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Neue Partei aus alter Zeit

Die "Alternative für Deutschland" will anders sein: kein Streit, keine Debatten. Dabei ist sie ein Wiedergänger aus vordemokratischen Zeiten. Als Beobachter bekommt man ein mulmiges Gefühl.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

  Bernd Lucke jubelt. Er wurde zu einem der drei Sprecher der Partei gewählt und ist der starke Mann der "Alternative für Deutschland".

Bernd Lucke jubelt. Er wurde zu einem der drei Sprecher der Partei gewählt und ist der starke Mann der "Alternative für Deutschland".

Eine Partei neuen Typs soll sie sein. Weder rechts noch links, nur auf den "gesunden Menschenverstand" wolle man hören, sagt ihr Vorsitzender Bernd Lucke. Das klingt freundlich, und so wollte die "Alternative für Deutschland" (AfD) auf ihrem Gründungsparteitag in Berlin gesehen werden.

Für ihr Bild verwendete die Partei viel Weichzeichner. Wir sind die wahren Demokraten, sagten sie. Wir sind die wahren Kämpfer für Europa. Wir kümmern uns sogar um die geplagten Griechen und Zyprer. Ja, wir sind nicht nur gegen den Euro, wir wollen auch ein besseres Steuersystem und vernünftige Energiepolitik. Die AfD will ernsthaft werden.

Aber kann man sie wirklich ernstnehmen? Es gibt viel berechtigte Kritik gegen die Euro-Rettung. Viele Menschen verstehen nicht mehr, was die Politiker treiben. Riesige Milliardenkredite türmen sich auf, gleichzeitig verarmen im Süden Europas die Massen, sehen keine Perspektive. Dass die AfD eine solche Anti-Euro-Stimmung aufgreift, kann man ihr nicht vorwerfen. Das ist Demokratie.

Vor allem ist der Euro blöd

Vorwerfen kann man der Partei, wie sie es tut. Sie bietet keine Lösung an - außer dass der Euro blöd ist und abgewickelt gehört. Dann lösen sich alle Probleme. Wer aber glaubt, dass Europa geordnet aus dem Euro aussteigen könnte, ist naiv. Bestenfalls. Wir leben in einer Welt vernetzter Finanzmärkte, in der selbst einige überschuldete Hausbesitzer in den USA eine weltweite Finanzkrise auslösen können.

Ein Zusammenbruch des Euro hätte eine weltweite Depression zur Folge. In Europa bliebe kein Stein auf dem anderen. Die jetzt in tiefer Depression steckenden Süd-Länder, wie Griechenland oder Portugal, würden versinken.

Das Geld, das bislang vor allem virtuell geflossen ist, würde zu realen Lasten werden. Alle Garantien und Bürgschaften würden fällig, kein Staat könnte die Lasten tragen. Der Kontinent würde sich zerstreiten, wer schuld gewesen ist, und die Länder würden sich auf ihre nationalen Grenzen besinnen, Europa wäre dort, wo es vor dem Ersten Weltkrieg war.

Über diese Widersprüche hätte man gern mehr auf dem Parteitag erfahren. Aber eine Debatte gab es nicht. Es wurde nicht viel diskutiert. Es wurde ein vorgegebenes Programm beschlossen, ruck-zuck. Gerede schadet nur. Man will nicht als zerstrittener Haufen erscheinen. Ändern lässt sich das Programm, über das nicht debattiert wurde, nur mit einer Drei-Viertel-Mehrheit.

Folgsame Parteimitglieder

Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Die Strippenzieher der Partei putschten von oben, und die Delegierten berauschen sich daran, an die Hand genommen werden. Ein kalter Schauer läuft einem über den Rücken, wenn man das miterlebt hat.

Die AfD ist keine Partei neuen Typs. Sie ist ein Wiedergänger aus vordemokratischen Zeiten. Das kann keine Alternative für Deutschland sein.

Andreas Hoffmann
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