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9. Juni 2004, 20:08 Uhr

Vergewaltigung als Mittel der Kriegführung

Mit Vergewaltigung und sexueller Folter sind Frauen in Konfliktzonen extremeren Formen der Gewalt ausgesetzt als Männer. Doch der vereinbarte Schutz für Frauen in Kriegsgebieten existiert oftmals nur auf dem Papier.

Narben in der Seele: Eine überlebende Muslimin des Srebrenica-Massakers während des Bosnien-Kriegs© AP

Der in internationalen Ankommen vereinbarte besondere Schutz für Frauen in Kriegsgebieten existiert oftmals nur auf dem Papier. Frauen sind in Konfliktzonen mit Vergewaltigung, Missbrauch und sexueller Folter weiter extremen Formen der Gewalt ausgesetzt. Experten sind aber davon überzeugt, dass die Anerkennung von Vergewaltigung als Kriegsverbrechen ein Beitrag dazu ist, das Klima der Straflosigkeit in Kriegsgebieten zu beenden. Obwohl vielen Frauen lebenslang Narben in der Seele geschlagen werden, sind sie nach dem Ende der Kämpfe oftmals vergessene Opfer.

Keine genauen Zahlen

Das Ausmaß der Vergewaltigungen und die Verantwortung dafür haben etwa bei den Kriegen im früheren Jugoslawien zu heftigen Diskussionen auch im Ausland geführt. Die Zahl der Opfer lässt sich nicht genau beziffern. So sind im Bosnien-Krieg nach unterschiedlichen Angaben 10 000 bis 60 000 Frauen misshandelt worden. Im Kosovo schätzte die UN-Agentur UNFPA, zwischen zwei und fünf Prozent der weiblichen Flüchtlinge seien Opfer einer Vergewaltigung geworden.

"Heutige Konflikte werden regelmäßig innerhalb eines Staates zwischen unterschiedlichen ethnischen oder politischen Gruppen gefochten, weniger über internationale Grenzen hinweg. Eine Besonderheit dieser Konflikte ist, dass die Zivilbevölkerung zunehmend eingeschlossen ist oder bewusst zum Ziel wird", schreibt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) zu seiner Informationskampagne "Frauen und Krieg". Frauen und Mädchen seien dabei aus sozialen und kulturellen Gründen anderer Gewalt ausgesetzt als Männer.

"Frauen werden besonders geschont"

Die internationalen Organisationen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt gegen Vergewaltigung als Mittel der Kriegführung eingesetzt. Expertenkommissionen fordern, mehr Frauen in ranghohen Positionen bei Friedensmissionen, in der Verwaltung von Flüchtlingslagern und bei Friedensvermittlungen einzusetzen. Sie sollen Rechtsgrundlagen durchsetzen helfen, wie sie in der Genfer Konvention festgelegt sind: "Frauen werden besonders geschont; sie werden namentlich vor Vergewaltigung, Nötigung zur Prostitution und jeder anderen unzüchtigen Handlung geschützt. (Prot.I, Art.76, Abs.1)."

Dusko Vukovic
 
 
 
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