
Bloß keine Panik verbreiten: Manfred Weber hütet den Einlagensicherungsfonds© Klaus Franke
Manfred Weber vom Bankenverband beruhigt. Zum einen, wie etwa im Fall der Investmentbank Lehman Brothers, könne man einen Großteil der Verluste durch einen Verkauf der Aktiva wieder einfangen. "Zum anderen gibt es noch die Nachschusspflicht, sollte der Topf wirklich einmal ausgeschöpft sein", sagt Weber. Die Fondsmitglieder müssten ihn dann wieder auffüllen. Gern weist der Bankenverband auch darauf hin, dass die in den Fonds einzahlenden Banken regelmäßig vom Prüfungsverband deutscher Banken durchleuchtet würden - soweit das bei international tätigen Finanzunternehmen eben möglich sei. Ab einer gewissen Höhe des Geschäftsrisikos steige dann der Pflichtbeitrag, auch ein Rauswurf aus der Solidargemeinschaft sei möglich.
Ganz so eisenhart, wie Weber behauptet, ist die Konstruktion nicht: Laut Statut haben die Mitgliedsbanken keinen Rechtsanspruch auf den Beistand des Fonds. "Ansonsten hätte der Fonds den Charakter einer Versicherung und müsste Versicherungssteuer zahlen", sagt Weber. "Damit würden die Kosten unnötig aufgebläht." Tatsache ist: Die Banken können den Kunden für den Fall der Fälle ihre Hilfe nur versprechen. Nicht mehr, nicht weniger. Am Ende geht es also um Vertrauen. Muss das den Sparer nun beunruhigen? "Die Anleger sind immer voll entschädigt worden, das wird auch in Zukunft so sein", sagt Weber. "Es liegt in unserem ureigenen Interesse, dass das Vertrauen in das System bestehen bleibt."
Aber was geschähe, wenn nun doch eine der großen deutschen Universalbanken strauchelte? In Bankerkreisen heißt dieses Szenario "too big to fail": zu groß, um zu scheitern. Jürgen Stark, Chefökonom der Europäischen Zentralbank, erklärt, was das heißt: "Wenn ein für das gesamte Finanzsystem relevanter Marktführer in die Krise gerät und die Gefahr besteht, dass ein globaler Dominoeffekt eintritt, dann muss der Staat einspringen. Der Kollaps des gesamten Systems muss vermieden werden." Dass der Staat zähneknirschend zum Einspringen bereit ist, hat die Rettungsaktion bei der Hypo Real Estate bewiesen.
Anders als in den USA gilt ein Kollaps einer Geschäftsbank in Deutschland aber als unwahrscheinlich. Denn auch deutsche Banken, die in der derzeitigen Finanzmarktkrise Millionen von Euro verloren haben, bleiben allermeistens geschäftsfähig. Als Universalbanken stützen sie sich zu einem wesentlichen Teil auf reale Werte in Form der Sparer-Einlagen - und nicht nur auf irgendwelche riskante Wertpapiergeschäfte. Die getrennten Sicherungssysteme von Privatbanken, Sparkassen, Volksbanken und Landesbanken verhindern zudem, dass eine Schockwelle zu viele Akteure der Finanzwelt gleichzeitig durchschüttelt. Trotz der Krise ist daher das Vertrauen der Deutschen in ihre Banken noch immer hoch. Laut einer Forsa-Umfrage halten 79 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse für sicher. Dennoch fordern nun Politiker aller Parteien, die internationalen Geldmärkte strenger zu regulieren. Nötig seien schärfere Kontrollen von Kreditgeschäften, Rating-Agenturen und Hedgefonds.
Käme es trotz allem zum GAU, müsste vermutlich die Bundesbank zusammen mit anderen Geldhäusern die Pleite-Bank aufkaufen. In einem schwereren Fall würde der Finanzminister die Bank stützen, indem er für ihre Schulden aufkäme. Der Fall der Münchner HRE stellt die direkte Vorstufe zu dieser höchsten Krisen-Kategorie dar: Der deutsche Staat hat sich bereit erklärt, im Notfall für die Tilgung der faulen HRE-Kredite einzuspringen. Ob die Bank dieses Angebot in voller Höhe annehmen muss, ist derzeit aber noch offen.
Wegen ihrer mangelnden Sicherheitssysteme sind die USA von den Finanzturbulenzen aber wesentlich heftiger getroffen worden: Den US-Finanzminister Henry Paulson, vormals Chef der Investmentbank Goldman Sachs, wird die Tilgung fauler Kredite 700 Milliarden Dollar kosten - zum Vergleich: Der gesamte deutsche Bundeshaushalt für 2009 wird voraussichtlich umgerechnet 400 Milliarden Dollar umfassen.
Voraussetzung für den Rettungsplan ist freilich, dass die US-Parlamentarier Paulsons Rettungsplan in den kommenden Wochen doch noch akzeptieren. Dass sie ihn wie gerade geschehen zunächst abgelehnt haben, hat an den Börsen für Panik und unter Analysten für massive Verärgerung gesorgt. "Leichtfertig" und "verantwortungslos" sei es, die Geldhäuser erst mit dem Feuer spielen zu lassen, dann die Flammen nicht zu löschen und nun zu riskieren, dass das Feuer überspringe, so die Kritik.
In beiden Rettungsszenarien - Aufkauf der Bank und Übernahme der Kredite - muss letztlich der Steuerzahler geradestehen. Das ist allerdings in allen Ländern so, ob sie nun eine Einlagensicherung haben oder nicht. Im weltweiten Vergleich hat Deutschland für den Anleger immer noch eines der komfortabelsten Systeme: In den USA werden Einlagen nur bis zu einer Höhe von 100.000 Dollar entschädigt, in vielen Ländern der EU sind es sogar nur bis zu 20.000 Euro.
Letztlich gelten auch für den sicherheitsverwöhnten deutschen Sparer die universalen Gesetze der Physik: Ein Netz hält nur, wenn der Brocken, der hineinfällt, nicht zu schwer dafür ist.