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10. November 2008, 10:13 Uhr

Ein Schwarzgeldjäger wird kaltgestellt

Weil er angeblich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zu spät über die geplanten Bonuszahlungen für Manager der Deutschen Bahn AG unterrichtet haben soll, ist der Staatssekretär Matthias von Randow bekanntlich gefeuert worden.

Unstrittig ist dabei, dass der Minister geschwindelt hat, als er zunächst behauptete und von seinem Sprecher Rainer Lingenthal erklären ließ, erst am 20. Oktober informiert worden zu sein. Er hat es nachweislich Wochen zuvor erfahren. Denkbar sogar ist, dass Tiefensee Monate zuvor informiert worden worden war. Von Randow, bis dahin im Ministerium ein hoch angesehener Spitzenbeamter, musste als Sündenbock gehen, um Tiefensees Ministerstuhl zu retten. Ein teures Manöver für die Steuerzahler. Denn der Beamte bekommt jetzt fürs Spazierengehen in den nächsten zehn Monaten rund 75.000 Euro Übergangsgeld. Danach kann er mit der Pension eines Ministerialdirektors - in seinem Fall nach Berechnungen des Bunds der Steuerzahler etwa 7000 Euro - spazieren gehen.

"Das Verkehrsministerium ist ein Augias-Stall"

Für Tiefensee kein Grund, die ungerechtfertigte Entlassung rückgängig zu machen. Sein Sprecher Rainer Lingenthal unbeeindruckt kühl: "Fehlendes Vertrauen kann man nicht wieder herstellen." Im Übrigen halte sein Minister ja bei der Bahn weiterhin daran fest, "dass kein Volksvermögen verschleudert wird." Und wer zahlt für von Randow? Die Steuerzahler.

Beim Minister Tiefensee sollte man allerdings nicht darauf vertrauen, dass es stimmt, was er sagt. So redete er nach der Entscheidung, den Börsengang der Bahn zu verschieben, davon, die Entscheidung sei nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Michael Glos und Finanzminister Peer Steinbrück gefallen. Dumm nur: Die beiden Minister wissen bis heute nichts von einem derartigen Treffen. Lingenthal versuchte die neue falsche Behauptung vor den Berliner Journalisten lange zu vernebeln. Letztlich musste er allerdings einräumen, dass das "Treffen" nur ein kurzes Telefonat gewesen war.

Und dabei hatte Steinbrück dem Kollegen Tiefensee barsch mitgeteilt, er solle den Quatsch des Börsengangs gefälligst lassen. Der grüne Abgeordnete und Verkehrsexperte Peter Hettlich: "Das Verkehrsministerium unter Tiefensee ist ein Augias-Stall."

Lingenthal allerdings dürfte das kaum erschüttern. Er musste schon früher, als er noch Bundesinnenminister Otto Schily als Sprecher diente, die Wahrheiten verschleiern helfen: Obwohl er mit eigenen Ohren aus Schilys Mund gehört hatte, dass der auch schon mal mit Akten nach Beamten geworfen hatte, dementierte er offiziell solche Wutaktionen des Ministers.

Gegendarstellung:
In stern.de vom 10.11.2008 wurde unter der Überschrift "Berlin vertraulich! - Ein Schwarzgeldjäger wird kaltgestellt" behauptet, ich hätte mich in meiner damaligen Funktion als FDP-Fraktionsgeschäftsführer über die Dienstwagen der Fraktion bereichert. Hierzu stelle ich fest: Ich habe mich nicht bereichert.

Berlin, 13. November 2008

gezeichnet Manfred Eisenbach

Von Hans Peter Schütz
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KOMMENTARE (10 von 31)
 
pops (24.11.2008, 15:51 Uhr)
Ist doch bestimmt
eine rein rhetorische Frage, oder, @bruddy???
MisterBrezeldent (24.11.2008, 14:34 Uhr)
Jäger kaltgestellt?
... schmeckt das denn?
pitiplatsch (11.11.2008, 06:24 Uhr)
Wie schon gesagt
die Mafia ist gegen diese etablierten Politiker ein Christlicher Verein. Abzocken ausbeuten sich die Taschen füllen ist die Deviese gell lieeeeebe und Kriegsgaile Kanzlerin. Wir haben uns den Sauhaufen selber gewählt, also sind wir selber Schuld ?? Nö nö mit soviel krimineller Energie haben wir nicht gerechnet. Die nächsten Wahlen kommen, und dann haben wirs wieder in der Hand. Ganz Links oder ganz Rechts dazu zwingt uns die etablierte Mafia.
bruddy (10.11.2008, 16:55 Uhr)
Kriminelle Vereinigung
Sind unsere Volksverarscher in Wirklichkeit alle Mitglieder in kriminellen Vereinigungen?
crestflight (10.11.2008, 16:36 Uhr)
Wie obszön!
Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Rechtschaffenheit deutscher Politiker!
ritchie (10.11.2008, 16:28 Uhr)
Lammert war
bleibt und ist die Inkarnation des spießbürgerlichen, bisindieSteinzeitfinanziell abgesicheerten blutleeren Berufsabgeordneten. Ausgerechnet dieser Herr wollte sich schon vor Jahren um die Modernisierung der unglaublichen Pensionszusagen für Abgeordnete kümmern! - was DABEI rauskam braucht man nicht zu kommentieren. Von daher paßt diese neue Aktion genau zu diesem Abnicker, Verharmloser und NIxtuer.
erik23_de (10.11.2008, 16:19 Uhr)
Unrechtsstaat BRD - und der ganz normale Kriminelle im Bundestag
Lammert ist an sich eh schon kriminell - kann er doch nicht entscheiden, ob er lieber für die Stromwirtschaft oder als Reichstagspräsident arbeiten will. Er "spendet" seine aktuellen Strom-Bezüge, aber eigentlich muß man kein Hellseher sein, um zu wissen, daß das Profitieren anfängt, wenn er aus dem Amt scheidet.
Einer der Gründe für unsere überhöhten Strompreise...
Wen wundert's also?
Die Justiz bestraft das nicht, der Wähler hat kein Bewußtsein für so etwas, bleibt also nur Gott oder die RAF, um solches Geschmeiß zur Rechenschaft zu ziehen.
Ein solcher Typ an so einer Stelle ist wie ein Richter, der permanent Recht beugt, ist wie ein Polizist, der Kriminell ist, ist wie ein Priester, der schutzbefohlene Kinder mißrbruacht -- also die größte anzunehmende Obszönität, die größtmögliche Schurkerei. Es gibt keinen sittengetreuen Ausdruck, um so etwas angemessen zu würdigen.
Rechtsstaat???
Das war eine Illusion!!
Die Realität ist die permanente Rechtsbeugung. Noch ein Beispiel gewünscht?
Also: Ein Vorstand einer Aktengesellschaft kann wegen Fahrlässigkeit verklagt werden und haftet dann mit seinem gesamten Vermögen. Verklagen kann ihn aber nur ein Mitglied des Aufsichtsrates.
Zu illustration: Das ist, als dürfte einen Tresorknacker nur von einem Mitglied der eigenen Bande verklagt werden, oder ein kinderschändender Prister nur vom Papast, oder Erich Honnecker nur von Mielke. Und obwohl hier eine Krähe der anderen noch nie ein Auge ausgehackt hat, mein unsere Justizministerin, die Gesetze wären ausreichend.
Nun ist die vielleicht doch nicht so naiv (man weiß es nicht genau) - dann aber umso krimineller.
Weiterschlafen!!
bR4iNST0RM (10.11.2008, 16:17 Uhr)
@ Gisella
Warum unser Staat (und nicht nur unser) soweit abgerutscht ist, ist einfach zu erläutern: wenn die Politiker so sehr damit beschäftigt sind, Wahrheiten Tod zu schweigen, zu vertuschen, das Deckmäntelchen des Schweigens auszubreiten und oder Schadensbegrenzung der bereits öffentlich gewordenen „Geheimnisse“ zu betreiben, dann ist natürlich für den eigentlichen Politikzirkus nicht mehr viel Zeit über! Abgesehen davon, müssen sie auch noch ihre ganzen Vorstandsposten in der Wirtschaft „bekleiden“, um ihr schmales Politikergehalt ein klein wenig auf zu stocken! Wo soll da also noch Zeit zum „Regieren“ sein?!
knilch_59 (10.11.2008, 15:48 Uhr)
Erstmal die andere Seite hören
Endlich der nächste Skandal! Aufschrei, Blutsturz, …
.
Mir fehlt in der Meldung die Antwort auf die Frage, ob Herr Becher sich auf den neuen Job beworben hat, oder ob er gegen seinen Willen „mit neuen Aufgaben betraut“ wurde. Ey – Schütz, alte Skandalschleuder, was ist denn dazu zu melden?
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Ich könnte sogar verstehen, dass ein Beamter nach 15 Jahren im Unrat rühren einfach davon die Schnauze voll hat. Sollte es aber so sein, dass hier einer gegen seinen Willen kalt gestellt wurde, dann sollte man noch viel lauter schreien und unser Berufsbeamtentum um Entschuldigung bitten – soo schlecht scheinen unsere Beamten dann doch nicht zu sein!
sedanon (10.11.2008, 15:24 Uhr)
Erinnert irgendwie
an die Verstrickungen der italienischen Politik mit der Mafia während der 70er-90er Jahre.
Noch sind wir nicht soweit, dass sich unliebsame Anwälte in einem Fundament eines Neubaus wiederfinden. Wenn man sich aber das halt- und sanktionslose Treiben der Politik und Wirtschaft anschaut, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich ein Politiker für sakrosankt hält und die "Interessen" seiner Clique durchsetzt.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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