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Ein Altlateiner und ein toter Ghostwriter

Die Schummel-Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg erhitzt und erheitert das politische Berlin nachhaltig. Alles über die neuesten Flüche, die jüngsten Witze und ein paar Aberwitzigkeiten.

Von Hans Peter Schütz

  Es spukt: Guttenberg, die Heimat des Verteidigungsministers

Es spukt: Guttenberg, die Heimat des Verteidigungsministers

Wer hat die Doktorarbeit zu Guttenbergs geschrieben? Hektisch fahnden die Medien in Berlin nach einem Ghostwriter. Falls es ihn gegeben hat, wovon viele ausgehen, wird er bestimmt gefunden und enttarnt. Spuren gibt es bereits. Die Website neu-news.de schreibt: "Aus zuverlässiger Quelle im persönlichen Umfeld des Ministers verlautete, die Familie habe beschlossen, im Interesse des Freiherrn im äußersten Notfall einzuräumen, dass die Doktorarbeit von Karl-Gustav Wilhelm Enno von und zu Guttenberg verfasst wurde. Karl-Gustav Wilhelm Enno von und zu Guttenberg verstarb zwar bereits im Jahr 1412, geistert aber immer noch jede Nacht durch Schloss Guttenberg. Gegen den hartnäckigen Widerstand des Ministers habe das Schlossgespenst die Doktorarbeit verfasst und persönlich, ohne Wissen des Ministers, bei der Universität Bayreuth eingereicht." In dieser satirischen Geschichte ist natürlich nichts wahr, außer, dass viele Journalisten tatsächlich an einen "Geisterschreiber" glauben. Es soll eine Schreibkraft mit Neigung zu Reisen durch Alaska sein, die in der Doktorarbeit eindeutige Spuren hinterlassen hat.

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Eine parlamentarische Premiere besonders grobschlächtiger Art hat vergangene Woche der Bundestag erlebt. Niemals zuvor war im Hohen Haus so gepöbelt worden, ohne dass es Ordnungsrufe setzte, wie in der Aktuellen Stunde über Verteidigungsminister zu Guttenberg. Da rief SPD-Chef Sigmar Gabriel der Kanzlerin zu, einer ihrer Minister "hat nachweislich in höchst gravierendem Umfang gelogen, betrogen, gestohlen" - und nichts geschah. Mehrfach wurde zu Guttenberg als "Lügner, Hochstapler, Betrüger" bezeichnet - und nichts geschah. Als die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, redete, rief die grüne Fraktionschefin Renate Künast: "Sie haben ja schon eine ganz rote Nase vor lauter Lügen", doch es setzte keine Rüge. Nur Unionsfraktionschef Volker Kauder rief: "Jetzt ist es aber genug!" Aber auch Kauder selbst war nicht die reine Sanftmut. Als Jürgen Trittin (Grüne) am Rednerpult das Wort "Unverschämtheit" benutzte, rief er dem grünen Kollegen zu: "Steht da vorne!" Und als die Kanzlerin mit dem Satz angemacht wurde, es sei unerträglich, "dass ein akademischer Hochstapler und Lügner weiterhin dem Kabinett angehören darf", rief Kauder: "Das muss gerügt werden. Das ist eine Sauerei." Nichts geschah. CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert scheint kein Freund Guttenbergs zu sein.

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Sehr aktiv waren wieder die politischen Witzemacher. So kursierte am Rande der aktuellen Guttenberg-Stunde die Frage: "Wissen Sie, weshalb die Bundeswehr in Afghanistan keine Drohnen mehr einsetzt?" Wer den Kopf schüttelte, wurde belehrt: "Weil zu Guttenberg die Buchstaben 'Dr' nicht mehr benutzen darf." Häufig aufgespießt wurde auch die Erklärung Guttenbergs, er habe bei seiner Doktorarbeit "schlampig recherchiert". Das erlaube es Ladendieben, künftig zu erklären: "Ich habe doch nur schlampig eingekauft!"

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"Doofrind" nennen übel wollende Zeitgenossen den CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt - und glauben gar, er hätte seinem Spitznamen just mal wieder alle Ehre gemacht. Am vergangenen Mittwochabend saß der schwergewichtige Bayer bei Frank Plasbergs ARD-Talk "Hart aber Fair", Thema waren die Doktorspiele des Freiherren Karl-Theodor zu Guttenberg. Plasberg zitierte aus dem schwülstigen Vorwort der Dissertation, in der Guttenberg das Wort Kairos (altgriechisch: günstiger Moment) benutzt, und sagte, er habe nicht gewusst, was Kairos bedeute und den Begriff erst einmal googeln müssen. Dann fragte Plasberg in die Runde, wer das Wort schon gekannt habe. Dobrindt, mit fein gebildeter Siegermiene: "Ich bin Altlateiner." Altlateiner? Tatsächlich gibt es eine Frühphase des Lateinischen, die als Altlatein bezeichnet wird. An deutschen Schulen wird jedoch Neulatein gelehrt, und für die Übersetzung von "Kairos" hilft das auch nicht, denn das Wort ist altgriechisch. Rückfrage beim Generalsekretär - hat er sich einfach nur verplappert? "Das war ein Scherz", sagt Dobrindt stern.de. "Statt mit Altlatein hätte ich auch mit Jägerlatein oder Küchenlatein antworten können. Dann wäre die oberbayerische Ironie meiner Antwort besser rüber gekommen bei den Preußen." Na ja, ob es Ex-Dr. zu Guttenberg gefallen hätte, wenn ihm vom CSU-Generalsekretär vorgehalten worden wäre, er hätte Küchenlatein in seiner Doktorarbeit verwendet? Küchenlatein steht für das sprachlich verdorbene Latein der Mönche im Mittelalter. Und Dobrindt muss wissen, dass an bayerischen Gymnasien das lateinische "navigare necesse est" mit "Schiffahrt ist notwendig" übersetzt wird. Und nicht mit "Schiffen ist notwendig".

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Dass die "Bild" ein sehr, sehr großes Herz für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat, ist bekannt. Täglich versucht das Boulevardblatt, die Plagiatsaffäre herunterzuspielen und seinem Schützling Rückendeckung zu geben. Es ist trotzdem natürlich nur Zufall, dass ein Verwandter des Verteidigungsministers in der Redaktionsleitung sitzt. Ausweislich des Impressums ist Karl Ludwig von Guttenberg stellvertretender Chef vom Dienst. Auf Nachfrage von stern.de, ob er auch in die aktuelle Berichterstattung über "KT" eingebunden gewesen sei, schreibt "KL" in einer Mail: "Selbstverständlich." Die Frage, wie sich journalistische Unabhängigkeit in Familienangelegenheiten wahren lasse, beantwortet "KL" zunächst ironisch, dann barsch: "Sie glauben doch nicht ernsthaft, aus einer Verwandtschaft redaktionelle Beeinflussung ableiten zu können? Falls doch, ist dies ein sehr dünner Strohhalm, an dem Sie sich in der Guttenberg-Debatte festhalten wollen. Lassen Sie es doch einfach sein." Dieser Ton kommt einem bekannt vor: Auch der von der Plagiatsaffäre gebeutelte KT empfahl immer wieder, sich doch um Wichtigeres zu kümmern. Gebracht hat's ihm nichts.

Mitarbeit: lk

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