
Gediegenes Interieur: Das Café Einstein von innen© Cafe Einstein
So mag Uhlig-Romero sein Café, als kleine Bühne des großen Lebens - mit Galerie-Anschluss übrigens. Seit Eröffnung des Einsteins Unter den Linden befindet sich daneben eine 45 Meter lange, schmale Galerie, die keinen Eintritt kostet. Dort präsentiert Uhlig-Romero Fotoarbeiten, etwa von Dennis Hopper, Wim Wenders, Andre Rival oder Helmut Newton. Die Galerie sollte auch Aufmerksamkeit schaffen, denn der Anfang des Cafés im Osten der Stadt war schwierig. Erst der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin belebte den Boulevard hinter dem Brandenburger Tor wieder.
Auch die Weltpolitik findet hier jetzt praktisch täglich vor der Hautür statt: Seit den Anschlägen vom 11. September ist die Neustädtische Kirchstraße neben dem Einstein-Café mit dicken Betonpfeilern verrammelt, die die amerikanische Botschaft abriegeln. Das ist trotzdem gut für das Café, denn vor den Pfeilern können jetzt die Staatskarossen parken, wenn ein Minister sich einen Espresso im Einstein genehmigt.
Während drinnen Uhlig-Romero über sein Leben, die Kunst, die Politik, das Kaffeehaus als geistigen Ort redet, zeigt er wie viel Energie in seinem gebrechlich wirkenden Körper steckt. Wenn er etwa wild gestikuliert, sich weit über den Tisch beugt, kurz telefoniert oder schnell einen Freund nach New York verabschiedet. Das alles ist nicht selbstverständlich, denn wie es der Zufall wollte, hat sein Café Uhlig-Romero auch noch tatsächlich das Leben gerettet.
Ein sehr seltener, ererbter Gen-Defekt, genannt Morbus Fabry, drohte, seine Niere langsam zu zerstören. Exakt an dem Tag als das Einstein Unter den Linden zehn Jahre alt wurde, lagen Uhlig-Romero und seine Frau auf dem Operationstisch. Er bekam in einer Lebendspende eine Niere seiner Frau. Kennen gelernt hatte Uhlig-Romero seine Mara in seinem Café: "Ich bin lieb zu meinem Kaffeehaus gewesen und das Kaffeehaus hat es mir zurückgegeben. Es hat mir das Leben gerettet."
So kann der Kaffeehaus-Künstler glücklicherweise weiter sein Café betreiben, das er im Tagesgeschäft aber weitestgehend seinem Geschäftsführer Dieter Wollstein überlässt. Der kennt hunderte Gäste mit Namen, begrüßt die regelmäßigen Besucher mit Handschlag und ist selbst ein Politprofi. Der immer sehr höfliche, lächelnde und überaus dezente Herr Wollstein war früher Protokollchef der DDR-Volkskammer, und kennt sich also aus auf dem Parkett der Diplomatie. Er achtet darauf, dass die berühmteren Gäste "beim Speisen" nicht von Journalisten, Fotografen oder Autogrammjägern belästigt werden. Das Erfolgsrezept des Einsteins Unter den Linden fasst er so zusammen: "Man muss die Menschen lieben und ihnen das Gefühl geben, zuhause zu sein."
Klingt alles nach dem perfekten Ort. Selbst das Urteil des Autors Moritz Rinke, der nicht glauben mag, dass sich im Einstein Unter den Linden schon Leute verliebt haben, hat eine Hintertür: "Weil es nämlich schwierig ist, sich hier in die Augen zu gucken, weil es so wimmelt von interessanten Menschen." Den Gegenbeweis liefert Besitzer Gerald Uhlig-Romero mit seiner Ehefrau, aber der ist ja auch der Intendant des Etablissements.