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17. April 2010, 10:26 Uhr

Wir gegen den Rest der Welt

Die Linke, Nordrhein-Westfalen, Welt, kommunistisch, nordrhein-westfälische, Landesverband, Linken,Verfassungsschutz, Beuermann, Bärbel, Gysi, Lafontaine, Düsseldorf, Landtagswahlen

Die SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft zweifelt an der Regierungsfähigkeit der Linken© Bernd Thissen/DPA

Klare Worte statt Inszenierung

Die Linken sehen das naturgemäß anders: "Wir wollen einen grundlegenden Politikwechsel, nicht nur einen Regierungswechsel - und so treten wir auf", sagt Wolfgang Zimmermann, Zweiter auf der NRW-Liste. Der schnauzbärtige Gewerkschafter sitzt in dieser nachösterlichen Woche auf dem Podium des Düsseldorfer Seniorenbeirats, Titel der Veranstaltung: "Senioren fragen, Politiker antworten". Alle "großen" Parteien haben Vertreter geschickt, Zimmermann ist der einzige unter ihnen, der keine heimeligen Anekdoten aus seinem Privatleben serviert. "Ich bin 60 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter, das muss reichen", sagt Zimmermann und redet lieber über Altersarmut, Verteilungsgerechtigkeit und Wohnungsknappheit, über wunde Punkte der Marktwirtschaft, die wohl nur so deutlich benennen kann, wer nicht an sie glaubt. "So isses", murmelt sogar eine Seniorin mit SPD-Kugelschreiber, als Zimmermann über den Pflegenotstand referiert.

Vielversprechende Umfragewerte

Auf Landesebene reagieren die etablierten Parteien gereizt auf die Spitzen der Linken, die permanent alles und jeden angreifen können, weil sie noch nie mitregiert haben und das nach eigenem Bekunden auch "nicht um jeden Preis" wollen. Die Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann spricht von einem "politischen Absurdistan", SPD-Frontfrau Hannelore Kraft bescheinigt den Linken, "derzeit nicht regierungsfähig" zu sein. Der Unmut ist verständlich: Die Linken treiben Grüne und SPD vor sich her, ohne in absehbarer Zukunft für ihre umfassenden sozial- und umweltpolitischen Forderungen einstehen müssen. Mit ihren permanenten Attacken umschiffen sie unbequeme Fragen nach ihrem roten Star Sahra Wagenknecht und dem diffusen Ziel des "demokratischen Sozialismus". Mit Erfolg: In den Umfragen stehen die NRW-Linken bei sieben Prozent der Wählerstimmen.

Coaching für die Neueinsteiger

Am Abend eines langen Tages im Münsterlander Wildpark betritt Bärbel Beuermann eine charmant vermüllte Büroetage in der Bochumer Innenstadt. Es mufft nach SPD-Ortsverein, doch dies ist das Hauptquartier der Linken im Wahlkampf. Beuermann soll vier Direktkandidatinnen der Partei Tricks und Kniffe beibringen, wie sie sich auf Podien gut präsentieren und kritische Fragen von Journalisten meistern. Was könnte eine solche Frage sein? Zum Beispiel: Was finden die Linken an der herrschenden Gesellschaftsordnung gut oder zumindest ausbaufähig? Die Direktkandidatinnen schweigen. Lange. Dann sagt eine: "Gut ist, dass es die Linke gibt." Und bringt damit das Mantra der NRW-Linken auf den Punkt: Wir gegen den Rest. Eine "splendid isolation", mit der sich kurzfristig ein Wahlerfolg erringen lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

*Das ursprüngliche Zitat war versehentlich verkürzt wiedergegeben, Red.

Von Johannes Schneider
Seite 1: Wir gegen den Rest der Welt
Seite 2: Klare Worte statt Inszenierung
 
 
KOMMENTARE (10 von 60)
 
jomimo (19.04.2010, 19:33 Uhr)
@tannebaum
Ich verstehe Sie nicht.

Wenn angemessene Löhne gezahlt werden würden, von denen Arbeitnehmer ihre Lebenshaltungskosten bestreiten können, würde mehr Geld in die öffentlichen fliessen.

Solange aber Lohndumping betrieben werden darf, damit einige wenige sich die Taschen noch voller stopfen können, geht's bergab mit dieser Republik.
tannebaum (19.04.2010, 17:47 Uhr)
@RichardNRW
sie handeln rational, denn sie wollen weiter aufstrebend sein. was hätten sie denn sonst auch zu erwarten, wenn man sich nach unten orientiert??? nicht jeder hält hartzIV für einen geeigneten lebensinhalt.

das problem liegt aber darin, dass man dem mittelstand jetzt schon so viel geld aussaugt, damit das heer darunter versorgt wird, dass sie selbst es nicht schaffen, an der oberen ebene zu bleiben. sie werden immer weiter nach unten gezogen. nicht weil sie nicht fleissig sind, sondern weil der staat ihnen das geld nimmt.

laut der oecd am meisten überhaupt. das ist steuerungerechtigkeit!!!
tannebaum (19.04.2010, 17:44 Uhr)
@nightmare_online
können sie rechtsstaatlich ihre thesen mal beweisen? und wenn nicht, wovon alle ausgehen dürfen, endlich mal die doofen kommentatre lassen???!!!!

fdp und verfassungsfeindlich... weil sie steuersenkungen will, die ihnen nicht passen??? sind sie gott, zeuge jehova, allwissend oder einfach nur napoleon von zelle 38???
RichardNRW (19.04.2010, 14:23 Uhr)
Leider, leider
@jomino

Leider wählen und handeln die Arbeitnehmer der mittleren und unteren Gehaltsebene nicht rational, sondern wählen und handeln so, wie es den Unternehmern und Lobbysten nutzt.
RichardNRW (19.04.2010, 14:20 Uhr)
Die Linke in NRW - Eine Chance
Die SPD vergisst, dass die SPD-Bundesregierung ab 1998 Sozialabbbau betrieben hat. In den Krieg gezogen ist. Zeitarbeit in der jetzigen Form ermöglicht hat. Bildungschancen verringert hat. Die Schere zwischen Arm und Reich vergößert hat. Hedgefonds erleichtert. Und einige mehr. Daher ist es wichtig - und das sage ich als SPD-Mitglied seit 1982 - das die Linke in den Landtag einzieht. Nur dann steht eine soziale Politik auf der Tagesordnung. Ich werde am 09.05. meinen Beitag leisten und die LINKE wählen.
nightmare_online (19.04.2010, 10:47 Uhr)
Lächerlich
Die Linke bezieht sich auf einen Aritkel der Verfassung des Landes NRW und ist deshalb verfassungsfeindlich bzw. extremistisch? Tschuldigung aber geht es noch lächerlicher?
Verfassungsfeindlich - in der Realität - sind ganz andere Parteien. Die FDP zum Beispiel, wenn die eine Arbeitspflicht für Langzeit-Arbeitslose fordert. die lt. Grundgesetz verboten ist. DIESE Partei sollte beobachtet werden..
Garnet (19.04.2010, 10:00 Uhr)
Trotzdem!!!!
Ich koennte mir keine bessere Unterhaltung vorstellen als allabendlich auf meiner Terasse, auf den Pazifischen Ozean hinausblickend, meinen Sundowner zu mir zu nehmen und im Internet die Fortschritte der Bundesrepublik unter einer LINK- ROTEN Regierung zu begutachten. Dann kann ich mir die Chasers sparen, das wird echt lustig. Ich moechte dies unbedingt erleben, nicht am eigenen Leib, aber aus der Ferne schon. :-)
brigitteramsau (19.04.2010, 01:13 Uhr)
@Johann58
...das haben Einige noch nicht begriffen. Die Rueckbesinnung wird kommen und zwar nicht politisch motiviert aber durch knappe Resourcen.
Die weltweite Arbeitsteilung funktioniert nur mit preiswerter Energie.
Prologo (18.04.2010, 22:35 Uhr)
@Johann58, Genau das habe ich als Betriebsrat auch erlebt.

Aber ich hatte großes Vertrauen der Belegschaft. Ein internes Frühwarnsystem in der Belegschaft habe ich installiert. Mich hat die Belegschaft sofort auf Änderungen und unverständliche Maßnahmen der Geschäftsleitung hingewiesen.

Dadurch konnte ich sofort alle Versuche der Ausbeutung von Egoisten unterbinden.

Es gibt in Deutschland keinen Betriebsrat, der 3 Geschäftsführer mit Gefolgschaft entlassen haben müssen, hi hi wie es mir gelungen ist.

Von der Belegschaft wurde in meiner Amtszeit niemand entlassen. Nur eingestellt haben wir viele MA.

MfG,
T.
Johann58 (18.04.2010, 21:57 Uhr)
@Prologo
ich hatte in Deutschland ein Beratungsunternehmen und wollte genau nach diesem Motto verfahren. Es ging so lange gut, bis zwei Mitarbeiter der gegenteiligen Meinung waren und ihr personliches Wohl ueber das des Unternehmens gestellt haben. Schuld war ich letztendlich selbst, dass ich nicht schnell genug mich von den Beiden getrennt habe.

Dessen ungeachtet bin ich persoenlich nach wie vor der Meinung, dass beginnend mit dem mittleren Management eines Unternehmens unternehmerisches Denken erforderlich ist, auch in der Arbeitnehmervertretung. Leider ist in Deutschland irgendwann genau das abhanden gekommen und insbesondere angestellte Geschaeftsfuehrer handeln und denken nicht unternehmerisch. Ein angestellter Geschaeftsfuehrer muss handelt als waere es sein Unternehmen und sein Geld. Leider sind viele angestellte Geschaeftsfuehrer einer Art groessenwahn verfallen Unternehmen auf Kosten der Arbeitnehmer und der Eigentuemer schnell gross zu machen um dann nach den ueblichen 3 Jahresvertraegen zum naechsten Unternehmen zu wechseln und verbrannte Erde zu hinterlassen.
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