Die Entscheidung über den Nachfolger des scheidenden Arbeitsministers soll nach Angaben aus Koalitionskreisen schnell fallen. Merkel führe bereits Gespräche. Möglicherweise entscheide sich die Personalie noch im Laufe des Freitags, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters. Im Gespräch sind angeblich mehrere Politiker der hessischen CDU, aus der auch Jung kommt. Ein Wechsel von Hessens Ministerpräsident Roland Koch in das Arbeitsministerium galt in der Union hingegen als unwahrscheinlich.
In Frage komme einer seiner beiden Kronprinzen, Hessens CDU-Fraktionschef Christean Wagner und Innenminister Volker Bouffier. Genannt wurde aber auch die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger, die offiziell allerdings schon dementiert hat, für das Amt zur Verfügung zu stehen. Chancen habe zudem der langjährige hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel, hieß es in den Kreisen.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich betroffen über den Rücktritt Jungs. "Die Ereignisse der letzten 36 Stunden und insbesondere der Amtsverzicht meines Freundes Franz Josef Jung gehen mir auch persönlich sehr nahe", erklärte der hessische CDU-Chef. Jung, der als enger Vertrauter Kochs gilt, habe sich zu einem "außerordentlich respektablen Schritt" entschieden. Er hoffe, dass die Leistungen Jungs als Verteidigungsminister mit einigen Wochen Abstand wieder anerkannt würden.
In jedem Fall dürften diese Leistungen noch einmal genau unter die Lupe genommen werden, denn auch nach dem Rückzieher Jungs möchte die Opposition unbedingt einen Untersuchungsausschuss einrichten. "Wir wollen, dass diese Vorgänge lückenlos aufgeklärt werden", erklärten die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin.
"Ein Untersuchungsausschuss hat sich damit natürlich nicht erledigt"", sagte auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann. Der verteidigungspolitischer Sprecher der Linken, Paul Schäfer, erklärte: "Der Minister geht, der Aufklärungsbedarf bleibt."