daten bereits seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bis Ende 2009. Bis zu diesem Zeitpunkt lagerten die Daten auf Servern in der USA. Zu Jahresbeginn wurden sie nach Europa verlagert, so dass die USA keinen Zugriff mehr hatten. SWIFT wickelt täglich rund 15 Millionen Überweisungen zwischen mehr als 8300 Banken weltweit ab.

AFP/be
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Knurrer (10.07.2010, 22:01 Uhr)
Ob Protest was hülft?
So ist es eben im Narrenhaus Europa.

Die Daten der Arbeitnehmer werden seit Monaten via "Elena" digital erfasst und weitergeleitet. Nun sind die Kontodaten der Auslandsüberweisungen dran.
Datenschutz: passe`.

Das Lustige ist am Datenschutz:
Das oben Genannte respektiert keinen Datenschutz.
Andererseits musste ich bei meinem Arbeitgeber ein gut achtseitiges Pamphlet zum Datenschutz unterschreiben, welches im Falle privater Telefongespräche oder Weitergabe von Kundendaten umfangreiche Sanktionen garantiert.



nubler (09.07.2010, 11:48 Uhr)
.
"Those who would give up essential liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety." B.Franklin



eisvogel (08.07.2010, 20:10 Uhr)
wieder eine Einbahnstraße
Vor vielen Jahren habe ich die Heimat von Thomas Jefferson und Abraham Lincoln als Hort der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte angesehen. Doch was ist heute von den hehren Idealen dieser Männer übrig geblieben - insbesondere von den hohen Idealen der Declaration of Independence.
Ich denke, dass die heutige Administration nach dem Grundsatz handelt: erlaubt ist, was der eigenen Sache nützt. Nur die welttweite Verfolgung der eigenen strategischen Interessen scheint mir noch eine Rolle zu spielen.
Eine Gegenseitigkeit besteht vorliegend weder beim Bankdatenaustausch noch bei der Ahndung von Kriegsverbrechen. Bis heute kann kein US-Amerikaner wegen Kriegsverbrechen vor einen internationalen Strafgerichtshof gestellt werden. Seit den US-Folterskandalen, den Folterlagern Guantanamo und Bagram sowie den Entführungsflügen des Geheimdienstes habe ich zu dieser Administration absolut kein Vertrauen mehr.

Johann58 (08.07.2010, 17:03 Uhr)
Wovor hat die EU Angst?
Neben all der berechtigten Kritik an den USA, fragt man sich wovor hat die EU Angst, Angst den US Behoerden etwas vorzuenthalten, was sie nichts angeht. einen glaesernen Menschen zu schaffen, der jegliche Individualitaet abzulegen hat vor einer irgendwie unklaren nicht richtig zu begruendenden Panik in den USA.

Der zu erwartende Datenwust ist weder verwertbar noch lassen sich daraus Schluesse ziehen, die verwertbar sind vor dem Hintergrund der Unfaehigkeit von CIA und FBI wie die Vergangenheit oft genug bewiesen hat.

Die USA als skrupellose Raeuber und Massenmoerder zu definieren ist Schwachsinn und hat nicht viel mit der Realitaet zu tun. Die USA, ueber Jahrhunderte eine Insel ohne Krieg mit Ausnahme der Buergerkriegs in dem naiven Gedanken der Unantastbarkeit gefangen entwickeln mehr und mehr eine paranoide Denkensweise. Das Land zu 100% von Immigranten aufgebaut hat vor nichts mehr Angst als vor Immigranten. Das Land aufgebaut mit und durch Gewalt hat Angst vor der Gewalt von Terroristen weil es nicht weiss wie es sich davor schuetzen kann, da treibt es dann eben Blueten wie die Kontrolle von Geldueberweisungen, man weiss ja nie warum jemand aus Frankreich Geld nach Saudi Arabien schickt.

Jetzt gesteht die EU den USA etwas zu, was eigentlich in der EU gehandhabt werden sollte und wenn ein berechtigter Verdacht besteht, dann kann die EU selbststaendig aktiv werden. Ansonsten stellt sich natuerlich auch die Frage hat denn die EU auch Zugriff auf die Kontendaten von US Buergern in dem gleichen Umfang oder trauen sich die Bruesseler Sesselfurzer nicht die Frage zu stellen?
Administrator (08.07.2010, 16:41 Uhr)
Liebe User,
bei allem Verständnis für Ihre Wut über diese Meldung bitten wir Sie um eine Debatte, die mittels sachlicher Argumente geführt wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre stern.de-Admins
Beobachter2010 (08.07.2010, 15:23 Uhr)
Protest ist angesagt
Solange nicht hundertausende immer wieder auf die Staße gehen wird sich hier nichts ändern.
Beobachter2010 (08.07.2010, 15:21 Uhr)
Wie lange noch
...........................schaut der Durchschnittseuropäer diesem bunten Treiben zu?
Die Amerikaner bekommen alles, ohne nennenswerte Gegenwehr.
Dafür lassen sie die europäischen Politiker in dem Glauben frei entscheiden und gestalten zu können.

Das ganze ist einfach nur ein Kasperletheater und die Politclowns, in Brüssel und Berlin, merken es nicht.
hansdampf33 (08.07.2010, 15:15 Uhr)
na
volksvertreter oder volksverräter in brüssel?
bR4iNST0RM (08.07.2010, 14:21 Uhr)
Wie bei der Vorratsdatenspeicherung...
Wahrscheinlich hatte das erste Swift-Abkommen noch nicht den Zusatz: ?außer von Politikern und deren Günstlingen!?
Jetzt hat es diesen Punkt und kann durch gewunken werden, da es nur noch das lästige Fußvolk betrifft.
Das Leben ist wieder schön!
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