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Putin wird schon für Frieden sorgen. Für seinen Frieden.

Soll man mit Russland über Frieden in Syrien verhandeln? Diese Frage kommt zu spät, denn die Russen sind längst dabei, das Bürgerkriegsland nach ihrem Gusto zu gestalten.

Ein Kommentar von Niels Kruse

Russland Luftangriff Syrien

Russischer Luftangriff auf ein Erdöllager in Syrien, das nach Angaben Russlands unter der Kontrolle des IS war

Der Krieg in Syrien wäre beinahe in einem Mexican Standoff, einem unauflösbaren Patt, eingefroren worden. Doch seitdem Russland mitmischt, könnte der Konflikt bald ein Ende finden, wenn auch kein Ende wie es sich der Westen erhofft. Während der sich noch Gedanken darüber macht, ob Wladimir Putin ein geeigneter Gesprächspartner sei, haben dessen Truppen den alten Verbündeten Baschar al Assad zurück ins Spiel gebombt. Die Frage lautet nicht mehr, wie man den Krieg zusammen beenden könnte, sondern wie Russland das Nachkriegs-Syrien gestalten wird.

Keine Waffenruhe mit Russland und Assad

Auf dem ersten Blick scheint das Land weit von irgendeiner Friedenslösung entfernt zu sein. Zumal sich nun auch noch die Türkei (gegen die Kurden) und Saudi-Arabien (gegen das Assad-Regime) als weitere Kriegsparteien einmischen könnten. Zudem scheint niemand ernsthaft daran interessiert zu sein, die erst wenige Tage alte Feuerpausen-Vereinbarung von München umzusetzen. Syriens Machthaber Assad jedenfalls sagte bereits, er könne die Waffen gar nicht schweigen lassen, weil er weiter gegen "Terroristen" vorgehen müsse. Und das sind aus seiner Sicht nicht nur die Dschihadisten-Truppen des Islamischen Staats (IS) und der al-Nusra-Front, sondern im Grunde alle, die seine Herrschaft in Frage stellen.

So sieht der russische Frieden in Syrien aus

Besonders umkämpft ist zurzeit der Nordwesten um Aleppo, auch im Süden gibt es noch einige Anti-Assad-Rebellen. Das Vorgehen von Russland und den Assad-Truppen deutet darauf hin, dass der westliche Teil Syriens schnellstmöglich unter die Herrschaft des Regimes zurückkehren soll. Dann wäre das Land zwar, grob betrachtet, dreigeteilt (im Osten der IS, im Norden die Kurden), aber für Assad und Russland wäre die Situation eine annehmbare Verhandlungsgrundlage. Mit dem Islamischen Staat könnte ein (vorübergehender) Nichtangriffspakt vereinbart werden, die Kurden würden als Puffer zur Türkei dienen und in Ruhe gelassen werden. 


"Die Russen versuchen die Kämpfe auf den Norden zu konzentrieren, den Süden, die Region um die Hauptstadt Damaskus sowie die Küste dagegen zu beruhigen", sagte ein namentlich nicht genannter, hochrangiger Militär der Nachrichtenagentur Reuters. "Zudem werden die Russen von vielen Konfliktparteien als Mediator akzeptiert, etwa wenn es darum geht, freie Passagen für Kämpfer und Zivilisten auszuhandeln." Kurzum: Wladimir Putins Truppen mögen in Syrien zwar rabiat und rücksichtslos vorgehen, doch im Hintergrund nistet sich das Land bereits in die bestehenden Strukturen ein oder baut neue auf.

Damit hätte Putin sein Land dorthin navigiert, wo er es hin haben wollte:

  • Kaum jemand spricht noch vom nervigen Ostukraine-Konflikt
  • Russland behält weiterhin die Kontrolle über den wichtigen Militärstützpunkt am Mittelmeer in Tartus
  • Die "Regionalmacht" Russland, wie sie einst von Barack Obama verspottet wurde, hat einen sehr großen Fuß im Nahen Osten und beweist damit, dass nichts und niemand an Russland in dieser gefährlichen wie wichtigen Region vorbeikommt
  • Und mit diesem Einfluss ist Putins Position, wenn es etwa um Sanktionen gegen sein Land geht, deutlich komfortabler als bisher.
  • Am Ende aber geht es dem russischen Präsidenten nicht so sehr um die Menschen, sondern um reinen Eigennutz.

Und eine Pointe hat die Geschichte noch, eine die Wladimir Putin besonders gefallen dürfte: Der Westen steht reichlich begossen dar. Und noch schlimmer: Die kleine Chance, die die Amerikaner und deren Verbündeten noch haben, die Entwicklung zu ihren Gunsten zu beeinflussen, schrumpft von Stunde zu Stunde auf Null. Mittlerweile bekämpfen sich sogar die West-Alliierten untereinander, wie etwa die Türken und die Kurden. Das Syrien-Drama beweist weniger die Stärke Russlands, sondern eher, dass Barack Obamas Strategie der vornehmen Zurückhaltung gescheitert ist - und die Menschen vor Ort, als auch der Verbündete Europa die Folgen ausbaden müssen. 

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