4. September 2012, 12:02 Uhr

Die Geschichte vom total zerstrittenen Euroretter-Dreamteam

"Lösungen innerhalb der Währungsunion

In diesem Konfliktfeld befinden sich Weidmann und Asmussen. Beide müssen für ihre Institutionen das beste Ergebnis herausholen. Weidmann setzt auf öffentlichen Druck, Asmussen versucht zusammen mit anderen, die Vorstöße der Südschiene einzudämmen, indem er öffentlich Bedingungen formuliert. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, hat für beide Seiten Verständnis. "Die Bundesbank hat die Aufgabe, so viele Instrumente ihrer erfolgreichen Tradition zu wahren wie möglich. Genau das tut Weidmann." Asmussen dagegen bemühe sich um "Lösungen innerhalb der Währungsunion".

Weidmann stehe stark unter Druck seiner Mitarbeiter und Vorgänger, glaubt der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider, dabei sei die Bundesbank "teils verstockt". Weidmann wolle als "Unabhängigkeitspapst" dem früheren Bundesbankchef Helmut Schlesinger ähnlich sein, vermutet Bankenkenner Marsh. Asmussen dagegen hat sich schon bei seiner Anhörung im Europaparlament vor dem Wechsel zur EZB geschickt vom Vorgänger Jürgen Stark distanziert: Er sei Pragmatiker, auch wenn das in Deutschland "im Zusammenhang mit der Geldpolitik nicht unbedingt ein positiv besetzter Begriff" sei.

Rücktritt wäre ein "Desaster"

Mit den unterschiedlichen Positionen der beiden kann die Bundesregierung offenbar gut leben. Im Kanzleramt wie im Finanzministerium wird energisch bestritten, dass es mit einem der beiden Streit gebe. "Beide waren bei uns Top-Leute. Jeder hat jetzt seine Rolle. Beide machen ihre Sache sehr gut", heißt es in der Umgebung der Kanzlerin. Als sie Weidmann im Frühjahr 2011 in Richtung Bundesbank verabschiedete, lobte Merkel seinen "brillanten Intellekt" und seinen "unabhängigen Kopf". Sie konnte also nicht erwarten, dass er sie weiter als Chefin sieht. Noch jede Bundesregierung hat sich mit der Bundesbank gezofft, etwa über den Vorwurf mangelnden Sparwillens und lahmer Reformen, den auch Weidmann schon geäußert hat. "Es gehört dazu, dass man sich mal ärgert", sagen sie im Kanzleramt.

Würde Weidmann tatsächlich zurücktreten, wäre das ein "Desaster", meint SPD-Mann Schneider, "wer will dann noch Präsident werden?" Einer, der mit Weidmann in der Regierung zusammengearbeitet hat, hält ein solches Szenario allerdings für ausgeschlossen: "Weidmann blufft." Und selbst einer von Weidmanns Vorgängern glaubt, dass der Bundesbankchef durch beharrliches Werben im EZB-Rat mehr erreichen könnte als durch einen Rücktritt. Die Rücktritte von Weber und Stark hätten "keinen nachhaltigen Einfluss gehabt", sagte Ex-Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger der "FAZ". Er sei überzeugt, dass Weidmann ausharren werde.

EZB geht über ihr Mandat hinaus

Auch in der Regierung heißt es, der Ökonom kenne durch seine Arbeit in Berlin die Politik und ihre Spielräume viel besser als sein Vorgänger Weber. In Berlin und bei der EZB ist man sich sicher, dass die Bundesbank gegen die Marktankaufprogramme oder die "dicke Bertha", wie EZB-Chef Mario Draghi unter Anspielung auf eine deutsche Kanone aus dem Ersten Weltkrieg seine Langfristfinanzierung für die Banken nannte, nicht ihrerseits mit dem Leopard-Panzer vorgehen wird. Denn die ultimative Waffe der Bundesbank wäre eine Klage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof. Schließlich deutet Weidmann immer wieder an, dass die EZB über ihr Mandat der Sicherung der Geldwertstabilität hinausgeht.

"Das werden sie nicht tun", heißt es in Berlin und Frankfurt aber einhellig zur möglichen Klagedrohung. Es wäre nicht nur eine einmalige Kriegserklärung innerhalb des zur guten Zusammenarbeit verpflichteten Eurosystems, die Notenbanker würden sich auch in die Hand von Richtern begeben, und das ist so etwa das Letzte, was die stolze Kaste der Zentralbanker sich vorstellen kann.

Solange sich der Showdown nur in Interviews und Reden abspielt, kann Merkel von der harten Linie Weidmanns und der etwas flexibleren Asmussens gleichzeitig profitieren. Im ARD-Sommerinterview nach Weidmann gefragt, stellt sie sich hinter den Bundesbankchef und lobt seine Beiträge. In Brüssel oder beim Besuch in Kanada unterstützt sie Draghi - und damit Asmussen. "Am Ende hat jeder seinen Platz in Merkels Spiel", sagt ein Beobachter aus der SPD.

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