Als Bremer Innensenator scheiterte Ulrich Mäurer mit dem Versuch, nach der Tat von Winnenden ein schärferes Waffenrecht einzuführen. Im Interview mit stern.de berichtet er, wie sich ein Bündnis aus Schützenverbänden und Waffenherstellern gegen schärfere Regelungen stemmte - und damit durchkam
Man muss sich nur die dicken Ordner mit der Post anschauen, die in jenen Wochen an die zuständigen Innenpolitiker geschrieben wurden: Es haben sich wirklich sehr viele engagiert, um eine Verschärfung zu verhindern. Dazu gehören die großen Jagd- und Sportschützenverbände, aber ich glaube auch, dass die Industrie ihren Beitrag dazu geleistet hat. Die Anzahl der Waffen einzuschränken, ist ja schließlich nicht gerade geschäftsfördernd.
Sie ist sehr gut organisiert und vernetzt, gerade auch im lokalen Bereich. Da schwindet dann sehr schnell der Mut der Bundestagsabgeordneten, Dinge zu beschließen, die daheim unbeliebt sind.
Nein, auch innerhalb der IMK gab es keine einheitliche Linie. Die Bank der CDU-Kollegen war beispielsweise geschlossen gegen diese massive Verschärfung. Es gab eine Reihe von Gemeinsamkeiten - das ist auch das, was letztlich im Gesetz seinen Niederschlag gefunden hat - aber gerade in so zentralen Fragen wie dem Verbot der großkalibrigen Waffen waren wir weit von einer Einigung entfernt.
Man sollte nicht unterschätzen, wie weit die Netzwerke dieser Lobby geknüpft sind. Ich glaube, auch sozialdemokratische Abgeordnete aus ländlichen Regionen haben da so ihre liebe Not mit einer Verschärfung gehabt.
Leider fehlt da der Politik wieder einmal der Mut, solche Dinge zu beschließen. Sehr wahrscheinlich wird dann wieder die Debatte bei der nächsten Amoktat erneut aufbrechen, insofern ist auch hier noch nicht das letzte Wort gesagt.