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Frauenfantasien eines Kanzlers

Die Hälfte der österreichischen Regierung besteht aus Frauen - ein Umstand, der Kanzler Schüssel offenbar zu Kopf gestiegen ist. Über sein Kabinett urteilte er nun: "Wäre ich ein Linker, würde die ganze Emanzentruppe vor mir flach liegen."

Dass Politiker be- und umjubelt werden, kommt vor. Auch gelegentliche Begeisterungsstürme sollen sie schon ausgelöst haben. Dass aber jemand vor ihnen flachliegt - so etwas hört man höchstens aus Ländern mit politisch zweifelhaftem Renommee. Oder von konservativen Österreichern. Wolfgang Schüssel jedenfalls, wahlkämpfender Kanzler der Alpenrepublik, nimmt an, dass, "wäre ich ein Linker, würde die ganze Emanzentruppe vor mir flach liegen".

Diese durchaus selbstbewusste Hypothese hat der ansonsten eher zurückhaltende Schüssel nun auf einer Kundgebung in der Steiermark geäußert. Und zwar auf die Anmerkung hin, dass sein Kabinett ja einen hohen Anteil an Frauen habe - die Hälfte aller Minister sind Frauen. Böse Zungen behaupten allerdings, Schüssel habe sie nur in die Regierung aufgenommen, weil sie ihm persönlich nicht gefährlich werden könnten.

Die vielleicht nicht, aber vielleicht die Empörung, die seine Ausführungen nun zur Folge hat: Eva Glawischnik von den Grünen, sagte, dies sei ein "Macho-Spruch der übelsten Sorte", die Frauengruppe der oppositionellen Sozialdemokraten demonstrierte extra wegen Schüssels Äußerungen vor dem Wiener Kanzleramt und skandierte etwas von "zutiefst frauenfeindlich und sexistisch". Eine frühere Frauenministerin schließlich ließ Schüssel ausrichten, sie könne seinem Wunsch nicht nachkommen: "Sie sind mir zu klein, daher ist das zu tief."

Unangenehm für Schüssel auch diese Wahlberechtigten: Noch liegt die regierende ÖVP in Umfragen drei Prozentpunkte vor der Opposition. Allerdings sind es noch zwei Wochen bis zur Wahl und 2,9 Millionen wahlberechtigten Männern stehen 3,2 Millionen wahlberechtigten Frauen gegenüber.

nk/DPA/DPA

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