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Der CIA-Mann aus Ludwigshafen

Ein pfälzischer Kontaktmann des amerikanischen Geheimdienstes CIA war nach Informationen aus Sicherheitskreisen bei der Planung des mutmaßlich größten islamistischen Terroranschlags auf deutschem Boden beteiligt. Er soll 20 Sprengzünder übergeben haben.

Von Gerd Elendt, Martin Knobbe und Rainer Nübel

Es war ein heißer Tag im August vergangenen Jahres, als der 15-jährige Alaeddine T. aus Braunschweig in einer Moschee in Istanbul auf einen großen, sportlichen Mann traf, der sich Obeida nannte. Tags darauf, so erzählte es der Junge später Beamten des Bundeskriminalamtes, habe Obeida ihm eine Tüte mit einer Jeans und ein paar Schuhen übergeben, mit der Bitte, sie nach Deutschland mitzunehmen. Am 26. August übergab Alaeddine T., wie ihm geheißen war, die Tüte in einer Moschee in Braunschweig. Der junge Mann, der sie dort entgegen nahm, war eine gute Woche später auf der ganzen Welt bekannt: Fritz Gelowicz, 29 Jahre alt, ein Konvertit aus Ulm. Zusammen mit seinen Glaubensbrüdern Adem Yilmaz, 29, und Daniel Schneider, 22, hatte er mutmaßlich Anschläge auf amerikanische und usbekische Einrichtungen in ganz Deutschland geplant. In den Schuhen aus der Türkei waren 20 Sprengzünder versteckt.

Tüte offenbar von CIA-Kontaktmann übergeben

Der Mann, der die Tüte in Istanbul übergeben hatte, war offenbar ein Kontaktmann des amerikanischen Geheimdienstes CIA und stammt aus der Pfalz, wie stern.de aus Sicherheitskreisen erfuhr. Mevlüt K., ein 29-jähriger Türke aus Ludwigshafen, ist deutschen Ermittlern als "Obeida, der Türke" bereits seit 1997 bekannt. Er gehörte der radikal-islamischen Gruppe "Imam-Einheit" an, soll für die Terrororganisation Al Tawhid mit falschen Pässen gehandelt und Spenden für den bewaffneten Jihad gesammelt haben. Er wurde auch verdächtigt, Sprengstoff für einen Anschlag nach Saudi-Arabien geliefert zu haben. Im August 2002 ist Mevlüt K. auf dem Flughafen von Ankara festgenommen worden und saß bis November 2003 in Haft. Vermutlich ist er in dieser Zeit von der CIA angeworben worden und war nun auf die so genannte "Sauerland-Gruppe" um Fritz Gelowicz angesetzt.

Vergangene Woche hatte die Bundesanwaltschaft ihre 259 Seiten dicke Anklageschrift gegen Gelowicz, Yilmaz und Schneider vorgelegt. Nach Erkenntnissen der Ermittler wollte die "Sauerland-Gruppe" Kasernen, Pubs oder Discotheken in deutschen Großstädten in die Luft sprengen. Dazu hatten die jungen Muslime zwölf Fässer Wasserstoffperoxid angeschafft, das in einer Mischung mit Mehl nach Berechnungen der BKA-Gutachter eine Sprengkraft von 410 Kilogramm TNT gehabt hätte.

Im Ziel: Kasernen oder Pubs

Insgesamt hatte sich die Gruppe 26 Zünder besorgt. Sechs stammten aus bulgarischer und serbischer Produktion. Die 20 Zünder, die in Istanbul übergeben wurden, waren tschechischer Herkunft. Wie sie an den Kontaktmann der CIA gelangten, scheint noch nicht geklärt zu sein. Es gibt Hinweise, dass die Sprengzünder aus Syrien stammten. Es gibt aber auch Spuren, die in den Libanon führen, möglicherweise in ein ehemaliges Übergangslager von Palästinensern, das später bombardiert wurde. Techniker des Bundeskriminalamtes hatten einige der Zünder genauer untersucht und schrieben in ihrem Gutachten, das stern.de bekannt ist: "Im Ergebnis waren zwei der insgesamt 17 getesteten Zünder funktionsfähig." Die anderen hätten nicht gezündet, da sie zu feucht gewesen seien.

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Rainer Nübel Gerd Elendt und Martin Knobbe