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2. Mai 2008, 11:38 Uhr

Steinmeier wusste von Festnahme

"Ich will wissen, er mir das angetan hat und warum": Entführungsopfer Abdel Halim Khafagy, 76, mit seiner Tochter Ahlam, 32© Armin Brosch

Khafagy erinnert sich an den Flug im Helikopter. An seine Zelle: ohne Tageslicht, ohne frische Luft. Auf dem Boden gab es eine Decke, aber keinen Stuhl, keinen Tisch und kein Bett: "Sie haben immer wieder plötzlich die Tür aufgerissen und das Gewehr auf mich gerichtet. Dann bin ich jedes Mal aufgesprungen." Manchmal hört er seinen Schwager in der anderen Zelle rufen. "Später hat er mir erzählt, er habe immer meinen Namen geschrien, wenn er gerade geschlagen wurde."

Sie bringen ihn mit verbundenen Augen zu den Verhören. Einmal sagt er seinen Vernehmern, er habe einen Termin, den müsse er absagen. Aber er darf niemanden anrufen. Die Kinder fürchten um das Leben ihres Vaters. Sie schalten einen Anwalt ein, der telefoniert sich die Finger wund. Angeblich weiß niemand etwas Genaues.

Platzwunden am Kopf

Vier Tage nach der Festnahme kommt ein dürres Fax von der Nato-Schutztruppe. Ihr Vater sei in Haft, aber "bei guter Gesundheit". Am 6. Oktober wird er deportiert - nach Ägypten, wo er wieder im Gefängnis verschwindet. Die deutschen Behörden wissen spätestens am 8. Oktober von der Abschiebung. Khafagys Anwalt kann sich an eine Information nicht erinnern. Ein ägyptischer Wärter lässt den Familienvater endlich seine Kinder anrufen.

Ende Oktober ist Khafagy wieder bei seiner Familie. Die Ägypter haben ihn freigelassen. Offenbar ist er harmlos. "Wir waren so froh, dass er noch ganz war", sagt seine Tochter Ahlam. Obwohl er diese Narbe am Kopf hatte. Sein Arzt attestiert ihm zwei "Kopfplatzwunden, 9 cm und 3 cm lang, die große noch teilweise verschorft", sowie drei Hämatome am Rücken.

Den Fall an die große Glocke hängen wollen die Khafagys nicht. Gegen die Amerikaner könne man eh nichts machen. Auch die Bundesregierung schweigt. Der Fall wird erst durch einen stern-Artikel im Oktober 2006 publik. Im Dezember 2006 sagt Steinmeier im Bundestag, erst Ende 2004, Anfang 2005 habe er "bestätigende Hinweise" auf eine US-Entführungspraxis erhalten. Der FDP-Abgeordnete Max Stadler fragt nach, wann er vom Fall Khafagy gehört habe. "Das kann ich Ihnen jetzt sozusagen nicht aus dem Ärmel schütteln", sagt Steinmeier.

Kanzleramtsprotokoll fehlte dem BND-Untersuchungsausschuss

Kann es sein, dass ihm BKA-Chef Kersten am 9. Oktober 2001 nichts von den möglichen "Menschenrechtsverletzungen" gesagt hat, die sein Sprechzettel enthielt? Dass die Beamten im Kanzleramt nicht erfuhren, was die von ihnen genehmigte Mission nach Tuzla gebracht hatte? Das Protokoll der Lagekonferenz vom 9. Oktober fehlt in den Unterlagen, die der Untersuchungsausschuss bekommen hat.

Ungerührt liefern die Deutschen 2001 weiter Hinweise über terrorverdächtige Bürger an US-Behörden - obwohl man damit rechnen müsse, dass Informationen, "auch wenn diese vage sind", von den US-Kollegen "aufgrund des hohen Erfolgsdrucks unverzüglich und ohne Rücksicht umgesetzt werden", wie es in dem Papier eines deutschen Militärs vom 17. Oktober 2001 heißt. Der Hamburger Islamist Muhammad Haidar Zammar sitzt deshalb bis heute in einem syrischen Foltergefängnis.

Jetzt kommt die Wahrheit doch noch ans Licht, auch wenn sie für Khafagy nicht mehr viel ändert. Er will ein frommer Moslem sein, ein guter Vater, ein friedlicher Bürger. Seine Tochter Ahlam ist 32 Jahre alt und sieht aus wie ein Model. Sie hat Innenarchitektur studiert und arbeitet für eine deutsche Baufirma in Dubai. Seine Söhne sind Bayern-Fans, er trägt Anzug und Krawatte, aber zu Hause gern einen Kaftan. Er hat vier Enkelkinder in Deutschland, das Kleinste hat der Jüngste mit seiner christlich-orthodoxen Lebensgefährtin.

Der alte Mann redet nicht gern über die Zeit, in der man ihn zu Unrecht festhielt und demütigte und seine Familie um ihn bangte. Gerechtigkeit wäre schön, vielleicht eine Entschuldigung, das ja. "Gott sieht alles", sagt er, und ob die, die ihm das angetan haben, nun hier auf Erden bestraft werden oder später, von Gott - für die deutsche Politik mag das eine Rolle spielen. Ihm ist es letztlich egal.

Von Frauke Hunfeld und Hans-Martin Tillack
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KOMMENTARE (10 von 24)
 
German_by_nature (02.05.2008, 21:26 Uhr)
@ganzbaf
Off topic: sagen wir mal so ... im Gegensatz zu den linken Chaoten hat der nationale Widerstand ein strategisches Vorgehen. Recht clever und belustigend zu gleich, vor allem wenn man die Antifanten laufen sieht :-))))
ganzbaf (02.05.2008, 20:28 Uhr)
@elatlein
Weil besonders radikale Rechten nach übereinstimmen Berichten die Krawalle angezettelt haben? ;-P
ganzbaf (02.05.2008, 20:25 Uhr)
Und so einen notorischen Kurnaz Lügner...

himmeln viele Deutsche an.
Georges13437 (02.05.2008, 20:04 Uhr)
Was ist Toleranz?
Toleranz ist wenn man links und rechts ein Stückchen zugibt und alles problemlos funktioniert.
Es gibt aber Menschen die verstehen unter Toleranz etwas ganz anderes. Eigentlich meinen diese Menschen nicht Toleranz, sondern die absolute Akzeptanz. Da Toleranz nicht genau meßbar ist kann mir auch kein Mitbürger Toleranz aufzwingen, nur ich entscheide, was ich toleriere und wie weit ich etwas toleriere.
MfG Georges 13437
German_by_nature (02.05.2008, 18:28 Uhr)
USA Vasallen ...
Man suggeriert uns ein permanentes Bedrohungspotential von Islam- Terroristen und macht so den deutschen weich der permanenten Überwachung zuzustimmen.
Die Frage ist nur wer schützt uns vor wem oder besser wer kontrolliert uns Deutsche und warum.
Es ist Zeit das wir uns vom großen Vater der USA lossagen und selbstbestimmt agieren. Es ist Zeit für eine wahre souveräne nationale Politik, endlich weg von dem USA Vasallentum.
Verdächtige werden unter Kenntnis deutscher Vasallenbehörden vom CIA und Konsorten entführt und irgendwo hin verfrachtet ... unsere Politiker spielen die Scheinheiligen und wissen von nichts - welch ein Jammertal
Das kann nur bedeuten, dass
a: Deutschland nicht souverän ist, und der eigentlich Hausherr die USA tun und lassen kann was er will, oder
b: unsere Politiker uns permanent für blöd verkaufen (weil sie entweder mitspielen oder ihnen die USA gar keine andere Chance lässt)
b:
eltalein (02.05.2008, 17:47 Uhr)
Die angeblichen Gut-Menschen...
Herr Steinmeier, so richtig Verstehen kann das wohl kein normaler Bürger,…die Linken verletzen Polizisten, stecken Autos in Brand und der oberste Polizist wird vor der Linken-Gewalt in Sicherheit gebracht.
Gleichzeitig hetzen Politiker und der Große Boss-Sommer gegen die NPD.
Die Tatsachen, Gerechtigkeit und Demokratie werden durch Heuchler auf den Kopf gestellt.
Warum geht die Politik und Herr Sommer nicht gegen Linke-Gewalt-Täter vor..?
Klaus_P (02.05.2008, 17:21 Uhr)
@Countryjoe
Was ist denn richtige Toleranz? Wo fängt die an und wo hört die auf? Und wer entscheidet darüber?
So eine Einstellung öffnet Leuten wie Schäuble und Zypris Tür und Tor. Wie gut dass wir in Deutschland noch Grundrechte haben und nicht vom Gutdünken bestimmter Personen abhängig sind...
Countryjoe (02.05.2008, 16:52 Uhr)
Falsche Toleranz
Was soll diese falsche Toleranz gegenüber Radikalislamisten? Diese bringen uns nur Hass entgegen und da hört es irgendwo auf.
Reality (02.05.2008, 16:34 Uhr)
Diese Demokratie hat abgehalftert...
Und sie wird mit dieser Kriegskanzler noch weiter abhalftern.
Da hilft auch kein Karlspreis von Aachen.
Man gibt vor eine Demokratie zu sein in der Menschenrechte gelten.
Man ist in Wirklichkeit ein Vasallenstaat der USA und was derzeit dort in Punkto Menschenrechte abgeht, ist des amerikanischen Volkes unwürdig.
Man erfindet die Moslems als Terroristen und dabei will man nur an das Öl das in erster Linie in moslemischen Ländern lagert.
Um es zu bekommen ist scheinbar jedes Mittel recht.
Mein Gott wohin sind wir gekommen.
Doch auch Gott kann den vielen Folteropfern die unschuldig in den Foltergefängnissen gehalten werden, nicht helfen, es gibt ihn offensichtlich nicht und das wissen diejenigen genau die diese unsäglichen Dinge zu verantworten haben.
Doch was am meisten wundert ist, daß diejenigen die von ihrem Anspruch her auf Menschenrechte, Moral und Ethik, sich als berufen darstellen, daß von diesen allerwelts Gottesfürchtigen kein Aufschrei, keine Hilfe kommt.
Sind sie es nicht wert ?
Oder sind sie selbst in diese Angelegenheiten involviert ?
Clemens1964 (02.05.2008, 16:32 Uhr)
ein lügender politwixer...?
megagähn!
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