Einiges spricht dafür, dass Steinbachs Schätzung realistischer war. Am 16.September 2008 schrieb Investor Böx selbst an die vom Land mit dem Geschäft betraute Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG), er wolle nun weniger abreißen lassen und mehr restaurieren. Man gehe davon aus, dass trotz nun nicht entstehender Abrisskosten "eine Kaufpreisnachforderung seitens der BBG nicht gestellt wird" - so Böx unter dem Briefkopf der Kanzlei "Danckert Böx Meier".
Keine Sorge, beruhigte BBG-Manager Harald Holland-Nell eine Woche später den Anwalt. Eine Kaufpreisnachforderung werde deshalb "nicht erhoben werden". Die Wiederherstellung der denkmalgeschützten Bauten sei ja sinnvoll.
Was weder Böx noch Holland-Nell in diesem Briefwechsel erwähnten: Je mehr denkmalgeschützte Bauten restauriert werden, desto besser für den Bauherrn. Denn die Sanierung solcher Baudenkmäler lässt sich weitgehend von der Steuer absetzen. Auf den einschlägigen Paragraphen 7i des Einkommensteuergesetzes verwies auch die Berliner Desakon, als sie dieser Tage die Krampnitzer Immobilien ihren Vertriebspartnern schmackhaft machte.
Je weniger Häuser abgerissen werden, desto geringer die Abrisskosten: Vorteil Böx. Und je mehr Gebäude auf dem Kasernengelände unter Denkmalschutz stehen, desto besser lassen sich bei der Investition Steuern sparen: Vorteil Böx.
Auch diesen Vorteil vergrößerte das Land nach dem Verkauf an den Hannoveraner Anwalt. Am 7.November 2008 teilte der Landesdenkmalpfleger Detlef Karg der Stadt Potsdam mit, dass der Denkmalschutz auf dem Gelände nun "mit erweitertem Umfang" eingetragen sei. Er galt nun auch für die Offizierssiedlung, die die Desakon inzwischen vermarktet. Karg sagt auf Anfrage, dass er bei einem Ortstermin mit dem - 2009 tödlich verunglückten - Potsdamer Architekt Moritz Kock am 1.Juli 2008 "erneut" auf diese Siedlung aus der NS-Zeit "aufmerksam" geworden sei. Kock arbeitete für die neuen Besitzer des Areals an einem Entwicklungskonzept. Nach dem gemeinsamen Krampnitz-Besuch, so Karg zu stern.de, habe er die Siedlung untersuchen lassen - und sei zu einem positiven Ergebnis gekommen. Dabei sei er "ausschliesslich" seinem gesetzlichen Auftrag gefolgt, "Zeugnisse der Geschichte im Hinblick auf ihren Denkmalwert zu überprüfen".
Eines jedoch konnten die Brandenburger Regierenden nicht ändern. Ihr Geschäftspartner Böx hatte offenbar einfach nicht das nötige Kapital, um das Gelände so zu entwickeln, wie das seine Leute angekündigt hatten - mit angeblich bis zu einer Milliarde Euro.
Bis Ende 2009 hatten seine Firmen selbst von dem vereinbarten Kaufpreis nur ein Drittel an das Land überweisen lassen, knapp 1,4 Millionen. Weil die finanzierende Warburg-Bank absprang, musste er zwei Teilflächen an das Land zurückgeben und bekam dafür aus deren Kasse 740.000 Euro zurück. Der CDU-Landespolitiker Sven Petke spricht spöttisch von einer "Geld-zurück-Garantie".
Wieder war es ein Deal zum Vorteil von Böx: Obwohl der Anwalt bewiesen hatte, wie schwach seine Bonität war, bekam er für die zurückgegebenen Grundstücke gleich wieder Optionsrechte bis Ende 2011, für eine kleine Vorhaltegebühr von jährlich einem Prozent des Kaufpreises.
Die Rückgabe der zwei Teilflächen widersprach dem Wortlaut der Kaufverträge vom Juli 2007. Die hatten postuliert, dass die insgesamt vier "Parallelverträge nur einheitlich abgewickelt bzw. rückabgewickelt werden können".
Aber wichtiger als solche Vereinbarungen war es der BBG und dem Land, Böx an Bord zu halten. Es habe die "Gefahr eines Gesamtrücktritts" des Investors gedroht, sagt das Finanzministerium.
Aber warum musste es unbedingt der Mann aus Hannover sein? Ein Mann übrigens, der auf Presseanfragen zu seinen Geschäften regelmäßig einfach nicht antwortet.
Inzwischen stellt sich selbst der damals verantwortliche Minister Speer "einige dieser Fragen". Hinter vorgehaltener Hand spricht man in Potsdam davon, das Geschäft eventuell rückabzuwickeln. Das Land Brandenburg sei ja bis heute im Grundbuch als Eigentümer eingetragen. Und Speer gibt nun den Reumütigen: "Ich habe das damals nicht hinterfragt", sagte er einer Lokalzeitung. Der einstige starke Mann von Brandenburg - im Moment ist er ziemlich klein.