Böse in Verdacht ist diese Woche der Emmendinger CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß geraten, ausgerechnet unmittelbar vor der Klausursitzung der CDU-Führung. Die "Berliner Zeitung" zitierte ihn als vehementen Kritiker Angela Merkels. Er habe über die Kanzlerin gesagt: "Man weiß nicht, ob sie noch in der CDU beheimatet ist." Die CDU/CSU-Fraktion staunte über Weiß, immerhin neuerdings Chef ihrer einflussreichen Arbeitnehmergruppe. Doch es war eine glatte Falschmeldung. Weiß, der dem Karl-Höffner-Kreis angehört, einem Zusammenschluss katholischer Unionsabgeordneter, hatte etwas ganz anderes gesagt. Seit Merkel 2005 die Kanzlerschaft übernommen habe, seien die konservativen Wählermilieus der CDU verunsichert. Und dann folgte der Satz: "Manche fragen sich, ob sie noch in der CDU beheimatet sind." Heißt: Es ging um die Milieus, nicht um Merkel.
Die Konservativen in der CDU haben es derzeit tatsächlich nicht leicht. Die Kanzlerin lässt schließlich an vielen Punkten eine Politik betreiben, die nur schwer ins konservative Weltbild passt. Da ist vor allem bei Ursula von der Leyen der Fall, die bisher mit ihrer Familienpolitik das konservative CDU-Publikum erschreckte und dies offenbar auch im neuen Amt der Bundesarbeitsministerin fortzusetzen gedenkt. Was konservative Vorurteile sind und wie sie sich durch das Leben selbst widerlegen lassen, hat jetzt die EKD-Vorsitzende Margot Käßmann (vier Kinder) mit einer heiteren Anekdote geschildert. Sie habe einmal, so die Bischöfin, zusammen mit von der Leyen (sieben Kinder) vor konservativen CDU-Anhängern über die Modernisierung des Familienbilds geworben. Nach langer Debatte habe sich ein älterer Herr erhoben und gesagt: "Ich bin gegen alles, was sie beide sagen. Aber was soll man noch sagen, wenn sie zusammen elf Kinder haben!"
Schlagzeilen hat Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel mit seiner jüngsten Afrikareise nicht gemacht. Die Berliner Journalisten hat nur eines interessiert: Weshalb er dort mit verspiegelter Sonnenbrille und Schirmmütze aufgetreten ist, deren Form und Farbe dem nachempfunden waren, was einst Gebirgsjäger der Wehrmacht auf dem Kopf getragen haben. Und eine weitere Frage lautete, weshalb der Ex-Fallschirmjäger Niebel, wenn er schon so auftrete, dann nicht wenigstens eine entsprechende Mütze der Bundeswehr getragen habe. Aufklärung gab es nicht. Ein Kommentar aus der FDP-Parteizentrale aber lautete: "Ich hätte ihm das Ding am liebsten vom Kopf gerissen. Der ist doch jetzt Minister und nicht mehr Aktionskünstler." Ob das Niebel auch so sieht?
Niemand diskutiert gelassener über die Frage des Einsatzes von so genannten Nacktscannern bei der Kontrolle von Flugpassagieren als der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach. Der neue Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags, wo diese Frage im Kampf gegen den Terrorismus zurzeit ein wichtiges Thema ist, kennt das Problem intensiver körperlicher Inspektion aus sehr speziellem Grund. Wann immer er durch die Passagierschleuse vor dem Abflug geht, wird er als Verdachtsfall gemeldet. Es piepst, denn er trägt einen Herzschrittmacher. Hat er seinen speziellen Ausweis mal nicht dabei, wird er scharf kontrolliert: Er muss sein Hemd öffnen und mit der Narbe auf seiner Brust, die von der Operation stammt, beweisen, dass er keinen Bombenanschlag plant. "Für mich und meine Intimsphäre wäre die Inspektion per Nacktscanner einfacher", findet er. Und geht davon aus, dass sie noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen werden. In dieser Frage steckt allerdings für Bosbach auch ein politisches Risiko. Manche seiner Parteifreunde, die ihm oft vorwerfen, er sei viel zu ehrlich bei seinen Meinungsäußerungen, dürften dann schimpfen: "Bei dem piepst´s wohl!"