. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
9. September 2010, 06:42 Uhr

Heuschrecke - Platzeck 2 : 0

Keine Kaufpreisnachfoderung

Einiges spricht dafür, dass Steinbachs Schätzung realistischer war. Am 16.September 2008 schrieb Investor Böx selbst an die vom Land mit dem Geschäft betraute Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG), er wolle nun weniger abreißen lassen und mehr restaurieren. Man gehe davon aus, dass trotz nun nicht entstehender Abrisskosten "eine Kaufpreisnachforderung seitens der BBG nicht gestellt wird" - so Böx unter dem Briefkopf der Kanzlei "Danckert Böx Meier".

Keine Sorge, beruhigte BBG-Manager Harald Holland-Nell eine Woche später den Anwalt. Eine Kaufpreisnachforderung werde deshalb "nicht erhoben werden". Die Wiederherstellung der denkmalgeschützten Bauten sei ja sinnvoll.

Was weder Böx noch Holland-Nell in diesem Briefwechsel erwähnten: Je mehr denkmalgeschützte Bauten restauriert werden, desto besser für den Bauherrn. Denn die Sanierung solcher Baudenkmäler lässt sich weitgehend von der Steuer absetzen. Auf den einschlägigen Paragraphen 7i des Einkommensteuergesetzes verwies auch die Berliner Desakon, als sie dieser Tage die Krampnitzer Immobilien ihren Vertriebspartnern schmackhaft machte.

Siedlung aus NS-Zeit

Je weniger Häuser abgerissen werden, desto geringer die Abrisskosten: Vorteil Böx. Und je mehr Gebäude auf dem Kasernengelände unter Denkmalschutz stehen, desto besser lassen sich bei der Investition Steuern sparen: Vorteil Böx.

Auch diesen Vorteil vergrößerte das Land nach dem Verkauf an den Hannoveraner Anwalt. Am 7.November 2008 teilte der Landesdenkmalpfleger Detlef Karg der Stadt Potsdam mit, dass der Denkmalschutz auf dem Gelände nun "mit erweitertem Umfang" eingetragen sei. Er galt nun auch für die Offizierssiedlung, die die Desakon inzwischen vermarktet. Karg sagt auf Anfrage, dass er bei einem Ortstermin mit dem - 2009 tödlich verunglückten - Potsdamer Architekt Moritz Kock am 1.Juli 2008 "erneut" auf diese Siedlung aus der NS-Zeit "aufmerksam" geworden sei. Kock arbeitete für die neuen Besitzer des Areals an einem Entwicklungskonzept. Nach dem gemeinsamen Krampnitz-Besuch, so Karg zu stern.de, habe er die Siedlung untersuchen lassen - und sei zu einem positiven Ergebnis gekommen. Dabei sei er "ausschliesslich" seinem gesetzlichen Auftrag gefolgt, "Zeugnisse der Geschichte im Hinblick auf ihren Denkmalwert zu überprüfen".

"Geld-zurück-Garantie"

Eines jedoch konnten die Brandenburger Regierenden nicht ändern. Ihr Geschäftspartner Böx hatte offenbar einfach nicht das nötige Kapital, um das Gelände so zu entwickeln, wie das seine Leute angekündigt hatten - mit angeblich bis zu einer Milliarde Euro.

Bis Ende 2009 hatten seine Firmen selbst von dem vereinbarten Kaufpreis nur ein Drittel an das Land überweisen lassen, knapp 1,4 Millionen. Weil die finanzierende Warburg-Bank absprang, musste er zwei Teilflächen an das Land zurückgeben und bekam dafür aus deren Kasse 740.000 Euro zurück. Der CDU-Landespolitiker Sven Petke spricht spöttisch von einer "Geld-zurück-Garantie".

Rückgabe und Optionsrechte

Wieder war es ein Deal zum Vorteil von Böx: Obwohl der Anwalt bewiesen hatte, wie schwach seine Bonität war, bekam er für die zurückgegebenen Grundstücke gleich wieder Optionsrechte bis Ende 2011, für eine kleine Vorhaltegebühr von jährlich einem Prozent des Kaufpreises.

Die Rückgabe der zwei Teilflächen widersprach dem Wortlaut der Kaufverträge vom Juli 2007. Die hatten postuliert, dass die insgesamt vier "Parallelverträge nur einheitlich abgewickelt bzw. rückabgewickelt werden können".

Aber wichtiger als solche Vereinbarungen war es der BBG und dem Land, Böx an Bord zu halten. Es habe die "Gefahr eines Gesamtrücktritts" des Investors gedroht, sagt das Finanzministerium.

"Ich habe das nicht hinterfragt"

Aber warum musste es unbedingt der Mann aus Hannover sein? Ein Mann übrigens, der auf Presseanfragen zu seinen Geschäften regelmäßig einfach nicht antwortet.

Inzwischen stellt sich selbst der damals verantwortliche Minister Speer "einige dieser Fragen". Hinter vorgehaltener Hand spricht man in Potsdam davon, das Geschäft eventuell rückabzuwickeln. Das Land Brandenburg sei ja bis heute im Grundbuch als Eigentümer eingetragen. Und Speer gibt nun den Reumütigen: "Ich habe das damals nicht hinterfragt", sagte er einer Lokalzeitung. Der einstige starke Mann von Brandenburg - im Moment ist er ziemlich klein.

Von Hans-Martin Tillack
Seite 1: Heuschrecke - Platzeck 2 : 0
Seite 2: Keine Kaufpreisnachfoderung
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Brandenburg Eine Landesregierung lässt sich prellen

In dem von stern.de enthüllten Skandal um zweifelhafte Grundstücksgeschäfte gerät die Brandenburger Landesregierung zunehmend unter Druck. Ohne ihr Wissen wurde ein millionenschweres Areal aus Landesbesitz weiter verkauft mehr...

Brandenburgs Innenminster unter Druck Opposition will Kasernenverkauf weiter untersuchen

Der brandenburgische Innenminister Rainer Speer gerät wegen des möglicherweise zu günstigen Verkaufs eines Kasernengeländes in Potsdam-Krampnitz weiter unter Druck. Die Opposition im Landtag sieht erheblichen Klärungsbedarf und fordert die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. mehr...

Fragwürdige Geschäfte von Rainer Speer Schnäppchenjagd in Brandenburg

Recherchen von stern.de haben Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) in Bedrängnis gebracht. Unter seiner Ägide hatte das bettelarme Bundesland ein Grundstück erstaunlich günstig abgegeben. Jetzt gibt es neue Fragen - wieder geht es um den Verkauf von Landeseigentum. mehr...

Ärger um Matthias Platzeck "Anschluss"-Äußerung löst Empörung aus

Fauxpas oder Koalitionstaktik? Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat die Wiedervereinigung als "Anschluss" bezeichnet. Der Begriff wird allgemein für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland verwendet. Entsprechend groß ist die Empörung. mehr...

Brandenburgs SPD Geschäft unter Sportsfreunden

Als brandenburgischer Finanzminister gab sich Rainer Speer, SPD, extrem sparsam. Dennoch überließ er dem Kanzleipartner eines Parteifreundes ein 110-Hektar-Areal zu einem erstaunlich günstig erscheinenden Preis. Die Opposition wittert einen Skandal. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe