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9. März 2009, 21:03 Uhr

Kalifornien spart sich trocken

Schon lange schwebt die Wasserversorgung Kaliforniens in einer fragilen Balance - und die droht nun zu kippen. Deshalb bereiten Techniker das Abwasser auf. Doch das wird langsam knapp, weil die Kalifornier zu sparsam mit dem kostbaren Nass umgehen. Von Silvia Feist

Wasser, Kalifornien, Los Angeles, Wasseraufbereitung, USA

Die Region um den Owens Lake verkommt dafür immer mehr zu einer öden Steppenlandschaft© David McNew/Getty Images

Owens Valley, da, wo die Hochspannungsleitungen den US Highway 395 kreuzen, führt eine Schotterpiste nach Osten und scheint sich im Nirgendwo zu verlieren. Der Wind rollt verdorrtes Tumbleweed über die Steppe. Wüstensalbei krallt sich in den Boden. Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Tal mit seinen grünen Wiesen und Auen als die Schweiz Kaliforniens. Heute lässt nur ein spärlicher Saum aus Weidenbäumen in der Ferne ahnen, dass dort Wasser fließt. An diesem Fleck Ödnis entspringt Los Angeles. Unter einer Wehrmauer hindurch schlürfte das Los-Angeles-Aquädukt erstmals im November 1913 den gesamten Owens River auf, um ihn 375 Kilometer weiter südlich ins San Fernando Valley zu spucken.

Vor 40.000 jubelnden Menschen ließ Chefingenieur William Mulholland damals die Ventile öffnen und heraus schoss das blaue Gold. "Da ist es. Nehmt es!" Seine Worte wurden legendär und Mulholland zum Vater des modernen Los Angeles. Ohne dieses Wasser wäre die Stadt nie zur zweitgrößten Metropole der USA herangewachsen. Doch ohne dieses Wasser verwandelte sich das Tal im Norden in eine Steppe - und der Owens Lake, in den der Fluss sich einst ergoss, sollte für Jahrzehnte zur größten Feinstaubquelle Nordamerikas werden. Schon lange schwebt die gesamte Wasserversorgung Kaliforniens in einer gefährlich fragilen Balance: zwischen Mensch und Natur, zwischen Städten und Landwirtschaft, zwischen Nord und Süd.

Ein hochkomplexes Wassernetz durchzieht Kalifornien

"Das System ist eigentlich für 18 Millionen Menschen gebaut worden. Jetzt versorgt es 37 Millionen und bald werden es 50 Millionen sein", sagt Eleanor Torres, Sprecherin der Grundwasserbehörde von Orange County, dem Nachbarbezirk von Los Angeles. Der Owens River und seine Umleitung ins Los Angeles Aquädukt sind nur ein Beispiel für die Komplexität dieser natürlichen und künstlichen Verteilung und ihre Folgen. Wie ein Arteriennetz durchziehen Kanäle und Aquädukte, Ströme, Bäche und betonierte Flussbetten ganz Kalifornien. Tina Swanson, Direktorin des umweltpolitischen Bay Institutes, vergleicht das System mit dem achten Weltwunder. Das Herz dieses Netzes ist das California Delta. Abermilliarden Liter werden von hier jedes Jahr aus dem wasserreichen Norden nach Süden gepumpt. Im Delta vereinen sich die beiden Hauptwasseradern: der Sacramento und der San Joaquin River. Bevor sie in die Bucht von San Francisco münden, werden sie zur wichtigsten Quelle der Versorgung. Von hier erhalten zwei Drittel aller Kalifornier ihr Wasser. "Im Prinzip nutzen wir die Flüsse wie ein Transportband", sagt Dr. Swanson, "sie liefern das Wasser ins Delta, und wir verfrachten es in die Aquädukte." Bei allem Respekt für die technische Finesse ist ihr Ton kritisch. Als ehemalige Chefwissenschaftlerin des Instituts hat sie festgestellt, wie die menschliche Idee der unbegrenzten Machbarkeit das Ökosystem an den Rand des Kollapses gebracht hat - und damit auf lange Sicht die Wasserversorgung selbst gefährdet. (…)

Die Wassermanager haben gezockt

(…) All die Liter für den Morgenkaffee, zum Duschen und Wäschewaschen, selbst für die manikürten Rasen im Land der Einfamilienhaus-Kultur sind vergleichsweise unbedeutend. Der große Durst, so Vorster, besteht woanders: "Bis zu 80 Prozent dieses Wassers gehen in die Landwirtschaft." Fast ein Zehntel der Landesfläche wird für Ackerbau genutzt. Kalifornien ist die fünftgrößte Agrarwirtschaft der Welt. In der lang gezogenen Ebene des Central Valleys erstrecken sich über 600 Kilometer Obstplantagen, Pistazien- und Mandelhaine, Baumwollfelder, Gemüsegärten, Weinstöcke, Äcker für Viehfutter und Milchfarmen. (…)

(…) Dürre ist in Kalifornien nicht einfach ein Fakt, sondern ein Kampfwort. Für die Bauern und Landarbeiter war Schwarzenegger ein Held. Für Umweltschützer und Kritiker der Agrarindustrie ein Opportunist, der mal eben eine Trockenheit zu "epischen Ausmaßen" verklärte, um seinen Antrag auf eine 9,3-Milliarden- Dollar-Staatsanleihe durchzusetzen. Damit will die Regierung neue Reservoire und Dämme bauen und einen höchst umstrittenen Umgehungskanal, der das Delta als Wasserumschlagplatz entlasten soll, aber neue Risiken für die Natur in sich bergen würde. Der Naturessayist Tom Stienstra schrieb dazu in seiner Kolumne im San Francisco Chronicle: "Das ist keine Dürre, sondern ein hausgemachter Engpass." Den Wassermanagern warf er vor, sie hätten gezockt. 2006 war ein sehr nasses Jahr gewesen, sodass alle Speicher randvoll waren. Im Jahr darauf schöpften die Manager diese Vorräte ganz aus - obwohl sich eine Trockenperiode abzeichnete. "Sie haben einfach auf ein nasses Frühjahr gesetzt", kritisierte Stienstra, "als das nicht kam, wurden viele Seen bis auf den Grund geleert, um Wasser nach L.A. und an die Bauern zu liefern." Dr. Vorster vom Bay Institute sieht das ähnlich. Die Manager hätten das Risiko aufs Ökosystem abgewälzt. (…) (…) "Wenn ein Wetterextrem auf das andere trifft, ist das immer problematisch", weist Dale Sally Jr. den Vorwurf zurück, die Manager hätten zu sehr auf Risiko gespielt. "Sind die Speicher richtig voll, müssen wir das Wasser zuteilen, sonst bekommen wir Schwierigkeiten, wenn ein weiteres nasses Jahr folgt." In den Reservoiren muss Platz sein für Wassermengen, die noch nie exakt vorhersehbar waren, aber durch den Klimawandel vollends unkalkulierbar werden. Denn die gesamte Wasserversorgung Kaliforniens basiert auf einer Vorratshaltung, die im Prinzip grenzenlos groß ist: Schnee. Die verschneiten Kuppen der Sierra Nevada ziehen sich von der Grenze zu Oregon im Norden bis weit in den Süden des Staats, hinzu kommen zahlreiche kleinere Berge und Gebirgszüge. (…)

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die kalifornische Landwirtschaft macht nur zwei Prozent den BIP aus, nutzt aber die Hälfte des Wassers

"Weltmacht Wasser" bei stern.de

"Weltmacht Wasser" bei stern.de Für das Buch "Weltmacht Wasser", herausgegeben von Silvia Feist, berichten 15 Auslandkorrespondenten von Weltreporter.net aus den Ländern, in denen sie leben: Sie sprechen mit den Menschen vor Ort über ihre Lage und beleuchten die Krisensituationen, die Wassermangel oder auch -überfluss bewirken.
stern.de veröffentlicht mit Erscheinen des Buches am 5. März vier Beiträge aus dem Kapitel "Leben mit dem Wasser - Alternativen der Zukunft".
Silvia Feist (Hrsg.), "Weltmacht Wasser. Weltreporter berichten", 14,95 Euro, ISBN 978-3-7766-2596-7, Herbig Verlag 2009

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KOMMENTARE (3 von 3)
 
AR1970 (10.03.2009, 20:01 Uhr)
@gmathol
Nur zur Info: In den USA ist die Amtszeit eines Governeurs, genau wie die des Präsidenten, auf zwei Amts-Perioden (sofern wiedergewählt) beschränkt. Arnold Schwarzenegger kann gar nicht wieder gewählt werden.
Mal wieder mit unqualifizierten Kommentaren disqualifiziert....
arniston (10.03.2009, 05:08 Uhr)
colorado
die amis brauchen keine wasser, die haben doch nevada ...
gmathol (10.03.2009, 04:54 Uhr)
Die Amis sparen Wasser?
Vermutlich koennten diese Wassersparer mit einem einzigen Namen benannt werden. In Berkeley beklagt sich unsere Nachbarin ueber die hohe Wasser-Rechnung von nahezu 1200 Dollar im Monat, das ist eigentlich fast normal bei taeglicher Bewaesserung des riesigen Garten- oder schon fast Park Areals.
Die Probleme liegen sicher nicht darin das zu wenig Abwasser fuer die Klaerung bereitsteht, sondern eher das geschaetzte 50-60% im maroden Leitungssystem verschwinden.
Lecks werden kaum repariert - es wird einfach neu verlegt das ist billiger.
Die Kalifornier sollten endlich Schwarenegger zum Teufel schicken, der ist einfach nur dumm wie Bohnenstroh und haette bei seinen Hollywood Erfolgen bleiben sollen.
Wiedergewaehlt wird der eh nicht mehr, ein Referendum fuer seine Absetzung ist bereits in Arbeit.
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