So ist es, deswegen muss es Praxisphasen zu Beginn des Studiums geben, wo sie sich prüfen können und wo sie auch geprüft werden. Es gibt ja empirische Untersuchungen, wonach bis zu 40 Prozent der Lehrer ungeeignet sind. Etwa weil sie Lehrer geworden sind wegen der Sicherheit des Beamtentums. Weil ihnen nichts Besseres einfiel. Weil es sich gerade so ergab. Sie wurden aber nicht Lehrer aus innerer Überzeugung und Berufung.
Der ist unbedingt abzuschaffen, weil er nur schädlich ist. Er führt zu falscher Mentalität, zu obrigkeitsstaatlichem Denken. Und verführt dazu, dass man Lehrer wird, weil der Status Sicherheit bietet und eine schöne Pension. Außerdem ist dieser Status viel zu teuer.
Das ist nur ein ganz nebensächlicher Grund. Der Hauptgrund ist, dass wir den Kindern gestaltete Gemeinschaften bieten müssen, die nicht nur Gemeinschaften ihrer Klasse sind.
Am Vormittag gemeinsamer Unterricht. Dann gemeinsames Mittagsessen, dann Schularbeiten und anschließend müsste das Spiel dominieren, der Sport, das Theater, die Musik. Oder Schüler-Mitverantwortung also spielerische Einübung von Politik. Das muss geschehen unter der Führung derselben Person, die am Vormittag unterrichtet.
Es war ein Fehler, die wenigen positiven Dinge der DDR mit in den Orkus bei der Wiedervereinigung geworfen zu haben. Menschen, die die Ganztagserziehung in der DDR mitgemacht haben, sehen sie bis heute positiv. Angefangen von Frau Merkel bis hin zu Frau Illner.
Das ist der größte Skandal. Es ist uns nicht gelungen in 50 Jahren, hier einen Schritt voranzugehen. Wir haben nur Strukturen verändert. Doch die Lehrer müssen die Kinder entdecken und das können sie bei Kindern aus bildungsfernen Schichten nur, wenn sie sie am Nachmittag beim Fußballspielen, am Computer oder sonst wo erleben. Nur dort können sie sehen, was ihre Begabjungen sind und können sie in ihrem Selbstwertgefühl stärken. Meine größte Sorge ist, dass die Kinder aus bildungsfernen Schichten kein Selbstwertgefühl entwickeln. Sie glauben nicht an sich, fühlen sich nicht akzeptiert. Ein Hauptschüler steht am Morgen auf und sagt sich, ich werde heute scheitern. Und dann wird er sich tagsüber bemühen zu scheitern, weil er keinen Glauben an sich hat. Das oberste Ziel der Erziehung wurde bei ihm nicht erreicht: Nämlich sein Selbstwertgefühl zu stärken. Das muss in der Ganztagsschule nachgeholt werden. Das ist die wichtigste Zielsetzung des Zukunftsrats überhaupt.
Ungeheuer profitieren würden sie, weil sie dann nicht nur im Unterricht mit den anderen Kindern zusammen sind, sondern auch am Nachmittag. Mal in der Sportgruppe, mal in der Theatergruppe. Da würden sie spielerisch auch die Sprache besser lernen, die gegenseitigen Berührungsängste verlieren. Und die Migrantenkinder könnten dann auch ihre Stärken zeigen, zum Beispiel, dass sie viel hilfsbereiter sind, wie man aus vielen Untersuchungen weiß.
Ich habe gesagt, Disziplin ist das Tor zu Glück und Freiheit. Sie ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Erziehung. Disziplin zu fordern, ist allerdings nur legitim, wenn Liebe und der Fürsorge für Kinder der Beweggrund sind. Disziplin lernen Kinder nur, wenn sie gemeinsam Ziele verfolgen.
Dafür trete ich ein, obwohl es rechtlich vermutlich nicht möglich sein wird. Und ich trete auch für den ganztägigen Kindergarten ein.
Die Position des Schulleiters muss als Führungsposition definiert werden und nicht als reine Verwaltungsposition wie bisher. Führung bedeutet: Dass derjenige, der führt, den Geführten immer in seinem Selbstwertgefühl stärken muss, dass er Ziele vereinbaren, aber auch kontrollieren muss, ob er die Ziele erreicht. Wenn er sie nicht erreicht, soll er ihm Hilfen geben, damit er sie erreicht. Die Wirtschaft hat längst erkennt, dass man mit guter Führung mehr Geld verdienen kann. Die Schule muss noch entdecken, dass ihre Ziele leichter erreicht werden, wenn Schulleiter führen dürfen.