Warum er überhaupt noch weitermacht? "Ich will etwas verändern", sagt Bülow. Aber wie soll das funktionieren, wenn er selbst Teil des Ganzen ist? Oder will er am Ende nur ein wenig Aufmerksamkeit erzielen, selbst zu einer Nachricht werden? Sein sachlicher Ton und seine durchaus differenzierte Analyse belegen: Es ist ihm ernst.
Sein Vorwurf richtet sich in erster Linie an die Parlamentarier selbst, die sich nicht genügend wehren gegen die Einflussnahme von außen. Was tun? Bülow fordert "öffentliche Lobbyregister wie in den USA", eine Enquetekommission zum Thema Lobbyismus und mehr Transparenz bei Einkünften der Abgeordneten. Das könnte ein Anfang sein.
Und es kommt seiner Meinung nach auf das Selbstbewusstsein des einzelnen Abgeordneten an. Er soll sich wehren, auch gegenüber der eigenen Fraktionsspitze. "Wir nutzen nicht mehr unseren Einfluss, das ist das Problem", glaubt Bülow. Was ihm vorschwebt: Eine neue Balance zwischen Fraktionsdisziplin und Gewissensfreiheit. Genauer wird er nicht.
Und was sagen seine Kollegen? In der Öffentlichkeit schweigen sie. Ursache könnten Karrierepläne und Bequemheit sein, vermutet der Ausbrecher. Ist Bülow also ein Einzelgänger? "Ein Exot bin ich nicht. Eine Reihe von Kollegen gibt mir Recht", sagt er. So genau weiß er aber nicht, wie viele Unterstützter er letztlich im Parlament hat. "Das ist schwer", sagt Bülow, "da müsste man mit allen 622 Abgeordneten reden."
Und wenn er doch ein Solist bleibt, dessen Kritik ohne Wirkung bleibt? So wie 2007. Als er in einem Beitrag für das Magazin der Süddeutschen Zeitung mit seiner Parlamentarismuskritik in die Öffentlichkeit ging. Damals verpuffte seine Klagen. Seine Kollegen "äußerten sich eher gedämpft", gibt er zu.
Wohin ihn sein Mut noch bringt, wird sich erst noch zeigen. Am Ende seiner Buchpräsentation im Paul-Löbe-Haus des Bundestages kommt die Sonne hinter den Wolken raus. Durch die große Fensterfront ist schräg gegenüber das Westportal des Reichstagsgebäudes zu sehen.
Sein Buch schließt er mit dem Appell: "Abnicken war gestern, was morgen ist, das liegt an uns".
Seine Buchpräsentation schließt er mit den Worten: "Das schöne ist, ich habe einen Wahlkreis. Da entscheidet die Parteibasis, und dann die Wähler. Die Anderen müssen dann damit leben." Bislang hat er seinen Wahlkreis Dortmund 1 noch immer direkt gewonnen.