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Hunderte unschuldig in Guantanamo

Neue Wikileaks-Enthüllungen bringen das US-Lager Guantanamo vollends in Verruf: Demnach saßen dort hunderte Unschuldige ein - ein Altersschwacher genauso wie ein Vater, der nur seinen Sohn suchte.

Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba sind laut neuen Veröffentlichungen des Enthüllungsportals Wikileaks jahrelang zahlreiche Unschuldige festgehalten worden. Wie der britische "Daily Telegraph" unter Berufung auf von Wikileaks zitierte US-Militäranalysten berichtet, galten nur 220 der insgesamt 779 Guantanamo-Insassen als gefährliche Extremisten. Etwa 380 Häftlinge wurden demnach als "Fußsoldaten" niedrigeren Ranges eingestuft, die etwa den radikalislamischen Taliban nahestanden. Bei mindestens 150 Häftlingen jedoch handelte es sich den Dokumenten zufolge um unschuldige Afghanen und Pakistaner, darunter Bauern und Fahrer. Sie seien teilweise jahrelang aufgrund von Fehlern bei der Feststellung ihrer Identität in Guantanamo festgehalten worden oder weil sie schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen seien.

US-Regierung: "Unglückliche" Veröffentlichung

Die Dokumente wurden mehreren Zeitungen zugespielt. Die spanische "El Pais"listete einige besonders bittere Fälle auf. Danach war unter den Gefangenen in dem Lager auch ein 89-Jähriger, der unter Altersschwachsinn und schweren Depressionen litt. Ein Afghane wiederum sei in seiner Heimat auf der Suche nach seinem Sohn in die Hände von US-Militärs geraten und nach Guantánamo gebracht worden.

Die US-Regierung bezeichnete die neuerliche Veröffentlichung als "unglücklich". In einer vom Pentagon sowie vom Außenministerium verbreiteten Erklärung hieß es, sowohl zu Zeiten der Regierung von Präsident George W. Bush sowie seines Nachfolgers Barack Obama habe der Schutz der US-Bürger "oberste Priorität" gehabt.

ben/AFP/DPA/DPA

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