. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
29. Januar 2009, 17:27 Uhr

Eine wundersame Karriere

Zweckgesellschaften im Ausland

Und das, obwohl die LBBW auch unter dem Verwaltungsrat Stratthaus eine ganze Reihe hoch riskanter Deals durchzog. Statt sich, wie eigentlich vorgesehen, um das finanzielle Wohl der Wirtschaftsunternehmen im eigenen Land zu kümmern, verlegte sich die LBBW lieber auf vermeintlich lukrative Geschäfte im Ausland. So operierte die Bank mit Zweckgesellschaften in Steueroasen auf den Kaiman-Inseln, auf der Ärmelkanalinsel Jersey oder in Irland. Die Firmen trugen so aparte Namen wie "Lake Constance" oder "Mainau Funding". Zudem unterhielt die LBBW diskrete Drähte und Verschickungswege in die Steueroase Lichtenstein. Auch im Sultanat Brunei im südchinesischen Meer bot man über ein Tochterunternehmen Hilfe bei der Vermögensanlage und "zur Sicherung des Familienvermögens" an. In Singapur, dem neuen Hotspot für Steuerhinterzieher, offerierte die LBBW ebenfalls derartige Dienste.

Besonders blamabel: Die Beratungspraxis der LBBW-Tochter LRI in Luxemburg. Dort fragten Journalisten des ARD-Magazins "Report" nach, wie sie ein angebliches Erbe von 750.000 Euro, das auf einem Liechtensteiner Konto lagere, gewinnbringend anlegen könnten. Die LRI-Berater verwiesen zwar auf die Pflicht, das Geld nachzuversteuern. Aber grundsätzlich zeigten sie sich bereit, das Geld auch unversteuert anzulegen und zu verwalten. Das wäre dann Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Annahme von Schwarzgeld und damit auch eine Aktion von Geldwäsche gewesen. Alles mit der Verantwortung einer öffentlichen Bank unvereinbar. Nach der Ausstrahlung des Report-Beitrags Ende April 2008 forderte die SPD im Stuttgarter Landtag erbost, Oettinger und Stratthaus müssten eigentlich "jegliche Verstrickung landesbeteiligter Banken in illegale Geschäfte verlässlich ausschließen". Doch der Test des TV-Magazins beweise das Gegenteil.

Geplante Entsorgung in "Bad Bank"

Sehr überraschend war die "Geldwäsche-Beratung" indes nicht. Denn die Finanzminister des Bundes und der Länder, darunter auch Stratthaus, haben den Kampf gegen Geldwäsche jahrelang nur sehr halbherzig geführt - obwohl sie stets bereit waren, dieses Delikt anderen Ländern als "kriminell" vorzuwerfen. Die Umsetzung einer EU-Richtlinie gegen die Geldwäsche wurde jedenfalls schier endlos verzögert. Erst im August 2008, nach Stratthaus' Abgang, wurde ein entsprechendes Gesetz beschlossen.

Die politischen und finanziellen Risiken der LBBW hätten Oettinger und Stratthaus unterdessen am liebsten diskret entsorgt. Oettinger brachte die Institution einer "Bad Bank" ins Spiel, die auf Steuerzahlerkosten Giftpapiere und faule Kredite aufkauft. Diese Hoffnung wird sich jedoch nicht erfüllen. Führende CDU-Politiker in Berlin schmähten die Idee einer "Bad Bank" als "Sondermülldeponie für toxische Papiere". Das werde mit der CDU nicht zu machen sein. Die Landesbanken sollten gefälligst selbst darüber nachdenken, "wie sie ihren Kreditschrott wieder loswerden". Bekanntlich seien die Länder für die Müllentsorgung zuständig.

Spott aus dem Lokalblatt

Stratthaus wurde von stern.de mit Fragen nach seiner Verantwortung für die LBBW konfrontiert. Unter anderem wurde er gefragt, ob er seine Aufsichtspflicht verletzt haben könnte, wie die Aktivitäten der LBBW in den Steueroasen zu erklären seien und warum die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Geldwäsche verschleppt wurde. Stratthaus lehnte jegliche Stellungnahme ab.

Sein Heimatblatt, die "Schwetzinger Zeitung", hat sich bereits auf bissige Ironie verlegt. Als Stratthaus in den Soffin-Leitungsausschuss berufen wurde, schrieb das Blatt, er habe diese "höchste finanzpolitische Weihe" verdient. Schließlich kenne er "die jetzige Krisensituation aus eigener Erfahrung und kann deshalb bei einigen hundert Milliarden Euro mehr umso besser Entscheidungen treffen".

Von Rainer Nübel und Hans Peter Schütz
Seite 1: Eine wundersame Karriere
Seite 2: Zweckgesellschaften im Ausland
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
keinheiliger (30.01.2009, 03:54 Uhr)
Wenn man sich
das Finanzgebaren der LBBW anschaut hat man das Gefuehl, dass dort eine kriminelle Vereinigung am Wirken war. Meine Guete, was ist das fuer ein runtergekommenes Land geworden, wo oeffentliche Kassen offenbar auch noch Knete am FA vorbeiwirtschaften konnten. Wenn dann aber auch noch ne Pleite hingelegt wird, kann es sich nur um uebergrosse Dummheit handeln oder krankhafte Gier. Gegen diese Bande von white-collar-crooks sind die Einbrecher beim KdW ja wahre Ehrenmaenner. MfG
Hochbahnopfer.de (30.01.2009, 03:09 Uhr)
Zur Seite stellen
könnte man solchen Xperten wie Herrn Stratthaus sicherlich noch die Hamburger Finanz Xperten Freytag und Elste! Große Koalitionäre verbrennen Gelder noch immer am schnellsten.
tagora-sagittara (29.01.2009, 21:57 Uhr)
Es ist nun wirklich sch.....egal,
wie der Köter aussieht, der auf den Bürgersteig gesch.... hat.
Nursery (29.01.2009, 21:41 Uhr)
Völlig Verkommen
Diese Vetternwirtschaft ist uns nun ja zu genüge auf dem Tablett serviert worden.Wie ungeniert sich zweitklassige Politiker in derart wichtigen Schaltstellen plazieren lassen ist unglaublich.Die Folgen dieser Unfähigkeit dem Bürger Rechenschaft über ihr Vorgehen zu erklären, ist mehr als Verachtenswert.
Stern-Leser24 (29.01.2009, 21:07 Uhr)
Staatsgelder/Steuergelder
Es wird immer fusioniert und ausgesessen bis die Schuldigen weggestorben sind. Erst dann werden Fehler eingestanden und anschließend um Staatsgelder (Steuergelder)gebettelt...
·
So hat es bisher immer funktioniert, nur noch nicht so richtig in Berlin.
·
Hochachtungsvoll
nach Diktat verreist.
Reality (29.01.2009, 21:05 Uhr)
Nun was soll man dazu sagen...
Öttinger dem ja gute Drähte zur Mafia
vorauseilen, und oben erwähnter ehemaliger Minister, werden auf keinen Fall Rücktrittspläne schmieden, vorher wird alles noch so richtig genossen.
Denn es gibt immer wieder genügend Dumme in der Gesellschaft die durch ihre Stimmen dafür sorgen, dass Leute wie diese nicht arbeitslos werden.
Eigentlich ein Armutszeugnis der Demokratie.
Doch was will man in Zeiten der Lobbyistendemokratie schon erwarten.
Corazito3333 (29.01.2009, 20:20 Uhr)
Keine Steuern zahlen
der AN kann sich nicht wehren, es wird abgebucht u. bei der Einkommenssteuer muß man um jeden Pfennig kämpfen und verliert. Bei Mietshäusern, Eigentum etc. sieht es besser aus, man kauft zu oder baut um (Aufzug, Solar..etc.) und schon kann man Steuern absetzen.
Pengolodh (29.01.2009, 19:49 Uhr)
Interessant!
"Vermutlich war der Kanzlerin nicht klar, wen sie da für eine der zentralen staatlichen Schaltstellen in der Wirtschaftskrise engagiert"
Vermutlich ist es ihr jetzt klar, seit gestern oder heute. Anders ist dieser Artikel schlechterdings nicht zu erklären.
SoistdasLeben (29.01.2009, 19:18 Uhr)
Geld verbrennen - Zukunft aufgeben
Auch wenn es die Ankündigung einer Straftat wäre, so frage ich mich warum man überhaupt noch Steuern zahlen soll, wenn so ein fragwürdiges Personal für derartige Posten nominiert wird.
Es ist schon zu hinterfragen, warum man denn derartige Finanzunternehmen unterstützen soll. Die HypoRealEstate ist bereits eine Bad bank und man sollte niemals gutes Geld schlechtem Geld nachwerfen.
Aber wenn die Verwalter, die diese Vorgänge überprüfen sollen derart unqualifiziert sind, dann verliert man jeden Glauben.
Angie was tust Du uns da an?
walhalla (29.01.2009, 19:03 Uhr)
Adel verpflichtet
zu stetem Gebrauch. Und da man mit den Geschlechtsorganen schon ein wenig hinten dran ist, soll jetzt das Gehirn herhalten.
Klappt aber auch nicht.Wie soll man denn das auch auseinander halten,das es Länder gibt mit Mercedes, und ohne.Die ohne sind Finanzakrobaten. Das hat prinzalbert erkannt.Denn den Finanzausgleich hat er immer bezahlt,aus seiner Tasche. Um seine Dummheit ein wenig zu verbergen, beschimpft er dann die Journalisten.
Wo bleibt denn endlich ein König, der mal durchgreift!
MEHR ZUM ARTIKEL
SoFFin Ex-Banker führt Rettungsfonds

Die Führungsriege des Banken-Rettungsfonds SoFFin ist wieder komplett: Hannes Rehm, früherer Vorsitzender der NordLB, übernimmt den Posten des kürzlich zurückgetretenen Chef-Verwalters Günter Merl. Und auch der dritte Stuhl des Leitungsausschusses ist wieder besetzt. mehr...

Günther Merl Chef des Bankenrettungsfonds tritt zurück

Paukenschlag beim Bankenrettungsfonds: Soffin-Chef Günther Merl tritt zum 31. Januar zurück. Er gab "persönliche Gründe" für seinen Schritt an. Doch es wird bereits darüber spekuliert, dass Merl wegen Querschüssen und Kompetenzgerangel hinwirft. mehr...

Landesbank Baden-Württemberg Finanzspritze nach Milliardenverlust

Deutschlands größte Landesbank macht riesige Verluste: Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von zwei Milliarden Euro. Die Eigner im Land werden der LBBW mit einer Finanzspritze von fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen. mehr...

"Bad Bank" Wer blecht 300 Milliarden für Giftpapiere?

In Bilanzen der deutschen Banken stehen Berge sogenannter Giftpapiere. Müssen sie abgeschrieben werden, drohen Pleiten. Was tun? Die "Bad Bank" ist eine Totgeburt - aber es ist kein Zufall, dass sie ein süddeutscher Politiker ins Gespräch brachte. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe