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8. Juli 2008, 15:02 Uhr

"Asse ist ein Fall fürs Bundeskriminalamt"

Die Aktivisten nutzen die Gunst der Schlagzeilen. Die offiziellen Beruhigungsversuche aus Hannover und Berlin, wonach zumindest akut keine Gefahr von Asse II ausgeht, kennen sie schon und schießen zurück: "Wir liegen hier genau auf der Wasserscheide zwischen Weser und Elbe", sagt Udo Dettmann vom Asse-IIKoordinationskreis und fügt nach einer dramatischen Pause hinzu: "Elf Kilo Plutonium, ein Mikrogramm tödlich - wenn das ins Grundwasser gelangt, geht das auch Hamburg und Bremen an." Vielleicht werde die Asse ein neues Symbol dafür, "dass die alles entscheidende Frage der Endlagerung nie sicher beantwortet werden kann".

Da kommt die Cäsiumpfütze genau im richtigen Moment. Gerade hat der Ölpreis die Diskussion über den Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernenergie wieder befeuert. CDU-Politiker reden vom einzig wahren Ökostrom aus Atom. Die SPD zerreißt es fast im Streit um den sogenannten Energiekonsens. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel schlägt eine Sondersteuer auf Atomstrom vor. Die Asse liegt in seinem Wahlkreis. Und er war auch der Erste, der lauthals "an der Zuverlässigkeit und Fachkunde" der Betreiber vom Helmholtz Zentrum zweifelte.

Zentrale des Protestes: Hausfrau Christa Bolle, 57, pinselt Ölfässer an, Pfleger Thomas Hilgendag, 40, (M.) und VW-Angestellter Ete Meier, 52, zimmern jede Menge Symbol-A© Bernd Schoenberger/GSP

"Standfestigkeit nur noch bis 2014 garantiert"

Wenn man mit Gerd Hensel im offenen Jeep durch die Stollen braust, bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, was Gabriel meint. Nach der Helmholtz-Version sion soll bei der Einlagerung immer mal was danebengegangen sein. Ein Unfall, bei dem ein Gabelstapler 1973 ein Fass aufschlitzte, ist überliefert. So, glaubt Hensel, könne das Cäsium in den Stollen gelangt sein. Weil über solche Pannen in den sorglosen 60er und 70er Jahren offenbar nicht genau Buch geführt wurde, will man nun ehemalige Mitarbeiter befragen, was damals noch so passiert sei - im eigenen Haus wohlgemerkt und sofern sie noch leben.

"Nach heutigen Erkenntnissen", sagt Hensel, "käme die Asse nie für ein Endlager infrage." Dass sie einmal feucht werde und abzusaufen drohe, hätten die Verantwortlichen damals offenbar nicht bedacht. Doch für lange politische Diskussionen oder gar eine Bergung des Mülls, wie ihn die Anwohner letztlich fordern, sei es nun auch zu spät. "Die Standfestigkeit der Anlage ist nach geologischen Gutachten nur noch bis 2014 garantiert", sagt Hensel. Danach drohe Asse II einzustürzen.

Seit Jahren kämpfen die Betreiber der angeblich trockenen Grube mit Wassereinbrüchen von täglich zwölf Kubikmetern. Vor allem in die Südflanke sickert ständig Lauge ein, die bislang auch nicht zu stoppen war. Gegen dieses Problem schien den Helmholtz-Leuten die Cäsiumpfütze in 750 Meter Tiefe offenbar nicht der Rede wert. In ihren Strahlenschutzberichten kamen die Grenzwertüberschreitungen nie vor. Stattdessen pumpten sie die verseuchte Lauge einfach immer wieder und, wie sich nun herausstellt, ohne die nötige Genehmigung 200 Meter tiefer in den Berg. "Wahrscheinlich", sagt Hensel, "kann man darin sogar baden", zumindest hätten ihm das seine Strahlenschützer so erklärt. Vorführen will er das dann aber doch nicht.

Keine Erfahrungen mit feuchten Stilllegungen

Gerd Hensel ist promovierter Bergbauingenieur. Man möchte alles glauben, was er sagt, schon weil er selbst Familie hat und mit seinem Dosimeter nicht zum ersten Mal neben der Pfütze steht. Aber umso mehr er sich um Offenheit bemüht, desto schneller will man wieder nach oben.

Er selbst sei kein Strahlenschutz-Fachmann, räumt er ein. Immerhin sei er auch Anwohner und mache sich die gleichen Sorgen wie alle - nur was, bitte, soll er jetzt machen? "Wenn jemand einen besseren Vorschlag hat als die kontrollierte Flutung, hören wir sofort damit auf."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 28/2008

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
TschiTschi (13.07.2008, 11:21 Uhr)
Eine Bitte an stern.tv
Bitte führen Sie ein Interview mit unserer Bundeskanzlerin an jenem besagten Salzsee, wo sie ihre bisherigen Aussagen "Atomstrom ist eine Umwelt freundliche Energieform" etc. wiederholt. Und geben Sie - nach Ausstrahlung bei Herrn Jauch - SPD, Grünen und CDU/CSU das Verwertungsrecht zur Verwendung als Wahlkampfspot. Mal sehen, wer davon Gebrauch macht!
johnniedeamonic (13.07.2008, 11:16 Uhr)
folgende Situation....
Da wurde ein Weg zur Energiegewinnung gefunden der viel viel erfolgsversprechender ist als alle anderen, der einzige Nachteil ist das die Entprodukte (Hochradioaktiv sind /sprich sie verseuchen das Land und lassen euren Kindern Tumore wachsen und verändern das Erbmaterial)
Hört sich schlimm an ist es aber nicht,
der Planet ist groß, wir haben Wüstenregionen in denen bei Durchschnittstemperaturen vo 65-75ºC im Sommer selbst die meisten Bakterienarten zugrunde gehen, es gibt also 100. Orte an denen man den Müll, abseits von Mensch und Natur einlagern könnte und das über 1000ende von Jahren, klingt gut oder?
Nachstes Problem, jetzt kommt Politik ins Spiel,
Das Lagern egal von was auch immer ist Teuer, also holt man sich Investoren ins Boot, Leute zwar die von tuten und blasen keine Ahnung haben aber die erforderlichen Gelder rausrücken würden wenn man sie nur genügend beteiligt, klingt auch noch ganz gut oder?
Leider gibt es bei soetwas immerncoh die Kosten an die niemand denkt,Wartung der Anlagen, Instanthaltung der Lagerbehälter, Gesundheitsversorgung des Pesonals usw...
Alles Kosten die man natürlch einfac SParen kann, man veröffentlicht oder kauft sich Studien und Berichte die der breiten Masse erklären es wäre garnciht nötig das man sich besonders um den Müll kümmert,
es sei sicherer den Kram einfach in Fässern 100 Metern unter dem Boden in irgendeinem alten Bergwerk zu verbuddeln,
und die Leute die sich wegen Geldmangels eben die Gauer von denen ich grade Sprach an Board geholt haben und nun langsam merken das irgendetwas gewaltig schief geht unternehmen nichts, wieso auch ma hofft eben das dies alles erst passiert wenn man damit eh nichtsmehr zutuen hat, oder nochbesser Hoffnung, die Leute hoffen das nichts passieren wird, den im Endeffekt benutze ja alle die gleichen Methoden wie man selbst und nie pasiert etwas, man könnte ja das Glück haben.
....usw und sofort...
habs schonmal gesagt und kan es nur wiederholen,
das einzige was die ganze Geschichte noch absurder macht ist das unsere Spinner aus Politik,Energielobbys und korrupten Gewerkschaften als wiederliche Kakerlaken die sie ja nunmal sind, den atomaren Winter auf den sie so begeistert zuarbeiten sogar überleben werden....
bob-der-meister (13.07.2008, 10:57 Uhr)
Wer "billigen" Atomstrom will...
...der sollte sich auch an den Entsorgungskosten beteiligen. Warum soll der Steuerzahler für all die Milliarden geradestehen, mit denen diese unausgegorene Form der Stromerzeugung indirekt subventioniert wird?
Die Energiekonzerne streuen mal wieder das Gerücht, mit längeren Laufzeiten gäbe es günstigeren Strom. Und das mit dem strahlenden Müll würden vielleicht ja irgendwann mal irgendwelche Ingenieure in den Griff kriegen. Das ist natürlich totaler Blödsinn, aber es glauben ja auch viele an den Weihnachtsmann.
Derweil lohnt sich die Spekulation auf Energiewerte, während der Normalverbraucher seine Rechnung nicht mehr bezahlen kann.
Ich halte massive staatliche Eingriffe in diesen angeblich liberalisierten Markt für dringend geboten!!!
seelenflieger (13.07.2008, 10:16 Uhr)
Super-GAU
@senf-dazu-geben
1. Der Begriff Super-GAU wird in diesem Artikel rein metaphorisch verwendet (Metapher = rhetorisches Stilmittel).
2. Aus technischer Sicht gibt es sehr wohl einen Unterschied zwischen einem GAU und einem Super-GAU. Einfach mal ein bisschen im Internet recherchieren.
Und bitte unterlassen Sie in Zukunft solch populistischen Wörter wie "Boulevard-Shit". Danke.
le_roi (13.07.2008, 09:49 Uhr)
Das alles erschalgende Argument gegen Kernkraftt zur Energiegewinnung!!
"Künstliche Radionuklide (Kernkraftwerk) mit großen physikalischen Halbwertszeiten stellen eine besondere Gefahr dar, sie müssen Zehntausende von Jahren mit größter Sorgfalt von der Umwelt ferngehalten werden." (aus Umweltlexikon-Online.de)
flyingfree (13.07.2008, 02:04 Uhr)
Atomenergie ist sicher
Die zahlreichen Atomstromfanatiker sollten den strahlenden Mist per Handarbeit in Ordnung bringen. Es wäre ihnen gegönnt. Das Problem ist nur: So ein Ereignis kann niemand jemals in Ordnung bringen.
Aber ihr seid noch immer für Laufzeitverlängerung aufgrund vermeintlich billigen Atomstroms, angeblich sicherer Technologie, "sauberer" Luft und der ganzen Märchen die euch erzählt werden, und die ihr mir erzählt, oder?
senf-dazu-geben (13.07.2008, 01:49 Uhr)
Der optimalste Super-GAU?
Bei allem Verständnis für Ihren Artikel, dessen Tenor ich teile... aber: bitte vermeiden Sie populistische Wörter wie "Super-GAU", denn solche Worte sind Boulevard-Shit. GAU heißt: Größter anzunehmender Unfall. Einen Unfall, der größer als der größte anzunehmende Unfall ist, gibt es nicht. Danke.
herrlehmann (13.07.2008, 01:13 Uhr)
so schön war die zeit
Habe seinerzeit als Schüler (ca. 1992) mal ein Referat über AKW halten müssen. War total prima aber auf die Frage nach der Entsorgung des anfallenden stahlenden Abfalls hatten weder ich noch das Plenum oder der Lehrer eine befriedigende Antwort. Daran hat sich bis heute - soweit ich das beurteilen kann - nichts geändert, oder?
Xyr2 (13.07.2008, 00:47 Uhr)
aja..
das sind natürlich ganz neue nachrichten... schade dass der stern auch nur dem medien-mainstream hinterherhinkt. ok aber was erwarte ich auch :/
horst.pachulke (12.07.2008, 22:30 Uhr)
Das ist doch nur die Spitze des Eisberges.
Oder denken Sie wirklich, AKW's wären zu den heutigen "Kampfpreisen" zu betreiben, wenn auf jedes Gramm radioaktives Material geachtet würde? Ganz davon abgesehen, dass es schlicht unmöglich ist, die Herstellungs-, Betriebs- und Lagerstätten absolut "dicht" zu bekommen. Ein bisschen "Schwund" ist da immer - Schwund, der sich in den Nahrungsketten akkumuliert. Guten Appetit, nebenbei, denn dort akkumuliert sich so manches.
.
[sarcasm] Überhaupt ist mir unbegreiflich, was das Problem ist, wenn in 150 Jahren größere Mengen radioaktives Material in das Grundwasser und damit in die Menschen gelangt. Sie sterben dann zwar früher - aber ihnen wird genau damit viel Leid erspart. Think positive! [/sarcasm]
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