Die Stimmung an der SPD-Basis hat sich Wolfgang Clement offenbar endgültig verdorben. Neben den 13 Ortsvereinen, die beantragt haben, den Ex-Wirtschaftsminister Clement auszuschließen, signalisierten 400 Ortsvereine aus der gesamten Republik dafür ihre Unterstützung, wie aus Papieren hervorgeht, die stern.de vorliegen. Ankündigungen wie die eines SPD-Bundestagsmitglieds, die Partei ebenfalls zu verlassen, wenn Clement gehen muss, sieht Malzahn daher ebenso gelassen entgegen wie Befürchtungen, dass der Ex-Ministerpräsident zum Märtyrer hochstilisiert wird.
Er habe Briefe von ehemaligen Mitgliedern erhalten, die aus Ärger über die Agenda 2010 aus der Partei ausgetreten seien und nun wieder zurückkommen wollten, falls Clement geht, sagt Malzahn und verweist darauf, dass in der Regierung Schröder-Clement rund eine viertel Million Mitglieder aus der SPD ausgetreten seien. "Clements Bemerkung über die Hartz-IV-Parasiten war daran sicher nicht schuldlos." Diese "Parasiten" träfen die Ortsvereins-Mitglieder schließlich in der Fußgängerzone, in der sie "um jeden Wähler kämpfen".
Clement wiederum zeigte sich dem Vernehmen nach "überrascht" von dem Ausschluss, nachdem die Schiedskommission des Unterbezirks Bochum auf den Ausschluss-Antrag noch vor Wochen lediglich mit einer Rüge reagiert habe. Trotz oftmals gegenteiliger Meinungen zum Partei-Mainstream sei er mit "Leib und Seele Sozialdemokrat", betont Clement unablässig. Die Mitglieder des Ortsvereins Bochum-Hamme haben dazu eine andere Meinung: "Hochnäsig und unnahbar" sei er, sagt Klaus Amoneit, der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, ein energischer kleiner Mann mit Seefahrer-Bart. "Ein westfälischer Dickschädel, der noch nie auf Leute zugehen konnte, Solidarität nicht einmal buchstabieren kann und immer nur seine eigenen Dinge im Kopf hat".
Unterstützung bekommen die Bochumer von prominenten SPD-Politikern. Der SPD-Bundestagsabgeordnete äußerte im WDR "Verständnis" für die Ortsvereine, und ein ehemaliger Staatssekretär im Bundesinnenministerium habe zu Malzahn gesagt: "Rudi, das habt ihr gut gemacht. Clement war nie ein Sozialdemokrat." Vielmehr habe er die SPD als "Punching-Ball" benutzt, um seine "Eitelkeiten in die Medien zu bringen", meint Amoneit.
Dennoch seien die Bochumer noch lange bereit gewesen, ihm die Hand zur Versöhnung zu reichen. "Eine Entschuldigung hätte gereicht", sagt Malzahn. Doch nichts sei passiert, im Gegenteil, Clement sei ein "Wiederholungstäter". In einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" Anfang Juni rechtfertigte er sein Vorgehen vor der Hessen-Wahl. Nun sei es genug. Freude über den Parteiausschluss des einstigen Hoffnungsträgers empfinden Malzahn und seine SPD-Kollegen überhaupt nicht: "Wir brauchen Querdenker, die konstruktiv gestalten. Clement hätte sich in der Energiepolitik landes- und bundesweit einbringen können, das hat er nicht getan."
Zwischen Rosenbogen, Brunnen, Grill und Gartenhäuschen knallen daher ebenso wenig Sektkorken wie im Vereinsheim des SPD-Ortsvereins Bochum-Hamme. Kein Hurra, sondern nur eine nüchterne Feststellung: "Wir haben unser Ziel erreicht. Wolfgang Clement hat sich selbst aus der Partei hinauskatapultiert."