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31. Juli 2008, 16:37 Uhr

"Er war nie ein Sozialdemokrat"

Stimmung im eigenen Wahlkreis ist verdorben

Die Stimmung an der SPD-Basis hat sich Wolfgang Clement offenbar endgültig verdorben. Neben den 13 Ortsvereinen, die beantragt haben, den Ex-Wirtschaftsminister Clement auszuschließen, signalisierten 400 Ortsvereine aus der gesamten Republik dafür ihre Unterstützung, wie aus Papieren hervorgeht, die stern.de vorliegen. Ankündigungen wie die eines SPD-Bundestagsmitglieds, die Partei ebenfalls zu verlassen, wenn Clement gehen muss, sieht Malzahn daher ebenso gelassen entgegen wie Befürchtungen, dass der Ex-Ministerpräsident zum Märtyrer hochstilisiert wird.

Er habe Briefe von ehemaligen Mitgliedern erhalten, die aus Ärger über die Agenda 2010 aus der Partei ausgetreten seien und nun wieder zurückkommen wollten, falls Clement geht, sagt Malzahn und verweist darauf, dass in der Regierung Schröder-Clement rund eine viertel Million Mitglieder aus der SPD ausgetreten seien. "Clements Bemerkung über die Hartz-IV-Parasiten war daran sicher nicht schuldlos." Diese "Parasiten" träfen die Ortsvereins-Mitglieder schließlich in der Fußgängerzone, in der sie "um jeden Wähler kämpfen".

"Mit Leib und Seele Sozialdemokrat"

Clement wiederum zeigte sich dem Vernehmen nach "überrascht" von dem Ausschluss, nachdem die Schiedskommission des Unterbezirks Bochum auf den Ausschluss-Antrag noch vor Wochen lediglich mit einer Rüge reagiert habe. Trotz oftmals gegenteiliger Meinungen zum Partei-Mainstream sei er mit "Leib und Seele Sozialdemokrat", betont Clement unablässig. Die Mitglieder des Ortsvereins Bochum-Hamme haben dazu eine andere Meinung: "Hochnäsig und unnahbar" sei er, sagt Klaus Amoneit, der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, ein energischer kleiner Mann mit Seefahrer-Bart. "Ein westfälischer Dickschädel, der noch nie auf Leute zugehen konnte, Solidarität nicht einmal buchstabieren kann und immer nur seine eigenen Dinge im Kopf hat".

Unterstützung bekommen die Bochumer von prominenten SPD-Politikern. Der SPD-Bundestagsabgeordnete äußerte im WDR "Verständnis" für die Ortsvereine, und ein ehemaliger Staatssekretär im Bundesinnenministerium habe zu Malzahn gesagt: "Rudi, das habt ihr gut gemacht. Clement war nie ein Sozialdemokrat." Vielmehr habe er die SPD als "Punching-Ball" benutzt, um seine "Eitelkeiten in die Medien zu bringen", meint Amoneit.

"Eine Entschuldigung hätte gereicht"

Dennoch seien die Bochumer noch lange bereit gewesen, ihm die Hand zur Versöhnung zu reichen. "Eine Entschuldigung hätte gereicht", sagt Malzahn. Doch nichts sei passiert, im Gegenteil, Clement sei ein "Wiederholungstäter". In einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" Anfang Juni rechtfertigte er sein Vorgehen vor der Hessen-Wahl. Nun sei es genug. Freude über den Parteiausschluss des einstigen Hoffnungsträgers empfinden Malzahn und seine SPD-Kollegen überhaupt nicht: "Wir brauchen Querdenker, die konstruktiv gestalten. Clement hätte sich in der Energiepolitik landes- und bundesweit einbringen können, das hat er nicht getan."

Zwischen Rosenbogen, Brunnen, Grill und Gartenhäuschen knallen daher ebenso wenig Sektkorken wie im Vereinsheim des SPD-Ortsvereins Bochum-Hamme. Kein Hurra, sondern nur eine nüchterne Feststellung: "Wir haben unser Ziel erreicht. Wolfgang Clement hat sich selbst aus der Partei hinauskatapultiert."

Von Frank Gerstenberg, Bochum
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KOMMENTARE (10 von 67)
 
Pippilotta08 (03.08.2008, 14:34 Uhr)
Sozialdemokrat?
Herr Clement mag wohl ein Demokrat sein, aber 'Sozial' sicher nicht, wobei sich, dass sollte man hinzufügen, die SPD derzeit insgesamt alles andere als sozial präsentiert. Aber Herr Clement ist noch dazu ein Lobbyist vor 'dem Herrn'. Derzeit vertritt er die Interessen von RWE, während er noch vor 3 Jahren den Ausstieg aus der Atomenergie verteidigte. Wer weiß, in welchem Aufsichtsrat er morgen sitzt? Alles in allem ist er nichts als eine Blase, die irgendwann platzt wie alle anderen auch.
Vista (03.08.2008, 11:08 Uhr)
SPD - Sonderbar Politisch Denkende
Ich reg mich gerade auf, weil ich die Berichte von Clement und Ypsilanti gelesen habe. Passend zu dem "Drama" auf der Toilette.
Man mag ja mit Clement nicht unbedingt einer Meinung sein und ob die Agenda 2010 nun ein großer Wurf war, darüber lässt sich sicher streiten.
Fakt ist aber, dass Er zu den denkenden Menschen seiner Partei, der SPD, gehört und mehr als einmal den "Karren aus dem Dreck" gezogen hat, was wohl von einer Jungemanze vom Format Ypsilantis nicht gerade behauptet werde kann.
In einer Machtgeilheit ohne Grenzen wurden da im Hessenwahlkampf erst alle Kontakte und Überlegungen einer Zusammenarbeit mit den Rattenfängern der Linke/PDS kathegorisch abglehnt, nur um dann Tage später als das Non plus Ultra der politischen Akzeptanz präsentiert zu werden. Wochenlanger Eiertanz hierzu eines pfälzischen Bauernbuben an der Spitze der SPD.
Was unter Kohl/CDU noch mit Aussitzen funktionierte, wurde hier kläglich kopiert - ohne Aussicht auf Erfolg.
Die katastrophale Führungsschwäche eines Möchtegernmachers aus der Pfalz führte zu unsäglichen Debatten und endete in der Zustimmung des Parteiobersten zu dem Linksgeplänkel von Madamme Ypsilanti.
Was interessiert die Partei der SPD die Meinung der Basis oder gar des Volkes, Hauptsache an der "Macht".
Macht nichts könnte man sagen, denn mit Selbiger können die ohnehin nicht umgehen, so zumindest des Volkes Stimme.
Seine Stimme dagegen erhob einer der erfolgreichsten Nachkriegspolitiker, Wolfgang Clement, indem Er eindeutig vor solchen Kapriolen warnte und Frau Ypsilanti ihre Grenzen vor Augen hielt.
Trotz eindeutig verlorener Wahl des Kandidaten Koch, konnte Frau Ypsilanti bis dato nicht zur Ministerpräsidentin gewählt werden, da gleich mehrere mögliche Koalitionspartner Ihr ein "NoGO" servierten.
Was lag da also näher, als den vermeintliche Urheber des Dissaters, den Kritiker Clement, vehement anzugehen und Dank politischer Ränkeschmiede zum Politkasper abzustempeln.
Der eigene Landesverband erkannte in Form einer göttlichen Eingebung das parteischädliche Verhalten des Kritikers und warf Ihn aus der Partei - theoretisch.
Wie sich nun herausstellt war Frau Ypsilanti massgeblich entgegen früherer Behauptungen daran beteiligt, aber wie es sich wohl nach Ihrem Rechtsverständnis gehört - via Mittelsmänner im Hintergrund als Kläger.
Es stellt sich die Fage nach der Auffassung von demokratischen Grundrechten, wenn Kritiker derart abgewatscht und behandelt werden.
An der Basis krachts und knallts Allerorten und die SPD währe nicht die SPD, würde man nicht sofort zurückrudern.
Führende Köpfe sprechen sich da plötzlich gegen den Beschluss des eigenen Schiedsgerichts aus und der Rauswurf soll nun verhindert werden.
Auch hier stellt sich die Fage nach demokratischem Grundverständnis, welches durch unüberlegte Handlungsweise des Kurt Beck erst eskalierte.
Solche Führungskräfte wie Beck und Ypsilanti führen die Bezeichnung "Führungskraft" geradezu ad Absurdum.
Solche "Führer" braucht keine Partei - ein ganzes Land schon garnicht.
Man muss kein Anhänger der Partei sein um Mitleid zu bekommen, und man muss kein Hellseher sein um Mitgliederschwund zu verstehen.
utospatz (02.08.2008, 15:53 Uhr)
Wenn ich dem seine scheppe Schnute seh,
tut mir das Schicksal eines jeden Zeitarbeiters weh! Muss trotzdem mir eiprägen, das Arschloch ist von der SPD!
utospatz (02.08.2008, 15:33 Uhr)
Das haben Deppen nach
fast 40Jahren festgestellt!
Pamela_1971 (01.08.2008, 14:12 Uhr)
@ vegefranz
Ich versuche es noch ein letztes Mal: Woraus entnehmen Sie in diesem Artikel a) dass das Parteiordnungsverfahren NICHT von der Bochumer SPD ausging (gerade DAS wird in diesem Beitrag ja genauestens beschrieben und ausführlichST dargestellt - haben Sie ihn überhaupt gelesen?) und b) dass es sich bei der Bochumer SPD um "Taubenzüchter" handelt? Woher haben Sie diese (Falsch-)Informationen (bitte mit genauer Quellenangabe)? Oder behaupten Sie hier einfach mal so etwas Falsches/Erlogenes/Erfundenes, in der Hoffnung, dass es schon irgendwer glauben wird? In diesem Falle hätten Sie allerdings kaum ein Recht, jemand anderem Lügen vorzuwerfen ("Lügilanti")...
sophisticated (01.08.2008, 14:08 Uhr)
vergefranz,
ihre Kommunisten-Phobie, ihre offensichlich erlebten Traumata UND (das vor allem) Ihre ständigen Wiederholungen l a n g w e i l e n. Wir versuchen hier alle zu argumentieren, und (i.d.R.) nicht zu insistieren. Nichts für ungut!
keinheiliger (01.08.2008, 13:58 Uhr)
@vergefranz,
ich frage mich manchmal, ob sie lesen koennen. Ich meine damit nicht das Erkennen einzelner Woerter, sondern das Verstehen eines Satzes oder vielleicht sogar von Zweien oder mehr und dem damit verbundenen Inhalt. Ihre staendigen Wiederholungen sprechen allerdings dagegen. MfG
vegefranz (01.08.2008, 13:28 Uhr)
pops hat natürlich Recht
pops hat natürlich Recht. Es ist auch klar, daß der Parteiausschluss nicht von den braven Taubenzüchtern in Bochum-Ost ausging, sondern - fernsteuernd - andere parteiinterne Konkurrenz dahintersteckt (die intriganten Nahles und Lügilanti?). Es ist ein Kampf um den Parteikurs im gange. Dazu werden die taubenzüchter in Bochum Ost missbraucht
nightmare_online (01.08.2008, 13:20 Uhr)
@pops
Ich schlage vor Sie suchen sich eine Zeitung ihrer Wahl, und geben dort eine Anzeige in Auftrag (groß genug sollte sie natürlich sein; und vielleicht an 2 aufeinander folgenden Samstagen), in der Sie dazu aufrufen, die Produkte des Unternehmens in dem sie arbeiten nicht zu kaufen, weil die Mist sind.
Und dann können sie mal gespannt die Nachsichtigkeit ihres Chefs abwarten, wenn der davon erfährt.
:-)
keinheiliger (01.08.2008, 12:00 Uhr)
@pops
Man waere auf Seiten der Basis mit einer Entschuldigung einverstanden gewesen. Aber Clement hat sogar noch nachgetreten. Er ist nun einmal dermassen von sich ueberzeugt, dass er glaubte sich seine mangelnde Loyalitaet leisten zu koennen.
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