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"Griechenland wird seine Schulden nie zurückzahlen"

Griechenlands Finanzminister Varoufakis versucht derzeit die Schuldenkrise seiner Heimat zu lösen. In einem Interview von 2014 nannte er die Hilfskredite ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

  Griechenlands Finazminister Yanis Varoufakis spricht aus, was deutsche Politiker abstreiben: Griechenland werde seine Schulden niemals begleichen.

Griechenlands Finazminister Yanis Varoufakis spricht aus, was deutsche Politiker abstreiben: Griechenland werde seine Schulden niemals begleichen.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis ist gerade einmal eineinhalb Monate im Amt. Schon jetzt ist er mit seinen provokanten Sprüchen und seinem dominanten Auftreten zu einem der bekanntesten europäischen Politiker geworden. Derzeit verhandelt er mit den Geldgebern in Brüssel über neue Hilfskredite für sein krisengeplagtes Heimatland und verspricht dafür im Gegenzug Reformen. Nun zeigt die ARD in der Reportagereihe "Die Story im Ersten" ein Interview vom Sommer 2014, bevor Varoufakis Politiker wurde. Darin gibt er zu, was deutsche Politiker immer wieder abstritten - dass sein Land seine Schulden nie begleichen werde.

"Die klugen Leute in Brüssel, Frankfurt und auch in Berlin wussten schon im Jahr 2010, das Griechenland niemals seine Schulden zurückzahlen wird. Aber sie haben so getan als sei Griechenland nicht bankrott, sondern habe nur gerade nicht genug flüssige Mittel", sagt Varoufakis. Zu diesem Zeitpunkt war der Wirtschaftswissenschaftler noch kein Minister.

Varoufakis: "Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Für die Rettung Griechenlands durch Kredite anstelle eines Schuldenschnitts findet Varoufakis besonders drastische Worte: "In dieser Lage dem insolventesten aller Staaten den größten Kredit der Geschichte zu geben, wie drittklassige, korrupte Banker: Das war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."

Ein harter Vergleich: Als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet man normalerweise schwerste Kriegsverbrechen - wie etwa den Einsatz chemischer Waffen oder Völkermord.

Kredite bringen Deutsche gegen Griechen auf

Doch Varoufakis meint die Kredite, die Griechenland in eine #link; http://www.stern.de/2178927.html;Dauerverschuldung# getrieben und damit Unfrieden zwischen den europäischen Völkern gestiftet hätten. "Sie brachten eine stolze Nation gegen die andere auf. Denn dem deutschen Arbeiter, der sich acht bis zehn Stunden am Tag abplagt und trotzdem mehr oder weniger an der Armutsgrenze lebt, wird von seiner Regierung erzählt: Unsere Krankenhäuser müssen sparen, aber wir geben den Griechen 110 bis 130 Milliarden Euro."

Die Troika - ein Instrument der Unterdrückung

In der Folge "Die Spur der Troika" beleuchtet die ARD-Reihe die Institution, die in keinem EU-Vertrag jemals vorgesehen war. Mehr als 500 Milliarden Euro haben die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) den Krisenländern Griechenland, Irland, Portugal und Zypern geliehen, um sie zahlungsfähig zu halten. Aber im Gegenzug übertrugen die Kreditgeber nicht gewählten Beamten der drei Institutionen IWF, Europäischer Zentralbank und Europäischer Kommission - der Troika - eine enorme Macht. Ohne jede öffentliche Kontrolle zwangen die Beamten den Regierungen eine Politik auf, die das soziale Gefüge zerreißt und die Demokratie außer Kraft setzt.

Die Troika ist für Varoufakis bereits im Sommer 2014 ein Instrument der Unterdrückung, das es abzuschaffen gilt. Mittlerweile ist der Finanzminister jedoch wieder bereit mit der Troika zusammenzuarbeiten - wenn auch unter anderem Namen.

Lisa-Marie Eckardt
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