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11. April 2009, 15:00 Uhr

Die Krise fordert Geduld

Finanzminister, Peer Steinbrück, Banker, Angela Merkel, SPD

Peer Steinbrück in seinem Büro nach dem stern-Gespräch mit den Redakteuren Andreas Hoffmann, Andreas Petzold und Andreas Hoidn-Borchers (von links)© Michael Trippel

Weil es immer weniger Abnehmer für Staatsanleihen gibt, mit denen sich die Staaten Geld besorgen?

Genau. Wenn die USA 800 Milliarden Dollar kreditfinanzieren, finden andere Staaten schwer Interessenten für ihre Anleihen. Bei zu hoher Verschuldung verlieren Investoren irgendwann auch das Vertrauen in die Staatsanleihen. Womöglich programmieren wir so die nächste Krise.

Wieso?

Wir laufen in dieselbe Falle wie nach dem 11. September 2001, als die US-Notenbank die Finanzmärkte mit billigem Geld überflutete - und gleichzeitig den Finanzmärkten keine Regeln setzte. Uns könnte nach Überwindung der Rezession eine Inflation drohen, und zwar eine massive.

Der Nobelpreisträger Paul Krugman schimpft Sie einen "bonehead", einen Holzkopf, der das wahre Ausmaß der Krise immer noch nicht kapiert hat.

Endlich mal ein Professor, der sich nicht akademisch ausdrückt. Ansonsten sollte er sich mehr Informationen über Deutschland und mich besorgen.

Kann es sein, dass Peer Steinbrück einem Konjunkturpaket drei zustimmt, wenn es nur nicht so genannt wird?

Was wir mit dem zweiten Paket gemacht haben, ist vertretbar. Für mehr sehe ich im Haushalt keinerlei Spielraum. Punkt.

Man könnte das eine oder andere Sinnvolle machen: zum Beispiel länger Arbeitslosengeld I zahlen.

Ich weiß, dass auch in meiner Partei viele den Standpunkt vertreten, man solle Sozialleistungen erhöhen, um die Kaufkraft zu stärken. Ich halte das für falsch. Dann müssten auch Arbeitnehmer etwas kriegen, denn wer arbeitet, sollte mehr in der Tasche haben als ein Transferempfänger. Das ist schon jetzt nicht immer der Fall.

Verlängern Sie das Kurzarbeitergeld?

Das kann eine Möglichkeit sein.

Wie hat die Krise Ihr Privatleben verändert?

Ich bin nun gar nicht mehr Herr über meine Zeit. Die Lebensqualität geht flöten. Aber das kann man sich nicht aussuchen. Man hat seine Pflicht zu tun.

Haben Sie manchmal Angst, die falsche Entscheidung zu treffen?

Ja.

Selbstzweifel?

Selbstzweifel nicht, aber die Befürchtung, dass man die falschen Knöpfe bedient.

Sie gelten als Angela Merkels bester Mann. Stört Sie das? Oder genießen Sie es?

Weder das eine noch das andere. Wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis - und das ist wertvoll in einer solchen Krise. Sie instrumentalisiert mich nicht, ich instrumentalisiere sie nicht. Sie agitiert mich nicht, ich agitiere sie nicht. Was wir unter vier Augen besprechen, bleibt unter uns. Das ist eine sehr tragfähige Basis. Wenn einer das verletzen würde, wäre der Faden gerissen.

Prügeln Sie deshalb so auffallend nicht mit Ihren Genossen auf die Kanzlerin ein?

Für mich wäre das stilistisch falsch, und politisch bringt es keinen Gewinn. Gleichwohl müssen Umsetzungsdefizite insbesondere bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung, der Begrenzung von Managergehältern und beim Thema Jobcenter klar beim Namen genannt werden.

Ist es in dieser Situation verantwortbar, die Kanzlerin so zu attackieren, wie es Ihr Parteichef Franz Müntefering macht?

Die Bürger wollen in einer so scharfen Krise keine Wirtshausschlägerei. Bezogen auf die Finanzmarktkrise kann ich die aber auch nicht erkennen. Die Leute wollen, dass die Regierung - im Jargon meines Sohnes - ihren Job macht. Die Historiker werden einmal sagen, es war eine äußerst glückliche Fügung, dass wir in den Jahren 2008/2009 eine Große Koalition hatten.

Für das Land wäre es also das Beste, die Wahl fiele aus, und die Regierung machte weiter?

Das können Sie sich in einer Demokratie nicht aussuchen.

Die SPD-Spitze strebt eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP an. Wäre die überhaupt in der Lage, die Krise zu bewältigen?

Warum denn nicht? Sie hätte auch nicht weniger Kompetenz als Schwarz-Gelb. Und mit zwei sehr unterschiedlichen Partnern, CDU und CSU, hat es die SPD jetzt schon zu tun. Die CSU macht zunehmend auch der CDU das Leben schwer.

Essen Sie noch Schweizer Schokolade?

Ich glaube, ich habe sogar welche hier in der Schublade. Und mein Schweizer Taschenmesser habe ich auch noch nicht weggeschmissen!

Seit Ihrer Attacke auf das Steuerflüchtlingsheim Schweiz gelten Sie bei den Eidgenossen als Staatsfeind Nummer eins. Sie werden als hässlicher Deutscher beschimpft und als "Nazi-Scherge".

Ich bekomme schlimme Briefe. Ich muss da eine Hauptschlagader getroffen haben. Jahrzehntelang ist tabuisiert worden, was in der Schweiz läuft. Nach plausiblen Schätzungen haben deutsche Bürger etwa 200 Milliarden Euro in die Schweiz geschafft. Ich lasse mal außer Acht, wie viel davon am Fiskus vorbeigeschafft wurde. Selbst wenn ich sehr bescheiden rechne, müsste ich mindestens zwei Milliarden Euro Quellensteuer pro Jahr aus der Schweiz kriegen. Wissen Sie, wie viel ich kriege? Rund 80 Millionen. Und da wollen mir Leute weismachen, dass sei kein Problem! Gelegentlich muss man den Finger aufs Schlimme legen. Oder glauben Sie, die ganzen anderen Steueroasen - Liechtenstein, Guernsey, die Cayman Islands - hätten sich in den letzten Monaten ohne Druck bewegt?

Sie wollten die Schweiz mit der Kavallerie attackieren. Geht manchmal sprachlich der Gaul mit Ihnen durch?

Ich kann auch im korrekten Politikerdeutsch reden: Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis. Das eckt nicht an, bleibt aber folgenlos.

Bitte nicht! Sagen Sie uns lieber, ob der Staat den maroden Autobauer Opel unter allen Umständen retten muss, wie Ihr Genosse Arbeitsminister Olaf Scholz sagt.

Sie können nicht schnellzüngig sagen: Das kommt gar nicht infrage. Geht Opel pleite, sind über 100.000 Menschen direkt oder indirekt betroffen - und wir verlieren Steuern und Sozialversicherungseinnahmen und haben höhere Ausgaben durch Transferzahlungen wie Arbeitslosengeld.

Wenn Sie Opel helfen, wie wollen Sie dann anderen Unternehmen die Hilfe verweigern?

Ich habe da einen sehr nüchternen, pragmatischen Ansatz: von Fall zu Fall entscheiden. Mit der Schwäche, dass damit auch Willkür verbunden sein könnte.

Wie sähe denn die Willkürentscheidung im Fall Schaeffler/Conti aus?

Es könnte sein, dass Schaeffler staatliche Bürgschaften braucht. Genau für solche Fälle haben wir unseren 100-Milliarden- Fonds eingerichtet.

Verraten Sie uns doch mal, wann es wieder aufwärtsgeht: 2009? 2010?

Nobody knows. Auch ich nicht. Machen wir uns nichts vor: Wir werden im Mai erhebliche Einbrüche bei den Steuereinnahmen haben - und das ist freundlich ausgedrückt. Die Arbeitslosenzahl wird steigen. Wir haben jetzt einen scharfen Absturz, aber aufwärts wird es irgendwann nur sehr, sehr langsam gehen. Das wird Jahre dauern. Wenn wir Glück haben, beginnt es 2010.

Wie wollen Sie die immensen Schulden, die wir jetzt aufnehmen müssen, wieder abbauen?

Wir kommen nur wieder raus, wenn wir weniger konsumieren oder ausgeben, als das Wachstum zulässt. Es wird lange Zeit fast nichts zusätzlich zu verteilen geben.

Dabei müssten Sie dringend in Bildung investieren.

Da müssen wir im Haushalt umschichten. Das wird Konflikte geben, die wir bisher gescheut haben. Jetzt Steuersenkungen von 25 bis 30 Milliarden Euro zu versprechen, wie CSU und FDP es tun, ist grotesk.

Was halten Sie von einem Bildungssoli, einem Zuschlag auf die Einkommensteuer?

Man könnte in der Tat die Einkommensteuer so ändern, dass der Spitzensatz und im obersten Bereich auch die Einkommensgrenzen früher greifen, um Zukunft in Deutschland zu finanzieren. Die besteht aus drei Teilen: Bildung, Bildung, Bildung. Das dürfte Bestandteil des SPD-Wahlprogramms werden.

Kennen Sie die Formel 10 mal 10? Zehn Jahre lang eine Inflation von zehn Prozent, und die Staatsschulden sind weg …

Helmut Schmidt hat mal gesagt: Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit … Aber fünf Prozent Inflation ist für die unteren Einkommensschichten eine Form der Enteignung, machen wir uns nichts vor. Das kann keiner wollen.

Droht uns am Ende sogar eine Währungsreform?

Das ist ein völlig unverhältnismäßiges Horrorgemälde. Kein Mensch wird irgendetwas tun, was die Stabilität des Euro gefährdet. Das ist völlig ausgeschlossen. Vorher würden wir handeln - müssen!

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 15/2009

Interview: A. Hoffmann, A. Hoidn-Borchers und A. Petzold
Seite 1: Die Krise fordert Geduld
Seite 2: Weil es immer weniger Abnehmer für Staatsanleihen gibt, mit denen sich die Staaten Geld besorgen?
 
 
KOMMENTARE (10 von 43)
 
kabelmann (14.04.2009, 09:22 Uhr)
Und da flattert schon der nächste Bock rein
http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/hypo-real-estate-pannen-patzer-peinlichkeiten_aid_388687.html
Lesenswert
knilch_59 (14.04.2009, 08:54 Uhr)
@TT2007
Zur „Warnung“ der Kieler in dem Link: Da steht ziemlich unverhohlen drin, dass sich etwas zusammenbraut, das sich aktuell noch nicht auswirkt, dessen Auswirkungen aber ziemlich unfassbar sind, und dass sie sich auch selbst nicht völlig erklären können. Untersuchungsende war der 13.07.2007, und der Kieler Lehrstuhl stellt auch einen der 5 Wirtschaftsweisen. Jeder vernünftige Kapitän hätte dann sein Schiff schon mal sturmfest gemacht: In aller Ruhe die Eigenkapitalvorschriften angezogen, die Stresstests für Banken einem Crash der CDO-s usw. unterzogen, … vorerst nur Sandkastenspiele, aber man wäre für dem Zusammenbruch von Bear Sterms, Fannie und Fred vorbereitet gewesen und hätte auch schon beim Kauf der Depfa plc durch die HRE auf die Bremse treten können, weil sich dort derartige Risiken in einer Stärke aggregierten, die nicht mehr beherrschbar sind, ohne die Grenzen des Systems zu sprengen. Die Plötzlichkeit, mit der in .de nach dem Zusammenbruch von Lehman alles ins Wanken geriet, war objektiv einer ungeheuren Fahrlässigkeit der politischen Aufsicht = Steinbrück geschuldet!
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Nein, ich meine auch nicht „sich selbständig machen UND investieren“, sondern UND/ODER: Auch wenn ich nur mein Geld arbeiten lassen möchte, erwarte ich für die Investition eine bessere Renditechance als für sicheres Sparen. Und da spielt die Steuer eine erhebliche Rolle: Wie hoch muss eine Renditeerwartung sein, damit ich mein Geld eben nicht sicher spare? Man kann sicherlich über die Höhe der Besteuerung streiten, aber wir haben in .de ja das Günstigkeitsprinzip: Keiner zahlt mehr als die Zinsabschlagsteuer – bei niedrigerem individuellen Spitzensteuersatz gibt es Geld zurück. Aber das Hauptproblem besteht darin, dass die Steuer auf sichere Anlagen (=Sparen) genauso hoch ist wie auf Risikoanlagen. Richtig wären zwei unterschiedliche Freibeträge: ein niedriger für Sparen, ein höherer für Risikokapital. Das, was die Regierung gemacht hat, ist das Befördern der Eichhörnchenmentalität. Damit hat man den Banken die immense Macht zugeschustert, die sie haben: Die müssen nämlich Sparkapital in Risikokapital umtauschen, indem sie den LBO-s, Hedgefonds und Private-Equity-Firmen die Darlehn geben, die dieses brauchen, um ihre Renditehebel in Gang setzen zu können. Auch hierbei hätte eine vorausschauende Politik einen Großteil der Klippen, gegen die wir heute kämpfen, großräumig umschifft: Es wäre weniger Risikokapital im Markt gewesen, die Schuldenspirale wäre langsam gestoppt worden. Die Omis hätten ihrer Sparkasse trauen können, wenn sie nur 1,5 % für Spargeld bekommen hätten, aber 4,5 % für Festgeld oder Termineinlagen wären nicht mehr drin gewesen. An der Stelle, dass im Herbst 2008 der Zeitpunkt für Vernunft schon abgelaufen war, gebe ich Ihnen ja recht! Aber für den Mist, der bis dann gelaufen war, braucht man keine Regierung mit ihren Stäben in der Aufsicht, den Wirtschaftsweisen und Konjunkturforschern.
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Bleibt als Fazit: Steinbrück ist eine Pfeife, der auf dem Altar politischen Opportunismus jede ökonomische Vernunft geopfert hat. Wie der Kapitän der Titanic hat er jede Vernunft abgestellt, um das Blaue Band für Wachstum zu ergattern. Ein Wirtschaftsführer darf das in Grenzen, aber gerade ein Politiker nicht! Wenn die Wirtschaft unter Aufsicht und Führung der Politik mit Volldampf auf den Eisberg fährt, ist er dann noch so dreist, die Schuld daran den Bankern in die Schuhe schieben zu wollen. Das ist auch noch charakterlich mies. Wenn Steinbrück es nicht wissen wollte, ist er dumm und muss weg. Wenn er es wusste, ist der der Obergangster und muss weg.
TT2007 (14.04.2009, 07:35 Uhr)
@knilch_59: Warner
Die von Ihnen zitierte Warnung finde ich übrigens sehr vage. Das übliche "in alle Richtungen absichern". Und Kiel hatte vorher auch schonmal das Potenzialwachstum auf ca. 3% geschätzt.
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So, wie die Prognosen der Wirtschaftsfoschungsinstitute differieren und wie vage solche Texte formuliert sind, kann man später immer jemanden finden, der sanft gemahnt hat.
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Aber Danke dennoch für den Link!
TT2007 (14.04.2009, 07:32 Uhr)
@knilch_59: Bürgschaften
Nochmal: Die Banken haben sich vertraglich verpflichtet, Zinszahlungen zu leisten. Das ist nunmal der Charakter von Fremdkapital. Weniger erwartete Rendite, dafür mehr Sicherheit. Aus diesen Verpflichtungen kommen die Banken nur heraus, wenn sie Insolvenz anmelden. Gleiches gilt für die Rückzahlung des Kapitals selbst.
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Die von Ihnen gemachten Vorschläge heißen also im Klartext: Banken pleite gehen lassen. Und genau da sage ich: das hätte uns gerade in die Katastrophe geführt. Wenn die Omis ihrer Sparkasse nicht mehr trauen, ist es aus.
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Zu Ihrem zweiten Punkt: Sie meinten also nicht "arbeiten oder sparen", sondern "sich selbständig machen und INVESTIEREN oder sparen". Auf individueller Ebene haben Sie dann Recht. Ich bin Volkswirt und auf volkswirtschaftlicher Ebene gilt aggregiert "Sparbetrag = Investitionsbetrag". Aber noch einmal: unter der großen Koalition wurde der von Ihnen gesehene Konflikt vermindert, da zuvor die auf dem Papier stehenden hohen Steuern auf Kapitalerträge eben nie realisiert wurden. Sie klammern sich da an einem Symbol fest und finden offenbar einen Spitzensteuersatz von 42%, der praktisch nie realisiert wird und zu einem Durchschnittsteuersatz von nicht einmal 5% führt besser als einen tatsächlich realisierten Spitzensteuersatz von 25%, weil dieser Ihnen zu niedrig ist? Das leuchtet mir nicht ein.
knilch_59 (13.04.2009, 21:21 Uhr)
@TT2007
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http://opus.zbw-kiel.de/volltexte/2007/5615/pdf/kd443-444.pdf - Seite 9 - nur als Beispiel für Warner … Die Bankenaufsicht ist eben nicht unabhängig, sondern hat den Weisungen des Ministeriums zu folgen …
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Zum Rettungspaket: Man muss einfach nicht für Zinszahlungen bürgen, lediglich für die Rückzahlung des Kapitals gerade stehen – und auch dort nur für eine Quote. Und dafür, dass man eine Garantie ausgesprochen hat, kann man die Zinsabschlagsteuer erhöhen. Dann zahlen nicht die Banken, sondern die Nutznießer auch für den Aufwand, den sie verursacht haben.
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Was Steinbrück gerade macht – auch mit der HRE – ist unmöglicher Bockmist! Da läuft der Versuch, Sparer als Opfer und Investoren als Täter darzustellen. Sparer bekommen Garantien, Aktionäre werden enteignet – das nächste ganz falsche Zeichen für Wachstumsimpulse von heute und morgen.
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Es geht nicht darum, ob der Staat Gewinner oder Verlierer der Finanzkrise sein wird. Es geht schlicht und ergreifend darum, dass möglichst viele Menschen möglichst wenig darunter zu leiden haben UND die Weichen für die Zukunft richtig gestellt werden. Bei beidem versagt Steinbrück.
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Zu Ihrem zweiten Beitrag: Schlichtweg falscher Denkansatz: Wenn ich heute eine Geschäftsidee habe und dafür 100.000 € meines Vermögens riskiere, haben ich das Risiko + den hohen Steuersatz. Woher ich die 100.000 habe, spielt keine Rolle. Aber wenn ich nichts tue und spare, ist das günstiger. So schustert man Banken Macht zu: indem man Unternehmertum bestraft und Sparen befördert.
Ansonsten – googeln Sie meinen Nick und Sie werden jede Menge Beiträge finden, in denen ich konkrete andere Vorschläge habe.
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Aber Steinbrück kann es nicht, aber ihm ist kein Opfer unter der Zivilbevölkerung hoch genug, um das zu verschleiern. Wichtig ist dabei nur, dass man Merkel und Westerwelle als Brüder im Geiste und Verbündete hat. Nur mit Sozialdemokratie hat das wirklich nichts mehr zu tun!
TT2007 (13.04.2009, 21:00 Uhr)
@knilch_59: Letzter Punkt
Abschließend noch zur Zinsabschlagsteuer: Sie können gerne argumentieren, dass 25% Steuern auf Kapitalerträge zu niedrig sind. Ihre Argumentation: "dann lohnt sich Arbeit nicht mehr" ist aber Quatsch, denn Zinsen gibt es nur auf Kapital und wer dieses nicht erbt, muss erst einmal arbeiten und dieses aus (versteuerten!) Einkünften aufbauen. Die Alternative ist also "Konsum oder Sparen" und nicht "Sparen oder Arbeit".
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Die von mir vorgelegten Zahlen (s.u.) machen aber deutlich, dass die reale Besteuerung von Mieten, Zinsen und Dividenden unter der großen Koalition deutlich gestiegen ist. Hier können Sie Steinbrück gerne ein "nicht genug" vorwerfen, aber Versagen ist ja wohl ein bißchen hart. Auch wenn Ihnen Symbole wichtiger zu sein scheinen, als die realen Steuerzahlungen.
TT2007 (13.04.2009, 20:52 Uhr)
@knilch_59
>>Sie schreiben: "Er hatte die Informationen, dass die Immo-Blase in USA seit Herbst 2007 platzte. Er wusste, dass da bei den Banken einiges im Argen ist – mindestens 1 Jahr vor dem Zusammenbruch von Lehman!!! Er hatte die Informationen und er hat die Macht, und er macht nichts."
Woher wissen Sie, was er wusste? Nennen Sie mal Quellen. Mir sind keine entsprechenden Hinweise der Bankenaufsicht bekannt. Und falls er es gewusst hätte: Was hätte er tun sollen? Sie reden wolkig von Fehlern, bleiben aber konkrete Alternativvorschläge schuldig.
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Wo Sie das nicht tun, werfe ich Ihnen Wunschdenken vor. Wie wollen Sie denn Zinsbezieher über Bürgschaften zur Kasse bitten? Eigenkapitalgeber haben ohnehin gebüßt (schauen Sie sich mal den DAX an...), Fremdkapitalgeber besitzen einen vertraglichen Anspruch auf Zahlungen. Um diese kommen Banken nur herum, wenn sie Insolvenz anmelden. Dann hätten wir auch Bankruns in Deutschland gehabt.
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Und was die Kosten für den Staat angeht: haben Sie sich mal die Konditionen angesehen, zu denen der Staat den Banken Kapital zur Verfügung stellt? Bei der Commerzbank wird aufgrund der Zinslast in den nächsten Jahren ziemlich sicher kein Gewinn übrig bleiben. Zu Recht. Ob der Staat die Finanzkrise als Verlierer verlässt, muss sich erst noch zeigen.
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Die Banken schäumen übrigens, weil die Bundesregierung da so hart bleibt, auch im Bereich "Bad Bank" übrigens. Endlich mal kein Einknicken der Politik, wie es unter Schröder sicher gekommen wäre.
knilch_59 (13.04.2009, 20:34 Uhr)
@TT2007
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Bleiben wir doch fürs Erste bei den Fehlern von Steinbrück = derzeitige große Koalition – erstens ist das Thema des Artikels, zweitens ufert es sonst zu sehr aus.
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Ich möchte mich deshalb nicht darüber streiten, ob die Agenda 2010 im Jahre 2002 falsch war, oder ob sie Schröder mehr anzulasten sind als der CDU-Mehrheit im Bundesrat – alles Schnee von gestern. Die Einzig richtige Frage ist – wie dreht man die Dinge zum Besseren!
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Und da kommt Steinbrück ins Feld – mit seinem Komplettversagen. Er hatte die Informationen, dass die Immo-Blase in USA seit Herbst 2007 platzte. Er wusste, dass da bei den Banken einiges im Argen ist – mindestens 1 Jahr vor dem Zusammenbruch von Lehman!!! Er hatte die Informationen und er hat die Macht, und er macht nichts.
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Man kann auch auf Japan schauen – also den zahnlosen Tiger und Schatten der früheren Wirtschafts-Großmacht. Die dortige Gesellschaft überaltert noch schneller als unsere und alle Probleme, die wir haben, hat Japan noch dramatischer. Jetzt könnte man lernen, dass eine stabile Bevölkerungspolitik UNMITTELBAR mit stabiler Binnenkonjunktur zusammenhängt. In Deutschland kommt das nicht an – auch das muss sich letztlich Steinbrück, der angeblich ja Diplom-Volkwirt sein soll, persönlich ankreiden lassen.
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Bei der Zinsabschlagsteuer geht es, auch um ein Zeichen – und das ist klar: Wer arbeitet ist blöde, weil sein Steuersatz, sobald er einigermaßen erfolgreich ist, höher ist als der vom Sparen. Kommt gut, wenn man „nach unten“ mit der Agenda von Leuten Arbeitsleistung erwartet … Auch hierbei trägt Steinbrück persönliche Verantowrtung.
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Und jetzt das Banken-Rettungspaket (Konjunkturpaket 1): Da wird es dreist! Jeder weiß, dass Garantien Geld kosten. Wo ist der Beitrag der Sparer dazu, dass der Staat die Multi-Milliarden-Garantien rauskotzt? Man hätte die Garantien auch kurzfristiger geben können: Im Ersten Jahr zu 100% und ohne die Zinsen zu garantieren, im zweiten Jahr nur noch zu 80% … Wieder Steinbrück: Das ist der Gleiche, der 60% Kurzarbeitergeld als tolle Leistung empfindet, aber Sparguthaben zu über 100% - nämlich noch inclusive der Zinsen schützt.
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Und das alles noch von einem selbst ernannten Sozialdemokraten – dabei st das ur-kapitalistische Politik! Unverfrorener kann man das Kapital nicht vor der Arbeiterklasse schützen.
kabelmann (13.04.2009, 20:09 Uhr)
@TT2007
Ich denke, Knilch hat das ganz gut beschrieben und ich bin persönlich eher geneigt, die Agenda 2010 so weit wie möglich rückgängig zu machen. Außerdem sehe ich es als wichtig an, den Fremdkapitalanteil der Unternehmen erheblich zu senken. Klar, da geht einiges an Geld verloren, aber damit haben sich die Firmen selbst zum Spielball der Finanzmärkte gemacht.
@German_by_nature:
Ich weiß ja nicht, aus welchem Loch sie gekrochen kommen, aber ich wüsste nicht, dass die bisherige Krise auch nur im Ansatz etwas mit dem Ausländeranteil in Deutschland zu tun hat. Besser noch: Wer hier einwandert zahlt hier Miete, kauft hier ein und zahlt hier Steuern. Da gibts auch Ausnahmen, aber das sind zu wenige, um sich ernsthaft damit befassen zu müssen. Im volkswirtschaftlichen Sinne erhöhen diese Menschen aber die Nachfrage im Inland, was doch sehr nützlich ist. Wenn sie also ihre komische braune Propaganda bitte etwas abseits des Forums abladen würden - ein Kellerloch wäre ideal
ganzbaf (13.04.2009, 20:00 Uhr)
Der gesamte Finanzmarkt läuft als illegales Pyramidenspiel...

Irgendwann ist alles Geld oben und unten ist nix mehr da zum Auspressen - dannn großer Zusammenbruch.
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Daher muß das Bankwesen verstaatlicht werden, vollumfänglich.
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