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Israelis gegen Israelis

Sie waren Vorzeigeisraelis. Sie wollten alles richtig machen. Doch genützt hat es ihnen nichts. Die Bewohner des Dorfes Nirit sehen ihr friedliches Leben bedroht - nicht von Palästinensern, sondern von ihren Landsleuten.

Ärger jüdischer Siedler mit ihren Nachbarn, den Palästinensern, ist nichts Neues. Viel Zank gibt es jetzt auch um die Kleinsiedlung Nof Hascharon - allerdings mit Israelis. Das israelische Dorf Nirit, das direkt neben der so genannten grünen Linie liegt, der Grenze von 1967 zwischen Israel und dem Westjordanland, wehrt sich gegen den geplanten Bau einer Siedlung in seiner Nachbarschaft. Selbst das Oberste Gericht in Israel konnte den Streit bisher nicht schlichten.

Im vergangenen Jahr teilten die israelischen Behörden den 232 Familien von Nirit mit, dass sie demnächst ihren Kindergarten, den kleinen Supermarkt und die Sicherheitspatrouille mit ein paar Siedlern von nebenan teilen sollen. Seither steht neben Nirit ein Bauzaun, dahinter ziehen Planierraupen und Bagger ihre Kreise. Dort soll Nof Hascharon entstehen, eine jüdische Siedlung, doch das Gebiet hinter dem Bauzaun gehört eigentlich nicht mehr zu Israel. 50 Häuser sollen sofort gebaut werden, 1200 Wohneinheiten sind in Planung. Eine neue Heimat sollen hier unter anderem Siedler aus Chomesch finden, einer von vier Siedlungen im nördlichen Westjordanland, deren Räumung im Sommer geplant ist.

Die Kinder sollten friedlich aufwachsen

"Als wir vor drei Jahren hierher gezogen sind, haben wir uns die Landkarten ganz genau angesehen, um sicher zu gehen, dass wir innerhalb Israels bauen. Wir wollten, dass unsere Kinder friedlich aufwachsen," sagt Tamar Jaguri, eine Mutter aus Nirit. Auch Amira Bahat, ihre Nachbarin, ist nicht gut auf die Siedler zu sprechen: "Wenn die herkommen, um sich ihr neues Zuhause anzusehen, versuchen wir sie jedes Mal zu verscheuchen."

In Nirit gründete sich im vergangenen Jahr eine Initiative und reichte Beschwerde beim Obersten Gericht ein: Das Projekt Nof Hascharon entspreche nicht dem internationalen Friedensplan (Road Map) von 2003, indem sich Israel dazu verpflichtet habe, keine neuen Siedlungen mehr zu bauen. Aber das Gericht erklärte im Februar, dass Nof Hascharon bereits vor 2003 geplant gewesen sei.

Suche nach Kompromiss

Nun verhandeln die Gemeinde, Dorfvertreter und der Bauunternehmer von Nof Hascharon miteinander. "50 Häuser könnten wir noch verkraften", sagt Dror Ginat von der Dorfverwaltung aus Nirit, "aber es muss klar sein, dass unser Dorf dann so bleibt und keine neuen Häuser jenseits der Grenze dazukommen". Bei der Siedlungsverwaltung gibt man sich betont diplomatisch: "Ich freue mich, dass wir eine Einigung erreichen werden", sagt Hisdai Elieser, der Sprecher der 6000 Einwohner starken jüdischen Siedlung Alfe Menasche, zu der das Gebiet von Nof Hascharon ursprünglich gehörte.

Für internationale Beobachter wie die Organisation "Frieden Jetzt", die den Ausbau jüdischer Siedlungen dokumentiert, ist das Projekt Nof Hascharon exemplarisch: Denn Nof Hascharon profitiert vom Verlauf der Sperranlage zu den Palästinensergebieten, die an vielen Stellen in das Westjordanland schneidet und somit östlicher liegt, als es die "grüne Linie" vorgibt. Dorbewohnerin Jaguri meint: "Wir reden vom Friedensprozess, vom Abzug aus Gaza und dabei entstehen im Westjordanland neue Siedlungen. Diese direkt vor meiner Haustür."

Hindeja Farah/DPA/DPA

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